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Der Wasserbock

Es ist bereits etwas länger her..., gena (1 Eintrag)

Wasserbock Wasserbock Wasserbock
524 mal angesehen
18.06.2010, 20.36 Uhr

Der Wasserbock

Es ist bereits etwas länger her..., genauer gesagt Juli 2008, das Wetter war um Längen besser als im derzeitigen Sommer!

Aber vielleicht erinnere ich mich gerade deshalb so oft an diesen Tag, denn zu dem Zeitpunkt konnte man bereits überall in unseren Seen herrlich baden gehen, ohne Angst haben zu müssen kurzfristig zu erfrieren. Die Wassertemperaturen hatten wirklich etwas von“badewannenlauschig“.

Für den späten Nachmittag hatte ich mir vorgenommen auf einer gut 14 ha großen Wiese, die von Wasser, Bruch und Wald umgeben ist, mein Glück auf einen der dort stehenden Brunftböcke zu probieren.

Die Terrier würde ich mitnehmen bis oben auf die Kanzel, damit bekämen sie noch ein wenig „Auslauf“, denn auch sie hatten bei diesen Außentemperaturen über Tag wenig Lust sich zu bewegen und lagen meist irgentwo auf dem Grundstück und faulenzten im Schatten.

Die Zeit verging unter gutem Anblick von mausenden Füchsen, grabenden Dachsen, einem Rudel weiblichem Damwild und einigen Ricken ohne das ich Langeweile bekam. Von einem Bock war jedoch weit und breit nichts zu sehen.

Als ich mich wieder einmal zur rechten Seite umschaute, ... was das? Da steht doch tatsächlich ein Bock bereits 20 m vor der Schilfkante. Der musste die Wiese vom Wald aus äußerst zügig überquert haben und ich hatte ihn beinahe verpasst. Entfernung etwa 150 m, also nicht lang gewartet, Ansprechen durch das Zielfernrohr, ok passt, entsichern, einstechen, vorn anfassen und fliegen lassen war ein rein mechanischer Vorgang.

Eilig hatte es der Getroffene gehabt und ich bin auf dem Ziel stehengeblieben weil es mir so aussah, als das er Inne hielt, aber Pustekuchen, eine fatale Fehleinschätzung... im Knall keilte er aus, machte drei kurze Fluchten und zog dann die letzten Meter mit gekrümmten Rücken ins Schilf ohne das ich die Möglichkeit eines zweiten Schusses gehabt hätte.

Den Hunden stand schon ein Fragezeichen im ungläubigen Blick... ich hingegen konnte nur eine lange Fläppe ziehen und mich über so viel eigene Dämlichkeit nur ärgern.

Mist, ausgerechnet ins Schilf um diese Uhrzeit. Mittlerweile war es spät geworden und die Sauen würden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Also entschied ich mich abzubaumen um mit den Hunden eine viertel Std. später wenigstens den Anschuss noch bei ausreichendem Licht kontrollieren zu können.

Selbst auf der Wiese war der problemlos zu finden, Schweiß und Panseninhalt gaben meinen Eindrücken auf den Sitzt der Kugel recht.
Also kurz bis an die Schilfkante geschaut. Und siehe da, da liegt er ja, direkt einen Meter im Schilf. Die rote Decke war weithin zu erkennen.

Da ereilte mich das Mißgeschick gleich ein zweites Mal, kaum das „wir“ ihn gesehen hatten, hatte auch er uns eräugt und mobilisiete nun alle Kräfte. Aufgemüdet ging er ins Dickicht und weg war er... Na ja, die Hunde sprangen ja schon ins Geschirr, also kurzerhand einen Terrier nach dem anderen geschnallt und ab ging die Hatz durchs Schilf. Dahinter befand sich ein relativ langes aber zum Wasser hin schmales Bruch, darin ging die Hetze dreimal rauf und runter. Mal stellten die Hunde, mal war ein Klagen des Bockes zu hören, das mir anzeigte, sie sind dran, plötzlich Klagen eines Hundes... und wieder Hetzlaut... und ein depperter Jäger der ständig versuchte per „Rennschritt“ auf der anderen Seite des Schilfes auf Höhe des Geschehens zu bleiben. Endlich wieder Standlaut, also jetzt aber rein ins Schilf und versuchen an den Ball heran zu kommen... kaum das ich das Schilf durchbrochen hatte tat sich mir das Bruch auf und bot mir eine gähnende Leere als Anblick. Kein Hund, kein Bock, nur Hundegeläut und Wasserplatschen, diesmal aus der Schilfkante kommend das ins offene Wasser führt. So eine Riesenschei... Was nun? Hilft alles nix, dachte ich noch und war auch schon dabei, mir die Klamotten vom Leib zu zerren. Gummistiefel, Hose, Shirt, alles runter... den Drilling an die nächste Erle gelehnt, das Messer in der Hand, gab ich als „Flitzer Nacktarsch“ mein Debüh. Hinein ins Wasser, den Weg durch die letzte Schilfkante gebahnt und plötzlich stehe ich im offenes Wasser. Bis zum Kurzwildbret stehe ich im See, drei Terrier ziehen 10 m vor mir, im für sie viel zu tiefen Wasser verloren suchend ihre Kreise... vom Bock keine Spur!!!

Was muss ich behämmert ausgesehen haben...!? Glück für mich das hier nicht so viele Paddler vorbeikommen sinniere ich... Ein auch noch so intensives Absuchen des Seegrundes an dieser Stelle blieb ohne Erfolg.
Der Bock war abgetaucht und blieb verschollen.

So sammelte ich ratlos Hunde und Klamotten ein und machte mich enttäuscht auf den Heimweg.

Dort war bei dieser Erzählung erst einmal das Gelächter groß, selbst mit angesehen hätten sie es gerne, tönte es aus aller Munde.. nur nachdem sie sich meine Blessuren ansahen kam ein wenig Mitleid auf. Die Füße, selbst die Beine bis hinauf kurz unter „des Mannes Leben“ waren vom Schilf bös zerschnitten.

Der Entschluss war aber schon gefaßt. Am nächsten Morgen wollten wir alle nochmal nach dem Wasserbock schauen, weit konnte er ja nicht gekommen sein, war die einhellige Meinung.
So umschlugen meine Frau, meine Tochter und ich den Ort des Geschehens, bis hin auf eine in den See ragende Landzunge. Der sich hier befindliche kleine Angelsteg bot einen sehr guten Überblick.
Irgentwann meinte meine Frau einen nicht identifizierbaren Hügel im Wasser vor der Schilfkante entdeckt zu haben. Nochmaliges Abglasen ließ auch in mir die Hoffnung aufkeimen, der Bock sei nach dem Aufgasen an die Wasseroberfläche getrieben. Aber wie hinkommen? Nochmal durch Schilf und Bruch? Nee nee lieber nicht. Meine Füße quittierten den gestrigen Einsatz bereits mit eitrigem Ausfluss an ihren Verwundungen. Also wieder bis aufs Leder auspellen und schwimmen!

So mutierte diese ungewöhnliche Kontrolle letztendlich noch zu einer kuriosen aber erfolgreichen Totsuche, bei der wenigstens die Terrier zu reichlich Hundefutter kamen... und ich zur Trophähe meines Wasserbockes.
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gruenrock

gruenrock

Alter: 61 Jahre,
aus dem Sauerland - von den weitläufigen Ufern des Felsenmeeres
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Kommentare

18.06.2010 22:13 platzi
Super Erzählung!
Hab mit breitem Grinsen gelesen - Schadenfreude ist doch auch eine Freude oder?

So ein Erlebnis bleibt, denke ich!

Weidmannsheil zum Bock!

Gruß

Diether
19.06.2010 01:31 Heidefoerster
Für den Bock kann man durchaus mal in´s Wasser gehen, Weidmannsheil!
19.06.2010 07:15 Jagdperle
Toll erzählt

Weidmannsheil zum Bock.
21.06.2010 12:16 Bender
Weltklasse !!

Da wäre ich auch gerne dabei gewesen !!

Viel Waidmannsheil

Gruss Daniel
21.06.2010 12:42 Remmi
super geschrieben!
und natürlich könnte ich mir ein leichtes Grinsen nicht verkneifen
21.06.2010 15:17 KLM
Schöne Geschichte!

Ich kann dir genau nachfühlen. Ich habe meinen ersten Bock vor einigen Jahren auch schwimmend geborgen.
Die Story steht auch in meinem Block.
Ich kann nur sagen: "So einen Bock vergisst man nie!"

Waidmannsheil!
KLM
22.06.2010 13:40 swinging_elvis
Welch Erlebnis... und wer kann schon sagen, dass bei ihm kein Schuss fehlgeht...
Solches Waidmannsheil bleibt ewig in Erinnerung. Gruß, elvis
23.06.2010 23:48 Meffi
Das ist mal eine außergewöhnliche Geschichte.

Gruß und wmh, Meffi!
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