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Redaktioneller Jagdblog

(27 Einträge)

Wachtel_Aktion Wachtel_Kletten Strecke
414 mal angesehen
27.04.2010, 10.26 Uhr

Jagen mit Hunden - Stöbern – Teil 2

Zielwildarten
Je nachdem welcher Zielwildart die jeweilige jagdliche Unternehmung gilt, muß der Einsatz der Hunde wildart-angepaßt gehandhabt werden. Eine Stöberjagd auf weibliches Rehwild muß ich als verantwortlicher Jagd- und Hundeeinsatz-Leiter völlig anders steuern als wenn ich eine möglichst große Schwarzwildstrecke erzielen möchte.
Ich brauche für die beiden genannten Einsatzbereiche sogar unter Umständen verschiedene Hunde: beim Rehwild-Drücken benötige ich den kleinen, langsam jagenden, sicher fährtelauten und fest auf der Fährte klebenden Hund, vor dem das Reh nach zahllosen Widergängen doch noch seinen Einstand verlässt, weil es ihm nicht gelingt, diesen kleinen Kläffer abzuhängen.
Bei der Zielwildart Schwarzwild benötige ich Hunde, die (natürlich!) ebenfalls laut jagen, die aber zusätzlich eine gehörige Portion Wildschärfe, Mut und ein robustes Nervenkostüm mitbringen müssen.
Rot- und Damwild liegen in ihren Anforderungen an die einzusetzenden Hunde dazwischen.
Gilt die Stöberjagd dem Muffelwild, so braucht man eigentlich überhaupt keine Hunde, ja diese können sogar sehr erfolgshinderlich sein. Ein von Hunden gejagtes Muffelrudel wird sich auch und gerade beim Flüchten immer sehr eng zusammenschließen. Und da Paketschüsse in ein Rudel hinein wohl außerhalb jeder Diskussion sein dürften, wird ein solches dicht zusammengedrängtes Rudel die Schützen in den meisten Fällen unbehelligt passieren. (Gleiches passiert übrigens auch gelegentlich beim Damwild.)
Einem oder zwei menschlichen Treibern wird es leicht gelingen, in den von den Muffeln als Einstände bevorzugten Stangen- oder Baumhölzern, diese in Bewegung und in lockerer Formation vor die Gewehrläufe der auf den Wechseln wartenden Jäger zu bringen.

Anforderungen an den brauchbaren Stöberhund

- Er muß auf Spur und Fährte des gejagten Wildes laut jagen!
Das Wild muß den Hund akustisch orten können. Vor einem langsam und auf der Fährte laut jagenden Hund kommt das Wild niemals in panikartiger Flucht, sondern verhältnismäßig langsam und kann so auch sauber angesprochen und erlegt werden.

- Er muß – ausgenommen bei der Zielwildart Rehwild - eine richtig dosierte Wildschärfe haben! Bei Rehwild ist Wildschärfe zwar auch wünschenswert, aber nicht zwingend notwendig.
Der Hund muß beispielsweise Sauen auch finden und jagen wollen. Es gibt Hunde, die infolge fehlender Wildschärfe um Sauen einen großen Bogen machen und auch Rotwild nur sehr verhalten jagen. Diese Hunde sind nur sehr beschränkt sinnvoll einsetzbar. Auch ein in der bejagten Fläche krankgeschossenes und vom Hund vielleicht zufällig gefundenes Stück sollte der Hund scharf hetzen und bis zum Fangschuß stellen.

- Er muß gegenüber Art- wie auch Geschlechtsgenossen verträglich sein!
Beißereien der Hunde untereinander sind nicht akzeptabel. Wir sollten mit unserem jungen Hund daher Welpen-Spieltage besuchen und ihm häufigen Kontakt mit Artgenossen ermöglichen. Hunde, die einsam in einem abgeschotteten Zwinger aufgezogen werden, können zu Artgenossen selten oder nie einen Sozialkontakt aufbauen (Kaspa-Hauser-Effekt).

- Er muß orientierungssicher sein!
Dieses Zurückfinden-Können oder –Wollen ist gewiß angewölft. Die meisten Hunde haben damit keine Schwierigkeiten. Zunehmend finden wir aber auch Hunde, die völlig orientierungslos sind und nach Abbruch der Jagd von der Fährte weg einfach loslaufen und dann Stunden später irgendwo aufgegriffen werden. Wie man seinen Hund zum Streuner regelrecht erzieht und was man tun muß, damit er – so er zurückfinden will – auch tatsächlich auf seiner Rückspur den Führer sucht, darüber mehr in einem anderen Blog zum Thema.

- Er muß dornenfest sein!Dichter Schwarzdorn oder Brombeerverhaue dürfen ihn nicht abschrecken, wenn es darin nach Sauen duftet. Das hat zum einen mit seiner individuellen Jacke zu tun, aber auch mit seinem Nervenkostüm. Hunde mit sehr feinem Haar, wie wir es bisweilen beim Kurzhaarteckel, aber leider auch zunehmend bei der Brandlbracke finden, kommen manchmal aus den Dornen heraus und sehen aus, als seien sie in eine Mulinette geraten. Auf ein dichtes, dornenfestes Haarkleid sollten wir schon achten, so wie es die Wachtel und auch die meisten Jagdterrier haben. Aber wir haben auch Hunde, die – egal ob kurz-, lang- oder rauhaarig – einfach nicht dazu zu bewegen sind, sich in die Brombeeren oder in den Schwarzdorn hinein zu begeben. Da ist dann Hopfen und Malz verloren, mit solchen „Softies“ ist an den Sauen kein Blumentopf zu gewinnen.

Hunde, die alle erforderlichen Eigenschaften in richtiger Dosierung besitzen, sind selten wie weiße Raben.
Wir haben bei der Vielzahl von Jagdhundrassen, die durch Zuchtvereine im Jagdgebrauchshundeverband vertreten sind, solche, deren rassetypisches, ererbtes Anlagenspektrum vermuten lässt, daß sie die vorhin benannten Anforderungen mitbringen und auch solche, die für ganz andere Einsatzbereiche gezüchtet sind und daher nur in seltenen Fällen sinnvoll bei solchen Stöberjagden einsetzbar sind.

Aber: es kommt auf den Einzelhund an und weniger auf die Rasse! Wenn ein Retriever laut jagt, eine ausreichende Wildschärfe und die übrigen geforderten Eigenschaften besitzt, dann kann man ihn durchaus bei solchen Bewegungs(Stöber)jagden einsetzen, aber eben nur dann!

Fotos: © Wachtelhund
Quelle: BLV Jagdpraxis - "Jagen mit Hunden" von Bernd Krewer,
S. 21 - 24

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Kommentare

27.04.2010 12:04 wachtelschachtel
Ja, der Matti, der alte Sauhund!
Toll gemachter Blog!
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