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Sauennacht

(12 Einträge)

566 mal angesehen
16.11.2010, 11.50 Uhr

Zitterpartie

Wenn meine Frau mich so sehen könnte, die würde sagen „Du spinnst“. Wenn die Bache da vor mir mich so sehen könnte, würde die sich sicher totlachen…

Da stand ich nun, schön warme Klamotten an, nur an den Füßen wurde es kalt. Aber wie sollte es da auch warm werden, wenn man barfuß bei drei Grad seit fast 20 Minuten mucksmäuschenstill im durch den massigen Regen der letzten Tage schwimmenden Gras stand …
Weiter ranpirschen ging nicht. Ich hatte mich ziemlich in Brombeergestrüpp „festgefahren“, weil ich für eine sichere Auflage einen eben mit diesen dämlichen Brombeeren eingewachsenen alten Koppelpfahl aus Holz nutzen wollte. Bis hierhin war ich ja nun noch gekommen. Aber raus ging jetzt nicht mehr, ohne erstens die Sauen zu vergrämen und mir zweitens meine Füße gänzlich zu mishandeln.

Und die Sauen vergrämen – das Risiko würde ich nicht durch weitere Bewegungen erhöhen, da war ich mir ganz sicher. Die Bache hatte mir in den letzten Wochen zu oft einen Strich durch die Rechnung gemacht. Verehrt und doch manches Mal auch verflucht, gelang es mir in letzter Zeit einfach nicht, eines ihrer Frischlinge habhaft zu werden.

Mein abendlicher Ansitz im Wald blieb erfolglos. Mein Mitjäger hatte offensichtlich mehr Glück, denn gegen dreiviertel Neun knallte es etwa 300 Meter hinter mir. Ich genoss bis 22 Uhr die Ruhe, das noch etwas schwache Mondlicht und die Geräusche der Nacht im Eichenwald, bevor ich mich entschloss, abzubaumen und für den Heimweg noch einen Abstecher zum See zu machen.
Am See hatte ich offensichtlich meine altbekannte Bache mit ihrer Rotte (zwei Beibachen und vier Frischlinge) bei meinem letzten Versuch doch etwas arg verärgert. Ich konnte sie bis gestern nicht am See fährten. Aber bei dem herrlichen Wetter (nur ein schwaches, wenn auch recht kühles Lüftchen wehte aus Nordost) und der trotz Wolken guten Sicht wollte ich einfach noch mal am See eine Weile verweilen.

Mein erster Blick über das am See angrenzende Grünland zeigte, dass auch das mehr ein See als Grünland war. Beinahe dreiviertel der Wiese standen unter Wasser. Die Stock- wie auch Pfeifenten gaben auf dem flachen Wasser richtig Gas, jagten und balgten sich offensichtlich. Das Platschen auf den Wasserflächen nahm kein Ende. Auf dem See selbst riefen ein paar Singschwäne und machten mir einmal mehr deutlich, dass das Jahr doch schon sehr weit fortgeschritten war.

Eigentlich auf Ansitz eingerichtet, hatte ich meine Winteransitzstiefel an. Diese waren gut, wenn man still saß. Zum Pirschen aber taugen sie nicht. Jeder Schritt musste sehr wohl überlegt sein, weil die Dinger fürchterlich knarren. Also musste ich besonders langsam über die Plattenstraße Richtung Wald vorankommen. Immer wieder das Glas hochnehmen und die Wiesen ableuchten war da schon pure Erholung vom Bemühen, möglichst leise zu pirschen.

Ein erneuter Blick über die links liegende Wiese und die Kante zum Weidenbruch brachte zunächst nicht den erhofften Anblick. An ein paar Erlen, die die hier im Sommerhalbjahr weidenden Rinder schon mächtig mitgenommen hatten, hatte ich ein wenig Buchenholzteer gestrichen. Vielleicht ließen sich die Sauen, wenn sie denn wieder da wären auf dieses Spiel ein. Jetzt aber konnte ich erst mal nichts entdecken, oder was war das da…?

Tatsache, Sauen an den Buchenholzteerstellen… !!!

Tja, und da ich mit meinen „Ansitzstiefeln“ kaum eine Chance haben dürfte, auf Schussnähe ranzukommen, blieb also nur, den Weg dorthin barfuß zurückzulegen. Das wäre mir ja sonst ganz sicher ziemlich wurst gewesen. Aber an dieser Plattenstraße, die beidseitig ganz zweifellos jede Menge Tretminen von Pfiffi, Schnuffi und Co zierte, da gehörte für mich schon einiges an Überwindung zu, auf die Schuhe zu verzichten.

Irgendwie schaffte ich es aber zu meinem jetzigen Standort, auch wenn meine Sohlen den einen oder anderen Brombeerdornen aufgesammelt hatten. Die Sauen aber waren sehr vorsichtig. Sie hielten sich meist im Bereich zwischen besagten Erlen und der Kante des Weidenbruchs auf, also gut geschützt. Und nur kurzfristig war dann mal ein Schwarzer etwas abseits im Grünland. Da diese aber nicht sicher anzusprechen waren, blieb der Finger gerade.
Die Leitbache stand wohl direkt an der Weidenkante, zeigte sich überhaupt nicht. Vielmehr rumorte noch der eine oder andere Schwarze neben ihr im Weidensaum umher.
Irgendwann aber mahnte die Leitbache zum Aufbruch, worauf sich aber insbesondere die Frischlinge nicht so recht einlassen wollten.
Ich fing langsam an, unruhig zu werden, hatte auch schon den einen oder anderen Zitteranfall. Allerdings weiß ich nicht, ob das von der Kälte an meinen Füßen kam oder von der Aufregung, endlich mal einen Frischling abstauben zu können…
Schließlich schob sich ein Frischling noch einmal auf die Wiese, stand breit und hörte den Schuss vermutlich nicht mehr.

Jetzt hielt es meine Muskeln nicht mehr, es begann das große Zittern…

Der Weg zum Auto brachte Entspannung. Mein vierbeiniger Klettenfänger war kaum zu bändigen, den hatte ich im Auto gelassen, da ich eigentlich nicht mit einem solchen Erfolg rechnete und nur mal kurz nachsehen wollte.

Zu Hause brachte der Frischlingskeiler genau 40 Kg auf die Waage. Das ist genau das richtige für den Eigenbedarf…
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Kommentare

16.11.2010 13:04 SauerlaenderJung
Mach mir den Götzfried :) Weidmannsheil, gute Geschichte mit einem super Ende, hab echt mitgefiebert! Bravo!
16.11.2010 13:06 Wachtelhund
Weidmannsheil! Besonders, weils so anstrengend war!

Schön erzählt!
16.11.2010 14:10 anser
SauerlaenderJung schrieb:
Mach mir den Götzfried :) Weidmannsheil, gute Geschichte mit einem super Ende, hab echt mitgefiebert! Bravo!


Weidmanns Dank! Aber: so krasss wie der Götzfried bin ich ganz sicher nicht, obwohl ich auch schon durch Pfützen und Schlamm gerbbt bin, um an die Sauen zu kommen...
16.11.2010 14:13 anser
Wachtelhund schrieb:
Weidmannsheil! Besonders, weils so anstrengend war!



Schön erzählt!



Weidmanns Dank! Ich will ehrlich sein, ich war heute schon stinksauer, weil mein Nachbarjäger im Wald an ´ner Kirrung auf 30 Meter an den Sauen vorbeigeflaggt hat... Dafür, also eigentlich für nichts, hatte er mir dort den Ansitz versaut...

Der Frischling entschädigt zwar ein wenig, aber eigentlich hätten zwei Sauen liegen müssen gestern Abend!
16.11.2010 15:13 Hesse
Weidmannsheil dem Nacktfußjäger !
Hoffentlich hast du dir nicht den Tod geholt oder sogar einen bösen Schnupfen.
Aber gelobt sei was ...
Grüße
Peter
16.11.2010 15:56 anser
Hesse schrieb:
Weidmannsheil dem Nacktfußjäger !

Hoffentlich hast du dir nicht den Tod geholt oder sogar einen bösen Schnupfen.

Aber gelobt sei was ...

Grüße

Peter



Weidmanns Dank! Ich niese heute ein wenig...
16.11.2010 19:55 Dackelbiene
anser schrieb:
Weidmanns Dank! Ich niese heute ein wenig...

Und morgen wird es wohl ein wenig mehr sein ... . Und wenn du so weitermachst gibbet von der "Regierung" Jagdverbot
Dickes Weihei für den dornenreich hart erkämpften Magenschmeichler !!!
17.11.2010 07:04 anser
Dackelbiene schrieb:
Und morgen wird es wohl ein wenig mehr sein ... . Und wenn du so weitermachst gibbet von der "Regierung" Jagdverbot

Dickes Weihei für den dornenreich hart erkämpften Magenschmeichler !!!


Weidmanns Dank!

Das mit dem Jagdverbot sind ja echt gruselige Aussichten....

Aber allein wenn ich damit drohe, dass es Weihnachten nix wildes gibt, wird sich das mit dem drohenden Jagdverbot erledigt haben... Dazu beschäftigt sich die Großfamilie zu gern mit der Verdauung von nix industriemäßig gehaltenem sondern wild aufgewachsenem ...
17.11.2010 08:23 Dackelbiene
anser schrieb:
Weidmanns Dank!



Das mit dem Jagdverbot sind ja echt gruselige Aussichten....



Aber allein wenn ich damit drohe, dass es Weihnachten nix wildes gibt, wird sich das mit dem drohenden Jagdverbot erledigt haben... Dazu beschäftigt sich die Großfamilie zu gern mit der Verdauung von nix industriemäßig gehaltenem sondern wild aufgewachsenem ...


Hier trifft die Aussage "Ernährer der Familie" ja wortgenau noch zu
17.11.2010 10:49 swinging_elvis
Na das nenne ich Waidmannsheil. Fein, dass es noch geklappt hat. Gegen knarzende Schuhe gibt es allerdings Hilfe, welche Du gegen eiskalt gefrorene Füße besser eintauschst... denn die sind am schnellsten für eine unfreundliche Erkältung verantwortlich... aber Jägern Vernunft predigen... funktioniert bei mir auch nicht Rock. e
17.11.2010 10:53 anser
swinging_elvis schrieb:
... aber Jägern Vernunft predigen... funktioniert bei mir auch nicht Rock. e



Das ist der springende Punkt...!!!
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