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Frühlingsgefühle

Jagd im Frühjahr (5 Einträge)

Maifreuden.jpg Bockjagd.jpg
390 mal angesehen
16.05.2010, 18.33 Uhr

Ein roter Jährling

Ein Hessen-Wochenende, der Mai lief bereits aus und aus so manchem grauen Esel war bereits ein roter Bock geworden. Schön war das Wetter, nur mit dem Abschuss eines passenden Jährlings wollte es nicht passen. Doch heute stand der beliebte Sonntagmorgen auf dem Programm. Davon versprach ich mir immer sehr viel, hatte er mir doch schon so manche Beute „auf den letzten Drücker“ beschert.

Schon früh saß ich auf dem Hochsitz an der Waldecke, die in Wiesen und Feld ragte. Von hier aus hatte man einen weiten Ausblick über die Landschaft und da erhoffte ich mir zumindest reichen Anblick.
Die Nacht schlich sich nur zögerlich, aber im ersten Dämmerlicht konnte ich bereits vor mir in der Wiese zwei Wildkörper ausmachen. Von Ansprechen konnte aber noch keine Rede sein. Ruhig schoben sich die beiden dunklen Erhebungen im taunassen Grün hin und her. So langsam nahm die Natur Farben an und das Grau wich dem aufsteigenden Tag.
Da, in weiter Ferne stand ein weiteres Stück im Feld, welches ich anhand seiner Figur als „Matrone“, also als führende Ricke ansprach. Das Kitz wird sicher nicht weit von ihr in der Wiese liegen.
Jetzt wollte ich noch einmal das Spektiv auf die beiden Stücke vor mir in der Wiese richten. Ein mir bekannter, noch junger Bock war es, und das grazile Stück neben ihm konnte nur ein Schmalreh sein. Also Finger grade lassen. Außerdem war mit an die 150 m die Entfernung nicht zu unterschätzen.
So langsam verfärbte sich der Himmel am Horizont und kündete von einem schönen Tag mit Sonnenschein. Eben doch immer ein Erlebnis – so ein Sonntagmorgen!

Mittlerweile begann ich zu überlegen, ob ich es nicht doch einmal auf das Schmalreh versuchen sollte. Derartige Stücke gab es genügend im Revier. Letztes waren mir zwei Kitze vom Vorjahr über den Weg gesprungen – beides nun Schmalrehe. Auf der anderen Seite schien dieses Stück recht gut im Wildbret zu sein…
Mit diesen Überlegungen wanderte mein Blick erneut über die Weiten der Felder und… machten plötzlich in sicher 300 m Entfernung einen leuchtend roten Fleck aus. Reh! Blick durch das Glas: ein Bock fegte am dortigen Holunder… Der Blick durch das Spektiv bestätigte, was ich anhand der roten Decke bereits vermutet hatte: ein Jährling – Spießer, der passte… nur wie ihn in Schussweite bringen. Außerdem stand er noch jenseits der Grenze, also abwarten. Leicht schüttelte es mich…

Wie ein Großer benahm sich der Kleine und fegte und schlug wie wild in das Grün. Lächelnd beobachte ich das Benehmen und malte mir innerlich den weiteren Wechsel des Stückes aus: Hoch ins Feldgehölz oder zu mir in den Wald. Da machte sich den Jüngling plötzlich auf zu einem Rapsstück, welches gelb in voller Blüte stand. Am dortigen Rand äsend schien er unschlüssig, wie es weitergehen sollte. Als das Böckchen in das Feld einwechselte, nahm ich meine Büchse aus der Ecke und richtete mich mit Rucksack in der Kanzelecke auf das andere Ende des Feldes ein. Vielleicht würde ich ihn dort wieder entdecken. Aber nein, in ca. 200 m Entfernung sah ich ihn wieder erscheinen und… ja – er wechselte auf mich zu und auf eine große Wiese, die zu unserem Revier gehörte und sicher bald als Weide dienen würde. Jetzt wurde es interessant. Rucksack in die andere Hochsitzecke, aufgelegt…
Mittlerweile war er vielleicht auf 130 m ran, zog aber unruhig spitz auf mich zu und bot so keine Gelegenheit zum Schuss. Also immer noch abwarten. Die Spannung stieg. Da- nun schien er es sich wieder anders überlegt zu haben, änderte die Richtung von mir weg in das freie Feld. Darüber hinaus stand er nun im recht hoch stehenden Gras. Jetzt müsste der Schuss bald fallen oder die Beute war auf und davon. Endlich zog er breit, das Gras wurde ein wenig lichter, Blatt frei, Absehen 4 hinter Blatt, Drückefinger langsam kommen lassen – BAUTZ durchbrach der Schuss den morgendlichen Frieden. Im Knall warf es das Böckchen von den Läufen, das einzige, was blieb, war eine kleine Wolke aus feinen Wassertröpfchen.
Wieder einmal lehnte ich mich zurück, ließ die Anspannung von mir weichen, atmete tief die frische Morgenluft ein. Der liegt!

Nach zehn Minuten baumte ich ab und schritt im gleißenden Morgenlicht zu meinem ersten Maiböckchen. Rot lag er in der Wiese, hoch hinter Blatt lag der Einschuss und hatte damit auch einen Impuls auf das Rückrat ausgeübt, was den Jährling im Knall umwarf. An einem Holzhaufen unter dem Hochsitz brach ich ihn sauber auf, verzierte den Äser sowie meinen Hut mit einem frisch-grünen Eichenzweig und genoss noch ein wenig die Ruhe, den Frieden, den aufsteigenden Tau dieses…
Sonntagmorgens!

Waidmannsheil, Elvis
(Erinnerungen aus 2005)
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
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Kommentare

16.05.2010 18:58 Spitzbua
Waidmannsheil Elvis zu Deinem Jährling.
Besonders der letzte Satz gefällt mir sehr gut.
Tolle Geschichte schön geschrieben
Spitzbua
16.05.2010 19:06 swinging_elvis
Spitzbua schrieb:
Waidmannsheil Elvis zu Deinem Erlebten.
Besonders der letzte Satz gefällt mir sehr gut.
Tolle Geschichte schön geschrieben
Spitzbua

Stunde und Stimmung... Waidmannsgruß, elvis
17.05.2010 08:10 anser
Weidmanns Heil zum Böckchen! Manch Anderer hätte nicht so lange gewartet und bewusst gewählt...

Gruß
anser
17.05.2010 09:53 swinging_elvis
Eben diese Wahl, der saubere Schuss auf das breit stehende Wild, das (hoffentlich) schnelle Verenden im Knall... machen für mich mit anschließendem sauberen Aufbrechen die perfekte Jagd aus... Und dann natürlich die Freude am Braten...hmmm... elvis
anser schrieb:
Weidmanns Heil zum Böckchen! Manch Anderer hätte nicht so lange gewartet und bewusst gewählt...

anser

17.05.2010 10:32 Renevolution81
Da erinnert man sich gerne zurück wie immer zählt nicht nur die Trophäe
Wird eines der 1. Kapitel in unserem Projekt geben
17.05.2010 13:54 platzi
Weidmannsheil auch von mir - auch wenns schon ne Weile her ist.
Schön, dass Du Dich an diese Jagd erinnerst.
Grüße

Diether
17.05.2010 14:59 Anke1607
Waidmannsheil,
einfach toll geschrieben! Man fühlt sich als ob man dabei war!

Liebe Grüße
Anke
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