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Gruppe Club der Jagdromantiker

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Waidmannsfreuden

(14 Einträge)

Nix Stallhase Da könnte man heulen...
378 mal angesehen
19.05.2010, 20.46 Uhr

Der Hasen-Brocken

Wie auch die Jagd so hat der Aberglaube seinen Ursprung in unserer langen Geschichte. Dass dieser bei vielen Jägern in der einen oder anderen Form vertreten ist, muss also nicht wundern.
Meine Geschichte beginnt am Abend eines eigentlich bis dahin wunderbar warmen Sonntags. Als ich aber vor die Tür trat, hatte sich das Wetter geändert. Eine kühle Brise wehte und alles dampfte regelrecht. Mein Ansinnen war ein unbewaffneter Spaziergang, auch Jogging genannt. Solche harmlosen Touristen der Natur erleben ja oft die tollsten Dinge… wovon der beutewillige Jäger nur träumen kann. Langsam steuerte ich Richtung meines kleinen - ich möchte es mal Blocksberg nennen… oder Brocken. Um hier im flachen Finnland nicht vollkommen die Bergfitness zu verlieren habe ich mir einen großen Felsen ausgesucht, der vom Abrieb der Eiszeit übrig geblieben ist. Mittels Sand und Humus sind hier tolle Laufwege hergerichtet, die im Winter auch als Langlauf-Loipen dienen. Hinzu kommt, dass sich auf diesem Hügel eine tolle, ursprüngliche Natur erhalten hat… urwüchsige Kiefern auf kargem Fels, dunkle und sumpfige Tümpel und lichte Birkenhaine wechseln sich ab. Man fühlt sich wirklich „wie mitten drin“.
Kurz vor meinem Ziel verdichtete sich der Nebel erheblich. Die Wetterhexe hatte sicher Nutzen aus dem Temperaturwechsel und des naheliegenden Sees gezogen und hüllte meine Laufstrecke in ihre zerrissenen Nebelröcke. Aber unverdrossen trabte ich los, mein heutiges Pensum hinter mich zu bringen.
Zunächst ging es nur leicht bergauf, um dann rechts abzubiegen und unter einer Brücke am See auszukommen. Jetzt wartete der erste starke Anstieg, über eine weitere Brücke ging es und weiter bis zur Kuppe. Die kühle Luft tat gut, aber trotzdem war ich ein wenig am prusten, als ich oben ankam. Mein unbebrillter Blick gewahr nun einen bräunlichen Gegenstand am Wegesrand, welcher vorher nicht dagewesen war. Vermutete ich zunächst ein Pärchen Enten, so hoben sich plötzlich zwei helle Löffel aus dem Klumpen um sich urplötzlich in einen Schneehasen zu verwandeln, der bereits reichlich verfärbt hatte. „Na, Dich hab ich wohl zu später Stunde überascht?“ war mein inneres Zwiegespräch. Metsäjänis interessierte das nicht und er machte sich nicht eilig aber bestimmt hinter die deckenden Felsen.
Die Strecke maß einige Kilometer und vor der Endsteigung, die auch die anstrengendste war, sah ich einen Vertreter der uns bestens bekannten Rasse Lepus europaeus, zu Finnisch rusakko. Trotz recht großem Abstand zog es der Feldhase anscheinend vor, im Tiefgang aber mit fliegenden Fahnen (Löffel und Blume) das Weiter zu suchen. „Tut mir ja leid, dass ich zu so später Stunde noch störe…“ Wer konnte ahnen, dass ich eine regelrechte Walpurgisnacht der Hasen erleben würde, auch wenn die im Finnischen vappu genannte Nacht schon ein wenig vorbei war. Die Steigung war geschafft, das Ende der ersten Runde kam näher. Gedanken schwebten wie die mich umspinnenden Nebelschleier, die Natur war eine wahre Pracht. Flechten, die sich normalerweise dumpf auf die Felsen duckten, schienen regelrecht geschwollen, reckten sich nach dem Nass in der Luft, hatten verschiedene leuchtend grüne Farben angenommen… es war eine Wonne.
Mit ein wenig Tempo auslaufend bemerkte ich plötzlich nicht weit vor mir einen weiß-braunen Punkt auf dem Weg. Ja, bei Hittavainen, schon wieder ein Schneehase? Tatsächlich. Uninteressiert schien er mich zu erwarten, regte sich kaum um dann ein wenig voraus des Weges zu hoppeln. Fasziniert starrte ich auf diese neuerliche Erscheinung und konnte aber schnell ansprechen, dass dies nicht derselbe Hase wie auf der Kuppe sein konnte. Dieser hier hatte eine Art weißen Halsring. Staunend lief ich – dem Hasen hinterher. Ich verlor ihn erst aus den Augen, als ich an einer Gabelung eine andere Richtung nahm. Kopfschüttelnd trat ich die zweite Runde an…
Vor mir – ein Schneehase! Schon wieder saß da ein Lepus timidus vor mir auf der Laufstrecke. Jetzt wusste ich, dass auch hier gilt: Glatter Gang – glatter Fang! Nur dazu sollte es natürlich nicht kommen. Nach einer kurzen Begleitung machte sich der Has‘ mit langen aber entspannten Sätzen auf in den Kiefernwald links des Weges. Dem Läufer wurde so langsam unheimlich. War dies der Brocken und heute vielleicht Walpurgisnacht? Zauberte Tapio, der Finnische Gott des Waldes „weiße“ Hasen aus dem Hut? So was war mir noch nicht untergekommen. Grüblerisch passierte ich den See und nahm die nächste Steigung. Wie war das noch bei Hasen? Sollte vielleicht der „Brackier-Effekt“ auftreten und mein „Berghase“ wieder an Ort und Stelle sein? Das wäre aber schon wirklich erstaunlich, allerdings… an so einem Abend… Langsam kam ich um eine Biegung und… tatsächlich. An derselben Stelle wie vor knappen dreißig Minuten erspähte ich den grau-braunen Hügel. Unglaublich. Dieses Mal sprang der nordische Meister Lampe über den Weg und verhoffte keine vier Meter neben mir. Ich brummelte etwas wie „ruhig, ruhig“ in meinen nicht vorhandenen Bart, was ihm meine nicht-jagerischen Ambitionen klar machen sollte und er hielt mich aus… ungläubig konnte ich ihn laufend im Detail studieren, die immer noch weißen Stellen, seine gedrungene Form… da war er aus dem Blickfeld.
Dies war wirklich ein denkwürdiger Abend… und, was soll ich sagen: Er endete auch entsprechend. Hittavainen, die Finnische Göttin der Hasen und Hasen-Jäger hatte sich alle Mühe gegeben. Kurz vor dem Ziel musste ich eine den Weg quer passierende Stromleitung unterlaufen. Als ich mich näherte, sah ich sowohl rechts als auch links des Weges eine Nebelkrähe auf dem Draht balancieren. Ein wenig mulmig war mir nun schon, eine weitere Krähe ruderte quasi zum Zieleinlauf über mich hinweg, dann erhoben sich alle drei und verschwanden lautlos im wogenden Grau…
Wie den Abend der Nebel so hielten mich meine Gedanken noch lange im Griff, als ich mich entfernte… vom Hasen-Brocken.

PS: Mittlerweile habe ich bei einem weiteren, „normalen“ doppelrundigen Lauf meinen Berghasen beide male wiedergesehen. Mal sehen, was sich daraus entwickelt… elvis
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

20.05.2010 09:29 platzi
Was mir beim Lesen in den Sinn kam:
Anders, Besonders, einfach toll beschrieben die Situation!
Kompliment!

Diether
20.05.2010 12:56 swinging_elvis
platzi schrieb:
Was mir beim Lesen in den Sinn kam:

Anders, Besonders, einfach toll beschrieben die Situation!

Kompliment!
Diether

Danke Dir. Spukte einfach so in meinem Kopf herum. Da musste es "raus"! Waidmannsheil an den Hahnenfreund. PS: Kommende Woche kann ich den Composite-Vorderschaft für meine A5 abholen. Der Hölzerne neue brach erneut. Das Gute: Ich schaue auch gleich mal nach Pappkameraden. Wenn Sie da sind frag ich mal nach einer Sendeadresse... elvis
20.05.2010 23:22 Epilobium
Wenn´s nicht gerade Finnland gewesen wäre,hätte ich auf offenen Hasenstall getippt Aber super geschrieben,Respekt
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