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768 mal angesehen
16.12.2010, 09.58 Uhr

Rainer Z.

(Fiktion) Rainer Z. war Jäger, aber keiner wie Du und ich… aber wer ist das schon… Früh jagend hatte er sich nie einer der großen Jägergemeinden angeschlossen wie Hundeführern, Kaliberfanatikern, Schädlingsbekämpfern oder Brauchtumsobleuten… er jagte einfach nur, wie es ihm gerecht kam… und das bedeutete meist, dass er nicht die erste Geige spielte, hatte er doch aufgrund seiner Harmoniesucht ein kleines Nest in seiner Familie samt Kindern gefunden.

Und doch waren diese Momente in der Natur immer das Gegengewicht zum stressigen Alltag, seinen Sorgen und Mühen. Für ihn war es Entspannung pur, in der deutschen Kultur-Natur alles hinter sich zu lassen, den Wind um die Nase, die Stille zu genießen und Wild zu beobachten. Die Büchsflinte trug er meist nur als Alibi bei sich, kam es ihm auf Knall und Beute doch gar nicht so an. Dies und seine sonstigen Absonderlichkeiten hatten die Jäger seines Hegerings schnell erkannt und seinen Nachnamen in Zufall umgemünzt, war es doch reiner Zufall, wenn er mal mit einem Jährlingsspießer oder einem Frischling nach Hause kam. Seine Mitjäger wussten das, Rainer auch. Es gibt eben solche Menschen, deren Leben im Großen und Ganzen ohne Höhen und Tiefen auf einer angenehmen Geraden verläuft.

Es war ein winterlicher Freitagabend, als sich dies ändern sollte. Wegen der Temperaturen unter null hatte er sich die dicke BW-Hose sowie Großvaters Lodenmantel angezogen. Mit Rucksack, Büchsflinte und Sitzstühlchen gewappnet stapfte Rainer ohne besondere Hintergedanken in den kleinen Eichenwald auf dem Hügel in der Mitte seines Revieres. Der Boden war gefroren und leicht überpudert, so dass es beim Angehen im Laub knackte und krachte. Das störte ihn nicht weiter, ging es ihm doch vor allem um die Ruhe, die dieser windstille Abend versprach. Vor einer dicken Eiche kratzte er die Blätter beiseite, polsterte den Stuhl mit einer Decke und ließ sich genüsslich grunzend nieder.

Die Dämmerung brach bereits herein, am klaren Himmel leuchtete ein fast runder Mond. Gedankenversunken legte Rainer den Kopf in den Nacken und betrachtete den Erdtrabanten, der die Menschen so faszinierte. In der Ferne begannen zwei Waldkäuze zu rufen. Das „huuuu-huhuhu“ des Männchens wurde vom scharfen „kuwitt“ eines Weibchens beantwortet. Die Balz hatte offensichtlich begonnen. Diese Überlegungen im Kopf senkten sich so langsam die Lider und Rainer entschlummerte in einen traumlosen Schlaf.

Als er die Augen öffnete fand er sich in einer silberdurchleuchteten Winternacht wieder. Elf Mal schlug die Glocke der nahen Kirchturmuhr und Rainer musterte ohne sich zu bewegen und nur die Augen rollend seine Umgebung. Irgendetwas stimmte nicht. Er lauschte angestrengt aber kein Laut drang an sein Ohr… oder doch? Ein leises Rascheln im Laub… das konnten die Waldmäuse sein… Den Kopf langsam wendend gewahr er auf vielleicht fünfzig Meter einen dunklen Klumpen im Wald. Schon zu oft hatte er hier gesessen als dass er dies für einen Baumstumpf halten konnte. Da stand eine in diesem Revier so seltene aber doch wahrhaft starke Sau - offensichtlich ein Keiler - und sicherte in die Nacht. Genau wie Rainer musste sie „gespürt“ haben, dass etwas nicht stimmte. Wie gebannt starrte der Nimrod in die verheißungsvolle Richtung, erstarrt, innerlich brennend vor Erregung, die Büchsflinte auf den Knien… ungeladen!

Siedend heiß lief es dem Jäger den Rücken runter. Brennecke und 7x57 TIG steckten in seiner linken Manteltasche… er hielt sie sogar in seiner warmen Hand. Langsam rieselte die Erkenntnis in sein Bewusstsein, dass es auch heute nicht klappen sollte mit dem großen Waidmannsheil… wie immer halt… schon hörte er die Jagdkameraden am Stammtisch tönen:“Ja, wenn Du mal ne dicke Sau nach Hause bringst, das wäre reiner Zufall…“

Schon zig lange Minuten waren beide – Keiler und Rainer – nicht aus der Erstarrung erwacht. Sollte dies so weitergehen? Den Wind prüfend stellte er beruhigt fest, dass kein Lüftchen wehte, absolute Windstille. Sollte er einmal in seinem Leben etwas riskieren? Das Glück und Diana herausfordern? Unendlich langsam glitt seine Hand aus der Tasche. Schnell sandte Rainer ein Stoßgebet an seinen Großvater für den leisen Lodenmantel. Noch viel langsamer brach er nun die Büchsflinte. Jetzt kam es ihm zugute, dass er eigentlich die Waffe mehr schmierte und putzte als diese zu schießen. Der Keiler verharrte, die Spannung wuchs ins Unendliche.

Rainer konnte es gar nicht fassen, dass der Basse all dies ausgehalten hatte, als er nun im Zeitlupentempo die Waffe anschlug. Wie seine Arme dabei zitterten. Offensichtlich waren diese solche Belastung nicht gewöhnt… oder war es doch das Jagdfieber? Endlich hatte er den schwarzen Klumpen im Absehen 1, recht deutlich hoben sich die Balken von der groben Schwarte ab, die im Mondlicht silbern glänzte. Hell blitzten ihm die Waffen entgegen. War all dies real? Ein „pfffffffffft“ überzeugte ihn und auch davon, dass es nun Zeit war, Funken zu reißen. Langsam hatte er den Druck auf den ungestochenen Abzug verstärkt, der Knall hallte laut wieder im Dom der Eichen und der Mündungsblitz blendete den Waidmann. Ohne zu erkennen was am Anschuss passierte hatte er die Waffe wieder geöffnet und die abgeschossene Hülse in der Hand um nachzuladen, als die unheimliche Ruhe des Waldes in sein Bewusstsein sank… kein Rauschen der Blätter, kein klatschendes Annehmen von Bäumen, einfach nur… Stille.

Leicht beißend stieg ihm der Pulverdampf in die Nase, als sich seine Augen wieder an das Licht gewöhnten und er den dunklen Hügel sah, der da lag, wo vorher die Sau gestanden hatte. War das Wirklichkeit? Ein wahr gewordener Traum? Langsam erhob Rainer sich und schritt bedächtig auf seine Beute zu. An Ort und Stelle hatte der Keiler sein Leben ausgehaucht, war in sich zusammengesunken und auf die Seite gekippt. Ende, lag, Waidmannsheil. Langsam ging der Mann in die Knie, grub die Finger in die dichte Schwarte, betastete die Waffen, fiel schließlich auf den Hosenboden und blieb so sitzen… das Geschehene einfach nicht erfassend.

Als eine Stunde später seine Waidkameraden mit ihm vor dem starken Stück standen konnte er sich gar nicht retten vor donnerndem Waidmannsheil und kräftigem Schulterklopfen. So eine Sau war in der Gegend seit Jahren nicht mehr zur Strecke gekommen. Gemeinsam wurde dann aufgebrochen und die schwere Bergearbeit geleistet. Später waren noch einige Runden im örtlichen Gasthaus fällig.

Sicher vier Uhr morgens war es, als er sich endlich in sein Bett einschob, den Geruch des Keilers immer noch an den Händen. Vor dem Löschen des Lichts warf er noch einen langen Blick an die Decke. Manchmal kommt Diana eben doch… zu Rainer Zufall.
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

16.12.2010 10:47 platzi

Einfach perfekt. Zu perfekt geschrieben!
Wie aus einem Buch!
Von wem ist denn die Rede?

Ich war das selbst. Ich war dabei. den beißenden Rauch kann ich noch immer spüren....

...oder doch nicht? bin ja im Büro!

Einfach eine tolle Geschichte!!!

Gruß
Diether
16.12.2010 11:56 anser
Ja, wirklich einfach klasse geschrieben. Symphatisch... höchst symphatisch...
16.12.2010 11:59 swinging_elvis
Diese Geschichte spukt mir schon seit Monaten durch den Kopf, nahm Form an und "kam nun endlich raus"... schön, dass sie gefällt. Frohes Fest, el
platzi schrieb:
Ich war das selbst. Ich war dabei. den beißenden Rauch kann ich noch immer spüren....
Gruß
Diether

16.12.2010 12:01 WiednerDerSteirer
@ elvis... an dir ist ein schreiberverlorren gegangen.... so eine sauber geschriebene geschichte,,,,,man kann ja ein wenig mitträumen
16.12.2010 13:44 vulpes54
Hey elvis,

vielen Dank für die paar minuten, die du mir mit dieser Geschichte geschenkt hast.. Es ist schön von der Arbeit mal kurz abgelenkt die Sinne und Gedanken über deine Geschichte schweifen zu lassen! Heute Abend gehts auf die Sauen, vielleicht kommt mir auch so ein keiler...

Vielen Dank und Wdh.
16.12.2010 13:48 Dackelbiene

So einen Mitjäger hab ich auch ... als er nach vielen, vielen Jahren doch mal eine Sau erlegte, waren alle überrascht ... er selbst am meisten .

Ganz Klasse geschrieben
16.12.2010 15:02 Spessartnimrod
Schön, dass es noch so Jäger wie Rainer Z. gibt. Der Keiler sei ihm gegönnt, ich spüre eine Art Seelenverwandschaft. Waidmannsheil.

Toll, dass Du die Gechichte geschrieben hast.

Gruß

SN
16.12.2010 18:08 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte Elvis, wahnsinnig gut geschrieben. Vielen Dank dafür! Wie Platzi schon sagte, wir waren fast live dabei!
17.12.2010 08:27 Sisyphos
Sehr schön und anrührend. Danke
KLaus
17.12.2010 08:30 swinging_elvis
Sisyphos schrieb:
Sehr schön und anrührend. Danke

KLaus

... ist ja fast Weihnachten...
17.12.2010 09:30 Musang
Wunderbar !!!!! Danke Elvis für dieses schöne Erlebnis. Ein Hochgenuß Möge es noch viele Rainer geben
17.12.2010 09:52 Seppel2810
Wirklich super Geschichte!
Solltest mehr solcher Kurzgeschichten schreiben, Ich hab den Schussknall auch noch in den Ohren.
Gruß und Wahai
Seppel
17.12.2010 19:22 Kija
Fiktionen haben was
Toll geschrieben!
Viele Grüße in das Land der Finnen
Maat
17.12.2010 22:33 Lakai
Ha, mal wieder was ganz ganz Feines von dir!

In Vorfreude auf Januar,
J.
18.12.2010 12:18 swinging_elvis
maat schrieb:
Fiktionen haben was
Toll geschrieben!
Viele Grüße in das Land der Finnen
Maat

Kiitos, nun aber wieder aus D...
18.12.2010 12:19 swinging_elvis
Lakai schrieb:
Ha, mal wieder was ganz ganz Feines von dir!
In Vorfreude auf Januar,
J.

Waidmannsdank,...
Ja, auf den Jänner freu ich mich auch... vor allem da eine Fahrt in das Revier an diesem WE wegen Schneechaos ausgefallen ist... e.
18.12.2010 12:21 Lakai
Ich musste mich auch vom Jagdherrn ins Revier fahren lassen, er hat einfach das geeignte Auto dafür. Mit dem "normalen" Auto kommt man an keine interessante Stelle...
19.12.2010 11:35 Rainer80
Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen tolle Geschichte
20.12.2010 09:39 tomhaus
Top Geschichte!


20.12.2010 10:00 swinging_elvis
tomhaus schrieb:
Top Geschichte!

Vielen Dank an alle!
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