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Sauenabende...

Jetzt wirds ersnt... (7 Einträge)

Unverhofft...
790 mal angesehen
12.05.2010, 07.39 Uhr

Überraschung am Raps

Wann hat man schon mal die Gelegenheit, Sauen wirklich ausgiebig zu beobachten? Nein, ich meine natürlich nicht in irgend welchen Gattern, Parks oder dergleichen! Im eigenen Revier. Man steht 50 Meter vor ihnen, hat die BBF in der Hand, und – steht und guckt. Zunächst aufgeregt, fiebrig, mit „leicht erhöhtem“ Blutdruck, ungläubig ob der seltenen Gelegenheit, gleichzeitig aber zunehmend fasziniert, ruhiger werdend. Mal schmunzelnd, kaum das Losprusten vermeiden könnend. Dann wieder aufgeregt und betont still stehend, jede Bewegung vermeidend, wissend, dass man hier am Rapsschlag dem Geschehen ausgeliefert ist, keine Chance hat, „zu verduften“ – vielleicht auch noch unauffällig...

Nein solche Gelegenheiten hat man wirklich nicht oft – gut! Ich zumindest hatte sie noch nicht so oft!

Dieser Sch...lange Dienstag hatte mal wieder ordentlich geschlaucht. Nörgelkunden am laufenden Band, deren Probleme allerdings so banal waren, dass es wahrlich Körperbeherrschung in Vollendung verlangte, da nicht auszuticken und die Leute einfach aus dem Büro zu werfen... Bloß raus heut, war mein einziges Ziel! Raus in den Wald, wo ich gestern recht unverhofft meinen ersten Bock in diesem Jagdjahr strecken konnte. Raus, Hund und Waffe und nichts wie raus! Aber mir war klar, lange würde es nicht werden können – zu viel hatte ich noch zu tun...

Eigentlich war es schon zu spät für Rehwild! Aber egal! Erst mal raus!. An der Waldwiese folgte prompt Ernüchterung. Der Wind war derart bescheiden, dass ich nicht mal bis hin fuhr. Die Zeit lief mir davon. Na gut, um nicht weiter zu stören hier draußen, beschloss ich zum See zu fahren. Dort fanden sich die ersten Mausergänse ein – dann werde ich eben noch ein paaar Ringe suchen. Gesagt getan: Waffe verstaut, Spektiv bereitgelegt auf dem Beifahrersitz und ab.
Mein Weg führte mich am Rapsschlag vorbei. Der Landwirt hatte mitten im riesigen Schlag eine Arbeitsbreite nicht mit Raps bestellt, sondern Roggen angebaut. Damit schlug er zwei Klappen. Der Roggen war für die Biogasanlage gedacht. Und weil er schon im Juni runterkam, hatte er dann eine breite Fahrspur im Raps, auf der er mit den Mähdreschern zur Ernte fahren konnte, ohne die Straßen nutzen zu müssen. Ich freute mich auch! Das erste Mal, solange ich hier zur Jagd ging, konnte ich auch jagdlich im Schlag was erhoffen...
Mein Blick ging im Vorbeifahren in die Spur...Nee, das waren dort jetzt aber nicht etwa Sauen? Weiterfahren!-befahl ich mir und hielt durch. Erst ein paar hundert Meter weiter stoppte ich, nahm die Waffe und pirschte zurück: Tatsache! Sauen auf dem Roggen. Der Wind stand günstig und ich ging sie an. Gaaanz laangsaaam! Der Wind war mir hold, und so hoffte ich, Diana würde es mir auch sein.
Im Glas konnte ich zwei stärkere Bachen sehen. Weitere Schwarzkittel an der Rapskante, aber nur bruchstückhaft zu sehen. Dafür aber wuselten etliche Streifenhörnchen umher. ´Na mal sehen´- machte ich mir Hoffnung. Vielleicht war auch schon der eine oder andere ältere Frisschling dabei...

Langsam, wirklich gaaaanz langsam kam ich voran. Immer wieder stoppend und die Lage sondierend. So verringerte sich der Abstand zu den Sauen stetig und betrug jetzt vielleicht noch fünfzig Meter. Ich blieb stehen und wartete auf die anderen Sauen im Raps. Nahm ich doch an, dass die Rotte auf die andere Feldseite wollte und den Roggenstreifen queren würde. Aber vorerst blieb alles beim Alten. Die beiden starken Bachen, eine davon vielleicht dreijährig, die andere sicher die Leitbache, muschelten im Roggen rum. Mir war schleierhaft, was sie da wohl suchten. Es sah im Fernglas wirklich nicht aus, als ob sie da zu Schaden gehen würden. Die Frösche wuselten um die beiden Bachen herum, steckten ihren Wurf unter jeden liegenden vorjährigen Rapsstoppel, schoben Steinchen umher, kontrollierten, was die alten so treiben. Kam einer zu nahe an das Gebräch einer Bache, flog er kurzerhand im hohen Bogen davon, wenn die Bache sich belästig fühlte. Mit einem kurzen, eher halbherzigen Quieker quittierten sie den Rauswurf, um schon im nächsten Augenblick den Bachen wieder vor den Läufen rumzuturnen.

Altersunterschiede konnte ich bei den Frischlingen nicht feststellen. Die Streifen begannen erst, leicht zu verblassen. Nee, an einen Schuss dachte ich gar nicht...

Immer noch waren auch im Raps Sauen zu hören. Vielleicht kommt ja noch was Brauchbares, hoffte ich. Das Licht wurde aber schon recht knapp. Derweil tat sich die stärkere der beiden Bachen nieder. ´Die wird doch jetzt nicht etwa die Frischlinge an´s Gesäuge lassen wollen...???´
Ja, ein paar verwegene Frösche nutzten natürlich die Gelegenheit – allerdings nutzten auch einige Frilis die Bache als Klettergerät, stiegen über ihr Haupt auf den Körper, balgten dort miteinander. Und auch wenn die Bache sich ihrer immer wieder durch Schimpflaute und Sich-Schütteln entledigte, es hielt nur ein paar Sekunden vor.
Ich war so vom Geschehen fasziniert, dass ich nicht bemerkte, dass ein weiterer Schwarzkittel hinter mir aus dem Raps zog und natürlich sofort Witterung von mir bekam. Ein „Wuff“ – und die Bühne war leer. Ein kurzes Prasseln im Raps. Doch offensichtlich schon nach wenigen Metern wurde es ruhiger. Die Rotte zog recht ruhig fort, mich verblüfft zurücklassend...

Mittlerweile konnte ich kaum noch die Zeit auf meiner Uhr erkennen – und zu Hause wartete der Rechner... – Egal!!! So ein Erlebnis, das entschädigt, baut auf. Auch wenn der Finger gerade blieb. Es tat mir nicht leid. Was hätte ich da auch erlegen sollen, so einen Frosch, von dem bei meiner Kugel ohnehin kaum was übrig geblieben wäre???
Darauf kann ich getrost verzichten. Das hie rErlebte ist für mich kostbarer, als so manch erlegtes Stück, ist einmaliger, lehrreicher.
War einfach nur ein klasse Abend ! – Aber fest steht auch, hier müsssen noch zwei Ansitzböcke her, möglichst schnell!!!

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Kommentare

12.05.2010 07:58 Kija
Toll geschrieben!
Jagd ist mehr als Schießen Gruß Maat
12.05.2010 08:43 wachtelschachtel
Moin Anser, warte mal noch ein wenig und dann klappt das! Der Anblick war doch auch ein "Jagderfolg!"
12.05.2010 09:08 anser
wachtelschachtel schrieb:
Moin Anser, warte mal noch ein wenig und dann klappt das! Der Anblick war doch auch ein "Jagderfolg!"

Das kannst du aber so was von wissen! Ich bin mit dem Erlebnis auch echt zufrieden und habe gestern Abend auch nichts vermisst...
12.05.2010 09:45 Dackelbiene
Klasse, so ein Erlebnis hat was!
Im vergangenen Jahr ging eine Bache bei uns am hellen Tag mit ihren Kleinen täglich zwischen zwei Erlenbüschen spazieren. Da bin ich auch immer wieder mal raus - einfach nur um zuzusehen und bei diesem Anblick zu entspannen.

Gruß Sabine
13.05.2010 20:48 Musang
Meinen Glückwunsch....herrliches Erlebnis und wunderbar aufgeschrieben.
Den in Zukunft immer daran, daß hinter Dir noch ein Sicherungsposten ziehen könnte. Sauen sind verdammt schlau
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