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Das ist mein Lebensbock! (siehe Blogs) Das ist mein Lebensbock! Das ist mein Lebensbock!
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31.12.2010, 23.09 Uhr

Lebensbock mit Hindernissen

Heute ist er mir wieder in den Sinn gekommen mein Lebensbock, zufällig am Ende des alten und am Beginn des neuen Jahres. Die Trophäe hängt Tag aus Tag ein in meinem Büro doch lange schon habe ich ihn nicht mehr wahrgenommen, heute jedoch war es wieder soweit, ein Zufall wie die Erlegung und das drumherum.
Damals in den 80ern war ich im Management eines mittelständischen Unternehmens tätig und wir beschlossen unsere Fühler gen Osten auszustrecken um einfache Tätigkeiten in ein Billiglohnland zu vergeben. Bei einer Fachmesse trafen wir auf eine Delegation aus Ungarn deren Produktspektrum für uns passte.
Im weiteren Verlauf wurde ich mit der Verantwortung für die Ostkontakte beglückt und weilte deshalb öfters in Ungarn. Es war noch die Zeit des Sozialismus und manche Gepflogenheiten vor Ort für uns ungewöhnlich. Auch die ehrliche Gastfreundschaft dieser Menschen war sehr groß, speziell in meinem Fall wurde versucht die Aufenthalte so angenehm wie möglich zu gestalten, schließlich sollten ja die begehrten West – Devisen fließen. In jeder größeren Stadt wurde man sofort als „Westler“ erkannt und es kam die Frage aus dem Hinterhalt: „Geld tauschen“?
Als Ansprechpartner wurde mir Sandor der deutschsprachige Handelsleiter dieser ungarischen Firma vorgestellt, von diesem Tag an „mein Sandor“. Für mich die Kontaktperson für alle Fälle. Auch am Abend und an den Wochenenden sollte er mein Dasein versüßen. Eines Tages kamen wir bei einem Glas Wein auch auf die Jagd zu sprechen, dieses Thema sollte Folgen haben.
Die darauf folgende Reise nach Ungarn fand mit dem Flugzeug statt, Sandor holte mich vormittags in Budapest ab und tat mir gleich kund das er eine Überraschung für mich parat hatte, wollte jedoch keinen Hinweis geben um was es sich handelt……..
Nach dem obligatorischen Begrüßungsritual beim Vorsitzenden und der ganzen Führungsmannschaft sagte „mein Sandor“ plötzlich: „Du gehst heute auf Jagd!“
Meinen Einwand das ich keinerlei Ausrüstung dabei habe wurde sofort vom Tisch gefegt mit den Worten: „wir haben Alles was du brauchst“. Also ging es ins firmeneigene Magazin um Klamotten zu fassen. Diese bestanden aus einer blauen Arbeitshose, einer dicken blauen Jacke und schwarzen Gummistiefeln. Es wurde mir noch mitgeteilt dass ich um 19 Uhr am Gästehaus, der Unterkunft bei meinen Aufenthalten, abgeholt werde.
Punkt 19 Uhr kam der Trabi (Ausführung Kombi) angeknattert, es entstieg ein älterer Herr, wohl ein Jäger dachte ich bei mir. Es stellte sich schnell heraus das mein Jäger so viel deutsch sprach wie ich ungarisch, nämlich nichts. Entsprechend gestaltete sich unsere Unterhaltung………….
Wir fuhren in die überall vorhandenen Weingärten, stiegen aus und bezogen an einer übersichtlichen Ecke Stellung. Bei beginnender Dämmerung wurden einige Stücke Rehwild sichtbar, jedoch offensichtlich nichts passendes. Selbst hatte ich weder Fernglas noch Waffe, nur mein Begleiter war mit diesen Dingen ausgerüstet. Ein Blick genügte um zu sehen das Optik und Waffe wohl schon den letzten Krieg erlebt hatten………..
Plötzlich bekam ich einen Rempler in die Seite und mein Nebenmann deutete aufgeregt nach vorne und krümmte unentwegt den Zeigefinger, dann gab er mir sein Gewehr. Es war mittlerweile schon so dunkel das mit bloßem Auge ein ansprechen des Rehbockes der auf ca. 80 m in einer Rebenreihe stand nicht möglich war. Eigentlich wusste ich nicht einmal ob es ein Bock war, weil das Haupt und der Träger in den Blättern verschwunden waren.
Also versuchte ich das Stück mit dem Zielstachel zu erfassen und dem alten Prügel einen Schuss zu entlocken, das war nicht so einfach weil der Kraftaufwand zum betätigen des Abzuges sicher im Kilogramm – Bereich lag. Endlich brach der Schuss, fast gleichzeitig folgten zwei Schläge: einmal von der Stahlabschlusskappe des alten Militärkarabiners und gleich danach von meinem Nebenmann. So gab ich mich der Hoffnung hin dass es ein Treffer war.
Mein Jäger eilte sofort in Richtung des beschossenen Rehes und winkte was ich als Aufforderung zur Folge verstand. Tatsächlich standen wir kurz danach am verendeten Rehbock und noch bevor ich die Trophäe sehen konnte sah ich an der Gestik und Mimik des Mannes dass etwas furchtbares passiert sein musste. Er lies mich einfach stehen und rannte davon, erst jetzt sah ich was da lag: ein Ungetüm von Rehbock und mir war klar:
1. das ist mein Lebensbock!
2. der war nicht für mich gedacht!
Schon kam der Trabi den Weg hoch, wortlos warf mein Begleiter den Bock in das Auto, sofort kam eine Decke darüber und ich wurde schnellstens zum Gästehaus gebracht und fast aus dem Fahrzeug geworfen.
Kurze Zeit später kam „mein Sandor“ um sich nach dem Ausgang der Jagd zu erkundigen. Er sah das ich unter Schock stand und holte gleich die Flasche mit dem ansonsten verschmähten Palinka, einem Hochprozentigen der Alles in einem anderen Licht erscheinen lässt mit entsprechenden Nachwehen.
Als ich ihm die Geschichte erzählt hatte sagte er nur: „morgen hole ich Kopf“, mehr nicht weil er ohnehin nicht verstand was Jäger für komische Menschen sind.
Tatsächlich stand er schon mit einer Tüte in der Hand an der Restauranttüre als wir uns zum Frühstück trafen. Natürlich musste ich sofort einen Blick auf den Inhalt werfen, doch was ich da sah verschlug mir erneut die Stimme: das war ein guter Bock, doch mit „meinem Lebensbock“ hatte der nichts zu tun, auch das starke Interesse der Fliegen am Tüteninhalt und der Geruch bestätigten das dieses Tier schon vor ein paar Tagen in die ewigen Jagdgründe gewechselt war.
„Mein Sandor“ sprach schon wieder von Palinka doch ich wehrte ab und versuchte ihm klar zu machen das „mein Lebensbock“ her musste. Er versprach sich schnell darum zu kümmern und bis zum Abendessen würden wir schon weiter sehen.
Doch was er mir da berichtete forderte erneut einen massiven Einsatz der Palinka – Flasche: der Jäger gibt die Trophäe nicht heraus, auch weil er Angst hat das es publik wird welcher kapitale Bock gemeuchelt wurde, wieviel der begehrten Devisen hätte diese Trophäe für die Jagdgesellschaft bringen können wenn ein Deutscher oder Österreicher offiziell zur Jagd gekommen wäre………..
Am nächsten Mittag kam „mein Sandor“ mit einem verschmitzten Lächeln zu mir und berichtete das er mit der Frau des Jägers gesprochen hatte, diese sei enorm geldgierig (das Wort hatte er extra im Wörterbuch nachgeschlagen) und für den Abend hätte er ein Treffen vereinbart, ich sollte so viel Devisen in bar mitnehmen wie mir der Bock wert sei dann könnte es klappen.
Hoffnungsvoll fuhren wir am Abend zum Haus der Familie des Jägers, in meiner Tasche befanden sich 500 DM und 200 Schweizer Franken. Die Frau öffnete die Türe und wir betraten die Küche voller Erwartung, von dem Jäger keine Spur. „Mein Sandor“ redete ununterbrochen auf die Frau ein und auf einen Wink von ihm legte ich die Barschaft auf den Küchentisch. Die Frau wurde blass und verließ die Küche, sogleich ging im Nebenraum die Hölle los. Noch nie habe ich zwei Menschen so schreien hören, dann war schlagartig Ruhe. Die Türe öffnete sich, die Frau kam herein legte, nein warf das Gehörn auf den Tisch, sackte eilig die Barschaft ein und verschwand wieder.
Im Auto sprach „mein Sandor“ etwas von so viel Geld für Knochen, verrückten Jägern und das er jetzt einen Palinka dringend brauchen würde um das Ganze besser zu verstehen und zu verarbeiten.

Da ich mit dem Flugzeug in Ungarn war, konnte ich meinen Lebensbock nicht mitnehmen. Einige Wochen später brachte ihn „mein Sandor“ mit dem Auto mit als er zu Besuch in unserer Firma in Deutschland weilte.
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sau_hund

sau_hund

Alter: 63 Jahre,
aus BAYERN

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Kommentare

01.01.2011 10:05 WiednerDerSteirer

... ja auch das kann Ungarn sein,,,,, wenn auch heute in abgeschwächter Form,,,,
WH
01.01.2011 11:22 ssquat
Nicht nur eine "normale" Jagdgeschichte - nein, Zeitgeschichte pur! Schön, dass auch so etwas für die Nachwelt bewahrt wird. Zu schnell wird vergessen, dass Jagd nicht immer nur ein reines Vergnügen war, sondern mitunter auch ein bisschen Politik.
01.01.2011 18:08 Gamekeeper
Ganz ehrlich- das ist eine der schönsten Jagdgeschichten die ich je gelesen habe Super schöne Geschichten mit allen Emotionen die zu einer Jagdreise gehören !!!

Danke schön
01.01.2011 19:29 sau_hund
Es freut mich wenn es Euch gefällt, werde noch weiter in meiner Vergangenheit kramen und gelegentlich was zum Besten geben
05.01.2011 13:17 swinging_elvis
Wirklich interessant geschrieben... sicher weit entfernt von guter Deutscher Hege- und Waidmgerechtigkeitsmentalität, aber eben:
Andere Länder - andere Sitten!
Wenn man sich daran erfreuen kann: umso besser! Waidmannsheil zum starken Bock und zur Penetranz, die ihn schlussendlich in Deine Hände lieferte... el
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