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Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

völlig vertraut waren sie in der Senke unterwegs... Ansprechübungen für Jungjäger... keine Wutz, sondern mein schwächster Jährling im Revier...
920 mal angesehen
27.05.2010, 08.02 Uhr

Abfährten mal anders...

Gestern war ich noch soooo hoffnungsvoll. Böckchen bestätigt, Sauen an gleicher Stelle nun seit Wochen gefährtet, da ging es gar nicht anders, als sich dort auch anzusetzen. Mond war auch, wenngleich er sehr flach zog, die alten Traubeneichen begannen gerade erst, das Laub zu schieben. Die Hainbuchen im Unterstand waren zwar weiter, aber nicht so zahlreich vertreten, dass ich dem Mond keine Chance gegeben hätte. Wetter war perfekt, also ab 18 Uhr auf dem Ansitzbock. Pirschen machte hier keinen Sinn, Reviergrenzen waren zu nah...

Aber abgesehen von einem Schmalreh bei gutem Licht, das sich aber geschickt durch die engsten Haselnussbestände zu schieben wusste und mir den Schuss nicht gönnte, blieb es still. Böcke erst im Dunkeln, Sauen nur gerochen und verhört, aber nicht gesehen. Kiro deprimiert – und ich auch...

Also versuchte ich es heute gar nicht erst, sondern widmete die Freizeit meinem kleinen lockigen, wohlriechenden Rabauken, zog mit ihm ins Revier. Ich wollte jetzt am späteren Nachmittag – man muss ja noch arbeiten – mal die Feldkanten der neuralgischen Schläge kontrollieren. Und da ich so ein wenig den Eindruck hatte, dass Kiro sehr genau wusste, was eine BBF auf dem Rücken des Alten bedeuten konnte und er dann zunehmend schwerer zu bremsen war, hatte ich vor geraumer Zeit beschlossen, den Schießprügel bei jedem noch so sinnlosen Gang mitzunehmen. Also, Waffe auf den Rücken, Hund an den Strick und los.

Die erste Kontrollle machte ich am Rapsschlag vor der Haustür meines Bauern. – Soll ruhig mitkriegen, dass wir uns kümmern. Vor einiger Zeit, als der Raps gerade halbhoch war und man an einigen Stellen sogar noch reingucken konnte in die größeren Fehlstellen, hatte ich hier schon mal eine Rottte Sauen mit Kartoffelkäfern vor, die ich zwar ausgiebig beobachten konnte, aber an einen Schuss war wegen der unklaren Lage gar nicht zu denken.
Der Roggenstreifen, den der Bauer ja eingerichtet hatte und den Rapsschlag damit geteilt hatte, war jetzt knapp kniehoch und in der Fahrspur war die letzten Tage einiges los. Die erste Kitzfährte entdeckte ich in diesem Jahr, Marderhund zog auch regelmäßig hier durch und natürlich waren auch überall Fährten meiner schwarzen Freunde....
Aber sie waren durchgängig älter. Sollte Ruhe eingekehrt sein??? Vor ein paar Tagen hatte ich auf der anderen Seite die Fährte einer auswechselnden Rotte gefunden. Die waren in den 2 km weiter weg liegenden Wald gezogen und noch nicht wieder zurück...

Auf dem Rückweg zum Auto spekulierte ich ein wenig auf Rehwild in einer nassen Senke, die von allerei wasserliebenden Krautplanzen, Binse und Röhricht zugewachsen ist. So war ich sehr vorsichtig, als ich mich näherte. Kiros bisheriges weitegehendes Desinteresse wandelte sich plötzlich, mit hohem Fang holte er Witterung, die der Wind uns von dieser Senke her zutrug. Doch zu sehen war nichts.
Gerade hob ich das Fernglas an die Augen, als sich ein von einem anderen Schwarzen offensichtlich gechasster Frischling lauthals Luft machte. Die Richtung stimmte, die Sauen mussten an der Senke sein. Und endlich, endlich entdeckte ich am Rand des angrenzenden Rapsschlages eine heftig wackelnde Rapspflanze – Jetzt aber Obacht!!!
Dann erahnte ich den ersten Rücken einer Wutz. Aber zunächst konnte man kaum ausmachen, was sich dahinter wirklich verbarg. Doch schon erschien der nächste Widerrist. Jetzt wird’s interessant. Schon überlegte ich, welche Chancen ich hier hätte. Rankommen wird wohl nichts werden, keine Chance, ungehört durch den saftigen, aber damit umso besser quietschenden und brechenden Raps zu kommen. Außerdem stand ich hier ganz gut. Das leicht wellige Gelände ließ von hier noch einen freien Blick in die Senke zu. An allen anderen Stellen wäre der Raps so hoch, dass man nicht drüber sehen kann. Also: warten, was passiert.

In der Zwischenzeit hatten sich noch mehrere Schwarze in die Senke vorgearbeitet. Nun konnte man schön vergleichen. Mittlerweile standen zwei ältere Bachen in der Senke, die man hier wirklich gut beobachten und auch ansprechen konnte. Kiro hatte die Truppe natürlich auch entdeckt und wurde immer unuhiger. Zwar legte er sich bei Ermahnungen von mir brav ab, aber das Treiben der Schwarzen knapp 100 Meter vor uns wurde immmer frecher und lauter. Und dieses Treiben stachelte ihn immer wieder an. Das konnte er nicht so recht begreifen, dass er hier still liegen soll, während vor ihm die langborstigen schwarzen Gesellen „Wilde Sau“ spielen dürfen – ungestraft!!!

Da ich Kiro hier nirgends anbinden konnte, was mir bei seiner Aufregung aber wichtig war, und ich nicht wirklich wollte, dass er sich hier im frischen Raps mit den Bachen wegen eines Frosches zankt, beschloss ich, ihn zum Auto zu schaffen. Die knapp zweihundert Meter werde ich wohl schaffen, ohne nachher vor leerer Bühne zu stehen, machte ich mir Hoffnung. Und so zogen wir ab. Ich tauschte Kiro gegen Fotoapparat (wollte ja wenigstens vielleicht ein brauchbares Foto mitbringen, wenn ich schon jagdich vielleicht nicht zum Zuge kam).

Und tatsächlich, die Sauen waren noch da, fühlten sich absolut sicher und waren mittlerweile über die gesamte Senke verteilt. 4 ältere Bachen und mindestens 12 Überläufer (die ich jetzt gleichzeitig auf der Fläche sah, weitere kamen hinzu, während mal wieder einer in den Raps zog). Tja und dann sah man immer mal wieder an den verschiedensten Stellen auch Streifenhörnchen.
Aber im Raps wackelte auch immer noch hier und da eine Pflanzen. Naja, so schön der Anblick auch ist, aber bei der Vorstellung, dass die noch ein paar Monate im Raps zubringen, wird mir ganz anders...

Ich hatte wieder meinen alten Beobachtungspunkt eingenommen, arbeitete mich aber nun doch vorsichtig voran, immer langsam zu Senke hin. Der Raps quietschte schon, wenn ich nur an den nächsten Schritt dachte. Und während wir sonst immer genügend Wind auf dieser Insel haben – heute machte er Ruhetag...

Nun kamen von der gegenüberliegenden Seite wieder Sauen in die Fläche. Da sie weit genug weg waren, ich erstmal ohnehin nicht schießen können würde, tauschte ich Waffe gegen Knipse und beobachtete das Treiben im Sucher der Kamera. Es waren drei Größenklassen Überläufer dabei. Die stärksten hatten locker um die 50 kg, die schwächsten so um die 20 kg, eher darunter.
Einen Überläufer hatte die vermeintliche Leitbache immer wieder vor. Kaum dass er aus dem Raps in die Senke wechseln wollte, wurde er massiv von ihr bedrängt. Kurz war der Überläufer mal sehr gut zu sehen in dem Bereich niedriger Vegetation – aha Überläuferkeiler! Na der wäre doch was…!
Ich hatte meine Canon auf Dauerfeuer gestellt. An vernünftige Fotos war nicht zu denken, weil mein Arm schon sehr schwer wurde und bei Objektivbrennweite 800mm freihändig gegen Abend – Da werden die meisten Bilder eh Suchbilder...
Aber ist ja Digital – also, sch... drauf, immer los...!!!

Die zunächst wieder 200 Meter Entfernung verringerten sich wieder zu meinen Gunsten. Und in der Zwischenzeit hatte ich unter den Überläufern auch welche ausgemacht, die nur jagdrechtlich welche waren, biologisch aber sicher noch nicht. Und die mochten keine zwanzig Kilo haben. Nachteil, die waren meist im höchsten Teil der Vegetation verschwunden. Aber da, da ist ja einer, der könnnte passen. Den Fotoapparat hatte ich schon seit geraumer Zeit gegen die BBF eingetauscht. 70 Meter vielleicht war er von mir weg, noch zwei Schritte nach vorn, dann könnte er freistehen...` Nun komm schon du Teufel`- Aber er ließ sich Zeit, mir wurden wieder die Arme lahm und zu allem Überdruss hatte sich offensichtlich ein Schwarzer in´s Haupt gesetzt, direkt zu mir zu kommen...
Blick in´s Glas: Neee, ist mir zu heikel,ein paar Binsen vorm Blatt, Nachsuche hier im Raps muss man nicht herausfordern...

Und dann war sie da – die Big Mama, 10 Meter vor mir, starrte mich für einen Bruchteil einer Sekunde an, erschrak und blies zum geordneten Rückzug....

Nein, ich hab mich nicht geärgert, nicht geschossen zu haben. Das hätte ich an dieser Stelle bei den Verhältnissen für unverantwortlich empfunden, hier fliegen zu lassen. Das Risiko einer durch die Halme abgelenkten Kugel war mir schlicht zu groß...

Wenig später saß ich auf einem Ansitzbock in der Nähe, wolllte das Erlebnis erst mal richtig verarbeiten. Halblinks vor mir stand ein Böcklein im Weizen auf. Ein Blick durchs Glas: Jährling, dreiviertel lauscherhoch und kaum eine Ecke zu erkennen. Das war der schwächste Jährling, den ich bisher entdecken konnte in meinem Revier...
Mein Kolllege hat sich echt über das Böckchen gefreut. Mich aber wühlt das Sauenerlebnis ohne gestreckte Wutz deutlich mehr auf, auch jetzt noch.



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Kommentare

27.05.2010 09:01 WiWaWutz
Klasse Schilderung! Wmh zum Jährling..
28.05.2010 11:44 swinging_elvis
Ja Waidmannsheil! Klasse Erlebnis... da schüttelts mich gleich mit. 800mm? Wans des fürn Rohr. Wahnsinn. Blaib am Ball, elvis
28.05.2010 12:22 anser
swinging_elvis schrieb:
Ja Waidmannsheil! Klasse Erlebnis... da schüttelts mich gleich mit. 800mm? Wans des fürn Rohr. Wahnsinn. Blaib am Ball, elvis


Na die 800mm ergeben sich aus der Umrechnung der 500mm des Objektivs für das Kleinbild-Format auf die Sensorgrößer meiner EOS 350D...
28.05.2010 12:36 swinging_elvis
anser schrieb:
Na die 800mm ergeben sich aus der Umrechnung der 500mm des Objektivs für das Kleinbild-Format auf die Sensorgrößer meiner EOS 350D...

KRASS... Da hat man im Laden immer das Problem: Objektiv oder Bixe. Waidmannsgruß, elvis, der die 400mm grad mit 70-200+2x erreicht und keinen Verlängerungsfaktor hat...
29.05.2010 07:44 ssquat
Würde mich auch aufwühlen, das Sauenerlebnis. Mensch - da war wirklich keine dabei, die gepasst hat? Mir wäre bei den vielen Sauen im Raps auch jannz blümerant... Die bleiben da nämlich noch eine ganze Weile, befürchte ich...
Trotzdem WH - und gut erzählt!
30.05.2010 00:50 Isegrim
Heut ist nicht alle Tage - sie kommen wieder - keine Frage
SUPER erzählt und Wmh zum Jährling
Gruß v. ISE
31.05.2010 07:03 anser
ssquat schrieb:
Würde mich auch aufwühlen, das Sauenerlebnis. Mensch - da war wirklich keine dabei, die gepasst hat? Mir wäre bei den vielen Sauen im Raps auch jannz blümerant... Die bleiben da nämlich noch eine ganze Weile, befürchte ich...

Trotzdem WH - und gut erzählt!


Klar waren da auch zwei drei Stck dabei, die gepasst haben, nur die kriegte ich nicht frei in der hohen Vegetation. - Waren eben nicht groß genug...
Und die größeren Srtücke sind bei mir tabu. solange ich nicht absolut sicher bin, dass die nicht führen...
Und in einer solchen Rotte kannst du dir in der Vegetation nie sicher sein...
31.05.2010 10:05 ssquat
anser schrieb:
Klar waren da auch zwei drei Stck dabei, die gepasst haben, nur die kriegte ich nicht frei in der hohen Vegetation. - Waren eben nicht groß genug...
Und die größeren Srtücke sind bei mir tabu. solange ich nicht absolut sicher bin, dass die nicht führen...
Und in einer solchen Rotte kannst du dir in der Vegetation nie sicher sein...

Nee, Du hast schon recht - im Zweifelsfalle zugunsten der Angeklagten. Aber unruhig wäre ich trotzdem bei so viel "Besuch" im Raps...
20.06.2010 19:12 perriair
Hallo Anser,

klasse Erzählt und ein tolles Erlebnis !Du solltest das mal in Buchform Verfassen ! Werde im September wieder auf der schönsten Insel überhaupt sein und Störti gucken.
WMH zu Jährling und noch viele schöne Anblicke.

Stefan
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