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kammerjaegers Jagderlebnisse u...

Eindrücke und Meinungen (16 Einträge)

400 mal angesehen
31.07.2010, 23.43 Uhr

Bockjagd

Schon wieder ist Blattzeit. Ich bin fürs erste durch mit der Bockjagd, derzeit gesättigt vom jagdlichen Erleben der vergangenen Tage. Für eine schwache Woche war mein Bruder zur Rehbrunft auf Besuch gekommen, wir saßen fast jeden Abend und Morgen an.

In irgendeinem Magazin hatte ich, zu Zeiten als Elterngeld und Elternzeit am Vorbild der Skandinavier diskutiert wurden, gelesen daß die schwedischen Väter ihre Elternmonate zu einem guten Teil auf die Elchjagd legten. Das hatte ich mir gut gemerkt, so daß ich nun als stolzer Vater einer entzückenden Tochter entspannt und mit viel Freizeit die Blattjagd angehen konnte.

Nach dem Aufbaumen auf meinem wackeligen Lieblingssitz, richtete ich mich bei bestem Licht erst einmal gemütlich ein, Gewehr laden, über die Auflage legen, Gehörschutz über's ZFR hängen, Tarnschal ausbreiten undsoweiter. Als ich es mir schließlich recht kommod gemacht hatte, ließ ich meinen Blick schweifen, allerdings nur bis zu den zwei Rehhäuptern, die nicht weit weg aus der Wiese ragten und mein Tun gar nicht zur Kenntnis genommen hatten. Ein Bock und wohl ein Schmalreh. Der Rest war schon fast zu einfach. Nach kurzem Warten standen die zwei Stücke auf, der Bock bewindete das Schmalreh, wollte zum Treiben ansetzen - HOI - schon kam der erste Donnerschlag. Er zeichnete wie weich getroffen, drehte sich im Kreis. Bevor er in irgendeine Richtung Fahrt aufnehmen konnte, setzte ich eine zweite Kugel auf's Blatt.

Das Schmal' verfolgte das Geschehen mit distanziertem Interesse, bewindete den toten Artgenossen ein wenig und tat sich dann in einigen Metern Entfernung nieder. Was tun? Wenn ein Bock zu diesem weiblichen Stück gekommen war, wer weiß, vielleicht würde dann noch einer kommen... Die Idee kam mir ausgesprochen hell vor, ich blieb sitzen. Nichts geschah. Es dämmerte. Ob wohl noch ein Fuchs kommen würde?

Nach knappen zwei Stunden wollte ich doch an die Versorgung des Wildbrets gehen. Vor dem Abbaumen fiel mir ein, daß ich noch überhaupt nicht geblattet hatte. Quietsche raus, Kitzfiep, Quietsche einstecken, das hatte sowieso noch nie funktioniert. Schon kam im Tiefflug ein Jährlingsbock angeschossen - Pfeifen - keine Reaktion - HOI - wird langsamer - HOI - steht breit, eingestochen, hinters Blatt und krachen lassen.

Dieser Bock zeichnete gar nicht und ging sehr flott ins Maisfeld ab. Innerlich verfluchte ich mich intensiv, daß ich mit dem einen nicht hatte zufrieden sein können! Jetzt eine Nachsuche grenznah im Mais... War es zu weit gewesen? Oder vielleicht war ich mit der Büchse angeschlagen und die Treffpunktlage war verstellt? Ich wartete 20 Minuten, suchte und fand dann den Anschuß: Dunkler Schweiß, erst wenig dann mehr. Am Ende war es ein Wildbretschuß gewesen? Hoher Laufschuß? Rücksprache mit dem Pächter.

Inzwischen war mein Nervenkostüm wieder etwas hergestellt und ich besann mich meines eigenen Hundes, der wie immer brav im Auto wartete. Eigentlich musste es eine Totsuche sein, mit der Waffe hatte ich wirklich intensiv geübt und ich war sicher, gut abgekommen zu sein. Sollten wir es probieren? Ich barg den ersten Bock, Messer aus dem Rucksack, Waffe nackig gemacht, Stirnlampe aufgesetzt, den Cocker Spaniel an den Riemen und los ging's.

Meine Kleine legte sich ins Geschirr wie ein Großer, auf einmal ließ der Zug nach und da lag der Bock mit einem sauberen Kammerschuß (Schußkanal hinter dem Herzen, Hinterwand der linken Kammer nur angekratzt & nicht eröffnet).

Beim Sammeln mit den Mitjägern hatte ich dann zwar kein T-Shirt mit der Aufschrift "So geht das!" Aber auf meiner Stirn konnte man es wohl lesen. Noch nie hatte ich zwei Rehe bei einem Ansitz erlegt und noch nie hatte das Blatten Erfolg gebracht. Das Wechselbad der Gefühle war allerdings recht intensiv gewesen.

Ein Nachsatz: Am nächsten Tag habe ich die zwei Stücke gleich komplett zerwirkt. Das artete richtig in Arbeit aus. Mein Respekt gilt all jenen, die pachten, zweistellige Schalenwildstrecken erlegen, zerwirken und vermarkten! Für mich als Berufstätigen ist dieser Aufwand nur gelegentlich vertretbar.

===

Statistik:
Entfernung beide male ca. 120-150m
Muni: 7x64 Blaser CDP
Waffe: Mauser 66
Glas: Zeiss 2,5-10x52

Wildbretzerstörung auch bei Schuß aufs Blatt gering, Hämatome maximal handtellergroß
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kammerjaeger

kammerjaeger

Alter: 40 Jahre,
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Kommentare

01.08.2010 10:19 murmelbaer
Ist es nicht so, daß die Elternzeit eingerichtet wurde, damit vor allem Väter sich der neuen Aufgabe widmen können?
Was machst du, du gehst jagen - verwerflich ist das.
Weidmannsheil! Du wirst ja noch richtig zum Rehculler.
Aber ich kann es dir nachfühlen, es macht Spaß und stolz mit mehrfacher Beute an den heimischen Herd zurückzukehren.
Mach weiter so. Dein Hundel auch.
01.08.2010 14:00 kammerjaeger
murmelbaer schrieb:
Weidmannsheil! Du wirst ja noch richtig zum Rehculler.
Aber ich kann es dir nachfühlen, es macht Spaß und stolz mit mehrfacher Beute an den heimischen Herd zurückzukehren.


Ich dachte, um den Dienstgrad "Rehculler - you call, we kill" zu erreichen muß man beim Forst jagen oder im ÖJV Mitglied sein oder am besten beides

Außerdem dient all mein Tun nur der Ernährung meiner Lieben
01.08.2010 20:08 murmelbaer
kammerjaeger schrieb:



Außerdem dient all mein Tun nur der Ernährung meiner Lieben


Das ist doch lobenswert!

PS: Du weißt doch, nur eines von den o.g. Kriterien trifft bei mir zu.
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