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23.12.2010, 22.21 Uhr

Die Futterkrippe bleibt noch leer in Kleinschmalkalden

Erschienen am 16.12.2010 00:00
Die Futterkrippe bleibt noch leer

Das Heu bleibt in den Schobern, die Jagd wird noch nicht eingestellt. Der Antrag von Jägern, mit der Notfütterung des Wildes beginnen zu dürfen, ist von der Unteren Jagdbehörde abgelehnt worden.
Kleinschmalkalden - Hirsch, Reh und Sau haben derzeit mächtig zu knabbern. Der Feist, den sie sich in Zeiten des Überflusses


Sie haben es gut: Das Rotwild im Gehege wird ordentlich beköstigt.
Bild: fotoart-af.de
angefressen haben, schmilzt langsam dahin. Der Speisezettel von Mutter Natur ist karg, aber Frau Holle hat richtig aufgetragen. Der dicke Schneemantel, der die Berge kleidet, erschwert die Futtersuche. "Es ist tatsächlich ein extremer Winter und wir haben erst einmal Mitte Dezember", sagt der Floh-Seligenthaler Revierförster Harald Eckhardt, der sich um den, vor allem im Bereich Kleinschmalkalden gelegenen, Kommunalwald kümmert. "Wir haben schon mehrere Wochen viel Schnee. Eine harte Zeit für das Wild."
Mutterschutz ab Januar

Eine zu harte Zeit aus Sicht von Jägern, die in den Kleinschmalkalder Wäldern ihr Weidwerk verrichten. Sie haben Förster Eckhardt ermuntert, bei der Jagdbehörde im Landratsamt einen Antrag zu stellen, die Notfütterung zu gestatten. In Höhenlagen ab 450 Meter N.N. dürften dann die Futterraufen bestückt werden. Denn während in einigen Bundesländern schon im November oder Dezember von einer Notzeit für das Wild ausgegangen wird, dürfen im grünen Herzen Deutschlands normalerweise erst ab dem 16. Januar Heu und Rüben, Kastanien oder Eicheln gereicht werden.

Dann gehen obendrein die weiblichen Wildtiere in Mutterschutz. Aber auch Hirsch und Keiler - von den schon seit November unbehelligten Rehböcken abgesehen - genießen dann Schonung. Die Zeit der Notfütterungen endet am 30. April, die Schonzeit im Sommer.

"Ich habe den Antrag gleich für drei Reviere auf Notfütterung gestellt. Die Bedingungen sind dort ähnlich", erklärt Eckhardt zur aktuellen Situation. "Aber die Kreisbehörde hat dem Antrag Anfang Dezember nicht zugestimmt."

Eine Behördensprecherin bestätigt die Ablehnung mit Verweis auf die Gesetze und Verwaltungsvorschriften. Die Auswertung von Daten des Wetterdienstes habe ergeben, dass zu diesem Zeitpunkt noch nicht außergewöhnlich viel Schnee gelegen und sich auch noch keine Decke aus Harschschnee gebildet habe. Außerdem habe die Rotwild-Hegegemeinschaft auch nicht ihre Zustimmung gegeben. Zum Dritten hätte die Notfütterung auch einen Haken. Dann müsste aus Sicht der Behörde die Jagd vier Wochen früher als üblich abgeblasen werden und die Erfüllung der Abschusspläne stünde in Frage. "Ich weiß, das ist ein heikles Thema. Wir müssen aber ganz sorgfältig abwägen", sagte die Sprecherin. "Wir entscheiden auch nicht vom grünen Tisch aus, sondern prüfen fast täglich in freier Natur die Lage." Der oder die Jagdpächter, so betont sie, könnte auch direkt auf die Behörde zukommen. "Man kann immer miteinander reden."

Förster Eckhardt kann die Behörde durchaus verstehen. Die Meinungen zur Fütterung überhaupt seien gespalten. Dass die Jäger mit dem Ausruf der Notzeit keinen Finger mehr krumm machen dürften und die Schießeisen aus der Hand legen müssen, stimmt aus seiner Sicht so nicht. "An der Fütterung darf selbstverständlich nicht geschossen werden. Aber warum sonst nicht?" Natürlich gehe die Jagd weiter. "Wir wollen doch zu Weihnachten auch etwas in der Pfanne haben", so Eckhardt. Die Zeit der großen Jagden mit Hunden und Treibern sei aber in der Bergregion vorbei. Wenn jetzt die Grünröcke noch etwas Pulver auf die Pfanne schütten, dann nur, um einzelne Tiere zu strecken.

Das bestätigt Wolfgang Krauss. "Wir haben früher unter solchen Verhältnissen auch noch gejagt", Dennoch weicht der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Schmalkalden etwas vom Meinungsbild ab. "Wir haben gejagt und gefüttert. Das ist aus meiner Sicht kein Widerspruch."

Bogen etwas überspannt

Aus seiner Sicht wird der Bogen durch die Behörden etwas überspannt. Das Wild stehe doch schon in den Fütterungen. "Da muss auch nachgefüllt werden. Wir müssen etwas reichen, von unteren Lagen einmal abgesehen." Der Vorstand der Kreisjägerschaft habe sich ganz klar für die Notfütterung ausgesprochen. Man könne dem Wild auch, wo immer das möglich sei, Holz anbieten, das bei der Durchforstung von Beständen anfalle. Die Tiere könnten dann dieses Proßholz im Liegen schälen. Die portionsweise angebotenen Happen könnten andererseits wie eine Beißhemmung wirken: So würden wiederum Schälschäden an den jungen Stämmen vermieden.

Aus Sicht des Jägers, der einst selbst Förster war, müsse die Energiebilanz des Wildes aufgebessert werden. "Das Wild darf doch nicht schon jetzt herunterkommen", so der Fachmann mit Blick auf den Gesundheitszustand. "Außerdem gibt es ja auch die Belange des Tierschutzes. Also ganz klar füttern. Die Realität kann man in keine Verwaltungsvorschrift pressen". Rehe oder Hirsche, mit knurrenden Mägen, könnten in Richtung Gotha ausweichen. Die dortigen Waldbewohner müssen weniger Kohldampf schieben, da die Krippe schon offiziell gefüllt werden dürfen. "Doch ist seit einigen Tagen Notzeit ausgerufen worden", sagte ein Sprecher der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei. Er nimmt aber die Behörden im Kreis Schmalkalden-Meiningen aus der Schusslinie. "Dort lag auch deutlich mehr Schnee, als auf der Südwest-Abdachung des Thüringer Waldes. Die Situation ist also eine andere."

Tatsächlich scheint bei der Jagd der Hase im Pfeffer zu liegen. Denn wenn gefüttert werde, entferne sich das Wild nicht mehr allzu weit von der Krippe, so der Experte.

Und befindet sich praktisch auf einem Terrain, das Diplomaten - eine exterritoriale Zone nennen würden. Einem natürlichen Schutzraum, weitab vom Schuss.

"Das Wild läuft nicht im Wald herum, sondern konzentriert sich an den Fütterungen. Somit ist die Jagd praktisch beendet und das ist das Dilemma. Die Pläne sollten schon erfüllt werden", so der Fachmann. Schließlich blieben normalerweise noch vier Wochen Jagdzeit und die Wildbestände seien insgesamt zu hoch.

Allerdings seien die für letzte Woche geplanten Landesjagden abgeblasen worden. Und dass man unter den jetzten Umständen nicht mehr mit Hunden und Treibern arbeite, verstehe sich auch von selbst.

In den nächsten Tagen könnten die Behörden im Kreis Schmalkalden-Meiningen auch zu einer anderen Bewertung der Situation kommen, so der Sprecher. Denn die Schneedecke sei angewachsen und nach der Tauphase und dem zurückkehrenden Frost verharscht.
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Meisterminni

Meisterminni

Alter: 52 Jahre,
aus nähe Göttingen
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