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Sauschwartes Jagd

(6 Einträge)

Bock Blattzeit 2009 sau 2009 doublette Sonnenaufgang Blattzeit 2009
678 mal angesehen
16.03.2010, 11.38 Uhr

Doublette mit Hindernissen

Mitte Juli - Blattzeit in Mecklenburg Vorpommern.
Erwartungsvoll erklomm ich um 4.30 Uhr beim ersten Licht, kurz vor Sonnenaufgang das „Heckenkreuz“, einen sehr hohen Hochsitz am Kreuzungspunkt zweier Hecken. Die Pächterin hatte mich direkt bis unter den Sitz gefahren, und trotzdem, ich hatte mich noch nicht ganz fertig gemacht, hörte ich die Sauen schon im Raps. Mit rasendem Puls suchte ich das blickdichte Rapsfeld im Osten nach irgendeiner verräterischen Bewegung ab. Immer wieder starrte ich auf den endlosen Raps, glaste die wenigen, halbwegs einsehbaren Fahrspuren ab, bis die erfolglose Suche jäh unterbrochen wurde: hinter mir, im Westen hörte ich ein Rascheln, wandte mich um und sah einen Bock. An der Grenze von Raps und Weizen kam er, sein Revier durch Fegen markierend, in 80 m Entfernung auf meinen Sitz zu. Wenig später hatte ich ihm die Kugel angetragen, und er verschwand nach einer kurzen Flucht im Getreide. Irgendwie hatte ich dann doch, entgegen meiner Absicht, die große Kugel (7X65R) des selten geführten Bergstutzens geschossen, stellte ich fest, als ich den Lauf brach.
Ich baumte ab, folgte dem Stück mit der Waffe im Anschlag und fand es mit einem sauberen Kammerschuss. Als der Bock versorgt, und die Pächterin, entgegen der Vereinbarung für den Fall nach Schussabgabe, immer noch nicht da war, nahm ich meine Waffe, die im feuchten Gras an einem Steinhaufen lehnte, und beschloss, auf dem Hochsitz mit Fernblick auf sie zu warten und den Sonnenaufgang zu genießen.
So saß ich zufrieden in der aufgehenden Morgensonne. Es waren noch keine zehn Minuten vergangen, die Uhr zeigte gerade erst 6.00 Uhr, da traute ich meinen Augen kaum. Im Nordwesten, keine 100m entfernt von der Stelle, an der ich eben den Bock geschossen hatte, schob sich eine Sau nach der anderen in eine Fahrspur ein. Sofort nahm ich die Waffe auf, und alles versank hinter einem Schleier. Das beschlagene Okular war schnell abgewischt. Aber der erneute Anschlag ergab auch kein besseres Bild. Erst als ich mit den Fingern hastig über das Objektiv gewischt hatte, erschien die Überläuferrotte halbwegs klar im Glas. Ungefähr 10 gleich große Sauen, eben noch dicht stehend, machten sich gerade wieder auf den Weg durch den Raps. Eine Sau verhoffte einen Augenblick zu lange, und die Kugel war raus. Ich dachte noch, diesmal muss die Größe der Kugel aber passen, meinte auf den Bock den vorderen Abzug betätigt zu haben und zog nun ganz bewusst den hinteren Abzug. Verdammt, wieder verkehrt, schoss es mir durch den Kopf, als ich die Patronenhülse der 5,6x57R entnahm.
Mit bangem Gefühl folgte ich der Fahrspur, konnte schließlich die Sauen fährten, und nur ein geknickter Rapsstängel und der Abdruck der Borsten im feuchten Lehmboden verriet mir den Anschuss. Gelegen hatte sie also, wenn auch nur kurz. Schweiß war nicht zu finden, da kein Ausschuss zu erwarten war. Wenigstens war ich mir einigermaßen sicher, dass ich gut abgekommen war. Da ich eine Nachsuche ohne Hund nicht starten wollte, hieß es nun Geduld zu haben und wieder auf die Pächterin zu warten. Spätestens um 8.00 Uhr würde sie kommen, und so wartete ich ab 7.30 Uhr, unruhig, mit gepackten Sachen unter dem Sitz. Aber erst kam noch ein Jungfuchs, schöpfte in 20 m Entfernung Wasser aus einer Fahrspur und flüchtete vor mir erst beim zweiten Aufsehen. Jetzt noch die Sau kriegen und alles ist perfekt, dachte ich.
Zuerst musste der Bock in die Kühlung und der Teckel geholt werden, dann konnte die Nachsuche beginnen. Viel konnte der junge Hund mit der Fährte nicht anfangen, ständig verfing sich der Schweißriemen im Raps, so dass wir ihn kurz entschlossen schnallten, und weg war er. Während sich die Pächterin vom Anschuss aus durch den Raps arbeitete, versuchte ich es aus der anderen Richtung, ausgehend von einer parallel laufenden Fahrspur. Nur eine Totsuche hatte hier noch Aussicht auf Erfolg.
Die Sonne stand inzwischen schon hoch, die Zeit drängte, sollte das Stück nicht verhitzen. Aber es ging nur langsam vorwärts im dichten, in sich verhakten Raps. So bahnten wir uns immer wieder einen kurzen Weg und tauchten dann ab, um das neu gewonnene Blickfeld abzusuchen.
Endlich - ich konnte die Sau sehen, 30-40 m vom Anschuss entfernt, und wühlte mich zu ihr durch. Da lag eine 40 kg schwere Überläuferbache, mit Kammerschuss und einer Beule unter der Schwarte, in der noch die Kugel steckte. Der hinzukommende Hund, der seine erste Sau sah, schrie förmlich auf und wich erschrocken zurück, bevor er seine Beute dann doch ordentlich beutelte.
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Sauschwarte

Sauschwarte

Alter: 54 Jahre,
aus Hannover
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Kommentare

16.03.2010 13:40 platzi
Schön geschrieben.
Weidmannsheil

Diether
16.03.2010 14:25 Sauschwarte
platzi schrieb:
Schön geschrieben.
Weidmannsheil

Diether

vielen Dank und Weidmannsheil Sebastian
16.03.2010 17:06 Otterbock
Weihei zur Doublette
Interessante Wildwanne
Gruß jan
16.03.2010 20:50 swinging_elvis
janmeybohm schrieb:
Interessante Wildwanne
Gruß jan

... dachte ich auch
Waidmannsheil zu Deiner seltenen Doublette... kommt nicht oft vor und wird Dir sicher in Erinnerung bleiben... Sternstunden eines Jägerlebens... Rock, elvis
PS: wie alt war der Bock?
17.03.2010 08:36 Sauschwarte
swinging_elvis schrieb:
... dachte ich auch
Waidmannsheil zu Deiner seltenen Doublette... kommt nicht oft vor und wird Dir sicher in Erinnerung bleiben... Sternstunden eines Jägerlebens... Rock, elvis
PS: wie alt war der Bock?

Waidmannsdank, ich hätte nicht erwartet, dass die "Wildwanne" so viel Beachtung findet, sondern eher mit Schelte ob der vielen Fehler, die ich gemacht habe, gerechnet. Aber es ist wie auch bei der Jagd, es kommt meistens anders als erwartet, und das macht es schließlich auch aus und immer wieder spannend.
Den Bock haben wir auf 3-4 Jahre geschätzt.

Gruß Sebastian
17.03.2010 22:01 Hoisbuettler
Waidmannsheil zu den beiden Stücken!
Während dem Lesen würd man das am liebsten alles selbst erleben
gruß jan
17.03.2010 22:21 swinging_elvis
Fehler machen alle, nur wenige sprechen drüber oder schreiben sie gar auf... menschlich... rock, elvis
Sauschwarte schrieb:
...sondern eher mit Schelte ob der vielen Fehler, die ich gemacht habe, gerechnet. Aber es ist wie auch bei der Jagd, es kommt meistens anders als erwartet, und das macht es schließlich auch aus und immer wieder spannend.
Gruß Sebastian

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