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Die Jagd, mein Leben

Jagdgeschichten (10 Einträge)

1223 mal angesehen
03.09.2007, 18.42 Uhr

Das erste Mal als Jungjägerin im Revier

Samstagmorgen um halb fünf bin ich mit meinem Freund in Richtung Hunsrück losgefahren. Dort ist er mit einem Begehungsschein in die Jagd involviert, und dort darf auch ich in Zukunft Jagen. Der Pächter hat mir bereits im Januar einen Bock freigegeben, auf den ich nun waidweken wollte. Aber auch Fuchs, Dachs und Schwarzwild wurde mir bei unserer Ankunft freigegeben. Samstagabend bin ich dann raus ins Revier. Es war Anfangs etwas ungewohnt, mit Rucksack und Waffe auf dem Buckel den Hochsitz hochkraxeln zu müssen, wenn man vorher immer mit "leeren Händen" da hoch ist, aber dieses Problem war schnell vom Tisch. In der Kanzel packte ich leise Fernglas und Gehörschützer aus dem Rucksack und öffnete das nach vorne gerichtete Fenster. Schon nach einer guten Viertelstunde vernahm ich einen roten Fleck am linken Waldrand-ein Bock.
Leise das Fernglas hoch und geschaut- es war ein Bock, der mir freigegeben war (ca. halblauscher-hohe Spießchen, die etwas "krumm" waren).
Also linkes Fenster auf und weiter geschaut, ob es auch ja der "Richtige" ist. Dies bestätigte sich nach weiteren Sekunden, und ich legte das Fernglas beiseite und nahm meine Waffe, eine Mauser M03 im Kaliber .308 Win., hoch. Leise spannte ich sie, doch der Bock stand immer ein wenig schräg. Das Absehen lag ruhig auf dem Blatt, doch ich konnte mich nicht innerlich überreden, den Bock schräg zu beschießen, ich wollte das gegenüberliegende Schulterblatt nicht kaputt schießen. Außerdem stand der Bock noch sehr nah am Waldrand, sodass er nach Schussabgabe gut in diesem verschwinden hätte können. Schier endlose Minuten stand das Böckchen fast auf der Stelle, er tat mir weder den Gefallen, weiter raus zu ziehen noch sich breit zu stellen. Stattdessen zog er halbschräg wieder in Richtung Wald zu, sodass mir wieder ein sauberer Schuss untersagt blieb. Auf dem Grasweg kurz vor dem Waldrand angekommen stellte er sich breit, doch ein unmittelbar hinter dem "Weg" liegender Kies- und Asphaltweg kam für mich als Kugelfang überhaupt nicht in Frage. Also Waffe wieder entspannt und abgewartet, ob er es sich doch noch anders überlegte und wieder raus aufs Feld zog. Er bevorzugte es aber dann doch, sich in den Wald zu verdrücken. Es machte mir nichts aus, ihn nicht geschossen zu haben, ich konnte mir einfach nicht mit mir selbst einig sein, ob ich ihn eben in dieser Situation schießen wollte. Also genoss ich den Rest des Abends und beobachtete in der Ferne ziehendes Rehwild...Der Abend fand seinen Ausklang im Stammlokal, und der Pächter lobte mich, dass ich in dieser Situation so "cool" und überlegt gehandelt hatte, er hatte von einer Nachbarkanzel das "Schauspiel" beobachtet und war stolz, dass ich nicht geschossen hatte.

Am Sonntagmorgen ging es mit meinem Freund wieder um halb fünf ins Revier- Morgenansitz. Es galt den Sauen, aber auch dem Raubwild. Sollte mir ein passender Bock kommen, hätte ich auch diesen schießen dürfen, ich wurde nicht auf einen bestimmten Bock festgelegt. Mein Freund bezog eine Kanzel ca. 200 m entfernt von mir, ich versuchte das Waidwerken von einer "Fahrbaren" aus. Es war noch sehr dunkel, so dass die Augen lange brauchten, um sich daran zu gewöhnen. Aber das noch vorhandene Mondlicht half mir dabei. Irgendwann erspähte ich wenige Meter vor meinem Ansitz einen klobigen, aber recht platten Gegenstand. Aber Moment, dieser Gegenstand bewegte sich doch gerade, der war eben noch nicht da. Erst dachte ich an einen Frischling, doch der Blick durch das Fernglas sagte mir, dass dort ein Dachs sein Unwesen trieb. Schön war seine Schwarz-weiße Zeichnung zu erkennen. Also leise das Fenster auf, um Schmalzmann ja nicht zu erschrecken. Waffe raus aus dem Fenster, gespannt doch.. mit einem Mal hatte es der liebe Herr Dachs sehr eilig, er suchte mit tiefer Nase irgendetwas auf dem Boden. Mit rasenden Zickzack-Schritten brauste er davon, immer nett mit seinem Hintern in meinem Visier. Doch sein gewöhnungsbedürftiger Gang der von einer Seite zur anderen Wechselte, schneller als ich hinterherkam, erlaubte mir auch hier keinen sauberen Schuss. Also Finger gerade gelassen, Waffe entspannt und wieder in die Ecke. Vielleicht würde er ja wiederkommen- aber er kam nicht mehr.
Als es hell wurde, trat aus dem ca. 100 m entfernten Wald ein Stück Rehwild heraus. Ich konnte es als Knopfböckchen ansprechen, doch da dieser ein recht gutes Gewicht zeigte, schonte ich ihn und ließ ihn laufen.
Dieses Wochenende ist zu meiner Zufriedenheit verlaufen, ich konnte für 2 Tage vom Alltag abschalten und hatte zum ersten Mal den inneren Konflikt des Schießens oder Nicht-Schießens. Aber jetzt hat mich diese, wohl unheilbare, Krankheit erfasst, das Jagdfieber ist auch bei mir endgültig ausgebrochen. Doch mit allem jagdlichen Begehren, das der Jäger in seinem Herzen trägt, darf man nie vergessen, dass dem Wild die größte Achtung gebührt. Denn es soll einen möglichst sauberen, schmerzfreien Tod sterben wenn wir es erlegen wollen. Also habe ich für mich entschieden, dass ich das richtige getan habe. Ich kann mich immer wieder ansetzen, und wenn es dieses Jahr mit dem Bock nicht klappt, dann habe ich immer noch anderes Wild, und im nächsten Mai geht die Jagd auf den "Gehörnten" wieder von vorne los. Und außerdem sollte man stets im Hinterkopf bewahren: "Zehnmal geht der Jäger raus, neunmal kommt er leer nach Haus."
Allen anderen Jägern wünsche ich stets Waidmannsheil und ein gesundes Gewissen!
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Anke1607

Anke1607

Alter: 29 Jahre,
aus Kaarst
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Kommentare

03.09.2007 19:09 Alessandro
Ein Waidmannsheil aus Alex.
Deine Auffuehrung als Jager mit Erfahrung ist, nicht als Jungjaeger!
I miei complimenti.
In bocca al lupo-
Alessandro
03.09.2007 19:21 Trughirsch
Waidmannsheil.
Toller Bericht, und sehr bewundernswert deine Auffassung. Natürlich ist es "gold richtig" in diesen Situationen den Finger gerade zu lassen, aber etliche andere hätten fliegen lassen. Auch Ich als Jung-Jäger kenne dieses Gefühl nur all zu gut, und am Ende fühlt man sich sogar besser, wenn man guten Gewissen's wieder nach Hause fährt.
Gruß, Markus
03.09.2007 21:39 Tassilo
Alle Achtung!! Hätte auch so gehandelt. Bist auf dem rechten Weg.

" Jeder Tag ist ein Jagdtag aber jeder Jagdtag ist kein Fangtag."

Gruss und Waidmannsheil Tassilo
04.09.2007 08:26 platzi
Weidmannsheil!

Diether
04.09.2007 11:41 justuss
justus schrieb:

Liebe Anke,

danke für deinen ausführlichen, spannenden und von sehr viel weidfrauenverstand geprägtem bericht über deine ersten jagdtage.
Ich bin mir sicher, du wirst ein reiches jägerinnenleben führen, wenn dir, was ich dir wünsche, diese jagdmöglichkeit im schönen Hunsrück erhalten bleibt!

Weidmannsheil und grüße, auch von der kleinen Anka!

justus

04.09.2007 11:48 Anke1607
Hallo meine Freunde,
danke für euer positives Feedback! Ich wollte einfach meine erste "jagdliche" Erfahrung kundtun, ich hatte es ja versprochen! Alles schöne und unvergessliche was ich noch erleben werde soll irgendwo festgehalten werden, vielleicht wird ja irgendwann mal ein Buch daraus! Das wäre nämlich ein großer Wunsch von mir, wenn ich irgendwann meinen kindern und Enkeln meine Erlebnisse hinterlassen könnte.
Aber bis dahin gibt es noch viel zu erleben!

Waidmannsheil
Anke
05.09.2007 10:22 Hesse
Hallo Anke,
nach deinem Hinweis im PF habe ich soeben deinen spannenden Bericht gelesen. Auch ich drücke fest den Daumen, dass dir bald dein erstes Waidfrau-Glück hold ist !
Gruß
Falcone/Peter
05.09.2007 10:26 Kampfkeiler
Hallo Anke,

sehr lobenswert deine Einstellung, die du schön beschrieben hast, als wäre man selbst dabei gewesen.

Du hast soweit ich es gelesen habe alle richtig gemacht !!!

Ein vorbildliches Verhalten !!!!

Ohne aber komme ich allerdings nicht aus.

Bei Sauen mußt du fix sein, die warte nicht lange bist du gespannt hast.
Aber ich denke da wirst du noch hinkommen
21.09.2007 22:42 hcstz
Hallo Anke , es ist gut so wie es ist , behalte Deine Einstellung .
Ich wünsche Dir allzeit Waidmannsheil . Gruß hcstz
01.04.2008 17:28 Dorschkoenig
[quote]Anke1607 schrieb:

Danke Anke
30.08.2008 10:33 OEMI
Sehr schön und unterhaltsam Deine Bereichte. Du hast wirklich das Zeug dazu, bist eine echte Jägerin mit Herz und Verstand. Mach weiter so und viel Waidmannsheil auf all Deinen Wegen. Vielleicht schreibst Du mal eine schöne Jagdgeschichte in der Wild und Hund.
Viele Grüße OEMI
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