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Frischlinge Triplette
1315 mal angesehen
07.11.2010, 18.31 Uhr

Allein am Mais

An einem Dienstag, einem schönen Herbstmorgen, war Maishäckseln angesagt. Wie schon so viele Tage zuvor. Sämtliche Termine beruflicher Art wurden verschoben und raus gings ins Revier. 11 Hektar Mais, der Fahrer der riesigen Häckselmaschine, die Fahrer der Maiszüge und ich -der Jungjäger mit seiner R93. Alle Jagdkollegen waren beruflich verpflichtet. Mit dem Fahrer des Häckslers wurde vereinbart, daß bei Sichtung von Sauen die Rundumleuchte zu betätigen sei.

So begann er nun der schöne Morgen. 7.30 Uhr, Nebel, Sicht 40 Meter. Aus Erzählungen wusste ich, daß ein Fernwechsel quer durch den Maisschlag verläuft. Also stellte ich mich unweit des Fernwechsels ab. Von Sonne an diesem Herbstmorgen keine Spur. Der Nebel kroch die Felder rauf unter runter. So schaute ich eine gute Stunde den Landwirten bei der Arbeit zu. Der Häcksler drehte Runde um Runde. Der Maisschlag wollte nicht kleiner werden.

Doch mit einem Mal wurde ich wach. Dort wo zuvor noch Mais stand, konnte ich erkennen, daß Sauen frisch gebrochen haben. Die Erde roch nach Sauen. Meine Wahl, mich am Fernwechsel anzustellen war zumindest nicht falsch, was die grobe Richtung betraf. Jedoch war keine Sau zu sehen. Eine gute halbe Stunde später - ich konnte erahnen, daß die Häckselmaschine ihre Wirkung nicht verfehlte, denn der Maisschlag wurde kleiner - vernahm ich leises Grunzen. Ich horchte auf und just dort, wo ich es vermutete äugte eine Bache aus dem Mais. Die Bache scheinbar verwundert, daß ihr Einstand auf einmal zu Ende war, wo eben noch gute Deckung zu finden war, wandte sich ab und verschwand wieder im Mais.

Nun war ich hellwach. Sorgen machte mir immer noch der Nebel, der zeitweilig nur 30 Meter Sicht brachte. Ich war schließlich ganz allein auf diesem Feld. Vom Fahrer des Häckslers gab es bisher kein Signal. So verging noch eine weitere gute halbe Stunde, in der ich den Landwirten beim Arbeiten zugucken konnte. Mittlerweile waren gut zwei Stunden vergangen. Ich befürchtete, daß sich die Sauen aus dem Staub gemacht haben konnten. Sehen konnte ich nach wie vor aufgrund des Nebels nicht viel.

Mittlerweile konnte man auch sehen, daß der Häcksler sein Werk bald verrichtet haben würde. Zu diesem Zeitpunkt standen vielleicht noch drei bis vier Schnittbreiten Mais. Also ein Streifen von etwa knapp zwanzig Meter Mais. Weil gerade kein Anhängerzug greifbar war, mußte der Häcksler pausieren. Und just in diesem Moment betätigt der Fahrer, welcher mir gegenüber auf der anderen Seite des Mais stand, seine Rundumleuchte. Das hieß Sauen auf der anderen Seite des Mais-Streifens.

Ich nahm meine R93 fest in die Hände. Wohl war ich so angespannt, daß ich nicht merkte wie starkt ich den Schaft meiner Büchse umschloss. Der Fahrer der Häckselmaschine war clever: Er schmiss, obwohl gerade pausierend seinen Motor an und fuhr eine ausladende Kurve Richtung Mais. Er trieb die Sauen mit dem Häcksler zurück in den Mais. Wie sich später herausstellte, war dies die perfekte Zusammenarbeit. Was nun geschah konnte mein Jungjägerleben kaum verarbeiten:

Eine Bache trat westlich von mir auf dreißig Metern, kurz vor der Grenze zum Nebel aber noch gut anzusprechen, völlig vertraut aus dem Mais und wie an der Perlenschnur aufgereiht fünf Frischlinge im Schlepptau. Eine Situation wie ich es kaum glauben wollte. Nun war klar was zu tun ist. Ich legte meine R93 an und schickte dem letzten Frischling in der Reihe ein Kugel. Schon lag die Wutz.

Jetzt tat ich das, was ich schon in so vielen youtube-Videos gesehen habe: Das Repetieren der R93 im Anschlag und mit dem Absehen auf dem Ziel. Mein Ziel war der vorletzte Frischling in der Reihe. Denn zu meinem Verblüffen reagierten weder die Bache, noch die Frischlinge auf mein Tun. Die Bache zog vertraut mit ihren verbliebenen Frischlingen im Schlepp in Richtung des etwa eintausend Meter entfernten Waldstückes. Also schickte ich auch diesem Frischling eine Kugel. Und wieder lag die Wutz. Das gleiche Szenario wie zuvor. Keine Reaktion von Bache und den verbliebenen drei Frischlingen. Ich war vollkommen verdutzt. Nicht desto trotz tat ich was der Jäger tut und repetierte, schon mit dem Absehen auf Frischling Nummer drei, und schoss sofort. Ich hatte zu weit hinten getroffen und der Kleine klagte.

Erst jetzt reagierte die Bache, verhoffte um zu äugen was da los sei. Ob sie vernommen hat, daß nur noch zwei ihrer ehemals fünf Begleiter gesund und munter waren? Nummer drei quiekte weiter und ich konnte ihm einen Tellerschuss anbringen. Nun grunzte die Alte zweimal kurz und versammelte ihre zwei verbliebenen Begleiter. Sie wandte sich um, ohne mich zu vernehmen und trollte Richtung Mais. Was ich in der ganzen Aufregung vergaß, war die Tatsache, daß die R93 nur vier Patronen fasste. Als ich ein weiteres Mal repetierte und abdrücken wollte, musste ich feststellen, daß ich ja bereits vier Schüsse abgegeben habe.

Bis ich dies richtig realisierte, ist die Bache mit ihren zwei Frischlingen im Mais verschwunden und hat auf der gegenüberliegenden Seite das Weite gesucht. Trotzdem habe ich nachgeladen, wer weiß was noch kommt. Erst jetzt habe ich realisiert, daß drei Frischlinge lagen. Der zuerst Beschossene klagte auf einmal. Ich gab auch ihm einen Tellerschuss. Ich war aufgeregt und weiß bis heute nicht wie mir geschah. Allein an einem 11 Hektar großen Maisschlag und 50% der Rotte geschossen. Da soll mal einer sagen, das wär keine effektive Schwarzwildbejagung.

Nachdem der Mais gehäckselt war fanden sich der Landwirt und der Fahrer des Häckslers ein. Schließlich war es ja auch eine Gemeinschaftsarbeit mit dem Maishäcksler als Treiber. So gratulierten wir uns zu unserer Tat und erfreuten uns am Ergebnis dieses Jagderfolges.
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Huntingmaster

Huntingmaster

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aus Oldenburg
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Kommentare

07.11.2010 18:58 swinging_elvis
Das nenne ich wirklich mal: Schwein gehabt
Waidmannsheil zu Deinen drei Frischlingen!
"Jungjägerglück" wirst Du Dir sicher wieder anhören dürfen Grüße, e.
07.11.2010 19:23 Huntingmaster
swinging_elvis schrieb:
Das nenne ich wirklich mal: Schwein gehabt
Waidmannsheil zu Deinen drei Frischlingen!
"Jungjägerglück" wirst Du Dir sicher wieder anhören dürfen Grüße, e.


Das Spektrum der Bemerkungen ist recht weit gefächert, waidmannsdank
07.11.2010 19:52 anser
Dazu ein aufrichtiges Weidmanns Heil!!! Das dürfte alle erfreut haben, solch eine Strecke legen zu können!!!

Gruß von der Insel

anser
07.11.2010 20:37 WiednerDerSteirer
WH... und anerkennung
07.11.2010 21:09 Frankenjaeger
Saubere Zusammenarbeit !!!
Waidmannsheil !!!
07.11.2010 21:52 Huntingmaster
Waidmannsdank
07.11.2010 21:58 BayernFlo
Waidmannsheil zu den dreien!!
VG,
Flo
07.11.2010 22:01 kugelschlag
Waidmannsheil! ..und das war in OL? Gruß aus der Nachbarschaft....
07.11.2010 22:37 Ismo
Waidmannsheil! Das ist wirklich mal fette Beute.

Hat der Hächslerfahrer denn wenigstens ne Keule bekommen?

Gruss,
Ismo
08.11.2010 12:45 SauerlaenderJung
Weidmannsheil, Kerlekiste da haste ja richtig abgeräumt!
08.11.2010 19:30 Remmi
Waidmannsheil
das hat sich ja gelohnt!
08.11.2010 20:52 Huntingmaster
Waidmannsdank für Eure Kommentare
08.11.2010 21:00 Marka
Wo war das den im Olenburgerland wenn es dort war ?grobe Richtung würde mich interessieren !

dickes Waidmannsheil !
Malte
09.11.2010 07:35 Huntingmaster
Marka schrieb:
Wo war das den im Olenburgerland wenn es dort war ?grobe Richtung würde mich interessieren !

dickes Waidmannsheil !
Malte


Moin Malte,

das Ereignis hat sich im Raum Verden zugetragen.
09.11.2010 19:23 Epilobium
Da sag noch einer,das JJ nicht die Nerven behalten können
11.11.2010 10:22 Die_Leitbache
dickes weidmansheil zur deiner persönlichen strecke.

respekt....umsichtig gehandelt

gruß moni
11.11.2010 10:54 Kevin1990
sehr gut....sehr spannend wmh
11.11.2010 22:50 01mare
Waidmannsheil für die Sauen . Und Waidmannsheil zu dieser Lebensgeschichte.

Mfg

Ölle
16.11.2010 19:08 Huntingmaster
Waidmannsdank für all die freundlichen und netten Worte!
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