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Redaktioneller Jagdblog

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jagen Beagle
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18.05.2010, 11.22 Uhr

Jagen mit Hunden - Stöbern – Teil 3

Das Schwarzwild als Herausforderung
Das Schwarzwild ist aus heutiger Sicht die Herausforderung schlechthin. Die Sauen haben zwischen Flensburg und Garmisch eine Dichte erreicht, die sie wohl noch nie im territorialen Bereich der Bundesrepublik Deutschland hatten. Schwarzwildfreie Reviere gibt es dort, wo auch noch Wald zum Jagdrevier gehört, fast nicht mehr. Und wir haben Reviere, da sitzt in jeder Feldhecke, wo früher allenfalls ein Hase Deckung gesucht hat, eine Sau.

Schwarzwild ist unter allen unseren Schalenwildarten die aggressivste Wildart, die von den Hunden den meisten Mut und die ausgeprägteste Wildschärfe einfordert. Im Umkehrschluß: mit Hunden, die gut an Sauen jagen, kann ich auch die anderen, bei uns heimischen Schalenwildarten erfolgreich bejagen.

Der Einsatz am Schwarzwild, beziehungsweise die in der jeweiligen Rasse genetisch fixierten Eigenschaften für einen erfolgreichen Einsatz an dieser Wildart, sind in den nachfolgenden Ausführungen der Parameter bei der Betrachtung der verschiedenen Rassen.

Die geeigneten Rassen
Der deutsche Jagdterrier
Bei der Bejagung der Sauen ist und bleibt er erste Wahl. Der Spur- und Fährtelaut und eine (manchmal allerdings überdosierte) Wild- und auch sonstige Schärfe sind breit in der Rasse verankerte Eigenschaften. Es hapert gelegentlich an der Verträglichkeit (das Harmoniebedürfnis ist bei den meisten Jagdterriern etwas unterentwickelt) und an der Orientierungssicherheit.

Der Deutsche Wachtelhund
Auch Deutsche Wachtel erleben wir bei nahezu jeder Bewegungsjagd auf alle denkbaren Wildarten. Der verantwortungsvoll gezüchtete, gerecht abgeführte und entsprechend eingearbeitete Wachtel erfüllt als Vollgebrauchshund im Wald auch alle Anforderungen an einen guten Saujäger. Manchmal ist die Reizschwelle für den Spur-/Fährtelaut beim Wachtel sehr niedrig und er läutet auch noch auf Fährten, die bereits Stunden alt sind. Aber dem versucht man in seinem Zuchtverein gegen zu steuern, indem allzu locker-laute Hunde einen entsprechenden Vermerk in die Ahnentafel bekommen und für die Zucht dann nicht mehr infrage kommen.
Auch fehlt es gelegentlich an der (Schwarz-)Wildschärfe, aber das sind doch die Ausnahmen von der Regel bei dieser Rasse.

Die Bracken
Unsere Bracken sind von Haus aus eigentlich Hasenhunde und von daher wurde sicher über einen sehr langen Zeitraum in der Zucht auf die Wildschärfe, besonders wohl auf die Schwarzwildschärfe, wenig Wert gelegt. Frevert setzte Deutsche Bracken als Saufinder in Rominten in einer Meute ein. Ob sie die gefundenen Sauen gejagt, gestellt und/oder auch gelegentlich einmal zugepackt haben, hat uns Frevert nicht überliefert. Bei den derzeit in Deutschland geführten Brackenrassen und –schlägen (Deutsche Bracke, Westfälische Dachsbracke, Brandlbracke, Steirische Rauhaarbracke, Kopov, Alpenländische Dachsbracke, Tirolerbracke, Beagle) kann man davon ausgehen, dass der Spur-/Fährtelaut genetisch sicher verankert ist. Stumme Bracken sind so selten wie feige Terrier.

Unter diesen vorgenannten Brackenrassen haben die Kopovs (Slowakische Schwarzwildbracken) die wohl am breitesten in der genetischen Basis des ererbten Anlagespektrums fixierte Schwarzwildschärfe. Diese Kopovs wurden ja bereits seit langer Zeit auf eben diese Schärfe züchterisch selektiert.
Recht (schwarz-)wildscharf sind nach meinen Beobachtungen auch die Westfälischen Dachsbracken. Auch Deutsche Bracken habe ich schon sehr gut an Sauen jagen und diese stellen gesehen, ebenso wie Brandlbracken und Steirische Rauhaarbracken, wenn auch die beiden letzteren wohl mehr als Schweißarbeiter denn als Stöberer eingesetzt werden. Gleiches gilt auch für die Tirolerbracke.
Die Achillesferse des Beagle ist seine häufig unterentwickelte Wildschärfe – er ist eben doch die reinste Form der englischen Hasen-(Meute-)Bracke in unserem Jagdhundespektrum. Aber auch beim Beagle gibt es Ausnahmen von dieser Regel: ich weiß von Beagles, die schwache Sauen scharf attackieren und sogar zupacken. Aber man darf sich nicht darauf verlassen, einen Hund mit solchen Eigenschaften zu bekommen, wenn man sich für diese Rasse entschieden hat.

Der Teckel
Auch die Teckel sind ausgezeichnete Stöberhunde, wenn sie denn genügend Substanz und einen guten Bodenabstand haben (man sollte eine normale Männerhand hochkant unter den Brustkorb eines Teckels stellen können, ohne dass diese unten den Boden und oben das Brustbein berührt). Hoher Schnee und flächig vorhandene, überdichte Brombeerverhaue setzen allerdings seinen konstitutionellen Möglichkeiten manchmal Grenzen. Und man muß beim Teckel zwingend darauf achten, dass der zu erwerbende Hund aus einer jagdlichen Zucht stammt. Die Mehrzahl der in Deutschland gezüchteten Teckel wird auf Schönheit (Standardzucht) gezüchtet und auf die jagdlichen Anlagen wird in dieser Zuchtrichtung kein Wert gelegt.

Die anderen Terrierrassen
Gleiches gilt für Fox- und Jack-Russel-Terrier. Auch bei diesen Rassen muß der Jäger darauf achten, dass sein zu erwerbender Welpe aus einer jagdlichen Zuchtrichtung stammt. Seine Eltern müssen zumindest die notwendigen Anlagen wie Spurlaut und möglichst auch ein aufschlußreiches Leistungszeichen wie zum Beispiel „S“ für druckvolles Jagen am Schwarzwild nachgewiesen haben.

Die kontinentalen Vorstehhunde
Der Einsatz unserer großen Vollgebrauchshunde (im wesentlichen also der kontinentalen Vorstehhunde) bei den herbst-/winterlichen Bewegungsjagden ist nicht unumstritten, und dieses Thema rauscht permanent durch den jagdkynologischen Blätterwald.
Man muß ihren Einsatz aus meiner Sicht differenziert betrachten. Gilt die jagdliche Unternehmung vorzugsweise den Sauen, dann ist gegen den Einsatz hochläufiger Hunde, so denn jeder einzelne die Grundvoraussetzungen mitbringt, zusammen mit kleineren Hunden (für die diese Bedingungen natürlich ebenso gelten müssen) nichts einzuwenden. Insbesondere müssen diese großen Hunde zwingend spur-/fährtelaut jagen!

Vor stummen (und womöglich noch sehr schnellen) Hunden – egal welcher Rasse – kommt das gejagte Wild meist in kopflos-panischer Flucht und kann weder sauber angesprochen, noch mit einem halbwegs sicheren Schuß erlegt werden. Und in der brühwarmen Körperwitterung einer flüchtigen Schwarzwildrotte oder einem Rotwildrudel ist natürlich ein Hund mit einem Stockmaß von 65 Zentimeter schneller als ein Hund von vielleicht nur 40 Zentimeter Schulterhöhe.

Die Grenze von der (erlaubten) Stöberjagd zur (verbotenen) Hetzjagd ist ganz schnell dann überschritten, wenn das gejagte Wild sich dem Hund oder den Hunden nicht mehr durch die Flucht entziehen kann – die Hunde also gleich schnell oder sogar schneller sind als das von ihnen gejagte Wild.

Es ist sicher so, dass unsere kontinentalen Vorstehhunde gegenüber den Rassen Deutscher Wachtel und Deutscher Jagdterrier in der Regel kürzer jagen, also nicht so auf den Fährten „kleben“ wie diese. Ihr Einsatz beschränkt sich also auch meist auf die Bewegungsjagden, bei denen die Hundeführer mit ihren Hunden sich im zu bejagenden Terrain bewegen. Werden alle Hunde grundsätzlich von den Ständen aus geschnallt, dann klappt das mit den kurz jagenden Hunden selten, weil diese sich eben nicht so weit von ihren auf den Ständen „festgenagelten“ Führern entfernen und allenfalls nahe liegende Dickungen absuchen.

Es ist leider Fakt, dass unsere Sauen rund ums Jahr rauschen und natürlich auch frischen. So treffen wir auch im Herbst und Winter Rotten beziehungsweise einzelne Bachen an, die noch winzige, gestreifte Frischlinge führen. Solche „Kartoffelkäfer“ werden natürlich bei entsprechender Gelegenheit von den Hunden gepackt und gerissen. Das wiederum kann – je nach individueller Aggressivität der Bache – für die Hunde gefährlich werden, weil das Klagen eines Frischlings aus einer gegenüber ihren Frischlingen sehr fürsorglichen Mutter eine Furie machen kann. Ich habe schon schlimme Verletzungen (vor allem Biß-Verletzungen) an Hunden gesehen, die sich einen Frischling gegriffen hatten und über die die Bache dann hergefallen war.

Fotos: Jagen© Wißmann - Fotolia.com
Beagle© Corbis - Fotolia.com


Quelle: BLV Jagdpraxis - "Jagen mit Hunden" von Bernd Krewer,
S. 24 - 32

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