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Füchse, Füchse, Füchse

Fuchsjagd (10 Einträge)

Winterlandschaft 2.jpg Winterlandschaft 1.jpg
532 mal angesehen
02.03.2010, 18.41 Uhr

Fuchs-Gedanken

Endlich wieder einmal konnte ich ein paar Ansitze in meinem kleinen Hessenrevier auf Füchse genießen. Schnee war gefallen, die Temperatur lag soeben unter Null, beste Voraussetzungen zur Jagd auf den roten Freibeuter. Außerdem galt es, eine Scharte in meinem jagdlichen Gewissen auszuwetzen: Ein Hornet-Schuss auf einen im Mondlicht bei Schnee breit verhoffenden Reineke war fehl gegangen. Die erneute morgendliche Überprüfung ergab: eindeutig unterschossen. Das sollte heute Abend nach Möglichkeit besser verlaufen.

Als Ansitzort hatte ich mir den Dornkrätzer ausgesucht. Im Frühjahr und Sommer liebte ich diesen Standort aufgrund seines weiten Blickes in die Felder. Reichlicher Anblick an Rehwild war so immer gegeben, unverhofft wechselte auch schon einmal Schwarzwild aus. Und im Winter war dies ein regelrechtes Fuchs-Eldorado. Bis weit jenseits der Reviergrenze sah man an guten Morgen bis zu fünf Füchse gleichzeitig. Vielleicht würde die geschlossene Schneedecke mir heute Glück bringen. So dachte ich, als ich quer über den Acker durch den weichen Schnee auf den Hochsitz zu stapfte. Diese offene Kanzel war ganz nach meinem Geschmack. Schmal gebaut bot sie einem Jäger reichlich Platz auf dem hölzernen Sitzbrett und man hatte – wie bereits erwähnt – einen fantastischen Ausblick. Dass meinen Aufstieg Gedanken an das begehrte Wild auf blau-weißem Grund begleitete, brauche ich nicht zu sagen. Schnell war ich bereit, der Dreilauf stand geladen in der Ecke, Decke unters Hinterteil… es konnte los gehen!

Zunächst jedoch glitten meine Gedanken zurück in jene Nacht des Fehlschusses. Nach langer, langer monddurchschienener Wartezeit hatte ich links in der Wildwiese endlich einen Fleck ausgemacht, der dort vorher nicht war… sollte dies vielleicht…? Tatsächlich, das achtfache Doppelglas ließ mein Herz hüpfen: Anscheinend in der Betrachtung des Mondes versunken saß dort ein Rotfuchs auf den Keulen. Die Entscheidung zum Schuss war eine Sache von Sekunden, vorsichtig glitt der Daumen an den Greener und der Schaft ins Gesicht. Mittlerweile hatte sich der Räuber wieder erhoben, schien aber weiterhin unschlüssig. Solche Momente hatte ich schon einmal erlebt. Der Fuchs selbst schien von der Atmosphäre der Nacht verzaubert. Zeitweise war er zwischen den Grasbülten schlecht auszumachen… jetzt verschwand er gar hinter einem Büschel Altgras, der aus dem Schnee herausragte… kam langsam wieder dahinter hervor, stand breit und zeigte so eben das Blatt, dabei in meine Richtung äugend. Hoch fand das Absehen eins des 8x56 sein Ziel und der Drückefinger berührte sachte den bereits gestochenen vorderen Züngel…plopp.

Der Fuchs machte einen Riesensatz… und war verschwunden! … ich blieb verdutzt zurück. Was war nur geschehen? Auf vielleicht 70m musste die Beute doch im Knall liegen? Andererseits hatte ich schon einiges bei Füchsen erlebt und kannte die ihnen innewohnende starke Überlebenskraft. Erst einmal beruhigen…

- Einen Blick in die Runde werfend kam ich in die Gegenwart zurück. Kein Wild zeigte sich im weiten Umfeld. Anstelle eines klaren Abends hatte sich der Himmel düster drohend zugezogen. Schneewolken hingen tief und verhießen nichts Gutes. Und da fielen auch tatsächlich schon die ersten leisen Flocken. Ohne viel Wind versperrte bald ein immer dichter werdender weißer Vorhang die Sicht… ob das heute noch was geben würde? Mein Blick verlor sich im ewigen Weiß… -

Erstaunt über das Ergebnis meines Hornet-Schusses lehnte ich mich zurück und stellte den Dreilauf erst einmal wieder in die Ecke, gesichert und mit frischer kleiner Pille. Was war geschehen? Lag der Rote? Die Auflage war top, das Absehen stand ruhig. Dass der lange Einstecklauf wie Gift schoss, wusste ich aus Erfahrung.
Schließlich hielt mich dann doch nichts mehr auf meinem Ausguck. Rucksack und das 8x56er Nickel ließ ich zurück und pirschte Richtung Anschuss, den ich mir gut gemerkt hatte. Den Hals reckend kam ich langsam näher, leider ohne den erhofften kleinen grauen Hügel zu entdecken. Schon wenig später stand ich mit der Taschenlampe am markanten Grasbüschel und fand auch gleich die Spur des Fuchses, nur leider keinen Schweiß.
Zunächst arbeitete ich einmal die Spur aus in der Annahme, dass es sich um Todesflucht handelte. Nach dem Satz hatte er von mir ungesehen eine kleine Schleife gedreht und war nach links in den Wald abgegangen, von wo er offensichtlich auch heran geschnürt war. Pustekuchen! Nix da! Im lichten Fichtenwald gingen die weiten Sätze in der dünneren Schneedecke bald wieder in die Perlschnur des vertrauten Schnürens über. Das kann doch nicht sein?
Zurück am Anschuss konnte ich aber auch bei genauester Untersuchung nichts finden, kein Schnitthaar, keine Schweißspritzer auf dem weißen Leithund. Nichts. Enttäuscht versuchte ich immer wieder mit Argusaugen, irgendeine auch noch so kleine Kleinigkeit zu entdecken – vergebens…

- Plötzlich erwachte ich aus meiner Erinnerungsstarre.
Hatte ich da links im Schneeschleier eine Bewegung gesehen? Recht duster war es mittlerweile geworden und doch konnte ich mich nicht getäuscht haben. Und tatsächlich: Vielleicht 80 Meter vor dem Hochsitz schnürte ein Rotfuchs durch diese winterlich weiße Waschküche halbspitz auf mich zu. Das konnte doch nicht war sein. Jetzt verhoffte er unentschlossen… und setzte sich auf die Keulen. Sollte ich es versuchen? Mit bloßem Auge konnte man ihn an der Grenze, in der weiß in weiß zerfloss, kaum mehr ausmachen. Trotzdem nahm ich den schweren Drilling hoch und peilte durch das alte Zielfernrohr. Ja, da war er, spitz zu mir hingerichtet schien ihm die Lage nicht geheuer zu sein. Hatte er vielleicht Wind bekommen? Wie Nebel wogte der Schnee um den jetzt grauen Umriss, der mal an Kontrast verlor, mal ganz in der weißen Suppe verschwand. Sollte ich den Schuss spitz von vorne riskieren? -

Am frühen Morgen nach der Nacht des Fehlschusses war ich noch einmal zurückgekehrt. Nun fand ich im Schnee noch den Kugelriss, der meiner Meinung sehr kurz hinter der Fuchsspur lag. Somit hatte ich wohl unterschossen. Hatte mich das Mondlicht getäuscht? Hatte ich auf einen Schatten geschossen, den Luna neben meiner erhofften Beute geworfen hatte? - All das schoss mir auch durch den Kopf, als ich heute Abend erneut die Kombinierte auf den roten Räuber gerichtet hielt. Unsicherheit überkam mich, wie würde sich die kleine Hornet bei so dichtem Schnee auf 80m verhalten? Ein Fuchs spitz von vorne ist immerhin ein kleines Ziel. Am meisten aber hielt mich der Zweifel über die eigene Schießkunst zurück. Längst nämlich hatte ein Gang zum Stand gezeigt, dass es eindeutig am Steuermann gelegen hatte und nicht an der Waffe. Die Gedanken überschlugen sich, das Fuchs-Gespenst hielt dies alles aus… bis es sich plötzlich langsam erhob und halbspitz nach rechts weiterschnürte, ganz ohne Eile… und hinter den immer noch dichten weißen Schleiern verschwand…

Tief atmete ich durch, löste die geistige und körperliche Anspannung und sicherte die Waffe. Tja, das hatte ich schön vermasselt… oder? Nein, ich war einfach meinem Instinkt gefolgt. Aber es war schon erstaunlich, wie sehr ein Fehlschuss den Drückefinger bremst, das eigene Vertrauen in den schnell tötenden Schuss lähmt…

Wenig später baumte ich ab. Immer noch hing ich Gedanken an der Begegnung mit dem faszinierenden Raubwild nach. Sicher würde bald die Gelegenheit kommen, erneut auf Reineke zu waidwerken… und dann steht er passend und als hundertprozentige Gelegenheit im Absehen… vielleicht schon morgen…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

02.03.2010 21:12 SauerlaenderJung
Sehr schöne Geschichte, toll geschrieben, wie man es von Dir gewohnt ist. Deine Entscheidung kann ich nur gut heissen, mir geht es ähnlich, seit dem ich einen Rotrock vorbeigeschossen habe. Finde Deine Entscheidung goldrichtig und nachvollziehbar, sie ehrt Dich!
5 Sterne von mir!

Und Gruss nach Hessen / Finnland!

Steffen
02.03.2010 22:40 Renevolution81
Goldrichtig gehandelt - wenn man sich unsicher ist, soll man den inneren Schweinehund nicht belasten Es wird noch andere Situationen und Erfolge im "Dornkrätzer" geben Wie immer meisterhaft Wiedergegeben!!!
Waidmannsgeheul (wie Du zu sagen pflegst ) und die besten Grüße nach Finnland,
Clubbruder
03.03.2010 09:44 platzi
Weidmannsheil auch von mir!
Kompliment, nicht jeder würde den Finger grade lassen. Sehr angenehm zu lesen! 5P!

Servus

Diether
03.03.2010 18:39 swinging_elvis
Ja, Gelegenheit wird es sicher noch geben, da sorge ich schon für--- bzw. hab die Scharte schon ausgewetzt, da Story von 2006... anno Tobac Wenn das mit dem inneren Schweinehund doch öfter so klappte... , rockend, elvis
Renevolution81 schrieb:
- wenn man sich unsicher ist, soll man den inneren Schweinehund nicht belasten

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