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Oh, Du schöne Blattzeit

Blattzeiterinnerungen (7 Einträge)

Wiesental Meine Hessen-Jagdbude im Jahr 2004 mein_erster.jpg
786 mal angesehen
04.07.2010, 20.36 Uhr

"Hessen-Safari" oder "Das volle Programm" (2003)

"Rauchen Sie?" war die erste Frage des Revierförsters B. am frühen Nachmittag im kleinen Ort W. Meine Antwort wurde von dem großen, grün gekleideten Mann mit den breiten Schultern und dem Ohrring (!) zufrieden aufgenommen, da eine seiner Hauptaufgaben in letzter Zeit "Waldbrandpatrouille" ist! Dann also noch zwei Kanister Wasser sowie eine Kiste mit Geschirr in den Kofferraum und ab ins Revier.

Bei der Anfahrt kam mir die Gegend um N.-O. bei H./O., welche ich mir zur Erlegung meines ersten Jährlings ausgesucht hatte, etwas trostlos vor. Aufgrund der Trockenheit waren die gemulchten Wiesen gelb und durch die abgemähten Getreidefelder kam mir das Ganze eher wie eine Steppe in Afrika denn wie ein Revier im schönen Hessen vor...

Das Revier selber machte dann allerdings einen sehr guten Eindruck auf mich: Ruhige Waldwiesen bis zur Größe eines Rotwildbrunftplatzes, Wald-Feld-Grenzen mit bestem Fernblick... gute Ansitzeinrichtungen... tiptop, dachte ich... sehr abwechslungsreich und mit fast ZWANZIG Hochsitzen auf ca. 200 Hektar wirklich ausreichende Möglichkeiten...
Als Wild wurde mit natürlich Rehwild aber auch Sauen sowie Rotwild als Wechsel-wild angegeben... außerdem Fuchs, Dachs, Waschbär, ein guter Hasenbesatz, zwei bekannte Uhus... das konnte ja heiter werden.

Also auf zum Forsthaus... Mitten im Wald gelegen mit groben Bänken und Tischen daneben hatte ich dies auch sofort in mein Herz geschlossen.... das fing ja gut an, aber es sollte besser kommen:

Nach der Einrichtung im Forsthaus sollte es dann auch schon am ersten Abend zur Jagd gehen. Also Kram zusammengesucht, Rucksack auf den Rücken, Dreilauf umgeschnallt und ab in den Busch.
Ich hatte mir eine Kanzel an einem Weg im Wald ausgesucht, am Hang gelegen und mit Wiese ober- und unterhalb. Mit einem mitgebrachten Brettchen als zusätzliche Ellenbogenstütze richtete ich mich für die untere Wiese ein und machte auf dem Rucksack ein paar Zielübungen... Ja, so geht´s bestimmt!

19:15 Uhr und gerade aufgebaumt, als schon auf der oberen Wiese der Brunftbetrieb begann... alles recht hektisch, so dass ein genaueres Ansprechen nicht möglich war... aber das fing ja gut an...

Bis ca. 20:15 hatte ich auch noch eine Ricke mit Kitz vor, als auf der unteren Wiese am Waldrand ein einzelnes Stück erschien. Mein Fernglas sagte mir erst einmal: weiblich... Großvaters Spektiv zeigte mir aber das Unglaubliche. Obwohl Meister B. gesagt hatte "Die gibt´s hier nicht!" stand da ein Knopfbock und äste ruhig vor sich hin... ich war sprachlos, und das am ersten Abend!
Noch einmal ansprechen, Zielübung... "ist das wirklich ein Böckchen? Ja sicher!"
- Noch mal mit Spektiv.. JA!
Also den Drilling in Anschlag gebracht... mussten nach Absehen 1 ca. 120 m sein... das Einzige, was den Zielstachel noch ein wenig hüpfen ließ war mein Herzschlag... aber jetzt steht er perfekt breit,
stechen... jetzt... jetzt....langsam vom Schuss überraschen lassen...

DA... von rechts kommt ein starker Bock und gibt dem meinigen Feuer...... tiiief durchatmen... puuuuhh…
>>>> SICHERN. LEICHT BRECHEN UND ENTSTECHEN!!!!!<<<<
Ein Lächeln geht über mein Gesicht... wäre ja auch irgendwie zu schön gewesen... direkt am ersten Abend... manno-mann.

Keine fünf Minuten später schaue ich ungläubig an dieselbe Stelle, an der nun wieder ein Stück austritt. Das gibt´s doch nicht, schon wieder ein Jährling mit vielleicht 5 cm-Spießchen.... Wink des Schicksals? Angebackt... sicher aufgelegt... warten bis er wirklich richtig breit steht...
...besser geht es nicht... langsam den Drückefinger kommen lassen...WUUMMM...

Und was mir auf dem Schießstand bei der Ausbildung leider oft nicht gelang - hier klappte es: Ich ließ das Zielauge offen. Und der Bock machte einen Satz in die Höhe... allerdings nicht vorne sondern mit alles Vieren.... und geht ab... zuerst in die Wiese, dann zurück und außerhalb meines Sichtfeldes wahrscheinlich in den Wald.

Wo bin ich abgekommen? Ich war mir sicher... der Schuss war gut... lag der Bock? Oh man... erst einmal die berühmten 10 Minuten, dann aber runter... die Stelle hatte ich mir ja gemerkt...

Kurz und gut: Ich fand den Anschuss nicht... so ein Mist... Aufregung... aber ich war doch super abgekommen... Also Herrn B. angerufen, der auf seinem Höllengefährt ("geländegängiges Motorrad mit vier Rädern! "= Quad) in Shorts und Birkenstock angedonnert kam.... (ein unkonventioneller Mann nach meinem Geschmack! ~
..aber auch er fand keinen Schweiß oder einen Anschuss..."Tja, da brauchen wir wohl einen Hund."

Ich fühlte mich mies... warum musste das am Anfang passieren?

Dann auch noch das: Der Hundeführer war an anderer Stelle im Einsatz, also Vertagung auf morgen... Meine Stimmung sank zusehends... aber was soll man machen... die Temperaturen taten ihr Übriges... (2003 - der Jahrhundertsommer!)
..dann kann man das Wildbret wohl vergessen.
Niedergeschlagen machte ich mich auf zum Forsthaus... Herr Böller teilte mir dann noch mit, dass er bereits für morgens früh 6:00 Uhr ein Nachsuchengespann organisiert hatte.

So standen wir also in der Morgendämmerung wieder am Ort des Geschehens.
Der Hundeführer war ein kleines Männlein von ca. 63 Jahren - Herr F. - der in einem Fiat Panda angewackelt kam.

Dann hieß es rüsten! Schwere Stiefel, Lederhose mit Lappen über den
Stiefelschäften, schwere Joppe mit orangefarbener Einfärbung, Mütze mit
Nackenschutz, SKIBRILLE... mannomann, und das alles für mein Böckchen... mir wurde irgendwie mulmig... Als ich ihm unter dem Hochsitz stehend den Anschuss zeigte kam prompt die Frage: "Wie weit issen des?" Sein demonstrativer Blick von der Kanzel zum vermeintlichen Anschuss nach meiner 120 m-Schätzung gab mir nicht gerade ein sicheres Gefühl...

Aus dem Kofferraum kamen zwei Brandelbracken-Hündinnen... eine deutlich älter als die andere... toller Anblick, das Gespann...

Also direkt auf in die Wiese... der sehr konzentrierte Hundeführer mit dem alten, Meister Böller mit dem jüngeren Vieräugl, ich mit Drilling hinterdrein getapert ---
Nach Einweisung begann der Hund zu suchen, folgte aber nicht der Fluchtfährte und suchte auch nicht mit der Nase am Boden sondern holte sich immer wieder Wind von der Dickung... komisch! Aber es ging zielstrebig auf einen Einwechsel zu ... und da ging Herr F. auf allen Vieren dem Hund hinterher... ließ ihm Leine und rief auch schon: DA LIEGT ER!!!

Stein um Stein fielen mir vom Herzen... nein, ganze Berge...
Wenig später lag mein erstes Böckchen vor mir und Herr F. trat mit einem Eichenbruch zu mir und wünschte mir ein herzliches Waidmannsheil!!! Überglücklich nahm ich den Bruch entgegen und stellte außerdem fest, dass der Bock anscheinend noch nicht "aufgegangen war"... also schnell aufgebrochen... (Herr B. leistete Beistand!) und als der Förster seine Nase in den Wildkörper hielt kam die letzte gute Nachricht: Noch zu verwenden...!

Nach Einbringung in die Kühlkammer war an diesem Tag erst einmal Entspannen angesagt.

Das ich direkt mit dem vollen Programm starten musste konnte keiner ahnen.. ich am wenigsten... Erste Lehre also: Jagd kann Entspannung sein, muss es aber nicht!!!

Und wie lag der Schuss? Ca. 3 cm hinter dem Blatt... allerdings kein Herz sondern Leber getroffen (wie auch schon am Schweiß zu erkennen, den der Hund verwies... ja, richtig, braun und fettig!) So war die Kugel ohne auf großen Widerstand zu treffen durch den Wildkörper geschlagen (7x57 R, 10,5 g TIG). Darum lief der Bock noch seine 30 m.

Für die kommenden Tage gab mir Revierförster B. freizügig eine Erweiterung der Freigabe auf Überläufer und Frischlinge, Böckchen, Schmalrehe, Dachs, Waschbär.....
Allerdings: Schweinchen habe ich keine gesehen, ebenso leider keinen Waschbär, Böckchen kamen noch einige, aber entweder zu weit oder spitz von vorne oder zu stark... jedenfalls nicht so perfekt wie am ersten Abend.... Alles in allem verlebte ich aber noch eine sehr schöne Woche mit sehr gutem Anblick in einem schönen Rehwildrevier.

(So war das im Jahr 2003 bei meinem ersten Böckchen. Schon interessant, wenn man heute darauf zurück blickt...)
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

05.07.2010 10:35 Renevolution81
Wie immer eine schöne Geschichte Herr Groaf zumindest weiß ich jetzt auch, woher die Liebe zum "Vieräugl" kommt
Daumen hoch zum weiteren Kapitel
05.07.2010 16:02 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
Wie immer eine schöne Geschichte Herr Groaf zumindest weiß ich jetzt auch, woher die Liebe zum "Vieräugl" kommt

Daumen hoch zum weiteren Kapitel

Naja, die Heuraffler sinds nicht ganz, aber trotzdem ein damals noch von Ludwig, Gagern und Löns unbelecktes Schriftsteller-Erstlingswerk Eben der Erste! Rock, elvis
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