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Jagderlebnisse eines Jungjäger...

Meine interessantesten Erlebnisse (1 Eintrag)

Bock in Brache Erfolgreich
480 mal angesehen
05.12.2010, 07.31 Uhr

Der erste Bock

13. August 2010
Glücklich sitze ich auf meinen Bett im Landhaus H&M, Teil der Jagdschule Emsland. Ich halte mein Prüfungszeugnis in der Hand und lasse die letzten 3.Wochen Revue passieren. Es waren anstrengende Wochen, aber sie haben sich gelohnt. In kürze wird mein Vater kommen. Wir fahren über Wuppertal, lösen meinen Jagdschein, und fahren weiter in sein Eifelrevier, es geht auf meinen ersten Bock!! Gegen vier Uhr abends erreichen wir unsere Wohnung, am Randegebiet unseres Reviers. Stolz halte ich die Waffe meines Großvaters in der Hand, welche später mir gehören wird (ist gesetzlich noch nicht möglich). Es ist eine tolle Waffe, eigentlich eine Bockbüchsflinte, allerdings mittels Einstecklauf auf einen Bergstutzen abgeändert.

Noch den gleichen Abend abend geht es raus. Der Bock befindet sich normalerweise in einer Brache zwischen zwei Hochsitzen, der eine heißt Weitblick, der andere Turm. In der Nähe gibt es zwei starke Einstandsböcke, auf einen davon Jagd mein Vater. Wir haben in Endsproßer getauft, wegen seiner stark ausgeprägten Endsproßen. Auf dem ersten Blick sieht es aus wie eine Gams mit Vordersproßen. Mein Bock ist im Vergleich dazu "klein". Es handelt sich um einen Jährlings-Spießer mit 3/4 unter lauscher und nur kleinen Leisten anstatt Vordersproßen. An diesem Abend haben wir nur zwei andere, deutlich stärkere Jährlinge gesehen, zweifelsohne Brüder. Die Gehörne sind bis auf die linke Vordersproße des einen gleich.

Am nächsten Morgen klingelt der Wecker gegen 4 Uhr morgens. Trotzdem bin ich hellwach, wegen der Vorfreude auf die Jagd. An diesem Morgen hat sich mein Bock wieder nicht zeigen lassen.
Das typische Muster. Wenn man den Bock nicht schießen will tanzt er vor deiner Kanzel, wenn es dann darum geht sieht man ihn nicht mehr.

16. August 2010
Der Wecker klingelt wieder um 4 Uhr morgens. Allmählich werde ich müde. Früh morgens ist es sehr kalt, weshalb ich meine dicke Jacke aus dem Schrank nahm, meinen Vater aufwecken und nach kapp einer halben Stunde mit ihm zusammen zurück auf den Weitblick. Nach knapp einer Stunde sehe ich eine Bewegung in der Brache. Ich nehme mein Spektiv um das Stück anzusprechen. Ich kenne meinen Jährling seit dem April, weshalb ich nicht lange brauche um ihn zu erkennen. Schnell wecke ich meinen Vater auf, was allerdings nicht nötig wäre, noch ist der Bock gute 250 Meter entfernt. An diesem Morgen kam er auch nicht näher. Später sahen wir noch den Endsproßer, allerdings zog er nur kurz über dem Feldweg recht der Kanzler. Kurz nach dem Ansitz gehe ich schlafen, bei den kurzen Nächten sehr hilfreich.

Ich wache gegen drei auf. Ein bisschen Revierarbeit, und wieder auf den Ansitz, diesmal in Max-4 outfit, exakt die Farbe der Brache. Wie haben wieder sehr viele weibliche Stücke gesehen, und zum ende des Ansitzes meinen Bock, 200 Meter entfernung. Inzwischen kennen wir ihn gut genug um zu wissen das er nicht näher kommen wird. Also vom Ansitz runter und ich die Brache, nur langsam und vorsichtig, um die Brache zu umschlagen und den Bock anzugehen. Nach ca.5 Minuten, der Bock maximal 70 Meter entfernt, bleibt mein Vater stehen und gibt mir den Auftrag alleine weiter zu gehen, eine Person ist unauffälliger als zwei. Als ich den Punkt erreichte, von wo aud man den Bock eigentlich sehen müsste, war er nicht mehr da. So läuft das manchmal auf der Jagd, es geht halt nicht immer auf anhieb.

19. August 2010
Wieder auf dem Weitblick. Nach gut einer Stunde sah ich einen roten Punkt in der Brache. Kurz das Spektiv hoch, und meinen Bock erkannt. Die entfernung war perfekt, vielleicht 90 Meter. Hier zeigt sich allerdings der Nachteil der hohen Brache, ich finde keine Lücke für einen Schuss, allerdings hatte ich auch Probleme mit dem Jagdfieber. Der Bock stand manchmal ewigkeiten, bewegte sich nur kurz und fing wieder an an Pflanzen zu kanbbern. Mein Vater sagte mir an: "Wenn er diese Richtung beibehält wird er in eine Lücke gekommen, allerdings wirst du nicht viel Zeit haben". Es stimmte auch, ich hatte letzendlich 2 sekunden. Zu kurz für mich und mein Jagdfieber. Ich bin ein guter Schütze, allerdings (noch) kein schneller. Später zog der Bock wieder ein, und ich konnte mich und die Waffe wieder entspannen. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, ich ware 1,5 Stunden im Anschlag.

24. August 2010
Jagdlich hat sich nichts getan, alles was wir gesehen haben waren viele weibliche Stücke und einen Jungfuchs. Allerdings bin ich nicht schnell genug gewesen, weshalb die Hornet nie geflogen ist. Dieses Abend geht es wieder auf den Weitblick. Wir hatten dauerhaft SW-Wind. Diesen Abend sahen wir einen Bock, 300 Meter entfernt. Das gehörn war in der Brache nicht genau ansprechbar, allerdings sprach die länge für meinen Bock. Auf gut 200 Meter ist mein Vater wieder stehen geblieben, ich ging alleine weiter. Ich sah den Bock jetzt auch 70 Meter enfernung. Ich saß in der Brache, mit Max-4 Tarnung von Kopf bis Fuß, die Waffe im Anschlag, allerdings nicht gespannt, der Bock war noch nicht zu 100% angesprochen. Im Zielfernrohr sah ich, dass die Stangen leicht nach hinten abknickten, was nicht zu meinem Bock passt, sondern eher zu den Zwillingen. Allerdings hatte ich Gegenlicht wegen der tiefstehenden Sonne. Während ich noch nachdachte und mich schon für "Nein" entschieden hatte, sah ich eine Bewegung im rechten Augenwinkel. Ich bewegte mich nicht, ich rollte nur meine Augen, und konnte nicht glauben was ich sah: 20 Meter vor mir stand der Endsproßer. ich wusste das es ein starker Bock war, aber so gigantisch habe ich nicht gedacht. Dicke.schwere Stangen, bestimmt doppelte Lauscherhöhe. Wäre mein Vater mitgekommen hätte er ihn entweder schießen können, oder was ich glaube, der Bock wäre nie so nahe gekommen. Ich weiß es nicht zu 100% aber ich gehe davon aus das es mit der Tarnkleidung zusammenhängt. Der Bock guckte skeptisch in meine Richtung, wusste allerdings nichts mit mir anzufangen und hat sich dann später damit abgefunden. Nach bestimmt 20min zog er weiter, und ich zog mich zurück.

25. August 2010
Der Morgen war sehr kalt und verlief ohne Anblick. Der Abend war allerdings schön warm und sonnig. Wir waren wieder auf dem Weitblick, in der Hoffnung meinen Bock heute Abend zu kriegen. Ein paar Minuten nach dem Aufbaumen zog der Endsproßer aus. Er stand perfekt, allerdings hat meinen vater ihn pardouniert, mit der Begründung das mein Bock sicherlich in der Nähe sei. Er sollte recht behalten. Die Sonne stand noch hoch am Himmel, als ich in der Brache wieder eine Bewegung sah, ich hatte schon einen Verdacht, und das Spektiv bestätigte das: Mein Bock. Wieder kommt meine Weste auf die Brüstung, um mir eine gute Auflage zu geben. Der Bock war auf gerade mal 60 Meter entfernt, allerdings wieder verdeckt. Er zog nach rechts, naschte am Schwarzdorn, und fing leider Gottes an sich wieder von mir weg zu bewegen. Die Waffe stand wieder auf Spannung und ich brauchte nur eine Bewegung um mein Auge ans Zielfernrohr zu bringen. Ich hatte Glück, der Bock knickte nach links ab und bewegte sich jetzt parallel zu mir, scheibenbreit auf 110 Meter. Ich folgte dem Bock mir meinen Zielfernrohr, einem älteren Schmidt und Bender 2,5-10x56, für mich allerdings mehr als ausreichend. Plötzlich verhofft der Bock, meine Jagdfieber explodiert förmlich, zu unrecht, er steht wieder verdeckt. Nach knapp 5 Minuten fängt er wieder an sich zu bewegen, immernoch parallel zu mir. Nach 10 Metern bleibt er stehen, wieder explodiert das Jagdfieber, diesmal zu recht, nur der untere Teil des Blatts ist verdeckt. Ich halte ein bisschen höher an, und bringe meinen Finger an den Abzug. Im dem Moment in dem ich den Wiederstand spüre schüttelt mich das Jagdfieber.
Mir war klar, unter diesen umständen und mit meinem harten Abzug ist ein sicherer Schuss nicht möglich. Ich atme tief durch, und steche ein. Ich habe den Stecher so hart eingestellt wie möglich, damit ich immerhin ein bisschen Wiederstand habe, anderfalls fühle ich mich nicht sicher. Wieder die Nadel auf das Blatt gelegt, und den Finger langsam an den Abzug angelegt. Dieses mal ist das Jagdfieber nicht so stark, und ich erhöhe den Druck. Im gleichen Moment bricht der Schuss, aufgrund des Rückstoßes konnte ich nicht sicher sehen was passiert ist.
Ich drehte mich um und fragte meinen Vater was er gesehen hat. Dieser guckt noch immer durch sein Fernglas und sagt nur: "Der Bock liegt, erst ist im Schuss zusammengebrochen."

Zu nervös um noch die normalen zehn Minuten zu warten, baumen wir ab und suchen den Bock, was in der Brache nicht so einfach ist. Es dauerte 5 Minuten, bis ich vor dem Bock stand. So glücklich war ich noch nie zuvor, der Bock liegt.
Das Aufbrechen dauerte insgesamt 15 Minuten, es war mein erstes Mal das ich es selber mache, bis jetzt habe ich es nur gesehen. Mein Vater hilft mir ein bisschen, dann geht es nach Hause, zusammen mit dem Bock.

Wir wiegen den Bock, gerade mal 11kg, für unser Revier schwach. Es ist der perfekte Abschußbock: Spießer und geringes Gewicht.

Die nächste Woche gibt es viel Arbeit am Bock; das Gehörn fertig machen und den Bock zur Verwertung fertig machen. Natürlich verwerten wir meinen ersten Bock selber.

12 Tage nachdem ich die Jagdschule Emsland verlassen habe stehe ich vor meinem ersten Bock, überglücklich, mit einer neuen Erfahrung, hoffend das noch viele hinzukommen.
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falk0209

falk0209

Alter: 23 Jahre,
aus Wuppertal
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Kommentare

05.12.2010 11:53 Hoisbuettler
Waidmannsheil zum Bock
gut beschrieben
gruß Jan
05.12.2010 13:49 Niederbayer
Waidmannsheil! Spannend geschrieben!

Gruß Niederbayer
05.12.2010 17:54 Sauerlandjaeger93
Waidmannsheil.
lg Sauerlandjaeger93
05.12.2010 18:02 Paragon
Toll geschrieben und immer schön spannend gehalten

wmh Paragon
05.12.2010 18:27 Dachsbart
Waidmannsheil zum ersten Bock. Diese Geschichte wirst du sicher noch oft erzählen. Es ist und bleibt was ganz besonderes im Jägerleben.

Gruß Dachsbart
05.12.2010 18:37 Hardtimkerjun
Waidmannsheil zum Bock
wohne auch in Wuppertal

gruß Hardtimkerjun
06.12.2010 08:24 swinging_elvis
Auch von mir Waidmannsheil... ja, so ein Bock kann schon Nerven kosten... gut, dass Du gewartet hast, bis das Jagdfieber ein wenig weg gegangen ist... Gruß, e.
06.12.2010 11:35 tomhaus
Mein lieber Mann, man fiebert ja richtig mit...



Waidmannsheil
TOM
09.12.2010 23:29 thomasrichter
war auch in der jagdschule emsland.
habe am abend nach dem verlassen der schule meine erste sau erlegt.
dir ein kräftiges waidmannsheil!
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