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Sauennacht

(12 Einträge)

Hoffnungsschimmer Frischlingsbache
602 mal angesehen
22.11.2010, 10.13 Uhr

Wenn du denkst...

Endlich. Der Regen der letzten Tage hatte endlich ein Ende. Die Wolken wurden etwas lichtdurchlässiger und machten Hoffnung auf die nächste Nacht.

Nachdem ich im letzten Winterhalbjahr drauf verzichtet hatte, entschloss ich mich vor ein paar Wochen dazu, die alte Kirrung wieder in Schwung zu bringen. Der Wald hatte an Früchten in diesem Jahr nichts zu bieten. Eichen und Buchen blieben fruchtlos, die Sauen sollten also Kirrungen jetzt gut annehmen. Und so hatte ich auf dem alten und beinahe verwachsenen Weg den Kirrplatz wieder regelmäßig mit etwas Mais bestückt. Ein wenig Buchenholzteer an einem benachbarten Stamm sollte die Attraktivität noch etwas steigern.

Die Sauen ließen sich nicht all zu lange bitten. Regelmäßig nahmen sie die Kirrung an, ließen sich das Getreide schmecken und auch der Baumstamm mit dem Buchenholzteer wurde einigermaßen stark traktiert. Nur mit dem Wetter war es etwas blöd. Tagelang regnete es durch. Der nasse Waldboden schluckte das diffuse Mondlicht, der Wind war einfach nur Mist – kurzum: ich blieb zu Hause.

Aber heute sah es besser aus. Wind aus Ost, wenn man von Wind überhaupt reden konnte. Wolken zeigten immer mal wieder ne Lücke. Temperaturen bei 5 Grad.
Die Wilduhr, die ich an der Kirrung mit ausgebracht hatte, sagte mir, dass die Sauen immer so zwischen 22 und 23 Uhr erschienen. Also perfekt, um noch in Ruhe Abendbrot essen zu können und danach rauszufahren. Blieben dann immer noch fast drei Stunden, ehe mit Sauen zu rechnen war.
Dennoch hielt es mich nicht mehr zu Hause, als es 18 Uhr war. Sachen an, Waffe, Sitzhocker, Lampe und Hund und ab ging es in´s Revier.

Das Auto stellte ich wie immer am Bienenwagen ab. Und da selbst hier im Busch beinahe der gesamte Waldboden schwamm nach dem Regen, blieb Kiro im Auto. Ich schnappte meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zur Kirrung. Ein letzter Blick auf die Uhr – ja noch fast drei Stunden Zeit bis 22 Uhr.

So schlenderte ich sehr langsam und in aller Ruhe los. Lautlos voranzukommen war extrem schwierig. Kein Lüftchen regte sich, der schwimmende Boden schmatzte unter den Füßen, wenn man nicht sehr vorsichtig blieb. Und jedes noch so kleine Geräusch trug bei dem Wetter sehr weit.
Nach gefühlten 20 Minuten erreichte ich die Wegbiegung, von der aus ich die Kirrung ansatzweise einsehen konnte. Ein Blick durchs Fernglas sollte mich vor anwesendem Rehwild warnen. Links der Kirrung konnte ich zwei schwarze Flecken sehen, rechts der Kirrung einen weiteren. Sollten das schon Sauen sein? Mein Adrenalinspiegel schoss von Null auf Hundert. Aber so sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte keine Bewegungen ausmachen. Auch hörte ich kein Schmatzen oder Grunzen. Es knackte auch kein Zweig. Also waren es wohl doch ein paar Baumstubben.
Ich setzte das Fernglas leicht enttäuscht wieder ab und pirschte ganz vorsichtig weiter zur Kirrung. Doch schon nach sechs oder sieben Schritten nahm ich das Fernglas vorsichtshalber wieder hoch.
Die beiden schwarzen Flecken links der Kirrung hatten ihren Standort nicht verändert. Der schwarze Fleck rechts der Kirrung auch nicht. Jetzt konnte ich es auch besser sehen, dabei handelte es sich offensichtlich um den Buchenholzteer, den ich an den Baumstamm gebracht hatte. Also vorsichtig ein paar Schritt weiter.

Noch einmal hob ich das Fernglas hoch. Alles wie gehabt, nur… der rechte schwarze Fleck klebte nicht mehr an der rechten Stammseite sondern jetzt links, und wurde größer…!
Tatsache, doch Sauen! Ich konnte es kaum glauben. Nichts zu hören von Gequieke, Zweigen, Schmatzen. Und jetzt bewegten sich auch die beiden linken schwarzen Flecke! Und ich war schon auf etwa 70 Meter ran…

Wie jetzt weiter? Von hier aus schießen fiel aus, weil das nur im Knien gegangen wäre. Allerdings wäre dann noch eine Bodenwelle dazwischen, die die Sauen wieder verdeckt hätte. Es blieb nichts weiter übrig, als noch bis zur Bodenwelle vorzupirschen und dort in den Anschlag zu gehen.

Vorsichtig stellte ich alles andere ab und machte extrem langsam Minischritte, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Nur sehr mühsam ging es voran, mit jedem Fuß ganz vorsichtig einen geeigneten Standplatz ertastend. Es rächte sich fürchterlich, dass ich heute nicht noch mal am Tage den Pirschsteig von den durch den Regen und Wind herabgefallenen Zweigen befreit hatte…

Schließlich hatte ich die Bodenkuppe erreicht. Und extrem vorsichtig ging ich in den Kniend-Anschlag, richtete mich so leise es ging ein und nahm die BBF in Anschlag.
Das ganz leichte Rascheln des Kolbens an meiner Jacke reichte aber, um zum Aufschrecken der Sauen zu führen. Doch schon ein paar Meter weiter verhielten sie zwischen den Bäumen. Im Zielfernrohr konnte ich sie langsam wieder zur Kirrung kommen sehen. Es blieben drei Stück, alle gleich groß. Offensichtlich drei Frischlinge. Von einer Bache war weit und breit nichts zu sehen oder zu hören.

Die 7x65 erfasste den Frischling ein wenig zu weit hinten, aber er blieb im Feuer liegen. Tja, kniend schießen mach ich echt zu selten – ein Fall für den Schießstand…
Den Frischling hat es sicher kaum gestört…

Die Uhr sagte 19:45, als ich am Stück stand.

So blieb ich an der Kirrung sitzen, vielleicht war das ja noch nicht die 22-Uhr-Truppe…

Pünktlich um 22 Uhr passierte eine Rotte meinen Standort an der Kirrung, ignorierte diese völlig. Das war ganz offensichtlich die Truppe, die ein Mitjäger vor etwa 30 Minuten beschossen hatte. Den Kugelschlag hatte ich deutlich vernehmen können. Das dürften also dann zwei Schwarzkittel weniger sein, die unseren Feldern im Moment so zusetzen…


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Kommentare

22.11.2010 10:44 Dackelbiene
Weidmannsheil!
Du Glücklicher! Unsere Sauen sitzen im Mais, der immer noch steht und wo auch die nächsten Wochen keine Maschinen raufkommen werden .
Bin gestern Abend durch den Schlamm und die Seen auch hingepaddelt - leider ohne Erfolg
22.11.2010 10:59 Perfan
Verrätst du auch noch das Gewicht der Sau, denn so auf dem Bild sieht die gar nicht so leicht aus ...

Grüße und Waihei
22.11.2010 11:16 Musang
Waidmannsheil
Wieder sehr gut beschrieben..pirsche förmlich mit Nun...immer noch 2 Hände mehr gebraucht?
22.11.2010 12:12 platzi
Auch ich bin mitgepirscht. und nass wars, als ich mich hinkniete zum Schuss.
Weidmannsheil vom
Diether
22.11.2010 12:40 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte! Weidmannsheil! Freut mich für Dich! Spannend!
22.11.2010 12:54 Niederbayer
Waidmannsheil, tolle Geschichte!
22.11.2010 12:56 anser
Perfan schrieb:
Verrätst du auch noch das Gewicht der Sau, denn so auf dem Bild sieht die gar nicht so leicht aus ...



Grüße und Waihei


Weidmanns Dank!

28 kg...
22.11.2010 12:58 anser
Dackelbiene schrieb:
Weidmannsheil!

Du Glücklicher! Unsere Sauen sitzen im Mais, der immer noch steht und wo auch die nächsten Wochen keine Maschinen raufkommen werden .

Bin gestern Abend durch den Schlamm und die Seen auch hingepaddelt - leider ohne Erfolg


Weidmanns Dank!

In den Nachbarrevieren steht auch teilweise noch Mais. Aber der allergrößte Teil ist weg, auch wenn ich nicht weiß, wie die das geschafft haben - Tragflächenboote als Basismaschiene...???
22.11.2010 13:00 anser
Musang schrieb:
Waidmannsheil

Wieder sehr gut beschrieben..pirsche förmlich mit Nun...immer noch 2 Hände mehr gebraucht?


Jo! Weidmanns Dank!

Also alles in allem habe ich gestern drei Rotten zumindest akustisch und zwei davon auch optisch verfolgen können. Nur auf dem Acker hatte ich keine Chance. Dort sind sie schneller als du leise hinterherkommst - bis zu den Knien versinkt man teilweise... Das schmatzt dann ordentlich, wenn du weiter willst...
22.11.2010 13:01 anser
platzi schrieb:
Auch ich bin mitgepirscht. und nass wars, als ich mich hinkniete zum Schuss.

Weidmannsheil vom

Diether


Weidmanns Dank! Ja, nass war´s, aber gegen kalte Füße vom barfuß im kalten Wasser stehen ist das noch gar nix...
22.11.2010 13:41 swinging_elvis
Na das macht doch Spaß. Waidmannsheil zum leckeren Frischling. e.
22.11.2010 13:54 anser
swinging_elvis schrieb:
Na das macht doch Spaß. Waidmannsheil zum leckeren Frischling. e.


Das macht sowas von Spaß!!! Weidmanns Dank!!!
22.11.2010 21:20 RhoenerKauz
Bei uns zur Zeit auch so. Die Sauen sind so leise, da sind Rehe lauter.
Sonst bin ich immer mit offenen Ohren und geschlossenen Augen am Ansitz, das geht momentan leider nicht. Augen auf und Ohre wurscht
Ich freu mich auf den Schnee. Am besten gefroren, dann is nix mehr mit leise
23.11.2010 06:54 anser
RhoenerKauz schrieb:
Bei uns zur Zeit auch so. Die Sauen sind so leise, da sind Rehe lauter.

Sonst bin ich immer mit offenen Ohren und geschlossenen Augen am Ansitz, das geht momentan leider nicht. Augen auf und Ohre wurscht

Ich freu mich auf den Schnee. Am besten gefroren, dann is nix mehr mit leise


Stimmt! Aber dann bist du auch nicht mehr leise - ich mag ja das Pirschen im Schnee so sehr. Ist bei uns halt nur sehr selten möglich...
23.11.2010 07:39 RhoenerKauz
Pirschen mag ich auch ganz gern, aber mehr im Sommer. Im Winter hab ich meine dicken Stiefel an, da erwisch ich soagr immer 2 Pedale beim Fahren gleíchzeitig. Mit Pirschen ist das dann so ne Sache, auf längere Strecken nicht schön...
23.11.2010 19:35 Bieber78
Waidmannsheil
Super geschrieben! War echt spannend zu lesen. Weiter so
24.11.2010 07:19 anser
Bieber78 schrieb:
Waidmannsheil

Super geschrieben! War echt spannend zu lesen. Weiter so


Tja, Weidmanns Dank! Aber heute geht es weiter, die Sauen springen die Kirrungen momentan offensichtlich förmlich an. Schon in der Folgenacht waren wieder welche da, heute kam ein wenig Schnee dazu.

Ich glaub ich weiß, was ich heute abend mache...

Gruß von der Insel
anser
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