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... darum jage ich!

Ein Ansitz der beeindruckt (1 Eintrag)

Jungsfüchse
585 mal angesehen
30.06.2010, 19.26 Uhr

Erfolgreicher Abend - Warning: graphic! -

Es sollte an diesem Abend den Jungfüchsen gelten, denn wir wussten von 2 Gehecken auf einer vielleicht 10 ha großen, jetzt frisch gemähten Wiese, an welcher man zu fast jeder Tag und Nachtzeit Füchse sieht. Um einer Überpopulation Einhalt zu gebieten, und weil diese Wiese mit den angrenzenden Fischteichen, den dicken Karpfen, die darin schwimmen und der weiten Sicht die man geniesst, einen Ansitz wert ist, war sie Ziel meines Abends.

So sitze ich gegen 20.15 auf einer Scherenleiter, von welcher ich bereits vor 14 Tagen einen Fuchs strecken konnte und harre der Dinge die da kommen. Das Wetter ist irgendwie merkwürdig, den ganzen Tag lang schon schwülwarm, es sieht alles danach aus, als ob sich das Wetter in einem Gewitter entladen würde. Schon prasseln die ersten, zaghaften Tropfen vom Himmel. Naja, was solls, ich hab meinen Hut auf und oben über die Leiter eine Jacke gespannt, damit meine Bockbüchsflinte nicht nass wird.

Beim Angehen an die Leiter verscheuche ich direkt zwei Hasen, die sich unnachgiebig verfolgen, der hintere immer an der Blume des vorderen klebend. Ich lächel und projeziere dieses Verhalten auf die Menschheit, wenn da der Mann nur ausdauernd genug... aber lassen wir das. So mache ich es mir bequem, lausche dem lauten Vogelkonzert, und lasse den lieben Gott einen guten Mann sein. Nach guten 20 Minuten kommt Leben in die Bude. Ich überblicke immer die vor mir liegende Wiese, drehe mich mal hierhin mal dahin, als mir ein brauner Fleck etwa 130 m entfernt im Küselzeug auffällt. Mein Blick durchs Doppelglas lässt mich erstaunen, verdammt starkes Reh, denke ich so bei mir, als das vermeintliche Reh das Haupt erhebt und mich mitten ins Gesicht zu schauen scheint. Mir bleibt fast alles stehen - sollte da etwa ? Tatsächlich - vor mir in 120 m Entfernung äst in aller Seelenruhe ein junger Rothirsch. Die einen oder anderen mögen meine Aufregung jetzt nicht verstehen, aber bei uns gibt es nie und nimmer Rotwild, zumindest nicht in freier Wildbahn. Und richtig, als ich ihn länger beobachte, fällt mir die Ohrmarke im linken Lauscher auf, die da groß und goldig wie ein Ohrring prankt. Als ich meinen Jagdherrn anrufe und meine Erlebnisse ins Telefon flüster, klärt sich alles auf. Es ist wohl vor ca 1 Woche ein Hirschrudel aus einem Gatter ausgebrochen. Das Gatter jedoch war gute ~ 30 km weit entfernt, kein Mensch hatte damit gerechnet, hier noch Ableger von diesem Rudel anzutreffen. Schnell noch mittels Handy und vorgehaltenem Doppelglas ein verwackeltes Video gedreht und schon zieht der Hirsch in Seelenruhe zuletzt bis auf 50m an mir vorbei, solange bis ich ihn nicht mehr sehen kann. Was für ein Erlebniss, noch nie hab ich in freier Wildbahn Rotwild gesehen, Damwild wohl, zuletzt im Mai in Brandenburg, aber einen echten Hirsch - Toll. Der Abend hatte sich bereits gelohnt. Trotzdem, mein eigentliches Unterfangen war ja die Jungfuchsbejagung, also weiter aufgepasst. Lange Zeit tat sich gar nichts, lediglich ab und an schlugen die Karpfen im Teich neben mir hart auf die Wasseroberfläche, und nagten an irgendwelchen Ästen, als wäre ihnen langweilig. Ein Blick auf meine Uhr lässt mich langsam zweifeln, sollten hier auf der frisch gemähten Wiese etwa keine Füchse ziehen? Es wurd viertel vor 10.

Da - plötzlich werd ich einer Bewegung gewahr. Doppelglas hoch, jawoll, in etwas über 100 m schnürt plötzlich ein Fuchs quer über die Wiese und hält direkt auf das angrenzende Siepen mit dem hohen Bewuchs und der Deckung zu. Nun aber hurtig - BBF gepackt, gespannt und eingestochen, an der Vergrösserung rumgedreht bis es passt und den Fuchs im Absehen gepackt. Er wollte jedoch nicht verharren und so sprach ich fast mit mir selbst: Nein, heute willst du nicht auf einen ziehenden Fuchs schiessen, lass ihn erstmal still stehen. So konnte der Fuchs den hohen Bewuchs ( bei uns sagt man die Küsseln, oder das Küsselzeug ) erreichen ohne von mir beschossen worden zu sein. "Der kommt wieder" - sprach ich zu mir selbst und sicherte meine Waffe wieder, stellte sie jedoch nicht wieder weg. Keine 5 Minuten später, tauchte der Fuchs an selbiger Stelle wieder auf, diesmal schien er sich jedoch für seine Beute in mitten der Wiese zu interessieren und verhoffte mehrmals. Mein Absehen fand das Blatt, vielleicht etwas tief und mit einem lauten Kawuuum war der Schuss raus. Hey - ich hatte sogar mal durchs Feuer gesehen, mit dem Glas verfolgte ich den Fuchs weiter, der sich überschlug und bei dem Versuch, eine riesige Schlehdornhecke anzunehmen, in diese reinsprang, hängenblieb und am Boden verendete.

Wow - das hatte gut geklappt sagte ich zu mir, als ich die Patrone aus dem Lager zitterte und gegen eine neue tauschte. So - der Abend war perfekt - jetzt kannste nach Hause fahren. Bis viertel nach 10 wollte ich sitzen, und dann den Fuchs bergen gehen. Ich will gerade gehen, da taucht an exakt der selben Stelle wie zuvor ein weiterer Fuchs auf. Jetzt ging alles wieder schnell - zu schnell, wie es sich zeigte. Gespannt, eingestochen, Absehen sucht Blatt und raus ist der Schuss. Im Schuss sehe ich auch diesen Fuchs hochspringen, im selben Moment flüchtet er in die entgegengesetzte Richtung aus der er kommt, wobei flüchten nicht das richtige Wort ist, da er klagt und sich eher unbeholfen fortbewegt.

Ich reisse meine Waffe auf, schmeisse eine neue Patrone rein und versuche den Fuchs, der mittlerweile hinter einem Busch liegt wieder reinzubekommen - nichts zu machen. Das ging schief dachte ich bei mir, und es hält mich nicht mehr, Jacke vom Hochsitz geschmissen, runtergeklettert, Hut weg, Fernglas weg und nur mit der Waffe renne und stolper ich durch die angrenzende Kyrill Fläche, welche die beiden Wiesen trennt. Fast komme ich zu Fall, fasse mich im letzten Augenblick wieder und komme völlig ausser Atem am vermeintlichen Anschuss an. Und richtig, der Fuchs, schwer getroffen, liegt im hohen Gras - er lebt noch. Plötzlich wird mein Atem wieder ruhig, ganz merkwürdiges Gefühl, ich gehe zu ihm hin, wie in Trance und setze im den Fangschuss an, woraufhin er Ruhe gibt. Danach reisst es mir urplötzlich fast die Waffe aus der Hand, so derbe rüttelt es mich und so derbe zitter und atme ich, nachdem alles vorbei ist.

Nachdem ich wieder zu Kräften gekommen bin, rufe ich meinen Jagdfreund und meinen Jagdherrn an, der allerdings mehr Augen und Ohren für den Hirsch hat denn für meine Füchse und sammel beide dann ein. Eine Fähe und ein Rüde, beide von diesem Jahr.

So kann es weitergehen, wobei das mit dem Fangschuss nicht mehr sein muss

Wie auch immer - Fuchs tot - Weidmannsheil.

technische Daten und Rückfragen, per PM - wer was wissen will, soll fragen!

PS: HIER findet ihr das Video mit dem Rothirsch, habs leider durchs FG gefilmt und musste den Film noch "drehen"!
offline

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Kommentare

01.07.2010 23:05 Oichkatzl
Servus Sauerländer, weiter so, dann findest du sicher bald dein jagdliches Profil, denn du gehst mit Herz und Verstand auf die Jagd.

Grüßle und Waihei
Oichkatzl
02.07.2010 07:15 SauerlaenderJung
Oichkatzl schrieb:
Servus Sauerländer, weiter so, dann findest du sicher bald dein jagdliches Profil, denn du gehst mit Herz und Verstand auf die Jagd.

Grüßle und Waihei
Oichkatzl


Uiiii jetz bin ich fast rot geworden. Danke für die lieben Worte. Ich gebe ehrlich gesagt mein Bestes, versuche einen Mittelweg zu gehen... vieles der "älteren" Lodenjockel ist überholt, vieles ist und muss Tradition bleiben... ist nicht immer einfach als Jungspund :)

Weidmannsdank! und Gruß zurück!
02.07.2010 07:53 Oichkatzl
Moin,moin,ist auch als "Altspund" nicht immer einfach, glaub mir!
02.07.2010 17:11 Helmuto
Jagdst Du wirklich um ""derbe"" zu zittern, derbe zu atmen und es dich derbe rüttelt
Was tust du dir und der Kreatur nur an??
Das soll einer verstehen
Helmut
03.07.2010 21:23 Sauer80
Hauptsache Helmut hat wiedermal "bla bla" gemacht! Waidmanns Heil ( PS. hab früher auch viele Füchse geschossen )
04.07.2010 21:28 Perfan
Bub- auch von mir ein ganz herzliches Waidmannsheil !!!

Was ich an Deinem Bericht so sympathisch finde ist das Faktum, dass Du auch Dínge erzählst die nicht so ideal gelaufen sind. Damit zeigst Du die Fähigkeit zur Selbstkritik , die von einem verantwortunsbewussten Jäger erwartet wird.

Weiterhin viel Waidmannheil und behalte Dir diese nicht alltägliche Eigenschaft bei. Sie lässt Dir Respekt zustehen !!!

Grüße
04.07.2010 21:31 swinging_elvis
Auch von mir ein Waidmannsheil. Spannend erzählt. elvis
04.07.2010 22:30 SauerlaenderJung
Wow, danke euch! Weidmannsdank euch allen...

ich versuche nur sso zu jagen, dass sich nie jemand schämen muss mit mir gejagt zu haben und so, das ich morgens in den Spiegel sehen kann und ich damit im reinen bin!
04.07.2010 22:36 Isegrim
SauerlaenderJung schrieb:
Wow, danke euch! Weidmannsdank euch allen...

ich versuche nur sso zu jagen, dass sich nie jemand schämen muss mit mir gejagt zu haben und so, das ich morgens in den Spiegel sehen kann und ich damit im reinen bin!


WAHRE WORTE eines jungen aber sehr passionierten Waidmannes
Weiter so !!!!!!!!!!!!!!!!!
Gruß und Waidmannsheil v. ISE
05.07.2010 07:08 SauerlaenderJung
Weidmannsdank Isegrim, Weidmannsdank. Deine Worte ehren mich!
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