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Jagdtagebuch

Jagderzählung (5 Einträge)

Morgenstimmung im Revier
288 mal angesehen
18.09.2010, 19.04 Uhr

Der Kolkrabe

Der Kolkrabe


Getreu dem Motto „Nichts ist beständiger als die Veränderung“ standen wieder jagdliche Veränderungen an. Vor mir lag ein herrlich strukturiertes Feldrevier. Durchzogen von Hügeln und kleinen Wäldchen lag fast in der Mitte des Reviers ein ehemaliges Militärgelände. Einst patrouillierten hier Soldaten und jetzt eroberte sich die Natur das Gelände wieder zurück. Ein jagdlich hoch interessantes Feldrevier mit einem sehr guten Rehbestand. Schwarzwild war ständiges Wechselwild, jedoch auf Grund der beachtlichen Fläche an Maisschlägen waren die Sauen aktuell ständig im Revier. Da ich auf der Jagd noch nicht weiter mit Damwild zu tun hatte, freute ich mich um so mehr, dass das Damwild ebenfalls zum Wechselwild im Revier gehörte und den ersten Anblick von zwei Damhirschen – zwei Vollschaufler – werde ich so schnell wohl nicht vergessen.
Aufgrund der großen Flächen, die mit Mais bestellt waren, erstaunt es nicht, dass die Sauen sich dort fast häuslich einrichteten und ordentlich zu Schaden gingen. Aber auch das Damwild leistete seinen Beitrag zum Wildschaden. Es galt also, die Sauen überall da zu bejagen wo es nur ging. Nicht ganz einfach, wie man sich vorstellen kann. Die Sauen steckten im Mais und sahen einfach keine Veranlassung, diesen zu verlassen. Aber wie heißt es so schön: „Sich regen bringt Segen“.
Als ich meinen ersten Bock im neuen Revier strecken konnte, machte ich eine interessante Beobachtung, deren Bedeutung ich erst viel später begriff. Ich stand bei meinem gestreckten Bock (ein zweijähriger Spießer mit einer nicht alltäglichen Trophäe) als ich zwei Schmalrehe erblickte. Die beiden Stücke wechselten vertraut über den abgeernteten Getreideschlag und waren gut 300 m von mir entfernt als urplötzlich ein Kolkrabe seinen Ruf ausstieß. So vertraut die beiden Rehe noch eben auf dem Acker standen so hochflüchtig sprangen die beiden Stücke ab. Ich vermutete, dass die Rehe in ihren Kindertagen schlechte Erfahrungen mit dem Raben gemacht hatten und sich vor ihm in Sicherheit brachten. Vor meinem geistigen Auge hatte ich Berichte, bei denen es darum ging, dass Krähen und Kolkraben neugeborene Lämmer töteten und fraßen. Eine für mich gruselige Vorstellung, dachte ich doch sofort an Schlachtfelder im Mittelalter. Dort hatten die schwarzen Vögel nach der Schlacht eine wichtige Aufgabe zu erledigen, denn die „Schnelle Medizinische Hilfe“ war noch nicht erfunden, und die Toten blieben meist dort liegen wo sie gestorben waren.
Da jetzt der Schwerpunkt auf der Bejagung der Sauen lag, setzte ich mich ab sofort an Stellen, an denen durch frische Fährten und oder akustische Ortung die Sauen ausgemacht wurden. Gleich mein erster Ansitz war viel versprechend. Keine 15 m hinter mir im Mais konnte ich die Sauen bei ihrem nächtlichen Mahl sehr gut vernehmen. Das war ein herrliches Schmatzen und Grunzen. Natürlich bekam ich keine Sau in Anblick. Beim morgendlichen Heimweg fährtete ich noch die Kante des Maisschlages ab. Die Kante maß immerhin knapp 700 m und ich hatte Erfolg. Hinter einem kleinen Wäldchen konnte ich die frischen Fährten einer Rotte Sauen feststellen. Die Sauen waren in der Nacht aus dem einen Maisschlag offenbar in einen anderen gewechselt. Dort wollte ich mich in der nächsten Nacht ansetzten.
Als ich aus dem Fahrzeug stieg, lag eine herrliche Mondnacht vor mir. Der abnehmende Mond leuchtete hell und wurde nur gelegentlich von kleinen Wolken verdeckt. Auf dem bereits abgeernteten Getreideschlag lagen noch die runden Strohballen, der Mond umhüllte alles in sein weißes Licht, und so glich die Szene einer surrealen Landschaft. So leise es die Getreidestoppeln zuließen, pirschte ich mich zur Leiter. Von der Leiter hatte ich einen herrlichen Blick über das Revier. Die Nacht verging. Der neue Tag erwachte, und ich hatte bis dahin außer einem Fuchs und einem Hasen keinen Anblick gehabt. Langeweile umgab mich und ich freute mich bereits auf einen frischen Kaffee als urplötzlich etwas an der Maiskante meine Aufmerksamkeit erregte. Im Glas erkannte ich einen dunklen Schatten. Sauen!!! Sauen am helllichten Tag! Fast unmöglich aber dennoch wahr. Beim genaueren Ansprechen erkannte ich eine Leitbache und sieben Frischlinge im perfekten „Tarnbraun“. Es war genau die Rotte, die ich den Morgenstunden des vergangenen Tages zuvor gefährtet hatte. Ich freute mich, dass ich mit meiner Beobachtung und Deutung der Trittsiegel richtig gelegen hatte. Jetzt zogen die acht Sauen an der Maiskante entlang zu einer einzeln stehenden Eiche. So leise und so schnell es ging, stieg ich von der Leiter ab. Jetzt verfluchte ich die auf dem Acker stehenden Getreidestoppeln. Bei jedem Schritt knackte es unter meinen Füßen. Meter für Meter kam ich unerkannt an die Sauer heran Diese unterdessen, zogen seelenruhig die Maiskante entlang. Als ich an dem letzten Strohballen angekommen war, machte ich halt und suchte hinter dem Strohballen Deckung. Wenn die Sauen weiter zur Eiche ziehen würden, dann hatte ich sie bald auf gleicher Höhe und ich konnte mir einen Frischling herauspicken. So hoffte ich zumindest. Plötzlich ertönte der Ruf eines Kolkraben. Die Leitbache blieb stehen, sicherte und windete ihre Umgebung ab. Da das Stück offenbar nichts feststellen konnte, zog die Bache weiter. Wieder ertönte der Ruf des Kolkraben. Und schwupps war die gesamte Rotte im Mais verschwunden. Meine Enttäuschung und Wut auf den Raben kann ich gar nicht beschreiben. Ich wartete kurz, war schon wieder 10m zurückgegangen, als plötzlich ein Frischling aus dem Mais auftauchte. Ihm folgten die anderen Frischlinge. Mein Herz pochte vor Freude und Jagdfieber. Wieder schlich ich mich an. Nun aber zogen die Sauen in die andere Richtung und ich musste hinterher. Dann stoppten die Frischlinge und fingen an zu spielen. Ich machte mich schussfertig als wieder der Ruf des Kolkraben zu hören war. In diesem Moment stieß offenbar die Leitbache einen Warnruf aus „Wuff“- und die Sauen waren in Sekundenschnelle im Mais verschwunden und blieben es auch. Meine Enttäuschung war noch größer und ich hätte den Kolkraben am liebsten solange gewaschen bis er eine Picassotaube geworden wäre. Da ich annahm, jetzt genug Krach gemacht zu haben, ging ich zügig zur Leiter zurück. Ich stand kaum an der Leiter als eine Ricke keine 50 m an mir vertraut vorbei wechselte und in einem kleinen Wäldchen verschwand. Im Glas konnte ich noch ein Schmalreh ausmachen. Das passte doch! Das Jagdfieber stieg wieder in mir hoch und ich pirschte mich von Strohballen zu Strohballen an. Kaum hatte ich eine günstige Schussposition erreicht, geschah das Unvermeidliche. Der Kolkrabe hatte es offenbar auf mich abgesehen, und das Schmalreh war natürlich abgesprungen. Jetzt hatte ich die Nase gestrichen voll! Des Kolkraben Glück war nur sein Schutzstatus- diese Aktion wäre sonst seine Letzte gewesen. Und jetzt erinnerte ich mich an die beiden Schmalrehe. Die beiden waren nicht vor dem Kolkraben geflüchtet, sondern waren seinem Warnruf gefolgt. Der Vogel hatte das Wild regelrecht vor mir gewarnt. Ich war ein ganzes Stück klüger geworden und trotz meiner Wut auf den Raben war ich über seine hohe Intelligenz sehr erstaunt und ein kleines Grinsen lag in meinem Gesicht. Ich machte mich auf den Heimweg und freute mich auf eine heiße Tasse „rabenschwarzen“ Bohnenkaffee.

P.S. An diese Stelle setzte ich mich natürlich wieder an und bekam die Sauen wieder in Anblick ohne das ich hätte einen Schuss anbringen können. Aber der Mais steht ja noch ein paar Tage.
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ckgauloises

ckgauloises

Alter: 43 Jahre,
aus Schkopau
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Kommentare

18.09.2010 22:25 platzi
Bei uns ist sofort nach jedem Schuss (Gebirge) der Kolkrabe mit seinem Krok, Kork da. Er weiss, dass es fast immer etwas zu holen gibt.
Beim vorletzen Mal haben wir uns kaum entfernt vom Aufbruch der Gams und schon war der erste da. Sozusagen hatte er eine warme Mahlzeit....
Schön erzählt!
Weidmannsheil - wird schon klappen...

Grüße

Diether
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