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Knöpfe, Knoten, Absprünge

Schneehasenjagd in Schweden (1 Eintrag)

Assi von Dürnbach
403 mal angesehen
14.12.2010, 18.33 Uhr

Knöpfe, Knoten, Absprünge

Neben der Elchjagd gibt es in den riesigen Revieren Nord- und
Mittelschwedens noch eine Jagdart, die schwedische wie ausländische Jäger magisch in ihren Bann zieht – das Brackieren auf Hasen. Eine Jagd, bei der vor allem das Erlebnis zählt und bei der vom Hund unglaubliche Nasenleistung und vom Jäger viel Geduld verlangt wird.

Es war ein kalter, aber sonniger Frühwinter-Morgen. Reif hatte die Landschaft weiß überzuckert, als ich mit meiner Tiroler Bracke Assi v. Dürnbach genannt Sissi in den Wald zog. Schon gleich hinter der Jagdhütte in meinem schwedischen Revier steckte die passonierte Hündin ihre feuchte Nase in die frische Fährte eines Schneehasen.

Als ich vor fast 40 Jahren zum ersten Mal in Nordschweden auf Niederwild jagte, faszinierte mich von Anfang an die Hasenjagd mit der Bracke, die die schwedischen Jäger mit Begeisterung ausüben. Dazu führen die Schweden nordische Laufhundrassen wie Schiller-, Hamilton- und Småland-Stövare, die eng mit unseren Bracken verwandt sind.

Wer die phantastische Arbeit dieser Hunde in der nordischen Wildnis erlebt hat, wünscht sich schnell auch so einen Hund. So ging es auch mir, als ich bei stahlblauem Himmel, leichter Schneedecke und 15 Grad minus meinen ersten weißen Hasen nach zweistündiger Brackade strecken konnte.

Als ich 20 Jahre später mein erstes Revier in Schweden pachtete, stand der Entschluss schon lange fest - eine Bracke musste her. So sah ich mich unter den deutschen und österreichischen Brackenschlägen um, und meine Wahl fiel auf eine Tiroler Bracke. Sie eignet sich besonders für die ”Laute Jagd” auf Has`und Fuchs. Zu Weihnachten 1999 ging mein Traum in Erfüllung. Ich
bekam eine kleine freche Hündin, die ich ”Sissi” taufte. Sie entsprach von der Farbe nicht dem Standard der Tiroler Bracke, aber das Wort eines Fachmannes überzeugte mich: ”Farbe jagt nicht.”

Mit elf Monaten war sie nun zum ersten Mal mit in den schwedischen Wäldern. Ich Löste die Koppel und setzte mich nicht weit entfernt an einen bekannten Hasenpass. Ein Auerhahn polterte mit lautem Flügelschlag aus den Kiefern vor mir, als die Hündin selbstständig und planmäßig dort suchte.

In der westlichen Nachbarjagd folgten zwei Hamilton-Stövare, die großen dreifarbigen Bracken, mit hoher, heller Stimme wohl einem Fuchs, während auf den Hügeln im Norden der niederläufige Drever (ähnlich der Westfälischen Dachsbracke) meines Jagdnachbarn Erik mit tiefem Bass am
Rehwild hing.

Wie herrlich klang das Geläut der Hunde durch die schwedischen Wälder. Oft gehen diese Brackaden durch Nachbarreviere, aber nie wird Wild erlegt, das nicht der eigene Hund gehoben hat. Man kennt die Stimme der eigenen Bracke und unterstützt so ihren Willen, das Wild zu wenden und ihrem Herren zuzutreiben. Hier in Schweden dürfen unsere Hunde noch wie in alten Zeiten durch ”Sonne, Mond und Sterne” jagen.

Schon nach kurzer Zeit erklang plötzlich der helle Laut meiner Hündin. Sie hatte den Hasen auf der kalten Nachtfährte gesucht, gehoben und folgte nun der warmen Fährte.

Das Geläut entfernte sich, näherte sich wieder, hielt sich aber in einem kleinen Kreis von etwa 50 Hektar. Manchmal riss der Laut ab, wenn sie einen Haken überschoss oder bei einem Widergang oder Absprung ins Leere stieß und er setzte erst wieder ein, wenn die Fährte erneut gefunden worden war.

Schlag auf Schlag erklang der Laut von Sissi, hell und weithin hörbar. Nach gut einer Stunde kam die laute Jagd plötzlich auf meinen Stand zu, und ich sah den noch nicht verfärbten Hasen näher kommen. Noch außer Schussweite machte er einen Kegel und sicherte zurück.

Der Schneehase flüchtet vor dem Hund selten in einem großen Bogen. Vielmehr dreht er mit Vorliebe kleinere Kreise in der Dickung und ist dabei bemüht, immer wieder auf seine alte Fährte zurückzukommen, um den Hund zu verleiten und ihn in die Irre zu führen. Er ist und bleibt eben ein Meister im Hakenschlagen, Abspringen und im Anlegen von Wiedergängen.

So war es auch in diesem Fall. Es folgte ein Absprung in eine kleine Gruppe Fichten, aber nach kurzer Zeit kam der Hase wieder zum Vorschein und hielt direkt auf mich zu. Es war ein Leichtes, ihn zu erlegen. Bald erschien mein Hund, der bei der kleinen Fichtengruppe suchte und bögelte, nach kurzer
Zeit die Fährte über alle Knöpfe und Knoten fortbrachte und mit herrlichem Spurlaut bis zum verendeten Hase arbeitete.

Noch einen Hasen bescherte mir Sissi an diesem Tag, dann trat ich mit meiner Beute den Heimweg an. An meiner Seite die müde Hündin, der ich allein diesen herrlichen Jagdtag zu verdanken hatte. Ich war stolz auf meine kleine Österreicherin. Sie machte ihrem Namen alle Ehre und jagte wie eine Kaiserin.

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Heino

Heino


aus Schleswig-Holstein
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Kommentare

14.12.2010 20:44 swinging_elvis
Hey, hast Dir aber wirklich Zeit gelassen mit Deiner ersten Story. Sehr fein erzählt, kann es gut nachempfinden, war ich doch einmal bei einer Finnischen Brackade dabei, wenn auch ohne Waidmannsheil. Dir Waidmannsheil im Nachhinein und alles Gute, el
15.12.2010 08:50 platzi
Auch bei uns ist diese Jagd (noch!) möglich. Sogar mit meinem BGS habe ich erfolgreich brackiert.
Es ist schon etwas Besonderes im Wald zu stehen und dem Geläut der Bracken zuzuhören. Wird der Hase wohl bei mir vorbeikommen? Kommt er näher, oder wird er in der Gegenseitigen Richtugn verschwinden?
Da geht es um Spannung bis zum Erfolg oder dem Abbruch.
Schön geschrieben!
Weidmannsheil

Diether
15.12.2010 10:40 zerberus
brackenheil kollege!

fein geschrieben, ist auch ein feines weidwerk die brackade.
15.12.2010 20:12 Heino
[Vielen dank platzi
Immer wieder schön zu lesen, das es noch Jäger
gibt die von dieser einmaligen Jagd und von der grandiosen Leistung ihrer Hunde so begeistert sind.
Wünsche dir weiterhin Brackenheil
und besinnliche Festtage
heino
16.12.2010 13:49 anser
Macht wirklich Spaß, die Geschichte zu lesen...

Weidmanns Heil zur Beute und zum Erlebnis und vor allem zum Hund...
16.12.2010 16:25 ssquat
Super geschichte.
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