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Bunte Strecke :)
1399 mal angesehen
27.06.2010, 19.52 Uhr

Bunte Strecke

Der Mond lockte, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. So saß ich schon abends in ner Kanzel mit Weitblick und genoß den roten Mond, der sich kugelrund in den Himmel schob. Ein Jahrling vertrieb mir die Zeit, zu weit weg für einen guten Schuss. "Aber morgen früh vielleicht..." dachte ich mir.
Als dieser wieder eingewechselt war, lehnte ich mich zurück, um ein Nickerchen zu halten. Der Wind wehte leise aus Nordost und eine einsame Eule strich über die Wiesen.
Mal wieder geräckelt und die Gegend abgeglast, sah ich mir gegenüber einen stolzen Bock, alt und erhaben und mit prächtigem Gehörn. Schade, dass es zu finster war, diesen auf Film zu bannen, ich hätte ihn zu gern meinem Beständer als reizvolles Lustobjekt mitgenommen. ;) So begnügte ich mich damit, diesen Herrn des Revieres über zwei Stunden beim Äsen zu beobachten, der keinerlei Anstalten machte, die schützende Deckung der Waldkante zu verlassen und ins helle Mondlicht auszutreten.
Doch was war das links von mir? Zwei dunkle Schatten nahmen Gestalt an, entwickelten sich zu Sauen, die sich langsam immer näher zu mir herüberarbeiteten. Einen Moment lang kam Freude auf, ich hoffte auf zwei einsame Überläufer. Doch schon sah ich das Gewusel hinter ihnen und mir war klar, dass das die Frischlingsbande war, der ich vor drei Tagen schon ein Schwesterchen entnehmen musste, da sie es vorgezogen hatten, in Raps und Wiesen zu Schaden zu gehen, anstatt die Ablenkfütterung anzunehmen.
Es war herrlich, der alten Mum zuzusehen, wie sie immer wieder ein paar Schritte lief, das Haupt schräg hielt und die bepelzten Teller spitzte, ob von irgendwo Gefahr drohte. In diesem Moment standen dann auch sämtliche Frischlinge hinter ihr wie versteinert, gaben keinerlei Laut von sich und erst, als sie sich wieder in Bewegung setzte, tollten sie wieder herum, als sei das Leben Freude pur. Dieses Spiel wiederholte sich, bis sie immer näher kamen.
Dann brachen die Bachen an einem Wiesenrain unter den liegengebliebenen Schwadenresten der letzten Wiesenmahd, schnüffelten sich über die Wiese und unterhielten mich über eine halbe Stunde mit ihrem vergnüglichem Gegrunze und Gequieke. Endlich zogen sie hinter mir ins Gebüsch und entschwanden so meinen Blicken.
Der alte Bock hatte vermutlich ob der wilden Horde das Weite gesucht, denn im Moment war die Bühne leer und ich ging wieder zum gemütlichen Teil über und lehnte mich zurück.
Ich weiß nicht, wie lange ich so vor mich hingedöst haben mag, als ich durch einen Quieker wieder lebendig wurde. Meine Sauen waren wieder da, arbeiteten sich nun auf dem Rückweg wieder am Feldrain entlang, doch diesmal begnügten sie sich nicht damit, sondern fingen an, gemütlich in der Wiese zu brechen. Da ich die letzten Tage immer wieder Grünland egalisiert hatte, sah ich diesem Treiben mit gemischten Gefühlen zu. Einerseits hatten diese kleinen kaum Fleisch auf den Rippen und machten auch noch nicht allzuviel Schaden, andererseits wusste ich, dass allein die zwei Steckdosen der Bachen schon genug Unheil stiften konnten, mich wieder eine Stunde oder mehr mit Puzzlearbeiten im Grünen zu beschäftigen.
Also reifte in mir der bisher recht abwegige Gedanke, es wiederum auf so ne kleine Wutz zu versuchen. Ich wusste vom letzten mal, dass es verdammt schwer war, so ein Wuselchen sauber zu erwischen. Aber ich hatte ja alle Zeit der Welt und das erwachende Morgenlicht war auf meiner Seite.
Lange visierte ich durchs Zielfernrohr einen Frischi nach dem anderen an, um dann festzustellen, dass in diesem Licht ein sauberer Schuss auf diese Entfernung fast unmöglich war.
Endlich sah ich im Zielfernrohr eine kleine Wutz ganz frei stehen, weder von Grasbüscheln verdeckt noch einen Kameraden in der Nähe. Jetzt, da es noch etwas heller geworden war, wollte ich es nochmals versuchen. Erst nachdem der Kleine sich abermals ein Stück bewegt hatte und ich sicher war, dass er breit stand, ließ ich fliegen. Ein erschrockener Quieker wies mir, dass ich getroffen hatte, und mit einem erzürntem Grunzen nahm die Altbache Fahrt auf, stoben die Frischlinge wild durcheinander und flüchtete die Beibache in meine Richtung in die Dickung hinter mir. Nach wildem Hin und Her sammelten sich die Sauen wieder und die Bühne war leer. Nur hinter mir lockte die junge Bache immer noch nach der versprengten Schaar, hatte nicht mitbekommen, dass die führende Mum schon dafür gesorgt hatte, dass das kleine Völkchen wieder vereint in Deckung war.
Eine Weile wollte ich noch sitzen bleiben, warten, bis es ganz hell war, damit ich den Frischling im Gras leichter finden würde und sich die Sauen sicher verzogen hatten. Mein Böcklein von gestern Abend war wieder ausgetreten, sah sich neugierig um als wollte es eruieren, woher der morgendliche Krawall kam. Neben ihm löste sich äsend ein Sikatier vom Dunkeln des Waldes, wechselte just dort über die Wiese, an der kurz vorher noch Sauen waren und verschwand ebenfalls hinter mir in der Dickung. Auch ein Rotspießer begrüßte den nun fortgeschrittenen Sonnenaufgang mit äsenden Schritten und wechselte in seinen Tageseinstand. Es war, als hätte der Lärm der Sauen alles Wild in der Nähe dazu veranlasst, endlich die nächtlichen Äsungsplätze zu verlassen und sich auf die Ruhe des kommenden heißen Sonnentages vorzubereiten.
Das Böcklein ließ mir keine Chance, mich meinem Frischling zu widmen, da er es vorzog, sich in meine Richtung zu äsen.
Mein Handy summte und mein Beständer fragte an, ob ich immer noch draussen sitzen würde. Ich wolle nur das Böcklein abwarten, ob es vorzog wieder einzuwechseln oder sich von mir erlegen zu lassen, bevor ich meinen Frischling bergen würde, simste ich zurück. "Oha!" war die Antwort. :)
Und das Böckerl tat mir den Gefallen und kam mit Andacht, immer sichernd im Bewußtsein, dass ein alter Kämpe ihm den Einstand streitig machte. Es ließ sich Zeit, wechselte eine Weile am Horizont entlang, was immer wieder wunderbare Anblicke ergab und endlich stieg es zu mir herunter, so dass ich genug Kugelfang hatte, es erlegen zu können. Noch einmal warf es sein Haupt auf, dass zwei dünne Spieße trug und dann drehte es sich zur Seite, als wolle es meine Geduld nicht länger auf die Probe stellen. Im Knall taumelte das Spießerchen ein paar Schritte, dann tat es sich schwer atmend nieder und verendete.
Nun hielt es mich nicht länger, ich wollte zusammenpacken und meine Beute bergen. "Waidmannsheil" kam es über Funk gesurrt. Und dass er abbrechen und mit dem Hund vorbeikommen wolle, Schweinchen suchen.
Auch ich wollte jetzt endlich runter und nach der Wutz sehen. Doch als ich dabei war, die Fensterluken zu schließen und noch einen letzten Blick in die Runde warf, kam dort, wo ich kurz vorher das Spießerchen erlegt hatte, ein Fuchs geschnürt, neugierig immer wieder verhoffend und sich seiner sicher, etwas intressantes an diesem Ort zu finden.
Vorsichtig hakte ich die Luke wieder ein, nahm das Gewehr wieder auf, richtete die Armauflage nochmals ein und spannte. Der Fuchs hatte mich nicht mitbekommen, kam auf mich zugeschnürt und im Knall warf es ihn von den Läufen. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, heute hatte Diana meine Ausdauer wirklich belohnt, mit intressanten Anblicken und herrlicher Beute. Nur das Schweinderl musste noch gefunden werden, also Schluß jetzt, Patronen endgültig aus den Läufen, und Abmarsch!
"Was war?" fragte neugierig einer an. " Füchsl liegt" simste ich zurück. "Bis gleich".
Meine Sachen wollte ich erst im Auto verstauen, bevor ich mich ans Bergen machte. Doch meine Schritte wurden schneller, als ich ein Grunzen aus der Dickung vernahm, an der ich gesessen war. Ich hatte ja schon komplett entladen. Also war die Bache immer noch da.
Endlich war alles verstaut, Beständer kam mit Jeepl angehäpert und eins ums andere fand das brave Hundi erst Bock, dann Sau, dann Fuchs.
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Kommentare

29.06.2010 20:22 Augsprosse
Dir ein kräftiges Waidmannsheil und dank für das sehr anschaulich geschriebene Jagderlebnis!
Gruß
Dirk
29.06.2010 20:40 illupo
Toller Bericht!!!
WMH!!!
30.06.2010 08:01 Oichkatzl
Waidmannsdank und auch danke für die Blumen! War auch nen toller Anblick!
Grüßle
Oichkatzl
30.06.2010 12:31 Schwaenchen
oichkatzl
ich bin ein fauler leser, nur deine geschichten könnte ich stundenlang lesen
du bist spitze
liebe grüße vom schwänchen
30.06.2010 12:31 SauerlaenderJung
Tolle Geschichte, Weidmannsheil zu der imposanten Strecke! Sehr schön erzählt, und son Spanferkelchen wird das wohl werden, dafür müsste es ja reichen!
30.06.2010 18:32 Oichkatzl
Danke euch beiden und ja, das Ferkelchen wird auf jeden Fall verschnabuliert, da fällt mir schon was ein.
Grüßle
Oichkatzl
02.07.2010 00:55 Monic
Waidmannsheil...

In dieser Nacht hast nicht recht viel Zeit ghabt zum Dösen ( Schnarrchen )... ist dir nicht langweilig geworden.
Deine Gschichtla lesen sich gout, sind nicht langweilig.
LG Monic











02.07.2010 07:55 Oichkatzl
Moin,moin,woher weißt, dass ich manchmal auf der Kanzel schnarch? Haben dir das die Schweinderl erzählt?
Grüßle zurück
Oichkatzl
06.07.2010 11:27 swinging_elvis
Ja Woidmannsheil. SO eine feine Strecke. Klasse. Da kann man nicht meckern. Gruß, elvis
06.07.2010 11:51 Oichkatzl
swinging_elvis schrieb:
Ja Woidmannsheil. SO eine feine Strecke. Klasse. Da kann man nicht meckern. Gruß, elvis

Servus elvis,
ned nur die Strecke, auch der Anblick war fein!
Woidmannsdank
Oichkatzl
06.07.2010 11:54 swinging_elvis
Das kann ich nur bestätigen.... Rehwild, Rotwild, Sikawild, Schwarzwild, Reineke-Wild... unglaublich! Gut hast's Rock, elvis
Oichkatzl schrieb:
ned nur die Strecke, auch der Anblick war fein!
Oichkatzl

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