Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

Hasenjagd - rusakkometsästys, Januar 2010 Hasenjagd - rusakkometsästys, Januar 2010 Hasenjagd - rusakkometsästys, Januar 2010
403 mal angesehen
26.01.2010, 22.04 Uhr

Kylmyys – Jagd in der Kälte

Was hatte ich mir nur dabei gedacht? Zunächst wieder eine Anreise im Dunkeln durch die Finnischen Weiten, wobei wir mit sicher fast Tempo hundert einen Elch mitbekamen, der sich 50m vor uns doch noch entschied, am Straßenrand umzukehren (mein „Co-Pilot“ konnte ihm fast auf die Keulen kloppen...!), späte Ankunft, eine Nacht in der Hütte und jetzt Jagd bei gemeldeten -20°C… Dachschaden?
Diese Gedanken im Kopf zog ich langsam Schicht für Schicht die antransportierten Klamotten an: drei Paar Socken, 2 lange Unterhosen, Oberkörper mit T-Shirt, zwei Sleeves, Power-Stretch und Fließjacke… und über alles kam noch Opas dicker, wattierter Jagdanzug… das musste doch hinhauen. An die Füße zog ich Aldi-Kanada-Boots, das Haupt deckte Opas Kunstfellmütze… nach eine regelrechten Anzieh-Session trat ich unsicher vor die Hütte, die direkt am Hof unseres Gastgebers lag. Bewölkt war es, Schnee lag reichlich und ja, kaaaaaalt!
Ein paar Mitjäger waren bereits eingetroffen, auf Fuchs und Hase sollte es gehen, und zwar Schnee- und Feldhase. Nach kurzer, freudiger Begrüßung machte ich mir weiter Gedanken… Würde ich einen ganzen Tag in der Kälte aushalten? Würde ich bei den dicken Klamotten ordentlich in Anschlag gehen können? Bei einer Probe empfahl sich jedenfalls ein recht kurzer Griff am Vorderschaft. Die Erwartung stieg…
Nachdem alle eingetroffen waren und der Kanal für die Funkverbindung bekannt gegeben worden war, begann das erste Treiben.
Mein Jagdkumpel und ich wurden direkt an einem am Hof angrenzenden Wäldchen angestellt mit Blick auf die Ortsstraße, hinter der ein paar Treiber ein Schilfgebiet am Rande des dort liegenden Sees durchtrieben. Alsbald vernahm man das hö-hö-hopp-hopp und offensichtlich waren auch dort unten Schützen anwesend, denn es dauerte nicht lange, bis es knallte. Gleich darauf kam auch die Durchsage: „One rabbit shot!“ Viele Finnen benutzen das Englische Wort „Kaninchen“ (rabbit) anstelle „hare“ = Hase. Aber jeder weiß, was gemeint ist.
Die Kälte ließ sich soweit aushalten. Gegen den anfänglichen Wind halfen die Ohrenklappen der Mütze. So konnte es was werden. Als die Mitjäger am Treffpunkt eintrafen, brachten sie einen Feldhasen mit. Na immerhin. Die Jagd hatte begonnen, wenn auch uns noch kein Anblick zuteil geworden war.
Das kommende Treiben fand ebenfalls gleich „hinterm Haus“ statt. Innerhalb des Wäldchens bekam ich meinen Platz, die Richtung, aus der die Treiber kommen würden wurde angewiesen und schon war ich alleine an diesem feinen Fleckchen Erde. Fichten und Kiefern streckten ihre schlanken Stämme in die Höhe, die Sicht war ob des Schnees topp; was würde dieser Stand bringen?
Nicht lange und auch hier hörte ich die Treiber sich nähern… Ein Eichelhäher krächzte und schwang sich von Wipfel zu Wipfel. Sollte er Reineke ankündigen? Vorsichtshalber nahm ich die Flinte fester in die Fäuste und harrte gespannt der möglichen Beute. Doch nein, da kam schon Markus um die Ecke, auf den ein oder anderen Busch klopfend. Dann würde ich auch hier kein Waidmannsheil haben. Mit Gruß entfernte sich mein Jagdfreund hinter mir, hielt mich aber nicht an, ihm zu folgen. Rückwechsel? Ein wenig verwirrte schaute ich ihm hinterher, um mich dann wieder der vor mir liegenden weißen Fläche zuzuwenden. Da, war das nicht eine Bewegung? Sapperlot, da näherte sich doch tatsächlich ein Feldhase… ihn im Auge behaltend hob ich langsam die Flinte, nicht ohne zu entsichern… als der Braune plötzlich beschleunigte und als Querreiter von rechts nach links auf vielleicht 30m an Fahrt aufnahm. Angebackt, mitziehen, überholen – BUMM.
Meister Lampe warf es in den Schnee… „Volltreffer“ jubilierte das Hirn, als ich erschrocken sah, das er sich wieder aufrappeln wollte… ein schneller zweiter Schuss dicht vor den Kopf ließ ihn augenblicklich verenden… Hase tot! Waidmannsheil!
Erfreut und ein wenig verwundert über mein Glück stapfte ich langsam zum Gefällten, der im sicher 30cm hohen Schnee kaum zu sehen war. BUMM!
Weiter unten war ein weiterer Schuss gefallen. Na fein, hoffentlich hatte der Mitjäger Beute gemacht. Und tatsächlich. Wenig später konnten wir bereits drei Hasen zur Strecke legen. Jetzt wurde erste einmal eine Aufbrechpause eingelegt. Also Handschuhe aus und Messer gezückt. Wie brennend eine Bauchhöhle sich unter diesen Bedingungen anfühlt, wie schnell Schweiß am Messer gefriert und wie es ist, wenn der Schnee beim abschließenden „Waschen“ nicht tauen will… das muss man einfach selbst einmal erlebt haben…

Nach kurzer Pause ging es aber auch schon weiter. Vorstehschützen wurden zwischen zwei Waldstücken platziert, bald erklang aus der Ferne vertrauter Treiberlaut. Ich lehnte mich ca. zwanzig Meter von einer Waldecke entfernt an einen verschneiten, verpackten Strohballen und genoss die Landschaft. Ein Spezialist unter den Finnen, der mit seiner .222 Rem. gekommen war, setzte sich an eine kleine Scheune, die sicher hundert Meter vom Weg entfernt in einer Hecke lag. Im letzten Jahr konnte er so zwei Hasen strecken…
Irgendwie wollten diese dumpfen Töne nicht so recht in mein Hirn, meine Gehörgänge… aber war das nicht ein Schotschuss? Nach links schauend gewahr ich eine Bewegung und schon knallte es wieder. Ein Hase kam um die Waldecke geflitzt und wollte sich mit weiten Sprüngen entfernen. Instinktiv schlug ich an - BUMM - um im nächsten Augenblick den Hasen ein Rad schlagen zu sehen. Hase tot zum zweiten Mal. Ich konnte mein Glück gar nicht fassen. Da lag er, nur der Kopf schaute aus dem Schnee, deutlich waren die Einschläge des Hagels zu sehen… einfach klasse! Dem Beständer, der zunächst geschossen hatte, konnte ich Entwarnung geben, was gut war, denn Wolle am ersten Anschuss zeigte, dass er unsere gemeinsame Beute bereits erwischt hatte… Also doppeltes Glück!

Die Mitfreude der Gruppe war groß. Man stand zusammen, es wurde sich angeregt unterhalten, andere Hasen hatten sich übers offene Feld verabschiedet, leider ohne unserem Meisterschützen Gelegenheit zum Schuss zu geben. Dafür schnitt er nun aber den Gefällten den Balg zwischen den Sehern ab, offensichtlich ein gutes Mittel zum Fliegenfischen…

Zwischen zwei Waldstücken stehend konnte ich im nächsten Treiben immerhin Haselwild beobachten. Zunächst schoss der Hahn pfeilschnell vorbei, wenig später folgte die Henne... Ein toller Anblick.
Mein Jagdkumpan hatte einen Hasen vor, allerdings konnte sich hier Meister Lampe erfolgreich verdrücken.

Das letzte Jagen fand auf einem großen See statt, dessen angrenzende Schilf- und Waldflächen getrieben wurden. Ein Hase hatte sich auf einer kleinen „Insel“ gedrückt und machte sich bereits beim Angehen auf die Läufe. Ein Weiterer nutzte anscheinend ebenfalls die gute Übersicht und verdrückte sich frühzeitig. Naja, das kann auch bei uns vorkommen. Die Landschaft jedenfalls war unglaublich und ich genoss es in vollen Zügen. Die Weite, der Schnee, einige Häuser am Rand des Sees, wie an der Perlschnur gezogene Fuchspuren… einfach ein Traum. Sogar die Sonne ließ sich noch einmal blicken… da machte es nichts mehr, dass kein weiterer Schuss fiel.

Vier Hasen waren am Abend gefallen, immerhin die Hälfte aller Gesehenen. Ich konnte somit natürlich mit meinem Ergebnis sehr zufrieden sein. Traditionsgemäß wurde auf dem Hof ein Feuer gemacht, um makkara (Grillwürstchen) zu braten. Die ersten Pullen machten die Runde, es war so richtig gemütlich. Mit Sauna und einer feuchtfröhlichen Feier ging der Tag zu Ende. Schon interessant, wenn einem beim Ausglühen an der „frischen Luft“ die Haare auf dem Kopf gefrieren…

Und wie war es nun mit der Kälte? Zwischendurch war nach langem Stehen tatsächlich ein wenig das Gefühl aus den Zehen gewichen, die Hände klebten an den Flintenläufen aber alles in allem habe ich es super überstanden… Waidmannsheil an die Finnischen Jagdfreunde!
offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

26.01.2010 22:49 RhoenerKauz
WMH!
Komm auch grad vom Ansitz. Auf der Hinfahrt um 19Uhr hats -13Grad gehabt, auf der Heimfahrt grad eben -18Grad. Ist schon verrückt. Hätte auch noch ne halbe Stunde länger ausgehalten, aber es war einfach nichts los. Dafür Schweinesonne. Konnte 1km abglasen. Aber leider habe ich keine Schwarzen gesehen.
27.01.2010 08:59 platzi
Sehr schön erzählt!
Weidmannsheil zu deinen beiden Langohren
Diether
27.01.2010 10:31 Keiler
Waidmannsheil zu den beiden Feldhasen!
Beim Schneehasen hat´s mich oft angeschmiert, erst nur etwas weißes dahinhuschen sehen und danach war er wie vom Erdboden (besser Schnee) verschluckt!

Grüße Keiler (der es eben in der Stube am Kamin auch aushält)
27.01.2010 13:59 Renevolution81
Ohne Worte mal wieder eine Meistererzählung aus den finnischen Weiten. Das "bisschen Kälte" vergisst man doch bei solchen Erlebnissen
Rock on mein Freund
27.01.2010 15:37 anser
Weidmanns Heil zu den Hasen, dem Erlebnis und der Geschichte - und natürlich zu den Fotos!

Gruß aus dem "hohen Norden" Deutschlands!
27.01.2010 17:39 Spitzbua
Weidmannsheil zur Strecke.
Schöne Grüsse nach Finnland aus
München
vom Spitzbua
27.01.2010 17:44 wachtelschachtel
Toller Bericht!
27.01.2010 23:48 swinging_elvis
platzi schrieb:
Weidmannsheil zu deinen beiden Langohren
Diether

Waidmannsheil in den Süden, elvis
27.01.2010 23:49 swinging_elvis
Keiler schrieb:
Waidmannsheil zu den beiden Feldhasen!

Waidmannsdank. Vielleicht hab ich deshalb keinen Schneehasen gesehen... elvis
27.01.2010 23:50 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:Das "bisschen Kälte" vergisst man doch bei solchen Erlebnissen

Das war schon was... aber recht hast Du. Das brennt sich ein... und ist sicher ein Erleben fürs Leben...
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang