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Sauennacht

(12 Einträge)

dritte Novembersau...
1009 mal angesehen
28.11.2010, 22.51 Uhr

nur mal kirren fahren...

Ich konnte es kaum erwarten, endlich in den Busch zu fahren. Das Wetter war eigentlich klasse. Knapp unter Null Grad, nahezu windstill und sonnig...
Im Wald lag noch Schnee, wenn auch etwas verharrscht.

Ich hatte mittags Kiro von zu Hause abgeholt, meine Restrunde zur Kartierung von Gänsen gedreht und dann gings schnurstracks ab - nachsehen, ob nach einigen Tagen unerklärlicher Abstinenz die Sauen die Kirrung endlich mal wieder angenommen hätten. Irgendwie hatte ich ja noch Hoffnung auf die dritte Novembersau. Das wäre schlichtweg Klasse, auch wenn ich mir bei einigen Mitpächtern nicht ganz sicher war, dass die sich auch über meine mögliche dritte Novembersau freuen würden, zumal einige von ihnen den ganzen Herbst noch keine bekommen hatten...

Der Wald hatte mich endlich wieder. Gerade jetzt bei Schnee und Frost mochte ich ihn ungeheuer. Oft genug spielte sich hier das wirklich Interessante ab, konnte man das Geschehen so unglaublich nah erleben, auch wenn es nur durch die Fährten im Schnee war.

Kiro freute sich mindestens genau so wie ich, war an allem interessiert, bewindete den Holzstapel zum gefühlten hundertsten Mal und war kaum wegzubekommen.

Die erste Kirrung war wieder nicht angenommen. Und ich wusste nicht warum. In den Tagen vorher war hier immer die Hölle los gewesen. Ich hatte nicht geschludert und immer für motivierenden Nachschub für die Wutzen gesorgt. Aber seit drei Tagen war hier einfach Totenstille. Andererseits war es auch nicht ganz schlimm. Jetzt nach dem Mond war hier kaum was zu machen, hier lag auch kein Schnee mehr. Also was solls, die andere Kirrung war viel bedeutsamer, da hier noch ausreichend Schnee lag.

Ja und die war (obwohl ebenfalls nicht angenommen in den letzten Tagen) wie auf den Kopf gestellt. Hier musste eine Bache mit Frischlingen "gehaust" haben. Alles schwarz ...!!!

Also schön den Mais mit Weizen auf den weißen Schneeflächen ausgebracht und los. Heute abend wollte ich genau hier mein Glück versuchen. Bevor ich aber wieder Richtung Auto ging, beschloss ich noch, einen passenden Abstauberplatz für eine gute LL-Freundin für die bevorstehende Drückjagd im Nachbarrevier auszuspionieren. Ich hatte ihr versprochen, bei uns dabei sein zu dürfen, dann sollte sie natürlich auch einen erfolgsversprechenden Stand bekommen...

Ich schlug einen Boden zu einer streifenförmig verlaufenden Naturverjüngung. Kiro legte sich plötzlich mächtig in die Leine und ich rief ihn zur Ordnung.
Mein Blick fiel auf einen aufgerichteten Wurzelteller. Ich blieb stehen und stutzte: war das wirklich ein Wurzeltelller und ein Wurzelanlauf täuschte den Wurf einer Sau vor...??? Ich war etwa 40 Meter entfernt. Kiro stand wie eine Eins und sicherte ebenfalls dorthin.
Aber ohne Fernglas war da nichts richtig zu erkennen. Also abwarten...

Es mussten wohl beinahe fünf Minuten vergangen sein, als sich der Wurzelanlauf doch bewegte und auch deutlich Kontaktlaute von Sauen zu hören waren. Mir verschlug es die Sprache. Ich befahl Kiro zu Fuß und überlegte, was ich nun tun sollte. Ich wollte die Sauen jetzt nicht unnötig auf die Läufe bringen. Zurückschleichen...??? Aber bei dem verharrschten Schnee war das aussichtslos. Es war ohnehin ein völliges Rätsel, wie ich bei dem Krach so nahe an die Sauen herangekommen war.

Aber was auf dem Herweg klappte, könnte ja auch beim Rückzug funktionieren. Also los. Ich sprach mit Krio und trampelte ganz ungeniert zurück zum Waldweg, mich immer mal wieder umsehend, ob die Sauen noch da waren. Und sie blieben dort, zumindest so lange ich die Stellle, an der sie verhofften noch einsehen konnte.

Tja, und ich wollte es wissen. Ab gings mit Kiro zum Auto und schnell nach Hause. Dort die Waffe geschnappt und wieder in den Wald. Das Auto aber auch Kiro blieben zurück und ich ging den gleichen Weg noch einmal. Diesmal aber bemühte ich mich redlich um so wenig wie möglich Krach. Das war aber Schwerstarbeit...

Die Kirrung hatte ich passiert, wurde immer langsamer. Ich suchte meine alte Spur, um möglichst an gleicher Stelle wieder anzukommen, da ich aus anderer Position kaum Einblick in den Einstand der Sauen hatte. Schritt für Schritt tastete ich mich heran, war nun an der Stelle, wo ich vorhin stand und suchte eindringlich die Stellle ab: nix. Es folgte noch der eine oder andere Schritt dorthin, bis ich nur noch etwa 20 Meter entfernt war von der Stellle, wo ich die Sauen vorhin sah - aber die Bühne war leer.

In mir stiegt ungeheure Enttäuschung auf. Und obwohl ich mir immerzu in der Zwischenzeit einredete, dass die Sauen eine solche Störung nicht aushalten konnten - ich war jetzt, wo ich nun wirklich nix mehr vvorfand enttäuscht, maßlos enttäuscht...

So wollte ich wenigsstens noch kontrollieren, ob sie dort ihr Lager hatten, oder ob sie da durchwechseln wollte.
Also ging ich jetzt ungehemmt drauf los...

"Wuff", erschall es plötzlich vor mir. Eine Bache mit fünf Frischlingen brach polternd hervor und teilte sich in alle Himmelsrichtungen. An einen Schuss war natürlich nicht mehr zu denken...
Ich hätte vor Wut in den nächstbesten Baumstamm beißen mögen...

Die Bache kam in meinen Wind, blies noch einmal ordentlich und flüchtete nordwärts weg. Ich konnte sie immer mal wieder sehen, bevor sie in etwa 100 Metern Entfernung den Weg überfiel. Von den Frischlingen fehlte aber jede Spur.

`So Meister, das hast du gründlich versaut!`, hätte ich mich ohrfeigen können. Aber so ist Jagd, so sind Sauen. Egal wie, meistens kommt es anders als man denkt. Das wurde mir einmal mehr bewusst. Und deshalb, genau deshalb beschloss ich kurzerhand, hier stehen zu bleiben. Wenn die Frischlinge den Anschluss an die Bache verpasst hatten, reimte ich mir zusammen, könnte es ja sein...

In den folgenden Minuten liefen die Geschehnisse unzählige Mal vor mir ab. Und ich überlegte, ob ich nicht einfach wieder mit Hund und ohne große Rücksicht hätte rangehen sollen. Vielleicht hätten sie dann wieder gesichert und ich hätte sie rechtzeitig gesehen oder gar einen Frischling freigekriegt...

Hätte, hätte hätte...

Ein leises Knacken unterbrach meine Gedanken. Da, noch einmal... Sollte das etwa ein Frischling sein...???

In der dicksten Naturverjüngung konnte ich eine vorsichtige Bewegung erkennen, hörte ein leises suchendes Grunzen eines Frischlings...
Schnell hatte ich die BBF im Anschlag, versuchte mit dem Ziel, den Wildkörper zu finden und zu verfolgen. Da, da stand er zwischen den Stämmchen der Buchen, schob sich langsam weiter. Ja ein etwa 30 Kilo-Frischling wars, der da die Bache suchte. Aber an einen Schuss war bei den vielen Zweigen und Stämmchen nicht zu denken. Er schob sich weiter, kam an eine lichtere Stelle und überquerte sie ganz langsam und vorsichtig. Das Ziel hatte den Wildkörper und ich ließ fliegen.

Ein kurzes Klagen folgte, ich hörte den Wildkörper noch eine Minute sich bewegen in den Zweigen. Dann kehrte Ruhe ein.

Eine viertel Stunde später stand ich vor dem Frischlingskeiler, der sich vom Anschuss noch etwa 10 Meter geschleppt hatte. Jetzt sackte das Erlebte erst mal bei mir durch. Ich genoss die Ruhe nach der Aufregung, freute mich über das Erlebnis, das mal so ganz anders war, als die vorangegangenen...


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Kommentare

29.11.2010 07:14 Kija
Manchmal tut man halt eben das Richtige! Weidmannsheil!
Die Sauen bleiben gern nach der Störung liegen (so lange, wie sie die Urache noch sehen) wenn Ruhe herrscht, gehen sie - in aller Ruhe.
Maat
29.11.2010 08:52 Dackelbiene
Na Klasse .

Manchmal kann man garnicht so dumm denken wie es kommt (Besonders für den Frilli ).
Nochmal Weihei!
29.11.2010 09:11 swinging_elvis
Waidmannsheil auch von mir. Feines Erlebnis... da kann man von lernen. e.
29.11.2010 10:51 Remmi
Waidmannsheil
so kanns gehen
29.11.2010 11:30 Albjaeger
Waidmannsheil Anser,
so ne 30kg Sau ist doch was feines... und nach so einem Erlebniss erst recht.
Habe am Samstagabend auch eine 30er Wuzchen auf die Schwarte gelegt... sie (Frischl-Bache) wollte unbedingt mit mir Weihnanchten feiern

Herzliches Waihai auf die Insel
Albi
29.11.2010 11:35 Laerchenwald
Moin,

ein kräftiges Waidmannsheil aus Nordhessen. Spannende Jagd mit allen Höhen und Tiefen - das macht die Jagd aus!

Gruß aus Nordhessen
29.11.2010 11:45 WiednerDerSteirer
WH ,,, eine aufregende Geschichte, als wenn man dabei gewesen wäre,,,, so wirklichkeits nah
29.11.2010 17:28 SauerlaenderJung
Spannende Geschichte, habe richtig mitgefiebert! Super geschrieben!!! Weidmannsheil Dir! Klasse!
29.11.2010 18:18 Perfan
Ein kräftiges Waidmannsheil auf die Insel
29.11.2010 19:10 NRWTrapper
Wau Toll Geschrieben
29.11.2010 19:25 Bieber78
Wmh!! Super geschrieben, und spannender als jeder Krimi!

Gruß Bieber
29.11.2010 20:37 anser
Weidmanns Dank Euch allen!! Ja, war ein echt klasse Erlebnis! Und das zählt bei mir besonders deshalb so hoch, weil die Sauen tagsüber meist in den benachbarten großen Waldgebieten liegen und nur nachts zu uns kommen. Tja, und wenn man dann wirklich mal tagsüber welche antrifft (ist mir in sechs Jahren erst drei Mal passiert) passt es meistens überhaupt nicht!!!

Gruß
anser
29.11.2010 21:00 kirrdoedel
Waidmannsheil...

und: "gute Schreibe"...

Gruß
kd
30.11.2010 15:40 anser
Albjaeger schrieb:
Waidmannsheil Anser,

so ne 30kg Sau ist doch was feines... und nach so einem Erlebniss erst recht.

Habe am Samstagabend auch eine 30er Wuzchen auf die Schwarte gelegt... sie (Frischl-Bache) wollte unbedingt mit mir Weihnanchten feiern



Herzliches Waihai auf die Insel

Albi


Moin moin, und Weidmanns Heil auch dir! Ja, die 30-kg-Kerlchen sind ne echt leckere Größe...

Heute gab es bei uns wieder Schnee - meine Kirrung ist wieder angenommen. Leider muss ich aber heute zu lange arbeiten. Aber rate mal, was morgen passieren wird...

Grüße von der durchgepusteten Insel
anser
03.12.2010 08:47 saarjaeger62
WmH ganz toll geschrieben
Und was lehrt uns deine Geschichte?
Auch zum Kirren die Waffe mitnehmen.
03.12.2010 09:02 anser
saarjaeger62 schrieb:
WmH ganz toll geschrieben

Und was lehrt uns deine Geschichte?

Auch zum Kirren die Waffe mitnehmen.



Weidmanns Dank! Ja, eigentlich habe ich die Waffe auch immer mit (nach einer ähnlichen Erfahrung). Diesmal kam ich aber von unterwegs und war vorher nicht zu Hause. Und die Waffe den ganzen Tag im Auto durch die Gegend fahren... - eher nicht.

Ging ja auch so noch bestens ab die Geschichte...

Gruß von der Insel
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