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Sauschwartes Jagd

(6 Einträge)

Rehböcke Mai 2010 Ansitzwiese 2010
554 mal angesehen
29.06.2010, 17.44 Uhr

Der lang ersehnte Mai,

endlich war er da.
Mein Bergstutzen hatte ein neues Glas mit Leuchtpunkt bekommen, und die große Kugel (7X65R) war auf ein Verbundgeschoss (Evolution) und ein bleifreies Kupfergeschoss (Barnes-X Tripple Shok) eingeschossen worden. Nun galt es, neue Erfahrungen zu sammeln.
Am zweiten Maiwochende begann in der Heide für mich das Jagdjahr mit vier erlebnisreichen Ansitzen im Nieselregen und einer für die Jahreszeit untypischen Kälte.
Der erste Ansitz am Freitagabend: Zwei weibliche Rehe kamen hochflüchtig durch den Hochwald auf meinen Sitz zu. Während eins am Sitz vorbeistürmte und in der Dickung hinter mir verschwand, stoppte das andere jäh, zwei Meter vor dem Sitz, und sah zu mir herauf. Ich hatte mich fertig gemacht, da man ja nie sicher sein kann, ob nicht aus einem Schmalreh doch noch ein Knopfbock wird. Nun saß ich wie erstarrt, und wir sahen uns in die Augen. Ungefähr drei Meter Luftlinie voneinander entfernt. Vermutlich hatte die Ricke ihre Tochter davon-gejagt, und jetzt stand sie vor mir und konnte die Situation nicht deuten. Eine Ewigkeit, in der sie immer wieder ihre Kopfhaltung und damit ihren Blickwinkel änderte, mochte vergangen sein, bis sie sich entschloss, in die Richtung zu ziehen, aus der sie gekommen war. Nur langsam, immer wieder verhoffend und zu mir herübersehend, zog sie von dannen.
Ich blieb beeindruckt und glücklich, so etwas erleben zu dürfen, in der Natur zurück- nicht ahnend, was noch kommen sollte.
Als das Licht gerade zu schwinden begann, wechselte in meinem Wind eine Rotte Sauen an, bestehend aus vier bis fünf grauen Überläuferbachen in der Sommerschwarte, einer starken schwarzen Leitbache und einem einzigen gestreiften Frischling. Sollte der Wind gedreht haben, dachte ich noch, als die ersten am Sitz vorbeiwechselten und ich auf das warnende „Wuff“ wartete. Aber nichts geschah, und als ich den Leuchtpunkt auf dem Frischling hatte, krümmte sich mein Abzugsfinger, und die erste bleifreie Kugel war raus. Sofort war die Bühne leer. Nur der Frischling wuselte laut schreiend oder klagend vor meinem Sitz herum und folgte schließlich der Rotte in die Dickung. Bestimmt zehn Minuten konnte ich ihn in der Nähe noch hören, bis er schließlich verstummte. Liegt er oder hat er den Anschluss an die Rotte gefunden? Diese Frage ließ sich erst am nächsten Tag mit gleich zwei Schweißhunden beantworten. Er hatte nur geschrieen, weil er alleine zurückgeblieben war. Am Anschuss und auf der Fährte war kein Schweiß zu finden. Vermutlich war die Kugel vom Bewuchs abgelenkt worden, denn bei Licht besehen, war das Schussfeld nicht ganz frei ...
An jenem Wochenende gab es für mich dann noch zwei Chancen, den ersehnten Maibock zu erlegen. Einmal waren es zwei Jährlinge, die an meinem Sitz vorbeihetzten und sich nicht stoppen ließen.
Ein anderes Mal, beim letzten Ansitz, wechselte erst eine Ricke an, und tat sich in 30 m Entfernung hinter dem Wurzelballen einer umgestürzten Buche nieder. Wenig später folgte ihr ein Bock. Als er noch gute 100 m entfernt war und ich mich gerade fertig machte, fing die Ricke, die ich aus den Augen verloren hatte, neben mir an zu schrecken, und beide gingen hoch flüchtig und schreckend ab.

Am Wochenende darauf fuhr ich nach Mecklenburg-Vorpommern. Am späten Nachmittag des „Herrentages“ brachen wir, die Pächterin und ich, zu unserem ersten Abendansitz auf. Am Fuße einer Hecke trennten sich unsere Wege. Ich ging weiter längs der Hecke, während die Jagdfreundin aufbaumte. Nach nur 100 m sah ich einen kleinen Sprung Rehe auf der von mir abgewandten Seite der noch lichten Hecke stehen. Mein Puls schnellte hoch, während ich langsam auf die Knie ging und aus den Schlaufen des Rucksackes glitt. Auf allen vieren setzte ich den Weg fort. Bis zu einer Stelle, wo die Hecke unterbrochen war. Nur trockenes Gras und Unkraut dienten mir hier als Sichtschutz. Ich wurde immer kleiner und robbte schließlich die letzten Meter zu der einzigen Deckung, die sich zwischen mir und den Rehen befand, ein Brunnenring der Landwirtschaft. Inzwischen war Bewegung in den Sprung Rehe gekommen. Die zwei weiblichen Stücke zogen in die Hecke, jedoch der Bock verhoffte breit stehend und in meine Richtung sichernd auf dem Acker.
Mit rasendem Puls legte ich die Waffe auf dem Brunnenring auf. Der Leuchtpunkt tanzte über den Wildkörper, der obendrein nicht klar war. Verdammt, die Zeit drängte, weil der Bock jeden Augenblick abspringen konnte. Aber so konnte ich nicht schießen. Wenigstens der Kugelfang stimmt, dachte ich, während ich meine Position änderte, um ein freies Schussfeld zu bekommen. Kaum 30 m entfernt stand noch immer der Bock, geschützt durch trockene, einzeln stehende Pflanzenstengel! Es blieb ein Wagnis, als schließlich der Schuss brach. Ich spannte meinen Bergstutzen sofort neu, während der Bock unbeeindruckt stehen blieb. Sofort hatte ich ihn wieder im Glas und drückte erneut ab. Es klickte nur. Das war alles, bis auf das Schrecken des Bockes, das nun einsetzte. Ich zog den anderen Abzug. Auch nichts. Währenddessen umschlug mich der Bock laut schreckend im Bogen auf dem Acker. Ich knickte den Lauf, suchte neue Patronen und fand keine. Schließlich drückte ich noch einmal ab und wieder, bis ich schließlich nur noch einen letzten hilflosen Versuch unternehmen konnte, den abspringenden Bock aufzuhalten, indem ich ihn anbölkte. Nichts half, ich bekam keinen Schuss mehr aus der Büchse. - Noch lange war sein Schrecken zu hören, und wir konnten ihn noch, von einem Hügel aus, in der Ferne beobachten.
Es brauchte recht lange, um zu verstehen, was geschehen war. Schließlich kam einiges zusammen. Dass die Waffe in Ordnung war, wusste ich gleich nach zwei Probeschüssen.
Für den ersten Fehlschuss gab es zwei mögliche Ursachen. Der Einfluss des Jagdfiebers war bei der Entfernung eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher schien, dass das Kupfergeschoß auch diesmal von der Vegetation abgelenkt worden war.
Dann hatte ich erneut gespannt, um den anderen Lauf zu schießen, aber den falschen Abzug betätigt. Die Waffe war nun entspannt, da sie nur ein Schloss besitzt. Jedoch der Spannschieber springt, wie ich jetzt weiß, erst durch den Rückstoß in die Ausgangsposition zurück. Da der nicht erfolgt war, stand der Spannschieber auf Rot in der scheinbar gespannten Position. Für mich erschien die Waffe gespannt, und ich konnte abdrücken so oft ich wollte, es konnte nichts passieren ...
Der Ansitz, der dann folgte, war, wie erwartet, erfolglos. Ebenso der nächste Morgenansitz. Einen Jährling jenseits der 150 m ließ ich ziehen. Nach den Fehlschüssen in diesem Frühjahr brauchte ich dringend ein „sicheres“ Erfolgserlebnis.
Am Abend darauf saß ich an meiner Lieblingswiese an. Ich hatte als Munition die Evolution geladen, ein Geschoß, mit dem ich in einem anderen Kaliber schon länger gute Erfahrungen gemacht hatte.
Eine gute Stunde vor Sonnenuntergang kamen schließlich drei weibliche Rehe und ein ungefegter Bock. In 100 m Entfernung fingen sie an zu äsen. Kurz darauf traf meine Kugel den Bock. Dieser lief noch ein Stück, und als er endlich stehen blieb, war ich bereit für einen eventuellen Nachschuss. Verdammt, sollte in diesem Frühjahr gar nichts klappen! Bange Sekunden des Wartens vergingen. Dann drehte er sich um, und ich konnte im Glas hinter dem Blatt den Ausschuss sehen.
Nun hatte ich auch wieder einen Blick für die gesamte Szene, die mich sehr erstaunte. Die übrigen Rehe verhofften immer noch und konnten offensichtlich nicht verstehen, was geschehen war. Als der Bock zu Boden ging und wenig später das Leben aus ihm gewichen war, näherten sich gar zwei Rehe verwundert dem Gestreckten ...
Minuten später baumte ich ab. Erst als ich auf 60 m herangekommen war, sprangen die Rehe ab.
Das Versorgen des Bockes hatte etwas länger gedauert, da ich noch Schweiß für die Hundeausbildung gewinnen musste. Aber um 20.30 Uhr saß ich wieder an, und es vergingen keine 10 Minuten, da kam im letzten Winkel der Wiese der nächste Bock. Unruhig und ständig sichernd zog er äsend an der Schilfkante entlang. Ich sah ihn spitz von hinten, bis er sich leicht drehte und das Kupfergeschoss raus war. Im selben Augenblick war der Bock wie vom Erdboden verschwunden. Selbst mit dem Fernglas war auf der Wiese nichts zu sehen.
Die 120 m bis zum Anschuss dauerten eine Ewigkeit. Dann die Erlösung: in einer leichten Senke lag er wie vom Blitz getroffen, mein erster „bleifreier“ Bock.
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Sauschwarte

Sauschwarte

Alter: 54 Jahre,
aus Hannover
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Kommentare

29.06.2010 19:02 woidmandl
Waihei, aber mich würde schon sehr wundern wenn sich die Barnes-Kupferlinge so schnell ablenken lassen würden, habe gegenteile Erfahrungen damit gemacht...
30.06.2010 09:00 Sauschwarte
woidmandl schrieb:
Waihei, aber mich würde schon sehr wundern wenn sich die Barnes-Kupferlinge so schnell ablenken lassen würden, habe gegenteile Erfahrungen damit gemacht...

Waidmannsdank, das ist interessant zu hören.
Gruß Sebastian
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