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Gruppe PIRSCH-Forum

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Alte Eiche
553 mal angesehen
21.03.2010, 11.03 Uhr

Begegnungen

Mitte der Woche war's, als ich mal raussitzen wollte, um nach den Sauen zu sehen. Die letzten Tage hatten sie sich rar gemacht, hatten vielleicht doch nicht verziehen, dass wir die eine oder andre ihrer Gesellschaft entnommen hatten.
Tagsüber hatte ich für den Fuchs ein paar Kirrbrocken vergraben, um Unterhaltung zu haben, falls das Schalenwild sich nicht sehen lassen würde.
So saß ich nun draußen in der Stille der Nacht, die Sicht war gut, da eine Hochnebeldecke das nahe Dorflicht zurückwarf und die immer noch geschlossene Schneedecke tat ihr übriges.
Nicht lange ließ mein Freund Fuchs auf sich warten, ein starker Geselle, der den Winter scheinbar gut überstanden hatte. Dem Verhalten nach ein Jungspund, da er sehr verspielt über den Schnee trabste. Kaum hatte er meine Kirrung in der Nase, als es ihn regelrecht zu Seite riß und er sofort nachprüfen musste, was da so lecker roch. Herz vom Hirschen, das war mal was festliches! Er hockte sich auf die Keulen, die Lunte sittsam um die Vorderbranten geschwungen, schien einen Augenblick zu überlegen und schon machte er sich daran, den Leckerbissen auszugraben. Schnapp, weg war er.
So bögelte er nun vor der Kanzel hin und her und immer mal wieder riß es ihn fast von den Läufen, wenn er wieder einen Brocken witterte. Da ich wußte, wo ich die Stücke im Schnee eingegraben hatte, war es für beide spannend, ob er alle finden würde.

Eine Gaiß gesellte sich zu dem Treiben, was den Fuchs veranlasste, mit aufgestellter Lunte in voller Flucht seine Kirrung zu verlassen. War es der Rote, der schonmal von einer Muttergaiß Hiebe bekam, weil er sich ihren Kitzen zu sehr näherte? Schon möglich...

Oben am Hügel lösten sich zwei Schatten vom Waldrand, Rotwild. Sie überquerten die Freifläche, um mit noch zweien den gegenüberliegenden Wald zu erreichen. Jetzt erst sah ich unter der alten Eiche ca. 300 Meter nordwärts nochmals drei Rote stehen, die dort scheinbar nach alten Eicheln schlugen, die der schmelzende Schnee freigab. Hatten sie mich beobachtet, als ich meinen Ansitzplatz einnahm? Möglich wär's...

Drei weitere Rehe bevölkerten nun die Wiese, auf der gestoßene Zuckerrüben verteilt waren und man hörte sie schaben und schmatzen...

Ich hatte mich gemütlich zurückgelehnt, die Rehe würden mir jede Art von Wildwechsel anzeigen und im harschen Schnee würde ihre Flucht unüberhörbar sein. Plötzlich sah ich sie, Sauen! Eine mindestens zehnköpfige Rotte kam über den Hügel zu mir heruntergestürmt, mein Puls riß mich aus der Gemütlichkeit und ich schnappte mir die Blaserin, um sie schussbereit zu machen. Nicht mal den Zielfernrohrschutz hatte ich abgenommen, da ich nicht daran geglaubt hatte, heute Beute zu machen.

Doch was war das? Die Sauen hatten einen Träger! Konnte ich mich so getäuscht haben? Ja, es war wirklich ein Rudel Rotwild, das da auf mich zustürmte. Was hatte sie dazu veranlasst, diese rasende Flucht anzutreten? Waren es die von mir erwarteten Sauen? Egal, Puls wieder runtergefahren, tief durchgeatmet und irgendwie nicht mal enttäuscht, tausche wunderbaren Anblick gegen Beutestress...

Hundert Meter vor mir hatten sie ihre wilde Hatz beendet, standen ruhig und witterten, ob die Luft rein war und dann zogen sie gemächlich zu mir heran, Alttiere, Schmaltiere, Kälber und zwei Spießer. Und erfreut stellte ich fest, dass der Spießer, den ich letztes Jahr mit einem Jagdgast an einem jagdberuhigtem Ort beobachtet hatte, noch lebte. Ein strammer Bursche mit kurzen Spießen, aber frech wie eine Wanze! Jedesmal, wenn ein Stück vor ihm stand, senkte er sein Haupt und stupste mit seinen kurzen Spießen das Gegenüber in Seite oder Keulen, so dass dieses erschrocken auswich. Es schien ihm Freude zu bereiten, denn er suchte solche Gelegenheiten regelrecht auf, statt einfach in Ruhe zu äsen.

Genüsslich hatte ich mich zurückgelehnt, als ich am Widlacker oben einen Busch sah, der dort normalerweise nicht stand. Glas hoch, eine Sau! In aller seelenruhe brach sie dort in alten Druschhaufen und holte sich Korn für Korn heraus. Die Roten schien das nicht zu stören, waren vielleicht 40 Meter entfernt. Nur das Leittier ließ die Wutz nicht aus den Augen und sicherte Rüben kauend immer mal wieder in diese Richtung.

Die Rehe, die ja vor den Roten am Futter standen, waren diesen wie üblich gewichen, doch was nun geschah, verblüffte mich schon sehr:
Zwei besonders Schneidige liefen über den Wildacker so spontan auf den Schwarzkittel zu, dass dieser erschrocken zu Seite wich und perplex in den Wald flüchtete. Nun ästen die Beiden mit Wonne das Getreide, das die Sau aus dem harten Boden gewühlt hatte.

Im Wald angekommen, musste sich das Schwein ziemlich dämlich vorgekommen sein, denn nicht lange, da war es auch schon wieder da und vertrieb nunmehr die Rehe von seiner Futterstelle. Die Roten störte die Hatz der kleineren Paarhufer nicht, eins ums andere sicherte mal hinauf, um dann gleichgültig weiterzuäsen. Die vertriebenen Rehe zogen an der Sau vorbei auf dem Wildacker hin und her, als heckten sie einen Plan aus, wie sie abermals an die nahrhaften Körner gelangen konnten.
Und wirklich: Erneut stürmten sie Richtung Wutz und schafften es wiederum, diese zu vertreiben. Doch diesmal war die Flucht kürzer und nicht lange, da hatte sie die frechen Biester wieder davongejagt, um selber weiterzuschnabulieren.

Endlich gaben sich die Hirsche des kleinen Mannes geschlagen und räumten das Feld. Nicht ohne bei den Roten nochmals vorbeizuschauen in der Hoffnung, dort noch einen Happen abzubekommen. Doch das klärte der freche Spießer mit einem Kopfnicken...

Frieden war wieder eingekehrt, Wutz am Wildacker brechend, Rotwild bei mir an der Kanzel Rüben kauend. Ein Teil hatte sich schon verabschiedet und unter einer nahen Schirmfichte zur Ruhe gebettet, was für mich bedeutete, dass ich festgenagelt war.

Plötzlich stellte der Schwarzkittel den Pürzel hoch in die Lüfte und raste Richtung Wald. Selbst das Leittier, das ihn nicht wirklich aus den Augen gelassen hatte, blickte verwundert hinterher, was er denn auf einmal hätte. Im Wald krachten Äste und ein lautes Gequieke war zu hören, dann ein Schnauben und flüchten und Ruhe. Die wiederkäuenden Roten unter der Fichte wurden nicht mal hoch, kannten sie das Spiel schon? Auch das Rotwild bei mir störte sich nicht weiter an dem Krawall und holte sich noch Nachschlag, dann endlich zogen auch die letzten satt von dannen. Ich hoffte, sie würden die liegende Truppe unter der Fichte mitnehmen und in den Bestand zurückziehen, doch falsch gedacht. Sie gesellten sich dazu und dachten gar nicht daran, mich nach Hause zu lassen, selber schuld...

Ich schmiedete schon Pläne, wie ich wegkommen könnte, ohne das Wild zu vergrämen, als die Wutz wieder da war. Himmel nochmal, es war mittlerweile vier Uhr und ich hundsmüde!
"Wenn ich die Sau jetzt schießen würde, würde sich das Rotwild vielleicht verabschieden und ich könnte endlich ins Bett...", ging es mir durch den Kopf. Ich nahm die Blaserin, Leuchtpunkt auf und geguckt, mann, wäre das ein Leichtes...
Doch eine einzelne Sau um diese Jahreszeit?...zu heikel...
So hoffte ich inständig, dass das Schwein Richtung Rotwild einwechseln und dieses dadurch dazu veranlassen würde, den Ruheplatz unter der Fichte zu verlassen. Aber was tat das miese Schwein? Es trabste nach vollendeter Mahlzeit just in die andere Richtung davon und ließ mich in meinem Schlamassel sitzen...

Endlich nahte Rettung: Die Roten, die anfangs von einem Bestand zum anderen gezogen waren, wechselten nun zurück - so hoffte ich zumindest. Doch statt dessen zogen sie in meine Richtung, das konnte doch nicht wahr sein! Es war, wie ich gehofft hatte, sie veranlassten die wiederkäuende Truppe, aufzustehen. Aber statt zu Holze zu ziehen, trottete die ganze Meute hinter den vieren her und wiederum war die Wiese vor mir bevölkert. Verzweifelt lehnte ich mich zurück und versuchte zu schlafen, mit abliegen in der Horizontalen wurde das heute nix mehr...

Als ich aufwachte, sah ich noch die Spiegel der Hirsche, wie sie nun endlich von dannen zogen. Müde und doch glücklich ob soviel Anblick packte ich meine Sachen zusammen und der Fuchs, der mich anfangs so schön unterhalten hatte, kam zum Abschied nochmals vorbei. "Nein, wegen dir bleib ich jetzt nicht mehr sitzen!", dachte ich mir und als hörte er meine Gedanken, schnürte er dem Wildacker zu und war auch schon verschwunden, als ich endlich den Heimweg antrat.


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Kommentare

22.03.2010 15:49 platzi
Schön erzählt.
Ihr habt da ja eine vielfältiges Revier!
Wmh

Diether
22.03.2010 21:01 Dackelbiene
Bist ja ganz schön hart im nehmen ! Und wiedermal ein schönes Geschichtchen!
Gruß Biene
23.03.2010 07:06 Oichkatzl
Dackelbiene schrieb:
Bist ja ganz schön hart im nehmen ! Und wiedermal ein schönes Geschichtchen!
Gruß Biene

Moin Biene,
bin ned hart im nehmen, die Mistviiecher sind hart im geben, des machen die mit Absicht!!
Aber schön war's, lehrreich war's und mittlerweile bin ich auch wieder ausgschlafn...
Danke dir fürs Lob
Grüßle
Oichkatzl
23.03.2010 07:08 Oichkatzl
platzi schrieb:
Schön erzählt.
Ihr habt da ja eine vielfältiges Revier!
Wmh

Diether

Moin platzi,
das Revier ist so vielfältig, weil man es lässt. Es wär ein leichtes, sich so daneben zu benehmen, dass zumindest das Rotwild das Weite sucht, aber der Beständer hat da a sensibles Händchen für seine Roten, Streichler halt...
Grüßle und auch dir schönen Dank
Oichkatzl
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