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Winteridylle
249 mal angesehen
17.01.2010, 11.36 Uhr

Jagdruhe

Eigentlich wollte ich mich nur nach der Arbeit ne halbe Stunde raussetzen, um abzuschalten und den Feierabend einzuläuten. Der Nebel der vergangenen Tage hatte die Welt in weiss gehüllt und an den Bäumen glitzernde Skulpturen hinterlassen. Eine Märchenlandschaft sondergleichen, die es zu genießen galt.
Also hockte ich mich mal in eine Ecke, in der das ganze Jahr noch kein Schuss fiel. Der Wind passte zwar nicht so recht, war ziemlich still, aber egal, ich wollte ja eh bald wieder weg und der nahe Bauernhof versprühte auch menschlichen Duft, dürfte also nicht gar so schlimm sein und der Weg dorthin war auch ab und an befahren.

Die erste halbe Stunde tat sich gar nix. Dann, als das Licht sanfter wurde und der Tag sich anschickte, in Abend überzugehen, trat eine Gaiß aus dem nahen Wald. Nicht lange sicherte sie, als sie zügig näher kam und an dem Futterplatz, den der Jagdherr dort angelegt hatte, sich dem wohlriechenden Geschmack von Trestergemisch, Rüben und Silo hingab.
Auch die Stockenten des nahen fast zugefrorenen Teiches wussten dieses Mahl zu schätzen und kamen herbeigeklingelt. Lustig anzusehen, wie sie sich wackelnd durch den Schnee schoben, immer mit wachen Blick auf die Gaiß, um endlich auch ihren Kropf füllen zu können. Die Gaiß hielt es aus, nahm die kleinen Kerle nicht ernst.

Plötzlich stoben die Enten auseinander und auch mein Reh sicherte zum Wald hin. Leichtfüssig kamen Böcklein und Schmalreh angetrippelt, was die Gaiß mit Flucht quittierte. So saß ich da und genoß den trauten Anblick und die entspannende Stimmung des Winterabends.

Endlich, es war schon halb sechs und ich fing zu frösteln an, da ich ja nicht auf einen längeren Ansitz eingerichtet war, verzogen sich auch diese zwei Winterkinder wieder und ich rüstete mich zum nach Hause gehen. Doch kaum hatte ich die linke Luke geschlossen, als sich schon wieder zwei dunkle Schatten vom Waldrand lösten. Hier gaben sich die Rehe wirklich die Klinke in die Hand!
Also ließ ich mich wieder nieder, lehnte mich zurück und wartete geduldig, bis auch diese zwei, Gaiß mit Bockkitz, sich die kleinen Pansen gefüllt hatten und weiterziehen würden.
Doch dazu kam es nicht. Beide sicherten interessiert nach dem mir gegenüberliegendem Wald und als ich mit dem Glas ihren Blicken folgte, sah ich zwei mal vier Läufe im Schnee stehen. Das wird doch nicht...
Mir war bewußt, dass der Wind nicht passte, hatte mich schon gewundert, dass die Rehe mich so vertraut aushielten, doch die Roten würden vermutlich nach dem leisesten Hauch mahnend die Flucht ergreifen?

Meine beiden "Hirsche des kleinen Mannes" zogen es vor, mit weiten Sprüngen das Gelände zu verlassen und schon schoben sich die starken Körper von Rotwild aus dem nahen Holz. War das ein Anblick im zarten Abendlicht!
Alttier mit Kalb kamen gemächlich über die Wiese gezogen, gefolgt von Schmaltier. Ich freute mich über diesen unerwarteten Besuch und vergaß eine zeitlang, dass mich eigentlich mittlerweile schon ziemlich fror. Immer wieder tauchten dunkle Schatten am Wald auf und nacheinander traten nochmals acht Stücke aus. In weitem Bogen holten sie sich mit hochgerecktem Äser Wind, die Lauscher aufgestellt. Und doch, sie kamen näher und näher, die Spannung in mir stieg. Würden sie mich aushalten?

Der Drang, den leeren Pansen zu füllen, schien zu siegen, schon hatten die ersten Stücke den Futterplatz erreicht. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht standen sie dann da, eins neben dem anderen, Alttiere, Schmaltiere, Kälber und der starke Spießer mit den kurzen Enden, den ich hier schon einmal mit einem Gast beobachten durfte. Ich freute mich, ihn wiederzusehen.

Doch die Alte war wachsam, bekam endlich doch Wind von mir, machte einen Satz und stellte sichernd den Äser in meine Richtung. Schon erklang ihre mahnende Stimme und forderte zum Aufbruch. Ihren Anhang schien dies nicht zu interessieren, sie waren noch mit futtern beschäftigt. Dem Leittier passte überhaupt nicht, dass ihr so wenig Achtung geschenkt wurde und flink lief sie ein paar Stücke von der Truppe weg in der Hoffnung, sie würde ihre Rudelmitglieder dadurch zur Flucht veranlassen. Und ja, dieses Verhalten funktionierte, plötzlich kam Bewegung in die naschende Herde und allesamt standen sie dann unschlüssig auf der schneebedeckten Fläche herum. Es war ein traumhafter Anblick, die schimpfende Alte inmitten des Rudels als dunkle Silhouetten auf weißem Grund, eingerahmt von reifüberzogenem Wald...
...So richtig überzeugen konnte die Grande Dame aber dann doch nicht und langsam kamen eins nach dem anderen wieder zum Futterplatz zurückgezogen.

Doch was war das! Ein Lichtschein von links! Mist! Jetzt war mein Anblick doch vorbei, ein Fahrzeug näherte sich dem beschaulichen Ort, das würden die Roten wohl nicht aushalten? Interessiert beobachtete ich ihr Verhalten. Doch nein: Der Lichtkegel glitt über sie hinweg, sie sahen dem Auto gleichgültig nach, um schon im nächsten Moment wieder auf mich zuzuziehen und die gedeckte Tafel anzunehmen.

Nur die Alte wollte dem Frieden nicht mehr so ganz trauen und beleidigt verabschiedete sie sich mit Kalb und Schmaltier für diesen Abend. Statt dessen zeigten mir die sichernden Häupter des verbliebenen Rudels, dass nochmals Zuwachs im Anmarsch war und nun kam mit einem weiteren Stuck Kalb und Spießer angetrollt, gesellten sich zu den anderen.

Endlich, nach über einer Stunde kam Unruhe in die Menge, immer wieder schubste ein Stück das andere auf die Seite und die friedliche Ruhe war dahin. Sammeln zum Abmarsch war angesagt und eins nach dem anderen folgten sie dem spät eingetroffenem Tier wieder zurück in den heimeligen Einstand, würden sich an einem geschützten Platz gemächlich niedertun und in Ruhe wiederkäuen, was sie eben noch in sich hineingemalmt hatten.

Meine Finger waren klamm vom ewigen Schauen durchs Glas und mein Körper ganz steif vor Kälte, doch die Freude über diesen wunderbaren Anblick war größer als der Frost und beglückt und zufrieden verließ ich diesen beschaulichen Ort und fuhr nach Hause. Jagdruhe...
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Kommentare

17.01.2010 17:37 Gungnir
Hallo Oichkatzl, wieder eine sehr schöne Geschichte, aber bei Deinen ganzen Aufzählungen, hast Du vielleicht im Gatter angesessen
Waidmannsheil Gungnir
17.01.2010 20:13 Oichkatzl
Servus Gungnir,
nix Gatter! , jagdruhig's Eck im Revier. Hab's eingestellt, weil manche nicht glauben wollen, dass auch Rotwild sich teilweise an den Menschen gewöhnen kann.
Schade, dass man nachts nicht fotografieren kann, wären klasse Bilder geworden.

Grüße und Waihei
Oichkatzl


17.01.2010 20:17 Spitzbua
Griaste Oichkatzl,
Schön das es Jäger und Jägerinnen gibt, die ihr Herz auftanken können an einen schönen Anblick in der Natur. Gibt nicht viele davon. Wünsche Dir noch viele solcher Anblicke.
Danke und WMH
vom Spitzbua
17.01.2010 22:10 Oichkatzl
Servus Spitzbua,
weisst du, ich hätt ja dringend nen Hirscherl gebraucht, aber diese Idylle konnt und wollt ich einfach ned zerstören. Manchmal glaub ich, die Tiere da draussen merken, ob man ihnen ans Leder will oder ned.

Grüße und Waihei
Oichkatzl
18.01.2010 19:39 Friesenjaeger
Moin Oichkatzl,
so anschaulich wie du schreibst kann man sich die Szenerie lebhaft vorstellen - fast, als wäre man dabeigewesen. Wer weiß, wen du schon alles mit deinem "Hirscherl-Streicheln" angesteckt hast...
Gruß vom Friesenjäger
19.01.2010 13:49 Wisent
Servus Katzl,

meine "Vorredner" haben alles schon zutreffend gesagt, schade, dass ich erst jetzt hier reingeschaut habe.
Herrliche Geschichte, Du kannst es halt !
Gruß und Waidmannsheil
Wisent
19.01.2010 17:43 Oichkatzl
Friesenjaeger schrieb:
Wer weiß, wen du schon alles mit deinem "Hirscherl-Streicheln" angesteckt hast...

Nix gwiss wois ma niad...
Dir und @Wisent auch viele Grüße
Oichkatzl
26.01.2010 14:11 Dackelbiene
Deine Geschichtchen sind ganz prima geschrieben! Und es kommt mir so bekannt vor - man erstarrt zum Eiszapfen oder kommt erst sonstwann die Nacht nach Hause, nur um die Ruhe und das Wild nicht zu stören!

Sabine
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