Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Frühlingsgefühle

Jagd im Frühjahr (5 Einträge)

Mossy oak breakup und ein Dreilauf
745 mal angesehen
19.05.2010, 22.43 Uhr

Mossy oak breakup und ein Dreilauf

Vor einigen Jahren traf ich eine folgenschwere Entscheidung. Für meinen anstehenden Finnland-Aufenthalt erstand ich im „fernen Westen“ einen Gore-Tex-Jagdanzug in „mossy oak breakup“. Im Outled Store von L.L.Bean kam ich an diesem Sonderangebot einfach nicht vorbei und passend schien mit das Tarnmuster auch, wenn in Finnland auch die Amerikanische Roteiche nicht die Hauptbaumart ist. Seit jenem Tag hat dieses Teil mich durch total verregnete Elchjagdtage, Entenjagden, Anstand auf den Kleinen Hahn und weitere Abenteuer begleitet und sich bestens bewährt. Was bewog mich aber nun dazu, diese Klamotte im Land der Teutonen zu tragen, wo man schnell den militanten Stempel erhält? Das Revier meiner Wahl war ein Hochwildrevier mit offenen Leitern und Hochsitzen bzw. Drückjagdböcken. Bei gerade einmal 100 ha befand man sich in diesem reinen Waldrevier quasi immer im Einstand. Der Wind war schwierig und überhaupt war das Jagern in diesen Gefilden kein Zuckerschlecken. So gedachte ich, Ami-like dem Wilde zumindest vom Gesichtssinn her ein Schnäppchen zu schlagen. So konnte ich auch einmal richtig testen, wie leise der Stoff ist und überhaupt… würde mich hier so schnell keiner sehen…
Der Mai-Anfang galt natürlich zunächst dem Rehwild. Böcke und Schmalrehe standen auf dem Programm, denn der Wald war noch licht und das Wild rege. Diese Chance galt es zu nutzen. Im ersten Morgenlicht erstieg ich eine Leiter und richtete mich vorsichtig ein. So richtig im Saft war die Natur noch nicht. Kühl und wolkenverhangen präsentierte sich die Natur. Was würde dieser Morgen bringen? Dies noch überlegend und dabei meinen Dreilauf stopfend gewahr ich eine Bewegung links den Hang herunter. Reh! Das ging ja wieder einmal richtig los mit mir und der Jagd. Langsam das Doppelglas gehoben und angepeilt. Bock. An einem trockenen Stämmchen rieb er sein Gehörn, markierte anscheinend lustlos, aber jetzt galt es Glas gegen Drilling zu tauschen, denn hier im Wald vergehen Chancen nur allzu schnell. Durch das lichtstarke Nickel 8x56 wollte ich dann richtig ansprechen. Aber was war das? In der Bewegung erstarrend sah ich, dass das Böckle (ein Starker war es nicht) aus diesen 70 Metern zu mir hoch sicherte. Zu schnell? Zu hastig? Die Unruhe war regelrecht zu bemerken. Schon zog er weiter. Ich ging im gleichen Fluss in den Anschlag, hatte ihn auch schon drin, aber noch nicht richtig angesprochen und außerdem stand er leicht verdeckt hinter Ginster. Nein. So nicht. Nicht auf den ersten Bock 2010. Immer wieder zu mir hin sichernd verschwand der Bock im angrenzenden jungen Buchenwald. Meine Gedanken blieben aber nicht ruhig und begannen zu mutmaßen, dass er vielleicht seine Richtung beibehalten wollte und am Waldrand entlang gezogen käme. Also behielt ich den Dreilauf in den Fäusten. Aber es war dann doch ein regelrechtes Erschrecken, als plötzlich auf dreißig Meter ein Reh sichtbar wurde, mein Bock. Langsam wanderte der Schaft ins Gesicht und das Absehen eins vom Blatt zum Haupt. Über Lauscher hoch und… im vollen Bast!
Langsam ging das Laufbündel wieder herunter. Nein, daran hatte mein Jägerherz keine Freude. Wenn auch gesetzlich erlaubt so hatte ich doch meine eigene Auslegung. Dieser sollte es hier und heute nicht sein…
So verging mein erster Mai-Ansitz. Meine Camouflage-Kleidung hatte mir bei meinen offensichtlich zu schnellen Bewegungen – dazu noch gegen den Himmel- herzlich wenig genutzt. Aber eines hatte ich erfahren. Sie war wunderbar leise, nur an ungehobeltem Holz rieb sie ein wenig.
Aber das sollte ja noch nicht das Ende sein. Meinen letzten Abendansitz wählte ich in einem entlegenen Teil des Reviers, wo ich zwischen einer Leiter und einem Drückjagdsitz wählen konnte. Hierhin war dieses Jahr noch niemand gekommen, und so gab es auch weder Freischnitt noch Pirschpfad. Sorgsam die feuchten Stellen im Laub suchend und trockene Äste meidend pirschte ich einen Ziehweg entlang. War das spannend, konnte man doch jeden Moment auf Wild treffen. Nebenbei studierte ich die Fährten und meinte, Rot-, Reh- und Schwarzwild ansprechen zu können. So ein kleiner Wutz wäre auch schon was Feines.
Da mit reichlich Buchenlaub belegt und recht steil vermied ich den Anstieg zur Leiter und wählte nach kurzer Rückpirsch den dreieckigen Drückjagdsitz. Zum Glück war hier der Blick einen Hang hinunter noch nicht völlig vom Buchenanflug zugewachsen. Guter Ausblick. Leider bemerkte ich aber, dass der Wind küselte und gelegentlich in eben diese Richtung blies. Jetzt wollte ich aber bleiben und den lauen Abend genießen.
Nachdem ich den Boden vom trockenen Laub befreit hatte, vernahm ich plötzlich ein leises Knistern rechts Hinter mir. Wechselte da etwa schon Wild an? Nein. Nichts weiter. Doch da, ein lautes Knacken und Rascheln von schwerem Wild. Nur in Zeitlupe wagte ich, mich umzudrehen und bemerkte gleich im leuchten grünen Anflug ein Lauscherpaar. Schwarzwild und Rehwild konnte ich schnell ausschließen. Dies waren die großen Luser eines Alttieres. Und das keine zwanzig Meter hinter mir. Und da war noch mehr Bewegung. Offensichtlich war das Stück nicht allein. Plötzlich kam Bewegung in die Sache und ein noch recht grauer Wildkörper huschte über den Weg hinter mir in die Buchen rechts von mir: ein Schmalspießer war es, den das Alttier offensichtlich begann, abzuschlagen. Welch ein Anblick, dieses edle Wild auf vielleicht 15 Meter auf Augenhöhe. Ich war begeistert.
Nebenbei will ich sagen, dass ich meinen Anzug um Maske und Handschuhe gleicher Art ergänzt hatte. Den oberen Abschluss bildete eine Tarnkappe… und genau so, als ob ich so ein märchenhaftes Kleidungsstück trüge, so fühlte ich mich jetzt. Nun drohte aber Ungemach. Das Alttier wechselte bedächtig auf den weg, über den ich meinen Anwechsel genommen hatte. Und – erwartungsgemäß nahm die Erfahrene das Haupt herunter und untersuchte die bekannte Witterung… nahm das Haupt wieder hoch und äugte in meine Richtung, schien verunsichert, prüfte erneut…
Mein Atem schien still zu stehen. Was würde nur passieren? Meist reicht dem edlen Wild die Witterung des Erzfeindes, um sich klammheimlich zu verdrücken. Doch ich hatte anscheinend Glück. Das Tier beruhigte sich wieder und wechselte langsam weiter, hie und da an dem jungen Buchenlaub naschend. Puuuhhh… Aber was jetzt? Das war offensichtlich noch nicht das Ende. Gleich drei weitere Stücke Kahlwild kamen auf dem gleichen Wechsel… Alttier mit zwei blanken Schmaltieren vom Vorjahr. Welch ein Anblick. Die Prüfung meines Wechsels erfolgte natürlich erneut, aber in geringerem Maße, da das Leittier ja schon durch war.
Ich konnte es wirklich kaum fassen. Fünf Stücke Rotwild stehen direkt neben mir und äsen vertraut. Es war unbeschreiblich. Bis… bis die Altmutter dem Schmalspießer erneut seinen neuen Weg zu verstehen gab und diesen direkt vor meinen sitz trieb. Er verhoffte eine Weile und dann muss wohl doch ein Lüftchen in seinen Windfang gelangt sein und stürmisch ging es ab den Hang hinunter. Auch der Rest des Rudels erschrak, konnte aber – wohl wie der Spießer – keine klare Gefahr ausmachen. Die Flucht hatte aber gereicht. Das Rudel zog langsam, Stück für Stück nach rechts weg und entschwand meinen Blicken. Ich war immer noch wie gebannt. Ein tolles Erlebnis. Ob mir dabei auch mein An-(Auf-)zug geholfen hatte? Das sollte ich spätestens fünf Minuten später bewahrheitet sehen.
Da wendete ich nämlich sachte meinen Kopf nach links … und… sehe keine sieben Meter neben mir ein weibliches Stück Rehwild welches den Hang hinunter äugt. Wieder wurde ich zur Salzsäule. Instinktiv ging mein Griff an das Laufbündel des Freilaufs, aber bis auf Träger und Haupt sah ich nur graue Winterdecke. „Ricke“ dachte ich mir und beließ es auch gleich dabei. Und dass es eine Ältere war bewies die Wendung und das eindringliche Prüfen meines Wechsels oben auf dem Weg. Ihr Blick ging dabei – ich staunte – glatt an mir vorbei den Weg entlang. Ich hätte vermutet, dass sie einmal den seltsamen neuen Klumpen im Revier begutachten würde – aber nichts. Sie zog gar noch ein wenig näher, ich verdrehte meinen Kopf, bis es vielleicht drei Meter waren… fast hätte ich meinen Arm ausgesteckt... es war wirklich unglaublich – sie äugte glatt an mir vorbei und nahm mich nicht als Fremdkörper wahr. Die dunklen Seher, das aufmerksame Spiel der Lauscher, die grazile Figur. Es musste, es konnte nur die Tarnwirkung meiner Kleidung sein, unterstützt natürlich vom zum Glück günstigen Wind. Welch Erlebnis, welch Nähe zum Wild. Unfassbar!

Alles in allem bin ich sehr froh, dies einmal ausprobiert zu haben und werde sicher weiter testen, auch wenn nachher die Ricke doch in meinen Wind zog und sich unsicher entfernte, nicht ohne aus sicherer Dickung ein BÖH in meine Richtung zu senden. Dass man bei der Wahl solch einer Kleidung trotzdem Opas Dreilauf führen kann… nun, dazu mag sich jeder selbst seinen Teil denken. Waidmannsheil!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 44 Jahre,
aus Dubai
Anzeige

Schlagwörter

birkhahn

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

20.05.2010 09:39 platzi
Weidmannsheil zum Erlebten.
Hast eine Ader zum Schreiben!

Gruß
Diether
20.05.2010 12:09 wachtelschachtel
Hi Elvis, schön geschrieben!
20.05.2010 13:38 Dirk71
Das kommt mir irgendwie bekannt vor!
Ich jage auf dem Ansitz oft, und auf der Pirsch eigentlich immer mit moosy oak, seclusion 3 D oder atvantage timber.
Mein bestes Erlebniss war, auf dem Boden sitzend, an einen Baum gelehnt.
Ein Damspießer, der bis auf 3 m herann kam. Plötzlich stampfte er mit den Vorderläufen und fing an zu schrecken, während er in alle Richtungen sicherte. Nach 2 min hatte er such beruhigt und zog dann ganz vertaut weiter.

Ich kann die Klamotten nur empfehlen!

Gruß,
Dirk
20.05.2010 20:04 Hirschmann
Danke für den schönen Bericht. Selbst glaube ich nicht an die "Wunderwirkung" von Tarnklamotten - zumindest was Rot- und Rehwild betrifft. Die ausschließlichen Bewegendsehersind mir oft schon sehr viel näher gekommen, auch auf Augenhöhe, obwohl ich "nur" stinknormales Grün an hatte. Die Krönung war dabei mal eine Ricke mit zwei Kitzen, die ungelogen auf Armlänge (!!!) an mir, der auf ´nem Gartenstuhl hinter nem alten Heuballen in einem kleinen Feldgehölz saß, vorbeigezogen kamen und mich ob des Windes nicht mitbekommen hatten. Etwas einschränken möchte ich meine Skepsis gegenüber Tarnkleidung aber doch: Zumindest im Winter, vor allem auf freier Flur hilft ein Schneetarnanzug schon. Zu Grün wäre der Kontrats einfach zu krass und die noch so langsamste Bewegung wird, vor allem bei Rotwild wahrgenommen...

Gruß
HM
22.05.2010 14:12 Forstwart91
Schöne Geschichte...toll geschrieben!!
Gruß Forstwart
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang