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Ein ganz normales Heiderevier....

Geschichten und Erlebnisse (21 Einträge)

Dachs tot! Dachsbau Ohne ihn wäre er verloren gewesen...
680 mal angesehen
13.08.2007, 01.56 Uhr

Jagd ohne Hund ist Schund

12. August 2007
Mein letzter Urlaubstag!
Schon während der letzten Tage nahmen die Gedanken an das, was mich im Büro erwarten würde, wieder überhand. Zur Ablenkung haben meine Frau und ich heute noch eine ausgedehnte Radtour unternommen, die uns durch die Winsener Elbmarsch. Es ist immer wieder ein Erlebnis, die vielfältige Vogelwelt in den ausgedehnten Wiesen am Deich zu erleben. Besondere Freude haben uns wieder die zum Glück inzwischen zahlreicher werdenden Weißstörche bereitet, die mit gemächlichem Schritt die schier endlosen Grabenränder absuchten. Was jedoch insbesondere das Jägerherz höher schlagen ließ, waren die vielen Fasanengesperre und die zahlreich in den Wiesen sitzenden Kanadagänse. Auch wenn die jetzige Zeit zum Ende des Sommers vielfältiges und spannendes Waidwerk zu bieten hat, ich freue mich dennoch schon jetzt auf die winterlichen Treibjagden in der Marsch.

Diese sehnsuchtsvollen Gedanken waren jedoch schon wieder verdrängt, als wir zuhause ankamen. Da meine Frau angesichts des zuende gehenden Sommerurlaubs beim Frühstück erklärt hatte, Papa hätte heute einen "Wünsch-dir-was-Tag", bereitete es mir keine Skrupel, noch einmal den Wunsch zu äußern, ins Revier zu dürfen. Das sonnige Wetter war einfach zu verlockend.

Nachdem ein benachbarter Hotelier erklärt hatte, er würde für die Küche noch den ein oder anderen Dachs nehmen, hatte ich mir vorgenommen, Grimbart in diesem Jahr etwas intensiver nachzustellen. Nach den Baubegasungen vor 25-30 Jahren hatte dieser sich bei uns so gut erholt, dass ich inzwischen sicher bin, es gibt mehr Dachse als Füchse im Revier. Dadurch gestaltet sich die Baujagd in Breiten auch außerordentlich schwierig und für die Hunde nicht zuletzt risikoreich. Schmalzmann sitzt fast in jedem Loch.

Dennoch habe ich die Jagd auf den Schwarz-weißen aus 2 Gründen bislang nicht intensiver betrieben:
Erstens geht es mir gegen den Strich, wenn ich ohne ausreichende Begründung eine Kreatur erlegen soll, die anschließend noch nicht einmal einer sinnvollen Verwendung zugeführt wird. Un dzweitens sind die wenigen Wochen, die uns angesichts der kurzen Jagdzeit und der kürzer werdenden Tage für einen Ansitz am Bau zur Verfügung stehen, zumeist der Stoppeljagd auf Fuchs und Sau gewidmet. Nachdem sich aber nunmehr die Gastronomie als Abnehmer angeboten hatte, wollte ich mein Glück mal wieder versuchen.

Vor Tagen hatte ich mir einen Bau am Rande eines Kiefernwäldchens ausgewählt, an dem rege Bautätigkeit auf die Anwesenheit eines Dachses schließen ließ. Darüber hinaus erstreckte sich hier vor den Kiefern - getrennt nur durch einen Grasweg - ein ausgedehntes Maisfeld. Ich konnte mir somit vorstellen, wo der unterirdische Anlieger sein Abendesen einzunehmen pflegte.
Um die wertvollen Keulen nicht auf kurze Entfernung zu zerschießen, mußte ich mindestens 20-25 m vor der Ausfahrt sitzen, so meine Überlegung. Wie ich jedoch feststellen mußte, konnte ich unter diesen Umständen durch den Unterwuchs dann nicht mehr genug sehen. Nachdem ich den Bau - unter Beachtung des Windes - nahezu volständig umschlagen hatte, postierte ich mich letztlich direkt auf dem Weg. Hier sollte er wohl vorüber kommen.

Eine dreiviertel Stunde verfolgte ich, wie die Sonne langsam unterging und sich die Dämmerung breit machte; da war alles auch schon vorbei: Nachdem ich die Ausfahrt nicht unmittelbar einsehen konnte, hatte ich die Phase des vorsichtigen Ausschlieffens verpaßt und sah den hier heimischen Jungdachs nur noch als schnellen Schatten den Weg überfallen und im Halmenmeer des Maisschlages verschwinden. Verd....., den Abend hätte ich mir auch schenken können.

Doch heute nun, am letzten Urlaubstag, wollte ich mein Glück noch einmal an einer anderen , größeren Dachsburg versuchen. Mit ihr verbanden sich durchaus zwispältige, ja unangenehme Erinnerungen:
Zum einen hatte ich hier bereits einmal einen Dachs bei fast völliger Dunkelheit gefehlt, zum anderen hätte Katy, die Jagdterrierhündin meines Freundes F., hier vor Jahren anläßlich einer Baujagd beinahe ihr Leben gelassen. Der Dachs hatte ihr den gesamten Unterkiefer skelettiert, so dass der dazugehörige Hautlappen buchstäblich wie ein Lätzchen herunterhing. Nur 4 Wochen zuvor hatte sie bei revierübergreifenden Baujagdtagen in der Wesermarsch eine ähnliche Verletzung davongetragen. Demzufolge bereitete es dem Tierarzt nun beim zweiten Mal kurz hintereinander einige Mühe, den Hund einigermaßen wieder herzurichten. Zwar bekam er es leidlich hin, doch die Baujagd war für die kleine passionierte Hündin damit ein für alle Mal zuende.

Heute abend wollte ich also einem der Nachkommen jener wehrhaften Dachssippe an die Schwarte. Zudem hatte sich auch schon der mit seinen flächen angrenzende Landwirt beklagt, dass der Dachs in seinem Maisschlag so heftig zu Schaden gehen würde. Ein Grund mehr, tätig zu werden.

Gegen 20.20 h richtete ich mich auf der windabgewandten Seite, etwa 15 Schritt abseits der bekannten Ausfahrten der ausgedehnten Dachsburg ein. Acht Ausfahrten, z.T. aber alt und unbenutzt, waren mir bekannt. Wegen des Unterwuchses konnte ich auch hier nicht alle überblicken. Die frisch ausgeworfene Erde jedoch ließ vermuten, welche Ausfahrten denn in der Hauptsache befahren wären.

Es kehrte Ruhe ein. Um mich herum zirpten die Grillen und es verbreitete sich eine wunderschöne, spätsommerliche Athmosphäre. Nur in der Ferne hörte ich gelegentlich ein Auto vorbeifahren, ansonsten war Stille. Ich wartete. Kein Reh und kein Hase ließ sich blicken, nur auf dem großen Ameisenhaufen neben mir herrschte noch geschäftiges Treiben. Ein letztes Mal kontrollierte ich, ob die Bockbüchsflinte so lag, dass ich sie geräuschlos aufnehmen konnte. Alles paßte. Ich wartete.

Inzwischen hatte sich der Himmel angesichts der tiefstehenden Sonne schon rötlich verfärbt, da gewahrte ich plötzlich eine graue Silhouette, die - wenn ich mir's recht überlege - eben noch nicht da war. Jetzt konnte ich auch die weißen Streifen sehen - ein Dachs. Unerwartet früh, bereits um 20.45 h, war er aus seinem Kessel geschliefft. Fast unnötrig zu ewähnen, dass es natürlich nicht jene Röhre war, aus der ich ihn erwartet hätte. Aber egal - jetzt war er da.

Vorsichtig sichernd verhoffte er auf dem Bau, bevor er sich dann plötzlich zielstrebig in Bewegung setzte, Richtung Mais.

Als die Schrote ihn faßten , überschlug er sich, nahm sich aber wieder auf und flüchtete - seine schwere, silbrige Schwarte schüttelnd - direkt über eine weitere Ausfahrt ins angrenzende Unterholz.

Erinnerungen an meinen früheren, unrühmlichen Dachsansitz kamen mir auf. Hätte ich doch nur statt der BBF die Flinte genommen, dann wäre ich vielleicht noch den zweiten Schuß losgeworden... Jetzt war es zu spät, da half kein Hadern und Jammern.

Was nun? Wie verhielt ich mich nun richtig? Schrote hat er bekommen, sonst hätte er sich nicht überschlagen! Aber warum war er nicht in die Einfahrt eingeschliefft, über die er buchstäblich hinübergerollt ist? Er war statt dessen ins Unterholz geflüchtet, Richtung Mais. War etwa meine Schrotgröße zu gering? Ich hatte mich aus meinem 16er Flintenlauf für Größe 4 entschieden. Nein, auf die Entfernung mußte das reichen. Viel wahrscheinlicher hatte ich die geringe Entfernung unterschätzt und war mit dem Absehen nicht tief genug unters Ziel gegangen.
Ja, so muß es wohl gewesen sein! Aber eine kleine Chance blieb mir noch: Sollte auch nur ein Schrotkorn in die Kammer gedrungen sein - bei 15 Schritt nciht unwahrscheinlich - so würde er vielleicht nach 100 oder 200m in der Fluchtfährte verenden. Trotz schwindenen Lichtes war in jedem Fall "Abwarten" die richtige Entscheidung.

Im Übrigen konne ja vielleicht noch ein Weiterer aus seiner Sippe folgen. Bei dem würde ich dann alles besser machen. Ich wartete bis 21.30 h, dann war es im Bestand stockdunkel.

Im Schein der Taschenlampe kontrollierte ich den Anschuß: Weder Schweiß, noch Haar nährten mein Hoffen, vielleicht doch tötlich getroffen zu haben.

Meine letzte Hoffnung war nun Atze, mein Drahthaarfoxterrier. Er saß im Auto und hatte den Schuß mit Sicherheit vernommen. Hoffentlich konnte er meine Scharte auswetzen. Zügig packte ich Rucksack und meinen Ansitzstuhl zusammen und begab mich zum Wagen.

Wie vermutet wurde ich schon ungeduldig erwartet. Ich bin sicher, wenn ich ihn in solchen Situationen aus der box hole, weiß er schon genau, was die Stunde geschlagen hat. Ungeduldig warf er sich in die Leine und drängte heftig vorwärts. Nach nur wenigen Minuten erreichten wir den Anschuß.

Alle Ungeduld, alle heftigkeit schien vergessen. Konzentiert suchte Atze den Bau ab, kontrollierte sämtliche Einfahrten und nahm letztlich zügig und bestimmt die Fluchtfährte an. In mir keimte Hoffnung auf. Offenbar wußte er genau was er tat.

Auf einem ausgetretenen Wechsel zog er mich im Licht der Taschenlampe ins Unterholz. Die Art, wie er arbeitete, sah vielversprechend aus. Als der Wechsel durch einen dichten Verhau führte, so dass ich nicht folgen konnte, erkannte er dieses, umschlug den Verhau und arbeitete auf dem Wechsel weiter, als sei nichts gewesen. Das gelegentliche Hochnehmen der Nase gegen den Wind ließ mich vermuten, dass der Dachs entweder vor uns liegen oder anderes, im Dickicht befindliches Wild den Hund ablenken würde.

Unvermutet lichtete sich das Unterholz und wir stießen - herrje, schlimmer hätte es nicht kommen können - auf einen alten, mir bislang unbekannten Dachsbau. Der Hund ließ keinen Zweifel aufkommen: Hier is er rein!

Jetzt war guter Rat teuer... Im Schein der Taschenlampe konnte ich in der Röhre nichts erkennen. Während ich im Umfeld der Einfahrt nach einer Bestätigung der Hundearbeit suchte, drängte mein Hund heftig in den Bau.

Na gut, warum nicht - es war zwar dunkel, doch noch hatte ich ihn ja an der Leine. Eifrig schlieffte Atze ein, so dass ich bald nur noch die letzte Schlaufe meiner Führerleine in der Hand hielt. Er schien sich schwer zu tun. War er am Graben, oder was machte er da? Er schnaufend und knurrend kam er zurück. Die enge Röhre bereitete meinem Foxl mit Endmaß doch arge Schwierigkeiten. Schwer atmend arbeitete er sich im Rückwartsgang nach oben. Doch das Knurren und Schnaufen kam nicht von ungefähr und war im engen Bau nicht auf seine Größe zurückzuführen:

Was ich kaum zu hoffen gewagt hatte, trat ein. Mein Atz' zog den längst verendeten Dachs heraus. Ich hätte die Welt umarmen können. Ich hätte auch Atze umarmen können, doch der war mit dem Dachs noch nciht fertig. Erstaunlicherweise hatte er ihn im Nacken gepackt und zog ihn vorwärts raus. Offenbar hatte Grimbart es im Bau noch geschafft, sich umzudrehen.

Ich hatte tatsächlich meinen schon längst verloren geglaubten Dachs! - und nur weil ich so einen super-verläßlichen Hund habe! Klar dass ich ihn gewähren ließ, seine Beute nach getaner Schwerstarbeit noch einmal ordentlich durchzubeuteln. Letztlich konnte ich ihm den jungen Dachsrüden nur mit Mühe abnehmen. Stolz trugen wir unsere Beute zum Auto, wo ich mich - nach den obligatorischen Erinnerungsphotos - an die rote Arbeit machte, denn schließlich sollte der Bursch ja in der Küche landen.

Was hätte ich nur ohne Hund gemacht. Wieder einmal bewahrheitete sich die alte Jägerweisheit:

Jagd ohne Hund ist Schund.
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Ruedemann

Ruedemann

Alter: 56 Jahre,
aus Nordheide
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Kommentare

13.08.2007 04:27 platzi
Weidmannsheil!
13.08.2007 11:03 Aikon
Auch von mir ein WAIDMANNSHEIL zum Dach.
13.08.2007 11:14 Ruedemann
Hallo platzi, hallo Aikon,
wenn ihr Euch wirklich alles durchgelesen habt - Hut ab.
Der Beitrag ist viel länger geworden, als eigentlich beabsichtigt.
14.08.2007 09:29 Kampfkeiler
Klasse Hund, schlechter Schütz,lach. Nee Weidmannsheil zum Dachs.
War aber dennoch mutig den Hund in einen Dachsbau einschliefen zu lassen.
Ob ich das getan hätte ??????????????????? Keine Ahnung, geb ich ehrlich zu. Es zeigt, das du einen guten Hund hast.
14.08.2007 09:50 Ruedemann
Kampfkeiler schrieb:

Klasse Hund, schlechter Schütz,lach. Nee Weidmannsheil zum Dachs.
War aber dennoch mutig den Hund in einen Dachsbau einschliefen zu lassen.
Ob ich das getan hätte ??????????????????? Keine Ahnung, geb ich ehrlich zu. Es zeigt, das du einen guten Hund hast.


Hallo Udo,
Deine Eingangsfeststellung würde ich selbstkritisch mit unterschreiben! Kommt zum Glück nicht so oft vor, deshalb fällt es leichter so freimütig drüber zu sprechen. Das ist eben Jagd!
Zum Glück weiß ich, wie sich mein Hund am Dachs verhält - zumindest am gesunden. Der geht eigentlich nicht blind drauf, sondern liegt zunächst vor und verbellt. In diesem Fall hätte ich ihn rausholen müssen und dann wäre das losgegangen, was ich nur ungern tue: graben!
12.01.2008 17:42 Meffi
Eine sehr spannende Jagdgeschichte!

Waidmannsheil zum Dachs!!!

Toll finde ich auch, des er, wenn ich das richtig gelesen habe von einem örtlichen Gastronom verwertet wird, wenn er den Mut hat, den seinen Gästen vorzusetzen, Hut ab

Dachs schmeckt übrigens gut, aus eigener Erfahrung!

Nur eine Anmerkung, keine Kritik(!):
Nach einem negativen Erlebniss im Zusammenhang mit dem Schrotschuß auf einen Dachs ziehe ich allerdings immer den Kugelschuß vor.

Gruß und wmh, Meffi!
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