Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

abziehendes Gewitter
753 mal angesehen
26.08.2010, 09.24 Uhr

Die Vollmondsau

Langsam machte sich in der Küche der typische Geruch der vor sich hin brutzelnden Wildschweinleber breit. Die Zwiebeln (und davon nicht zu wenig) hatte ich in Streifen geschnitten und gab sie zur Leber und dem Herz, welches ich einige Zeit früher in den Tiegel gegeben hatte dazu. Nun Deckel drauf und ruhig weitergaren…
Noch einmal ließ ich mein gestriges Jagderlebnis Revue passieren, während ich das Geschehen auf dem Herd weiter verfolgte.

Der Abend begann eigentlich weniger optimistisch, als tagsüber gehofft. Während sich nachmittags ausgiebig die Sonne zeigte, gleichzeitig aber ein ziemlich heftiger Wind wehte, bildeten sich zum Abend zunehmend hoch aufgetürmte Schauerwolken. Und gerade jetzt, wo ich am bereits arg durch die Sauen gebeutelten Maisschlag ankam, schüttete es aus Eimern. Nicht einmal die Scheibenwischer meines Gefährtes schafften mehr eine zumindest kurzfristig freie Sicht auf den Acker.
Ganze 15 Minuten dauerte der Spuk. Dann bahnte sich die bereits tief am Horizont stehende Sonne wieder ihren Blick auf Mutter Erde. Der Boden dampfte förmlich. Ich bewunderte die abziehende Schauerwolke, die durch die rötlichgelben Sonnenstrahlen aussah, als ob sie selbst brannte.

Ich rang mit mir, ob ich meinen eigentlich bereits festgelegten Ansitzstand für heute Abend einnehmen sollte. Denn wenn ich mir die auf mich zuziehenden Wolken so ansah… Das roch sehr nach noch mehr Regen.
Aber mich ergriff angesichts der herrlichen Wolkenbilder der pure Optimismus. Und ich setzte mich unter einen im Bau befindlichen Hochsitz. Hier würde ich auf der an den Mais angrenzenden und von den Sauen in den letzten Tagen gern aufgesuchten Roggenstoppel nicht so auffallen.
Der Wind zottelte ordentlich an den Maisstengeln. Das Blätterrauschen übertönte alle weiteren Geräusche, nicht einmal die Mähdrescher, die offensichtlich trotz des ergiebigen Schauers weiterarbeiteten, waren zu hören.
Nur langsam ließ der Wind im Laufe des Abends nach. Auch die Wolken wurden wieder weniger. Links von mir bahnte sich der Vollmond seinen Weg durch die Wolken, stieg langsam immer höher. Wieder raschelten die Maisblätter – doch diesmal konnte es der Wind nicht sein, der das verursachte. Unmittelbar neben mir knackte ein Maishalm. Es schmatzte genüsslich, die typischen Laute sich zankender Frischlinge drangen zunehmend zu mir. Aber obwohl das nun über eine Stunde so ging, es zeigte sich keine Sau, weder Frischling noch Überläufer oder Bache.
Langsam wurde es frisch. Als ich rausfuhr, hatte ich noch mit mir selbst geschimpft, weil ich mich sicher zu warm angezogen hätte. Aber es hatte sich ordentlich abgekühlt. Und besonders weil ich bei meinem Ansitz noch mal einen Schauer abbekommen hatte und der kühle Wind doch wieder ganz schön aufgefrischt hatte, begann ich leicht zu frösteln.
So entschied ich mich für eine Maiskantenpirsch. Vielleicht standen die Sauen ja hinter einer der nächsten Maisecken im Gebräch…
Mittlerweile war es ein Uhr. Nirgends waren Sauen zu sehen, zu hören dagegen waren sie allemal. Der Mond hatte ungehinderten Blick auf die Felder und es war eine so klasse Nacht, dass ich entgegen aller Vernunft (ich musste ja morgens um kurz nach Fünf wieder aus dem Bett) beschloss, doch noch meine Pirschrunden zu erweitern. Auf dem „Grünen Weg“, der den Maisschlag, den eigentlich mein Mitjäger bewirtschaftet von „meinem“ Weizenstoppelfeld trennte, machte ich Halt. Ich glaste die Stoppel langsam, beinahe genüsslich ab. Aber außer einigen Stücken Rehwild war nichts zu entdecken. So umschlug ich den Schlag, um Richtung Wald zu kommen. Im Wald selbst hatte ich endlich mal wieder etwas Schutz vor dem doch wieder recht kräftigen Wind. Langsam zuckelte ich zum Bienenwagen, wo ich eigentlich mein Auto sonst immer stehen lasse. Die 50 Meter durch den Wald bis zur Feldkante meiner Weizenstoppel hatten es durchaus in sich. Der Sturm der letzten beiden Tage hatte jede Menge Totholz aus den Baumkronen auf den Pfad fallen lassen. Es knackte irgendwie bei jedem Schritt. Ein Nichtjäger hätte nicht lauter durchtrampeln können. Ich war wütend mit mir selbst…
Hier konnte ja bei dem Krach kein Wild mehr stehen. Doch Irren ist nun mal menschlich und in diesem speziellen Fall auch höchst willkommen. Ca. 200 m links von mir grubberten ein paar Sauen die Stoppel. Von Null auf Hundert in weniger als einer Sekunde – so entwickelte sich mein Puls beim Anblick der Schwarzen! Da gab es auch gar keine Frage, denen galt es jetzt. Zunächst aber erstmal sondierte ich meine Situation genauer. Sauen etwa 40 Meter von der Waldkante entfernt. Etwa 200 Meter vor mir. Auf dem Weg dorthin störte allerdings ein Rehbock, der das aufkommende Grün in den Stoppeln genoss. Mist! Der ist die beste Sicherheit für die Sauen. Das war mir klar. Aber wie sollte ich da vorbeikommen. Durch den Wald ging gar nicht. Über den offenen Acker ging auch nicht, da der Mond mich hätte leuchten lassen wie eine Positionslampe. Im Schatten des Waldes am Rehbock vorbeipirschen ging auch nicht, der würde unweigerlich meine Witterung bekommen.
Also ich erst mal raus auf den offenen Acker, hoffend, dass der Bock ohne Schrecken abgeht. Aber er reagierte nicht. Ich ging auf ihn zu – nix. Ich war etwa 40 Meter von ihm entfernt – null Reaktion. Ich sprach ihn an – verbal! Mürrisches Sichern, aber kein Schritt! Also weiter, unter ständigem Erzählen, Winken. Aber statt in den Wald zu toben, marschiert er ausweichend Richtung Sauen! So ein Mist! Die Sauen zogen langsam weiter. Mittlerweile war ich mir sicher, dass in der Rotte (4 nahezu gleichgroße Stücke) keine Frischlinge mitzogen.
Ich ging offen auf den Bock zu, legte sogar einen Sprint ein, der den Bock endlich in den Wald abspringen ließ – Und das ohne zu schrecken! Ich war überglücklich.
Jetzt aber etwas zügiger zu den Sauen! Als ich endlich auf etwa 80 Meter ran war, machte ich einen kniend-Probeanschlag: neee, das ging nicht. Winkel zu flach, im Hintergrund, wenn auch sehr weit weg Häuser. Ich musste den Wald als Hintergrund bekommen. Da blieb nur eins: auf allen Vieren auf den freien Acker robben. Der Wind stand günstig und würde mich hoffentlich nicht verraten!
Diese Tour hatte es in sich. Wie zu schlimmsten NVA-Zeiten robbte ich, die BBF über den linken Arm gelegt flach durch die Stoppel. Der starke Wind trug die Raschelgeräusche der Stoppel mit sich fort – das war klasse! Nur dass die Stoppel nach dem abendlichen Starkregen unter Wasser stand, musste mir egal sein. Meine Klamotten waren darauf nicht vorbereitet – ich zumindest mental schon. So ignorierte ich das massiv eindringende Wasser. Dafür ignorierten die Sauen mich.
Ein Blick durchs Fernglas bestätigte noch einmal, 4 nahezu gleichgroße Sauen, ohne jeglichen Anhang. Also Probeanschlag: passt!
„Wuff“ – Sauen in den Wald! Was war denn das für ein Mist? Sollte meine Anschleichübung unter gefechtsnahen Bedingungen umsonst gewesen sein? In mir kam Wut hoch, Enttäuschung. Aber richtig Zeit ließen mir die Sauen für meine Wut nicht. Ein ganzes Stück weiter links erschienen sie, sicherten zum Acker raus. Fernglas absetzen und zügig in den Kniend-Anschlag gehen war innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde erledigt. Kontrollblick durchs Zielfernrohr, ja es waren wieder die 4 Sauen von eben! Drei Sauen sprinteten zurück in den Wald, die vierte Sau stellte sich noch kurz breit. Ich konnte sie gut erfassen und ließ fliegen. Ein langgezogenes Klagen, das sich akustisch immer weiter entfernt folgte. Klasse, das brauchte ich jetzt. Nachts um zwei eine krankgeschossene Sau, Klamotten bis auf die Knochen durchweicht, Auto drei Kilometer entfernt…
Den Anschuss hatte ich mir eingeprägt, war ich mir sicher. Erst mal von hier aus das Feld abgeglast: Nichts, was auf einen verendete Wildkörper hindeutete war zu erkennen. Also zum Anschuss, doch den fand ich nicht. Die Sauen waren ja schon mal in Ruhe hier, hatten alles schon mal auf der Suche nach Mäusen, Insekten umgedreht…
Wieder drehte ich mich mit dem Fernglas an den Augen einmal um mich selbst. Außer einem kleinen Maulwurfshügel gab es nix zu entdecken. Enttäuschung machte sich abermals breit. Eher unbewusst ging ich langsam zum Maulwurfshaufen, der bei meiner Annäherung aber immer größer wurde und zur Überläuferbache mutierte…
Die 7x65 hatte perfekt gefasst. Das Stück hatte keinen Meter mehr gemacht. Ich hatte mir den Anschuss doch nicht richtig eingeprägt!

Trotzdem ich völlig durchnässt und dreckverkrustet war – ich fror heute Abend nicht. Mit dem Auto war hier kein Rankommen. 1 Kilometer blieben mir noch, die ich mit dem Stück über den Acker und durch den Wald musste. 60 Kilo aufgebrochen…
Um 4 Uhr lag ich im Bett, mich freuend, dass ich noch ein wenig über eine Stunde Schlaf bekommen würde…

Meine Wildschweinleber war gar. Schwiegervater warf bereits einen lüsternen Blick in die Küche. Ja, obwohl so nicht gewollt, ich musste eine ältere Leber heute machen, weil für die frische Leber im Tiefkühlschrank sonst kein Platz gewesen wäre. Aber wirklich ärgern würden wir uns beim Essen bestimmt nicht. Und beim Essen musste ich meine gestrigen – oder eher heutigen Erlebnisse wieder zum Besten geben, bis in´s letzte Detail.

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

26.08.2010 09:46 Munsterlaender
Waidmannsheil zu deiner redlich verdienten Sau!!
26.08.2010 11:26 Kija
Weidmannsheil!
Das konnte ich voll miterleben; Klasse geschrieben!
Liebe Grüße Maat
26.08.2010 12:01 Musang
Dickes Waidmannsheil
Ganz prima geschrieben....hab innerlich richtig mitgefroren und geschwitzt
26.08.2010 14:20 Dackelbiene
Scheiß Sauenfieber !
Nochmal dickes weihei - die war wirklich hart erkämpft und redlich verdient!
26.08.2010 14:30 Schnick09
Waimannsheil top geschrieben macht richtig spaß das zu lessen
26.08.2010 14:33 anser
Dackelbiene schrieb:
Scheiß Sauenfieber !

Nochmal dickes weihei - die war wirklich hart erkämpft und redlich verdient!


Weidmanns Dank an Euch! War ne klasse Nacht. Und wenn das Wetter mitspielt, werde ich am Wochenende mir wieder die ganzen Nächte um die Ohren schlagen. Vom Dunkel- bis zum Hellwerden
26.08.2010 14:35 Dackelbiene
anser schrieb:
Weidmanns Dank an Euch! War ne klasse Nacht. Und wenn das Wetter mitspielt, werde ich am Wochenende mir wieder die ganzen Nächte um die Ohren schlagen. Vom Dunkel- bis zum Hellwerden

Du scheinst schon wieder ausgeschlafen zu haben!
26.08.2010 14:39 Keiler
super Beitrag!
ganz klar "Sauenfieber", kenn ich zur genüge.

Grüße Keiler
26.08.2010 15:14 anser
Keiler schrieb:
super Beitrag!

ganz klar "Sauenfieber", kenn ich zur genüge.



Grüße Keiler


Logisch, ein Keiler sollte Sauenfieber kennen, wer, wenn nicht ein Keiler...!
26.08.2010 15:53 Galloway
Waidmannsheil anser !
Wie immer mitreißend erzählt.
Eines erklär doch bitte nochmal:
"Ein langgezogenes Klagen, das sich akustisch immer weiter entfernt folgte." ...und dann..."Die 7x65 hatte perfekt gefasst. Das Stück hatte keinen Meter mehr gemacht."
Das verstehe ich nicht. Wer hat denn nun geklagt? Die perfekt getroffene Sau, die keinen Meter mehr gemacht hat?

Gruß Galloway
26.08.2010 20:07 fj
....sauber ... waidmannsheil

gruss aus dem emsland

fj
27.08.2010 07:06 anser
Galloway schrieb:
Waidmannsheil anser !

Wie immer mitreißend erzählt.

Eines erklär doch bitte nochmal:

"Ein langgezogenes Klagen, das sich akustisch immer weiter entfernt folgte." ...und dann..."Die 7x65 hatte perfekt gefasst. Das Stück hatte keinen Meter mehr gemacht."

Das verstehe ich nicht. Wer hat denn nun geklagt? Die perfekt getroffene Sau, die keinen Meter mehr gemacht hat?



Gruß Galloway



Jooo, genau die. Denn sie hat auf der Stelle noch einige Sekundenbruchteile geschlegelt, wie ich nachher sah. Im betreffenden Moment aber konnte ich das nicht sehen, das sie in der Fahrspur des Vorgewändes lag und durch die hochstehenden Weizenstoppel "gedeckt" war. Das Leiserwerden habe ich mir im Nachgang damit erklärt, dass das Stück die Kräfte auch zum Klagen verlassen haben.

Wenn du so was hörst nach dem Schuss, kommt einem das ja extrem lang vor. Tatsächlich wird dieses von mir als langegezogen empfundene Klagen wohl nur kurz gewesen sein...
27.08.2010 16:00 Alpiae
Na Waidmannsheil Anser

Hoffe es hat geschmeckt und bist satt geworden
Haste packend geschrieben
27.08.2010 20:19 DK74
Waihei zur Sau!
Untersucht Ihr bei euch die Sau nicht zuerst auf Trichinen bevor ihr sie verspeist? Mutig!
DK74
28.08.2010 04:31 Lifehouse
Richtig super geschrieben.......!........wollte mehr und mehr lesen....... leider war aber schon vorbei :(....... Hoffe Du gibst noch mehr Deiner Erlebnisse öffentlich so zum Ausdruck, damit wir unsere Freude dran haben. Herrlich... und hunger hab ich auch bekommen........
28.08.2010 15:53 platzi
Weidmannsheil zur Sau!
Schön erzählt

Grüße

Diether
30.08.2010 09:36 anser
DK74 schrieb:
Waihei zur Sau!

Untersucht Ihr bei euch die Sau nicht zuerst auf Trichinen bevor ihr sie verspeist? Mutig!

DK74


Weidmanns Dank!

Natürlich untersuchen wir die Sauen bei uns erst auf Trichinen. Das War die Leber des Vorgängerstückes, welche aus dem Tiefkühlschrank musste, damit die neue reinpasst. Meine Lagerkapazitäten sind nach dem Sommer etwas angespannt...

edit meint noch, hast recht, ist missverständlich ausgedrückt. Ich musste erst ne "alte Leber" aus dem Tiefkühlschrank holen, damit die neue reinpasst... - habs umformuliert...!
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Zum Seitenanfang