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Wald
457 mal angesehen
21.11.2010, 14.09 Uhr

Die erste Sau

Als im Oktober die helle Mondwoche begann, rief mich mein Cousin an, ob ich denn nicht Lust hätte, bei ihm auf Sauen zu sitzen. Er liegt mit seiner Jagd am Staatswald an, der für Sauen ein wahres Schlaraffenland ist. Direkt am Waldrand im betreffendenen Teil stand ein 10 ha Maisschlag, der letzte in der ganzen Umgebung, von dem lediglich ca. 2 ha in Richtung Wald bereits gedroschen waren. Die Sauen waren hier ständig. Bis Ende Oktober wurde der sichtbare Schaden auf ca. 3.000 € geschätzt, so dass unbedingt was passieren musste. Da ich bis dato noch keine Sau geschossen hatte, war ich natürlich Feuer und Flamme für diese Idee. So saß ich 4 Abende hintereinander an und......es tat sich nichts. Zwar hatte ich die Sauen ein paar mal einwechseln sehen, aber jedes mal so, dass ich nicht schießen konnte. Entweder zu weit, oder kein Kugelfang oder oder oder. So verging diese Mondphase ohne Waidmannsheil meinerseits. Lediglich ein Onkel von mir, der auch dort zur Jagd geht, konnte in dieser Phase einen Ü-Keiler erlegen.

Freitag der 19. November. Mein Onkel ruft mich an, ob ich denn nicht Lust hätte, der Mond wäre ja schon voll, der Mais ist weg und die Stoppeln stehen noch. Er hatte diese Woche schon Sauen vor, vergab aber diletantisch die Chance. Meinem Cousin waren vergangenen Sonntag 16 Stück gekommen, bekamen aber Wind und waren wieder weg. Leider war der Freitag bei mir schon unausweichlich verplant, aber der Samstag abend, der sollte es werden. Freitag Nachts zeigte sich der Mond unglaublich schön. Und Samstag? Den ganzen Tag Hochnebel, keine Chance auf den Mond. Egal denk ich, und gegen 18:00 Uhr pack ich meine sieben Sachen und los geht`s.

Die Fahrt ins Revier dauert ca. 10 min. Gegen halb sieben bezieh ich die sehr komfortable und geräumige mobile Kanzel mitten auf den Maisstoppeln. Links von mir in ca. 40 m Entfernung begann der Wald und zog sich dann vor mir wie ein U in ca. 150 m um mich rum. Kalt ist es, trotz Wolken, und die kältere Luft bin ich iwie nicht mehr gewohnt. Also rein in den Ansitzsack, dann wirds warm.

Erstmal tut sich nix. Gegen Neun ziehen drei Rehe äsend in ca. 70 m vor mir rum. Das Licht is trotz fehlendem Mond hervorragend, so dass ich die drei mit bloßem Auge sehen kann. Ein Fuchs schnürt in idealer Schrotschussentfernung vor mir rum, aber dem gilt es heute nicht. Ich genieße den Anblick Reineckes, schau gespannt zu wie er sich am Jagen probiert, der Sauvogel schreit...Wie? der Sauvogel? Tatsache, der Waldkauz schreit aufgeregt. Wie ich schon mittlerweile oft bemerkt habe, kündigt er stetig das Auftreten der Sauen an. Im Wald knackst und raschelt es, aber es ist nichts zu sehen. Die drei Rehe bleiben auch gelassen und so geh ich davon aus, dass noch keine Sauen da sind.

So vergeht die Zeit und gegen zehn ziehen die Rehe ab. Ich werd ein bisschen müde und die Blase drückt. Aber noch aushalten ist angesagt. Gegen halb elf halt ich es nicht mehr aus, ich muss pinkeln. Grad als ich den Ansitzsack öffne beginnt ein gequiecke und gegrunze im Wald, wie ich es sonst nur aus dem Saustall kenne. Zwei Minuten gehts so. Da nehm ich mein Glas zur Hand und leuchte die Stoppeln ab und bleib wie versteinert auf einem Fleck: Sauen! Und wie viele dass sind! In ca. 80m ziehen sie aus dem Wald und direkt auf mich zu. Der Wind ist ideal, steht er mir doch direkt ins Gesicht. In ca. 50 m Entfernung schwärmen sie auf einmal aus und beginnen zu brechen und schmatzen. Ich zähle durch: insgesamt 4 stärkere Sauen, 5 Überläufer und 9 Frischlinge. Jetzt gilts. Den 98er anbacken, entsichern, Leuchtpunkt an und eine aussuchen. Eine grobe Sau kommt auf einmal noch von links ins Bild und bleibt etwas abseits stehen, evtl ein Keiler? Egal, den kleineren gilts. Doch die Frischlinge wuseln nur hin und her, halten keinen Augenblick inne und das geht ne gefühlte Ewigkeit so. Eine Sau steht ruhig ein paar Meter entfernt von den anderen. Überläufer, denk ich mir. Ich vergleich sie größenmäßig mit den anderen und komme zu dem Entschluss, dass ich die packen will. Als sie sich breit dreht zerreisst der Knall die Stille und ich bin kurz vom Feuer geblendet. Die Sau knickt ein, schnell repetiert, und auf einmal flüchtet sie mit den anderen. Doch 20 m weiter werden die Läufe schwach und sie kippt um.

Jippiee! Heiß und kalt durchfährt es mich, meine erste Sau! Ich kanns gar nicht fassen und bekreuzige mich erstmal. Ich zittere am ganzen Körper und so brauch ich erstmal ne Zigarette. Ich versuche meinen Cousin zu erreichen, aber beim Wirt hat er keinen Empfang. Egal, jetzt erstmal zusammenpacken und hin zur Sau.

Am Anschuss liegt ein Überläuferkeiler. Kurz geschätzt ca. 50 - 60 kg. Ich halte erstmal inne und danke Gott für dieses Erlebnis. Doch dann wird mir auch klar, dass ich die Sau hier nicht alleine rauskriege.

Also ab zum Auto und zum Wirt, dort wo mein Cousin sitzt. Als ich die Gaststube betrete und er mich sieht geht sein Gesicht auseinander. Als ich ihm sage, ich bräuchte seine Hilfe, fängt er zu grinsen an und freut sich wie ein kleines Kind. Alle anderen Anwesenden aus dem Dorf kriegens auch mit und auf einmal freut sich jeder mit mir. Von überall her höre ich "Waidmannsheil!" und jeder will wissen was los war. Obwohl hier Sauen Standwild sind, interessiert es doch jeden brennend. D.h. erstmal ein Bier und an Schmalzler. Als diese geleert is, geht es zu meinem Cousin, ab auf den Bulldog und raus aufs Feld.

In der Frontladerschaufel fahren wir sie heim und brechen auf. Die Waage zeigt dann aufgebrochen 55 kg an. Welch eine Freude!

Nach ner weitern gemütlichen Halbe und viel Erzählungen trete ich dann müde und erschöpft die kurze Heimfahrt an. Gegen zwei Uhr ist der Tag zu Ende. Was für ein Tag, meine erste Sau! Die werd ich nie vergessen!
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Niederbayer

Niederbayer

Alter: 33 Jahre,
aus gesprochen gesetzesaffin
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Kommentare

21.11.2010 14:30 Blattjaeger
Ein kräftiges Waidmannsheil! Sehr schön erzählt!
21.11.2010 16:35 Sauerlandjaeger93
Waidmannsheil .
21.11.2010 16:35 BayernFlo
Waidmansheil und ein tolles Erlebniss!!
Die Erste war auch für mich was unvergessliches.
21.11.2010 17:52 Niederbayer
Waidmannsdank euch!
22.11.2010 09:42 swinging_elvis
EIn klasse Erlebnis. Und wenn man dann am Keiler steht... an die Freude kann ich mich gut erinnern... Waidmannsheil. e.
22.11.2010 10:38 Niederbayer
swinging_elvis schrieb:
EIn klasse Erlebnis. Und wenn man dann am Keiler steht... an die Freude kann ich mich gut erinnern... Waidmannsheil. e.



Die Freude ist dann einfach unbeschreiblich!
Waidmannsdank!
22.11.2010 12:52 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte, herzliches Weidmannsheil! Toll erzählt!!! Richtig spannend!
22.11.2010 15:23 anser
Auch von mir ein kräftiges Weidmanns Heil zum Schwarzen. Für mich ist und bleibt die Jagd auf die schwarzen (und braunen) Teufel eine der spannendsten und interessantesten Jagden - die Erlebnisse sind kaum zu toppen!!!

Gruß von der Insel
anser
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