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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

Finnen-Frühstück spezial Die Wipfel im Blick Stolzer Hahnenjäger
453 mal angesehen
24.10.2010, 16.31 Uhr

Jagd-Melancholie

Der Abend war lang gewesen. Allen hatte der im französischen Roten gegarte Elchherz-Goulasch hervorragend gemundet und dies musste natürlich anschließend mit reichlich Flüssigem gefeiert werden. Dementsprechend schaute ich heute Morgen ein wenig aus kleinen Augen in die Welt. Trotzdem raffte ich mich auf. Ein leckeres finnisches Frühstück wollte ich mir gönnen und so verließ ich das Haus und stapfte durch den frostigen finnischen Morgen meinem Ziel entgegen. Dabei hing ich einem Gedanken nach: Wie unterschiedlich empfinden doch die Menschen beim Schuss auf Wild. Dies kann man vor allem auch bei Fehl- oder schlechten Schüssen erleben, bei denen die Bandbreite der Reaktionen von nahezu desinteressiert bis hin zu Vorwürfen gegen sich selbst gehen, die einen fast den Repetier für immer an den Nagel hängen lassen… Ich befand mich immer schon in der Mitte mit deutlicher Tendenz zu Selbstzweifeln…
Im schönen Haus angekommen – eine alte hölzerne Villa – war ich der erste Gast. So konnte ich mir einen schön hellen Platz aussuchen, gemütlich einen leckeren Teller zusammenstellen und… ein klein wenig jagdliche Literatur genießen. Ludwig Hohlweins Jagdbuch war es, bei dem ich das erste Kapitel aufschlug: „Die Herrenalm“. Zu Zeiten, als man noch mit der Umstellung von Kimme-Korn auf das Zielfernrohr haderte schoss der Autor einen Almhirsch. Drei Schüsse gingen raus und trotzdem wechselt der Geweihte noch ins Holz. Auch Herr Hohlwein beschrieb seine Stimmung sehr genau, zunächst Selbstzweifel, die dann aber schnell beiseitegeschoben wurden… Unangenehmes schnell weggewischt? Nun gut, der Hirsch lag…

Einen Blick nach draußen in den weißen Oktoberhimmel werfend verloren sich meine Gedanken zurück zur Hahnenjagd im schönen Revier in Mittelfinnland. Hier musste ich leider wieder einmal Lehrgeld zahlen.
Weiß war auch die Landschaft um uns herum, als wir mit brummendem Pick-up-Motor über die Hauptstraße fuhren. Über Nacht waren jetzt Anfang Oktober sicher sieben Zentimeter Schnee gefallen und ich war einfach nur fasziniert. Der verschneite Wald, die weiten weißen Felder, auf denen ich gedanklich schon den Rotrock schnüren sah… einfach ein Traum.
Zu diesen Zeiten hat das Birkwild seine Nachbalz in den Mooren beendet und tut sich zu teilweise riesigen Flügen von sicher fünfzig Vögeln zusammen. Bejagt werden sie dann an Flugschneisen zu den Feldern bzw. an Birken, die die Rauhfußhühner gerne zum äsen nutzen. An so einer interessanten Stelle auf einem Kahlschlag wollten wir uns ansetzen. Nachdem ich mich in einem verschneiten Nest aus Kiefernreisern eingerichtet hatte, genoss ich den grauenden Morgen in dieser wunderbaren Landschaft. Schnee, Schnee, Schnee… das war heute fast schon eine Art winterliche Wipfeljagd und für den weiteren Schuss hatte ich neben der Flinte auch wieder meine .22-Hornet dabei, freilich bis max. 100 Meter, und selbst diese waren bei dem heute gehenden Wind nicht ohne Risiko. Meine ganze Hoffnung ruhte also auf einfallende Hühner gleich in den Birken neben mir. Wie mir Markus mitteilte konnte man zu dieser Zeit fast die Uhr nach den Birkhühnern stellen. Sie kamen immer mit Sonnenaufgang, also gegen zehn nach acht.

Meine Tarnung war heute natürlich nicht optimal, aber es würde schon gehen. Nur auf Zack musste ich sein, wenn sie einfielen. Und wie es manchmal so ist: man träumt oder genießt die schöne Landschaft und plötzlich rauscht es über einem in der Luft. Ja, da kamen sie auch schon, sicher zehn zumeist schwarze Ritter strichen heran und fielen rechts neben mir in der Birke ein. Entsichern, drehen, anschlagen, BUMM… Im Fallen sah ich, dass noch Leben in dem kleinen Schwarzen steckte. Wie bei geflügelten Tauben bemerkte ich, wie sich der Stingel verrenkte als der Hahn zu Boden ging. Ich merkte mir den Ort genau und wollte noch ein wenig warten. Markus empfahl mir aber, gleich einmal nachzuschauen. Also stapfte ich los und machte einen großen Fehler: Ich ließ die Flinte am Platz in der Annahme, dass meine Beute längst verendet sei. Nach kurzer Suche fand ich den Hahn auch, aber nicht schlaff im Schnee liegen sondern zusammengekauert unter einem Birkenzweig. Blitzschnell warf ich mich in den Schnee, aber ich war zu langsam. Durch meine Hände schlüpfend entkam mir der Hahn, bekam nach zwei Metern Luft unter die Schwingen und ritt langsam aber stetig an Höhe gewinnend ab… und hinterließ einen sich furchtbar ärgernden Jäger. Ich verfolgte ihn noch, bis er meinen Augen entschwand, aber das plötzliche Anlegen der Schwingen und Fallen, wie ich es schon bei Tauben beobachtete, konnte ich nicht sehen. Weg, verloren, entschwunden die so kostbare Beute.
Das Birkwild liegt mir sehr am Herzen. Zweimal schon konnte ich dieses Wild bei der Balz im Frühjahr beobachten, zwei Herbste konnte ich zur Jagd auf sie nutzen. Vielleicht fasziniert mich dieses Wild so, weil es bei uns so selten ist. Dies alles trug natürlich nicht zur Hebung meiner Stimmung bei. Wie konnte ich so dumm sein? Ich hatte den Vogel doch fallen sehen… da war noch Leben drin!

Wenig später packten wir zusammen und machten uns auf Richtung Wagen, als mich mein Jagdfreund anstieß. Eine Nachzüglerin, eine Birkhenne war in genau dem Baum eingefallen, unter dem ich gerade noch saß. Langsam gingen wir in die Hocke, versuchten regelrecht im Schnee zu versinken. Meinen Rucksack vor mich schiebend ging ich langsam mit der Hornet in Anschlag. Nein, so ging es nicht, Lage noch einmal ändern. Jetzt ruhte der Schaft an der Schulter und das Absehen stand, aber der Wind ging und der Vogel hatte Mühe, sich im wackelnden Birkenwipfel zu halten. Hin, her, hin, her… immer länger wartete ich vielleicht auf eine windstille Phase, sie kam nicht. Also einrichten und den Vogel ins Absehen rein schwingen lassen. PENG ging die kleine Kugel auf die Reise. Die Dame – wie ich Hennen gerne nenne – ließ sich von ihrem Ast fallen und hinterließ eine kleine braune Feder, die langsam zu Boden schwebte. Sie selbst entschwand zwischen den fernen Fichten. Tief durchatmend schaute ich enttäuscht meinen Begleiter an. „G’feit!“ hätte er wohl gebrummt, wenn es ein jodelnder Bergjäger gewesen wäre. Hier aber wurden nur achselzuckend die Sachen aufgesammelt. Wir suchten noch eine Weile nach Zeichen in der Nähe der Birke, aber es waren keine zu finden. Da ich mittlerweile gelernt habe, auf Finnische zu fluchen, konnte ich wenigstens recht gut ausdrücken, was ich von mir selbst hielt.
Aber so ganz wollten wir dann doch nicht aufgeben. Markus kannte eine Stelle im Wald, wo sich die Hühner an und auf einem abgeernteten Feld sammelten. Vielleicht hatten wir da noch eine Chance. Und tatsächlich. Wieder einmal war ich erstaunt über eine so große Ansammlung dieser tollen Wildart. Wir fuhren langsam weiter, um dann im Wald zurück zu pirschen. War das eine Spannung. Da mein Jagdfreund Schneetarn trug, schlich er voraus und ich nahm hinter ihm Deckung. Kurz vor der Dickungskante ging es dann im Tiefgang weiter. Wieder sollte mein Rucksack als Unterlage dienen. Langsam schob ich den dicken Matchlauf nach vorne und richtete mich ein. Sicher hundert Meter waren es, aber hier wehte wenigstens nicht so ein starker Wind. Jetzt wollte ich es natürlich richtig machen, darum zielte ich lange und sorgfältig. Der anvisierte Hahn stand breit in einer Birke und reckte den Stingel, um an den Samen zu kommen. Auf ein kurzes Verhoffen wartend ruhte das Absehen eins auf dem schwarzen Gefieder. Gestochen hatte ich auch bereits, als ich linkerhand ein mir unbekanntes Geräusch vernahm. Kam da ein Auto? Ein anderer Jäger? Ein Kribbeln ging mir durch den Kopf. Nein, bitte nicht… aber es war zu spät. Mit einem Rauschen ritten die Hühner aber, alles in allem sicher dreißig Stück. Fassungslos schaute ich Markus an. Das konnte doch nicht wahr sein? Ich hatte keinen Argwohn bei den Vögeln bemerkt. Enttäuscht ging es zurück zum Wagen. Was das unglückliche Ende verursacht hatte, konnten wir nicht feststellen. Dies war meine letzte Chance auf einen Hahn im Jahr 2010. Das Wetter wurde deutlich schlechter, es fiel mehr Schnee. Noch einen Morgen gingen wir raus, an dem mein Freund bei Schneetreiben aus einem Flug von sicher sechzig Vögeln, die ihm auf die Minute wie bestellt schussbar kamen, einen jungen Hahn herauspicken konnte. Ich freute mich mit ihm. So hatten wir wenigstens gemeinsam Erfolg. Mir lagen meine Fehler noch eine Zeit bitter auf der Zunge, wurden aber dann doch vom Genuss an dieser wunderbaren Landschaft und den Erwartungen in die kommende Elchjagd verdrängt.

Langsam kehrte ich zu meinem Frühstück zurück. Der Kaffee war erkaltet, der Teller mittlerweile leer und wünschte, erneut gefüllt zu werden. Wie hatte ich erst kürzlich im Film „the road“ gehört: „Man muss das Feuer in sich bewahren…!“
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swinging_elvis

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Kommentare

24.10.2010 17:06 Renevolution81
Kopf hoch mein nordischer Freund - die Jagd ist alle Tage neu und manchmal eben Bitter
2011 wird es mit "Hallodri´s" Unterstützung schon klappen
Ein kräftiges WMH zur tollen Erzählung
24.10.2010 17:18 swinging_elvis
Na Waidmannsdank. Das werden wir einst machen. Versprochen, Louis!
Renevolution81 schrieb:
2011 wird es mit "Hallodri´s" Unterstützung schon klappen
Ein kräftiges WMH zur tollen Erzählung

24.10.2010 17:19 WiednerDerSteirer
... du erzählst sehr gut....schöne bilder
WH
25.10.2010 07:56 Alpenjager
"Wie unterschiedlich empfinden doch die Menschen beim Schuss auf Wild" ..das hast Du gut erkannt und schön erzählt! Das ist es was den Waidmann ausmacht und vom "Schussknecht" unterscheidet.
Grüße aus dem Allgäu, Peter
25.10.2010 08:22 Spitzbua
Hallodrio Elvis,
du saugst die Natur und die Jagd mit Deinen Sinnen
förmlich auf, man spührt es aus Deinen Zeilen
Feurig geschrieben
beim nächsten mal liegt der schwarze Ritter bestimmt in der weissen Pracht
Tolle Geschichte
Grüsse ins schöne Finnland

25.10.2010 12:18 swinging_elvis
Die Melancholie rührt auch ein wenig von meinem Weggang aus Finnland, was Du vielleicht schon vom Ober-Hallodri weißt... aber Neues steht bevor ROCK!
Spitzbua schrieb:
Hallodrio Elvis,
Grüsse ins schöne Finnland



25.10.2010 12:41 Spitzbua
swinging_elvis schrieb:
Die Melancholie rührt auch ein wenig von meinem Weggang aus Finnland, was Du vielleicht schon vom Ober-Hallodri weißt... aber Neues steht bevor ROCK!



Servus,
Ja den seelischen Zustand kenne ich auch,
an den Ort kehrt man immer wieder gerne zurück.
Rock on dem Neuen entgegen.
Hallodri Grüsse
25.10.2010 13:39 platzi
Weidmannsheil zum Erlebten.
So wird die Freude beim Ersten um so größer sein.
Auch wenn das Erlegen nicht immer das Wichtigste ist, so wurmt es einen schon doch, wenns einfach nicht will. Kopf hoch - beim Nächsten Mal klappts!
Grüße

Diether

P.S.: So steht uns wohl ein neuer Erlebnisbericht bevor....
25.10.2010 13:54 anser
Ja, ja, es geht eben oft genug auch schief... Und trotzdem, was wär die Jägerei, wenn es immer und überall problemlos klappen wollte. Nach einem Misserfolg schätzt man den nächsten Erfolg viel höher ein - und das ist gut so...!

Klasse geschrieben!

Gruß
anser
25.10.2010 15:35 swinging_elvis
Jo Waidmannsdank. An Hahn hab ich ja schon erlegen können, wie Du sicher weißt
Ja, war sicher nicht zum letzten mal auf dieser schönen Jagd und Geschichten... drohen immer!
platzi schrieb:
So wird die Freude beim Ersten um so größer sein.
Nächsten Mal klappts!
P.S.: So steht uns wohl ein neuer Erlebnisbericht bevor....


25.10.2010 16:27 platzi
swinging_elvis schrieb:
Jo Waidmannsdank. An Hahn hab ich ja schon erlegen können, wie Du sicher weißt

Ja, war sicher nicht zum letzten mal auf dieser schönen Jagd und Geschichten... drohen immer!



Ist übrigens im Entstehen dein Spielhahnstoss
Kann nimmer lang dauern. Melde mich dann.

Grüße

Diether
25.10.2010 17:15 swinging_elvis

Kiitos
anser schrieb:
Gruß
anser

26.10.2010 09:05 Dackelbiene
Super erzählt!
Das Jägerleben hat so seine Höhen und Tiefen ... Selbstzweifel, wenn mal wieder alles schief läuft ... überbordende Freude, wenn wieder ein Erfolg da war...
Außerdem, dieses leckere Frühstück macht doch alles wieder wett
Viele Grüsse, Weihei und guten Anblick für die nächste Saison .

Sabine
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