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Jagdtagebuch

Jagderzählung (5 Einträge)

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04.09.2010, 11.14 Uhr

Abgebrochen und zwei Minuten

Abgebrochen und zwei Minuten

Von Carsten Koppe

Das neue Jagdjahr begann für mich mit Veränderungen. Ich konnte jetzt in einem Revier nur unweit meines Wohnsitzes waidwerken. Das Revier war von zwei Dörfern und einer Autobahn umgeben. Damit das Wild zwischen den Einständen wechseln konnte, musste es zum Teil mehrere Straßen überqueren. Die Einstände waren gering an der Zahl, dafür aber um so geräumiger. Trotz dieser Einschränkungen bot das Revier einige interessante Ecken, die sich jedoch erst auf den zweiten Blick auftaten - und so manche Ecke erst auf den dritten Blick. Andere Ecken jedoch blieben mir komplett verschlossen. Was mir ganz und gar nicht verschlossen blieb, waren die Umtriebe der so genannten Zivilisation und ihre Auswirkungen auf die Umwelt und das Wild. Die Palette dieser Taten reichte von illegalen Müllablagerungen über Rallyetouren auf Feldwegen zu Spaziergängen auf frisch bestellten Feldern. Einige dieser Aktivitäten war für mich einfach nicht begreiflich und ein Erlebnis war so skurril, dass ich es kurz schildern möchte.
Es war Mitte Mai und das Wetter war für den Wonnemonat einfach zu kalt. Ich saß seit ein paar Tagen an einer Ausgleichpflanzung der Autobahn, auf einen Bock an. Ich konnte mehrere starke, aber junge Böcke ausmachen. Diese durften nicht geschossen werden. Und da- im letzten Licht trat regelmäßig ein weiterer Bock aus dem Einstand. Das Licht war jedoch immer so schwach, dass ich das Stück lediglich als Bock ansprechen konnten. Ich wollte nun endlich wissen, mit wem ich es tun hatte. Der Bock war konsequent und trat immer zuletzt aus dem Einstand, und dann stets auf der dem Wind abgewandten Seite. Es dämmerte schon und ich wartete immer noch auf den ersten Anblick des Abends. Ich wartete jedoch vergeblich. Kein einziges Stück zog aus dem Einstand auf die Felder. Ich war ein wenig verwundert, denn der Wind war gut, und gedreht hatte der Wind auch nicht. Irgend etwas stimmte nicht. So beschloss ich den Ansitz abzubrechen und packte meine Sachen zusammen. Dabei kam mir die Idee in den Sinn, auf der anderen Seite der Pflanzung vorbeizusehen. Vielleicht hatte ich dort wenigstens Anblick. Um auf die andere Seite zu gelangen nahm ich einen kleinen Umweg über einen gepflasterten Feldweg - um das Wild im Einstand nicht unnötig zu beunruhigen. Langsam schritt ich den Weg über das holprige Naturkopfsteinpflaster entlang. Zu beiden Seiten des Weges lag ein Getreideschlag. Das Getreide stand gut und ließ auf eine gute Ernte hoffen. Plötzlich vernahm ich einen hässlichen und langen Pfeifton. Da wieder!!! Was war das? Und da, wieder!!! Dann sah ich etwas helles und blinkendes förmlich durch Getreide fliegen. Ich muss wahrscheinlich ziemlich dusslig ausgesehen haben. Der Labradormischling blieb kurz vor mir stehen und sauste dann wieder durch Getreidefeld. Von seinem Besitzer war nichts zusehen, nur dieser hässlich Piepton war wieder zu hören. Dann konnte ich durch mein Fernglas die vermeintlichen Besitzer erkennen. Zwei Erwachsene stampften über den frisch gedrillten Maisacker und drei Hunde umkreisten die Zwei wie Sputniks die Erde. Ich war absolut sprachlos. Ohne mich weiter zu erkennen zu geben, machte ich mich zügig auf den Heimweg. Mein Jagdpächter lachte, als ich ihm die Geschichte berichtete. Die Fünf waren ihm gut bekannt und waren so genannte Hardcore - Natur- und Tierliebhaber. Ansprechen und kurze Belehrung ohne Aussicht auf Erfolg, würden die Juristen urteilen. Uns bleib nur die Sache zu beobachten.
Die Runde mit dem Bock ging ein paar Tage später dann doch an mich. Ich saß wieder an der Ausgleichspflanzung keine 30 min an, als es ca. 30 m neben mir in der Pflanzung knackte. Kurz darauf trat der junge Bock aus dem Einstand. Ein herrlicher Anblick! Der Bock trug eine über Lauscher hohe Trophäe mit einer gewaltige Auslage und war zudem sehr stark im Wildbret. Der Bock sicherte kurz und zog dann zügig auf den Getreideschlag. Fasziniert betrachtete ich das herrliche Stück durchs Glas als es wieder knackte und ein weiterer Bock aus der Pflanzung trat. Im Glas erkannte ich, dass sich beim dem Stück um einen weiteren, aber deutlich älteren Bock handelte. Auf dem Haupt trug der Bock auf der einen Seite eine Gabel und auf der anderen einen Spieß. Anhand der erkennbaren Merkmale ein Abschussbock. Ich entschloss mich den zweiten Bock zu strecken. Doch jetzt geschah etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Der alte, äußerlich unterlegene Bock trieb den jungen Sechser mühelos vor sich her. Keine ruhige Sekunde hatte der junge Bock mehr. Unterdessen bin ich die beiden Böcke an der Pflanzungskante ein paar Meter angegangen, um mich in eine bessere Schussposition zu bringen; ich war nur mit Schiessstock, Glas und Waffe ausgestattet. Jetzt kam die wilde Hatz direkt auf mich zu, und ich machte mich schussfertig. Ich musste noch einige Minuten mit der aufgesetzten Waffe warten und langsam wurden mir die Arme schwer. Dann passte alles, und der Schuss brach. Nach einer kurzen Flucht brach der Bock verendet zusammen. Als ich beim Bock war, staunte ich nicht schlecht. An jeder Stange hatte sich der Bock ein Stück abgebrochen und war mit Sicherheit eine respektabler Sechser gewesen. Als ich mir den Unterkiefer ansah, stocke mir der Atem. Die Zähne waren fast komplett abgeschliffen. Vor mir lag ein richtig alter Bock den wir später auf etwa 7-8 Jahre datiert haben.
Die Tage zogen dahin, und ich war in einem anderem Teil des Reviers abgestellt. Es galt noch einen Jährling oder geringen Bock zu strecken. Ich verband den Wechsel mit der Hoffnung, weniger Störungen beim Ansitz zu haben. Und wirklich. Keine Störungen begleiteten meine Ansitze und das Rehwild wechselte sehr vertraut oft nur wenige Meter an mir vorbei. Die Böcke erfüllten aber nicht die Abschusskriterien und durften weiterziehen. Und dann kam das Unvermeidliche in Form von Radfahrern mit Hund, Spaziergänger oder Teenagern die ihren Freundinnen das Moped fahren beibrachten. Es war zum heulen! Von zehn Ansitzabenden waren mindestens acht von Störungen begleitet. Dann eines Abends sah ich einen Jährling aus dem kleinen Wäldchen heraustreten. Der passte! Langsam zog der Bock genau auf mich zu. Wie sollte ich in dieser Position schießen? Unmöglich! Der Jährling kam immer näher und war jetzt unmittelbar vor der alten und schiefen Kanzel auf der ich saß. Plötzlich sicherte das Stück und sprang ins nahe Getreidefeld ab. Was hatte ich falsch gemacht? Während ich noch grübelte, kam aus einem nahe gelegenen Gebüsch ein schwarze Katze heraus und trotte den kleinen Weg entlang. Jetzt konnte ich mir das Lachen nicht verkneifen. Der kleine „schwarze Panther“ hatte den Jährling in die Fluch geschlagen. Die Situation war einfach urkomisch.
Dennoch gab ich nicht auf und wollte mich wieder auf die schiefe Kanzel setzen. Da ich immer gerne ein paar Meter zur Kanzel oder Leiter laufe, stelle ich das Auto immer 500 m– 700 m von der jagdlichen Einrichtung entfernt ab. Gesagt, getan. Das Auto wurde unauffällig geparkt. Da verspürte ich ein gewisses Bedürfnis. Während ich diesem, an einer kleinen Tanne nachging, sah ich, dass bei Bauarbeiten für eine Stromtrasse eine Schneise ins Unterholz geschlagen wurde. Das wollte ich mir kurz ansehen. Ich war noch keine 10 Meter gelaufen, da sah ich einen brauen Rücken. Leise legte ich Rucksack und Waffe ab und pirschte mich an. Im Glas konnte ich den Jährling erkennen. Ich schlich mich zurück und lud meine Waffe. Wieder schlich ich mich an. Der Jährling stand völlig vertraut auf der Schneise breit und schon brach der Schuss. Die letzte Flucht des Bockes endete im Dornengestrüpp. Auf allen Vieren folgte ich der Schweißspur. So fühlt sich also ein Schweißhund auf der Fährte. Zum Glück folgte ich einem Stück Rehwild und keinem Schwarzwild. Das wäre mir dann doch zu heiß gewesen. Ich fand den Bock und musste diesen nun aus dem Gestrüpp bergen. In meine Hände und Beine hatten sich Dornen gebohrt. Das war richtig harte Arbeit. Schweißgebadet aber überglücklich stand ich vor dem Jährling. Der „Ansitz“ hatte vom abstellen des Autos bis zum Schuss höchstens 3 min gedauert. Überwältigt und noch voll Adrenalin hoffte ich, dass meine nächsten jagdlichen Erlebnisse nicht ganz so schnell vergehen mögen.
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ckgauloises

ckgauloises

Alter: 43 Jahre,
aus Schkopau
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