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Jagderlebnisse

(15 Einträge)

Stärkung vor der Jagd Frühstück aus dem Rucksack Kein Weg, kein Steg
1064 mal angesehen
07.12.2010, 20.52 Uhr

Saujagd in der Toskana



Durch eine Städtepartnerschaft kam es 1992 zu einem Kontakt zu Jägern in der Toskana. Hieraus haben sich persönliche Freundschaften entwickelt, die die Jahre überdauerten.
Nachdem im letzten Jahr ein verlängertes, gemeinsames Jagdwochenende im Spessart auf dem Programm stand, war heuer Italien an der Reihe.
So ganz spurlos ist aber die Zeit auch nicht vergangen und von den älteren Jagdfreunden haben die meisten abgesagt, wegen der langen Anfahrt und den Strapazen, etwas, was ich nach diesem Wochenende besser verstehe.
So fuhren wir also zu dritt, ein alter Hase der ersten Stunde und zwei Neulinge, gegen Süden.
Das Auto hatten wir vollgepackt mit Keiler Weizenbier, Frankenwein und fränkischen Wurstspezialitäten, womit sich das Sprichwort, dass die Äpfel in Nachbars Garten immer besser schmecken, bewahrheitet.
Nach zehn Stunden Autofahrt kamen wir hinter Florenz im Chianti-Land an. Nach einer kurzen Begrüßung ging es zu einem Ferienhaus auf ca. 1000m, in dem wir für das Wochenende wohnen sollten. Ab 500m ging der Regen, der uns schon den ganzen Tag begleitet hatte, in Schnee über. Die letzten Meter waren nur noch mit Mühe zu schaffen und ich war froh als das Auto rückwärts in der Hofeinfahrt stand. Wir entluden den Wagen und sahen uns das Haus an. Die Zimmer waren schön und warm und der Kühlschrank voll; einem tollen Wochenende stand nichts im Wege. Nichts? Auspacken und Einräumen hatten höchstens 20 Minuten gedauert, als wir vor die Türe traten war unser Wagen mit 10cm Neuschnee bedeckt und es schien, nicht mehr aufhören zu wollen. Es war an diesem Abend ein gemeinsames Essen in einer Trattoria unten im Tal vereinbart. Ich sagte, wenn es so weiter schneit komm ich hier nicht mehr hoch mit meinem Auto und unser Gastgeber war auch voller Zweifel, ob er es mit seinem Allrad schafft. Also wurde umdisponiert und beschlossen, uns ein Hotel unten im Tal zu suchen. Wir luden alles wieder ein und ich schaffte es aus der Hofeinfahrt ohne seitlich gegen einen Pfosten zu rutschen. Langsam fuhr ich die steile Straße hinunter bis zum Marktplatz der Ortschaft, es war eine Einbahnstrasse, die ich entgegen der Fahrtrichtung fuhr, aber bei diesem Wetter war keiner unterwegs.
Nach einer Schleichfahrt kamen wir mit 30 Minuten Verspätung in der Trattoria an. Der Empfang war herzlich; die italienischen Jagdfreunde, die ich im Vorjahr im Spessart kennen lernte, sie waren alle gekommen. Ein schönes Abendessen mit Spezialitäten der Toskana und guter Wein, machten das Wetter draußen vor der Tür vergessen. Erste Gepflogenheiten wurden erklärt, bei Schnee darf nicht gejagt werden, ups, die Jagdlizenz gilt nicht für Repetierer, für eine Drückjagd sind mindestens 25 Jäger erforderlich, was aber alles kein Problem sei.
Inzwischen hatte man auch eine Übernachtung für uns organisiert, Urlaub auf dem Bauernhof, der Besitzer sei auch Jäger. Um kurz vor Mitternacht klingelten wir ihn aus dem Bett, er war freundlich. Die Zimmer waren einfach, sauber und kalt. Wir waren total müde, der Rotwein zeigte auch Wirkung und wir krochen schnell unter die Decke.
Der nächste Morgen war grau und trübe, gar nicht typisch Toskana. In einem Suzuki ging es über ausgewaschene Feldwege zu einer Ruine, die Dank großer Improvisation der Treffpunkt der Jagd war. Es war 9 Uhr, die bereits anwesenden Jäger standen um ein Grillfeuer, auf einem großen Tisch standen viele Körbe und Kühltaschen. Also erst mal ein ausgiebiges Frühstück, während Späher draußen die Sauen suchen. Was da ausgepackt wurde, würde jedem Delikatessenladen in Deutschland zur Ehre gereichen. Wenn man da alles probiert, kommt man schon an seine Grenzen. Eilig schien es keiner zu haben und so wurden um 11:30 noch einmal Salsiccia (Bratwürste) auf den Grill gelegt. Es ging dann alles sehr schnell, eingepackt und losgefahren. So schnell, das unser Fahrer den Anschluss verlor. Telefonnummer vom Jagdleiter suchen, anrufen, diskutieren, Auto drehen, zurückfahren. Anschluss an eine Gruppe von 10 Jägern gefunden, die sich in einer Schlucht aufstellen sollten. Wegen der Kälte hatten wir uns morgens gegen Gummistiefel entschieden, Fehler!! Durch den Regen der letzten Wochen floss in der Schlucht ein beachtlicher Bach, der über kleine Wasserfälle ins Tal stürzte. Kein Weg, kein Steg. Es war rutschig, steil und voller Dornen. Ich war froh als ich abgestellt wurde und der gegenüber liegende Hang als Schussfeld zugewiesen bekam. Deutlich waren 2 Wechsel zu erkennen, die gute Beute versprachen. Der Rest der Karawane zog weiter, während ich versuchte, mich in dem Steilhang 5 Meter über dem Bachbett einzurichten.
Es sah alles ganz gut aus, als nach einer halben Stunde die Meute zurückkam, da es weiter oben kein Weiterkommen gab. Kommando alles zurück und ich musste meinen Fürstenplatz wieder räumen. Als wir aus der Schlucht wieder heraus waren, waren wir nur zu Viert, der Rest war verschwunden, also zurück zum Auto, telefonieren, diskutieren, warten. Um uns fielen die ersten Schüsse, wir waren total durchgeschwitzt, unsere Stimmung schlecht. Dafür sind wir 1000 Kilometer gefahren. Dann ging wieder alles sehr schnell, Jacken wieder anziehen, Waffe schultern und im Hang vor uns anstellen. Also nicht nach unten schießen, dort stehen Jäger, Schussfeld nur nach oben. Also wenn hier Sauen kommen, wird es wohl kaum eine Schußmöglichkeit geben, aber solchen Stände gibt es auch in Deutschland. Die Hunde kommen mit heftigem Geläut näher, die Anspannung ist groß, es fallen Schüsse. Wo kommen die Sauen unter mir oder über mir im Hang. Da ein knacken und ein Reh verschwindet nach oben in Baumgestrüpp genannt Macchia. Die Hunde, eine bunte Mischung aus vielen Rassen mit Glöckchen um den Hals, auf der Spur hinterher.
Die Jagd ist zu Ende, es war keine Sau im Treiben, die vielen Schüsse ein Rätsel.
Nach einer ausgiebigen Vesper, bei der alle den Frust des Jagdtages vergessen, geht es ins Quartier. Duschen, kurz schlafen und dann eine Einladung zum Abendessen. Köstlichkeiten der italienischen Küche, eine Küche, die noch eine offene Feuerstelle (Grill) und einen gusseisernen Pizzaofen hat und auf dem Gasherd köchelt Wild in verschiedenen Töpfen. Ich liege nachts im Bett und schwöre, am nächsten Tag nichts zu essen.
Da wir leicht schwächeln und in Anbetracht des Vorlaufs am vorherigen Tag werden wir erst um 9:30 zur nächsten Jagd abgeholt. Nach einem Capuccino in einer Trattoria neben unserem Quartier geht es los. Das Wetter hat sich deutlich gebessert, es ist Sonntag. Im Verschlag am Sammelplatz brennt schon der Grill, doch wir winken nur ab. Auch sagt unser Gastgeber, dass seine Frau ihm befohlen hat, uns wenig zum Essen zu geben, da sie abends ein großes Essen vorbereitet. Heute geht es auch schneller, man hat sicher Sauen gefunden, gleich gegenüber im Berghang. Es geht also wieder los, wieder müssen wir uns durch die Macchia kämpfen wieder sind Bäche zu durchqueren und ich bekomme dann einen Platz gleich am Ufer mit einem weiten Hang vor mir. Der Rest klettert weiter den Hang hoch, das Orange des nächsten Schützen ist weit oben zu erkennen.
Oben fällt ein Schuß, ich mache mich fertig, da sehe ich schon eine schwarze Sau den Hang herunter kommen. Sie bleibt 30m von mir entfernt 10m über mir stehen mit einem guten Kugelfang hinter sich. Wo soll ich da hinschießen, ich ziele von unten zwischen die Vorderläufe. Im Schuß fällt sie nach vorne den Hang herunter und bleibt im Wasser liegen. Kein guter Schuß die Kugel ist am Rücken ausgetreten und hat die Filets ruiniert.

Das Treiben ist vorbei, der andere Italienneuling hat auch eine Sau. Wir können es nicht glauben, aber wir sind die ersten Deutschen, die nach all den Jahren eine Sau erlegt haben.
Es ist noch ein kapitaler Keiler gefallen und die Stimmung ist bei allen gut. Die Sauen werden noch am gleichen Abend zerlegt und an die Jagdgesellschaft nach irgendeinem Schlüssel verteilt.
Nach einem Wahnsinnsessen und einer kurzen Nacht geht es am nächsten Morgen zurück nach Deutschland. Im Frühsommer kommen die Italiener zur Bockjagd, wir müssen das unbedingt sportlich anspruchsvoller gestalten.
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Spessartnimrod

Spessartnimrod

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Kommentare

08.12.2010 09:18 djtdingo
Super geschrieben, WMH! Tolles Erlebnis!
08.12.2010 12:39 swinging_elvis
Alleine wenn ich Bild No 2 sehe und Deinen Satz "Ich liege nachts im Bett und schwöre, am nächsten Tag nichts zu essen.
"...
das alleine zieht schon an diesen Ort... und dann noch ein paar Schweinchen... Waidmannsheil. e.
08.12.2010 19:04 illupo
Da bekomme ich wieder Heimweh......Che bella Storia!!!
09.12.2010 08:37 platzi
Das mit den vielen Schüssen.
... gehört zum Treiben dazu...
sozusagen als Unterstützung der Hunde und zum lenken der Sauen.
So wurde es mir erklärt...

Schön geschrieben!
So ähnlich habe ich es auch erlebt.
Scheinbar ohne Plan und im letzten Augenblick auch noch abgeändert.
Aber trotzdem interessant!

Grüße

Diether
09.12.2010 11:14 zerberus
platzi schrieb:
.........

So ähnlich habe ich es auch erlebt.
Scheinbar ohne Plan und im letzten Augenblick auch noch abgeändert.
Aber trotzdem interessant!

Grüße

Diether



ohne jetzt über die südlichen nachbarn lästern zu wollen, aber DAS ist italien. reines chaos bei der organisation, und dieses chaos läuft noch ungeordnet ab, bzw. wird drei- bis zweimal verändert

einer der gründe warum mich italien nur noch max. auf der durchreise sehen wird.
09.12.2010 12:23 platzi
zerberus schrieb:
ohne jetzt über die südlichen nachbarn lästern zu wollen, aber DAS ist italien. reines chaos bei der organisation, und dieses chaos läuft noch ungeordnet ab, bzw. wird drei- bis zweimal verändert



einer der gründe warum mich italien nur noch max. auf der durchreise sehen wird.


Ist gewöhnungbedürftig, stimmt
Aber trotzdem finde ich es interessant.
Einfach eine andere Art zu jagen.
Wobei ich noch sagen muss, dass ich bei der Jagd dort über die Disziplin der einzelnen Teilnehmer überrascht war! (positiv!)
Grüße

Diether
09.12.2010 13:10 zerberus
platzi schrieb:
Ist gewöhnungbedürftig, stimmt
Aber trotzdem finde ich es interessant.
Einfach eine andere Art zu jagen.
Wobei ich noch sagen muss, dass ich bei der Jagd dort über die Disziplin der einzelnen Teilnehmer überrascht war! (positiv!)
Grüße

Diether


bei meinen erfahrungen ging es nicht primär um die jagd sondern um ALLES was von unseren südlichen nachbarn "organisiert" (oder soll ich besser sagen "nicht organisiert") wurde. egal ob der bus 2 stunden später kam (und dann nur mit den halben teilnehmern abfuhr weil keine zeit mehr war die andere hälfte aus dem hotel zu rufen), oder ob sitzungen einfach um 1 stunde vorverlegt wurden (und das nat. ohne die teilnehmer rechtzeitig zu verständigen) oder ob man einfach nicht mehr abgeholt wurde und man selbst schauen musste wie man 200 km zurück kam (und das ohne eigenem auto). oder.......

wie gesagt, MICH sehen die südlichen nachbarn nur mehr aufa der durchfahrt
09.12.2010 19:05 Spessartnimrod
zerberus schrieb:
bei meinen erfahrungen ging es nicht primär um die jagd sondern um ALLES was von unseren südlichen nachbarn "organisiert" (oder soll ich besser sagen "nicht organisiert")


Italien ist sicherlich nicht ein typisches Jagdreise-Land. Aber diese Mischung aus Genuss und Chaos macht mir die südlichen Nachbarn so sympathisch. Es war halt so 'ne Art Abenteuerkurzurlaub, bei dem die Jagd nur den Rahmen bot für viele Eindrücke und schöne Erinnerungen.
Beruflich habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht wie Du, aber ich gebe den Italiener eine 2. Chance.

Gruß

SN
09.12.2010 19:28 zerberus
Spessartnimrod schrieb:
.....
Gruß

SN


du, ich will die südlichen nachbarn auch niemandem schlechtreden. ist nur meine meinung dazu, und ich werd da nimmer runterfahren, soviel ist fix.
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