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”Nur” ein Kalb.

Elchjagd mit der Tiroler Bracke (1 Eintrag)

Tiroler Bracke bei der Elchjagd Ein trostloses Bild Der Anfang war gemacht
520 mal angesehen
16.12.2010, 13.51 Uhr

”Nur” ein Kalb.

oder: Das verlorene Paradies.

Als ich mit meinem Jagdfreund vor zwölf Jahren den Hof ”Hjälmsås” in Västra Götaland mit allen Jagd- und Fischrechten erwarb, waren wir dem Paradies einen Schritt näher gekommen. Ein herrliches Revier mit Elch-, Auer- und Birkwild, mit starken Böcken und guten Fischgewässern. Ich führte meine Tiroler Bracke mit Erfolg auf den Schneehasen und mein Freund seinen
Magyar Vizsla auf die zahlreich vorkommenden Schnepfen.

Manchen Elch streckten wir in den Jahren und einige Birkhähne ließen wir uns bei einer guten Flasche Rotwein vor dem Kamin schmecken. Mancher Hecht oder stattlicher Aal ergänzte die Speisekarte aus der Natur.

In der Nacht vom 8. auf den 9. Januar 2005 sollte sich alles schlagartig ändern. Zwischen den großen Naturkatastrophen in Südostasien und den Wirbelstürmen in der Karibik wurde Südschweden von einem seiner schwersten Stürme seit hundert Jahren heimgesucht.

In Deutschland fast unbemerkt, warf der verheerende Orkan ”Gudrun” in einer Nacht über 200 Millionen Bäume, größtenteils Fichten, zu Boden.
75 Millionen Festmeter Holz, ein durchschnittlicher Jahreseinschlag der schwedischen Forstwirtschaft, waren zerstört. Zahlreiche Waldbesitzer standen mit einem Mal vor den Trümmern jahrzehntelanger Arbeit, die Altersver-sorgung war buchstäblich weggeblasen. Der Gesamtschaden beläuft sich auf über zwei Milliarden Euro. Und der Sturm ”Gudrun” hatte noch andere weitreichende Folgen. Die Stromversorgung war in einigen Gegenden Süd-schwedens total zusammengebrochen.

Ein tiefer Seufzer!

Immer, wenn es stürmt in Schweden, ist in den kleinen roten Häusern ein tiefer Seufzer zu hören. ”Nun geht der Strom weg!” In der Nacht zum 9. Januar ging der tiefste Seufzer, den die südschwedische Bevölkerung je hervorgebracht hat, durch die Häuser. Und mit dem Stromausfall fielen auch die Heizungen und die elektrischen Pumpen für die hauseigene Wasser-versorgung aus. Unser Hof Hjälmsås befand sich im Zentrum dieses gewaltigen Sturms und wir teilten das Schicksal mit über 400.000 Haus-halten.

Im felsigen Südschweden wird die Stromversorgung hauptsächlich mit Freileitungen gewährleistet, viele davon sind sogar unisoliert. Wenn man bedenkt, dass es in Schweden zirka 180.000 km Hochspannungsleitungen gibt und dass beim neuesten Sturm knapp 20.000 km Überlandleitungen
beschädigt wurden, kann man sich das Ausmaß der Katastrophe vorstellen.

Zum ersten Mal seit der Bildung vor neun Jahren wurde die Bereitschafts-polizei eingesetzt, um die stromlosen Gebiete zu evakuieren und die leer-geräumten Häuser zu bewachen. Auf dem stillgelegten Militärflugplatz Byholma an der Südspitze des Sees Bolmen bietet sich ein trostloses Bild: Zwei derzeit je etwa 1,5 km lange und 13 m hohe Straßen von jeweils sechs Reihen Baumstämme. Bis Weihnachten sollen sie zwei Kilometer lang sein. Dann lagern hier 800.000 Kubikmeter Holz. Täglich liefern Hunderte von Lastwagen weitere Stämme an, Anfang August waren es insgesamt über zwei Millionen.

Das Äsungsangebot wird besser

Auf den entstandenen Sturmflächen im Wald werden sich sowohl die Wuchsbedingungen für die Äsungspflanzen wie auch die Lebensbedingungen für unsere Schalenwildarten ändern. Durch den großen Licht-einfall werden die Äsungspflanzen üppiger und vielfältiger wachsen. Die Äsung wird sich qualitativ und quantitativ schnell verbessern und die Schalenwildbestände
werden mit mehr Nachwuchs reagieren. Die Bestände werden schnell ansteigen und damit der Verbiss bei den Neuanpflanzungen zunehmen.

Obwohl allein in unserem Revier 6.000 Festmeter Holz geworfen, geknickt und abgebrochen waren und die Arbeit für die Hunde schwer und kräftezehrend sein würde, kamen wir zu dem Entschluss, dass wir die jagdlichen Massnahmen in den sturmgeschädigten Gebieten konsequent
und frühzeitig durchführen sollten.

Schonung der Mittelklasse

Die Zersplitterung der Jagdreviere und die Zuteilung der Abschüsse auf kleinste Gebietseinheiten stellen ein großes Problem in Südschweden da. In diesen Revieren sind die Jäger berechtigt, im Laufe von ein paar Tagen, an denen die Jagd andauert, ein frei zur Wahl stehendes Tier zu schießen. Das ist ein großes Hindernis um einen guten Elchstamm mit hoher Qualität zu
erreichen. Die Bestände mittleren Alters, und der Anteil männlicher Tiere liegen auf einem sehr niedrigen Niveau. Es gibt aber auch Hoffnung. Das Elchpflegegebiet Kedumsberget (wir würden Hegering dazu sagen) schoss 1994 achtzehn Elche. Als man nach einem Neubeginn in dieser Revier
gemeinschaft dazu überging eine hohe Quote von Kälbern zu schießen und die Schmaltiere, die Mittelklasse und die männlichen Tiere schonte, ist es gelungen, ein Niveau zu erreichen, bei welchem man jedes Jahr gut 40 Elche erlegen kann. Darunter sind regelrechte Giganten für die südlichen Regionen Schwedens.
Deshalb beschlossen wir zwar den Abschuss in Hinblick auf die Neuan-pflanzungen zu erhöhen, aber Schmaltiere und Hirsche vom zweiten bis zum fünften Kopf zu schonen.

Kalb oder Schmaltier?

Als ich mir auf meinem ersten Elchpass in diesem Jahr so meine Gedanken machte, wie wir die Probleme in den nächsten Jahren bewältigen könnten, hörte ich weit entfernt meine kleine Hündin kurz anschlagen, dann war wieder Ruhe. Vielleicht hatte meine Tiroler Bracke Auer- oder Birkwild hochgemacht.

Doch plötzlich erklang ihr anhaltender Hals direkt hinter mir im geschundenen Hochwald. Die laute Jagd kam direkt auf meinen Stand zu, das Stück Wild hatte aber wohl Wind von mir bekommen und bog kurz vor
meinem Stand nach rechts ab, dann passierte, so gut er konnte, ein Elch die vor mir liegende Sturmfläche.

Starkes Kalb oder schwaches Schmaltier? Da ich mir nicht sicher war, blieb der Finger gerade und die Kugel im Lauf. Der graue Geist verschwand gegenüber im Wald und langsam beruhigte sich mein Puls.

Zwanzig Minuten später hörte ich leise anwechselndes Wild aus dem vom Sturm gelichteten Fichtenbestand. Sollte es ein Kalb gewesen sein, das zurück zu seiner Mutter wollte? Jetzt stand der Wind für mich günstiger.
Schemenhaft erkannte ich im Stangengewirr – keine fünfzig Schritte entfernt – die hellen Läufe eines Elches. Auch der Laut meine Hündin kam näher. Es dauerte eine Ewigkeit, dann zeigte sich ein junges Elchhaupt am Rande des Waldes. Kalb? Schmaltier? Das Stück machte noch ein, zwei Schritte in Richtung Sturmfläche, da sah ich die typischen rotbraunen Jugendhaare auf dem Widerriss des Kalbes, suchte im Zielfernrohr die Blattschaufel und schoss. Ohne zu zeichnen flüchtete das Elchkalb über das Sturmholz. Nach 50 Metern wurde die Flucht unsicherer und taumeld, das Stück stolperte über die Stämme und brach in der Fährte zusammen. Kurze Zeit beobachtete ich noch das ver-endete Stück Wild. Als nach kurzer Zeit meine Hündin auf der Fährte zum Stück fand, gab ich die zwei vereinbarten Signalschüsse ab und machte mich ans Aufbrechen.

Als eine halbe Stunde später ein Nachbarjäger zu meinem Pass kam, bestätigte er meine Vermutung. Meine Hündin Sissi hatte einen Familien-verband aus Elchbulle und Elchkuh mit zwei sehr starken Kälbern auf
einer noch nicht geräumten Schlagfläche gesprengt. Und während der angehende Schaufler mit Tier und Kalb ins Altholz flüchtete, hatte der Hund das zweite Kalb kurz gestellt, doch als es den heranpirschenden Jäger
eräugte, brach es aus und flüchtete bergab in meine Richtung.
Der Anfang war gemacht.
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Heino

Heino


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Kommentare

16.12.2010 14:51 swinging_elvis
Interessanter Bericht aus sicher einem traumhaften Revier. In Finnland bekommt man nicht den Eindruck, dass dort auf eine Art Struktur geachtet wird. Ich hatte auch den Eindruck, dass es in Herbst und Winter oft eher ziehende Stücke gen Süden gab als wirkliches Standwild.
Waidmannsheil, el
PS Bild 3 ist eine beliebte Filmeinstellung bei Kristoffer Clausen, den Du vielleicht kennst..
16.12.2010 15:56 anser
Ich kenne die Region ganz gut, weil ich mehrfach da war (westlich und nördlich des Bolmen). Ich kenne auch die Riesenlagerplätze des Holzes. Ich war im zweiten Sommer nach dem Orkan dort - und war erschüttert, weil man sich diese Bilder echt nicht vorstellen kann, wenn man nur Erzählungen kennt.

Und gerade wenn man vorher das Gebiet auch kannte, kann man erst ermessen, was da abgegangen ist...

Sehr schöner Bericht, der mich sehr an meine Aufenthalte dort erinnert und meinen Eindruck verstärkt...

Gruß
anser
18.09.2011 11:32 jhoover
Danke für den interessanten Bericht.
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