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Sauennacht

(12 Einträge)

Vorfreude... Pause... den nimmt uns keiner mehr weg...!!!
789 mal angesehen
14.01.2010, 11.00 Uhr

Und es geht doch...

Und es geht doch…

Was wäre Jagd ohne Vorfreude? Und Vorfreude – nahezu kaum noch beherrschbare – war es auch, die mich den ganzen Tag bei Laune hielt. Mittags hatte ich kurz die Kirrung am See kontrolliert – ein Bombeneinschlag hat wohl ähnliche Folgen wie die Aktivitäten meiner Lieblingsrotte in der letzten Nacht.

Diese Rotte mit ihrer erfahrenen Leitbache hat bei mir alle jagdlichen Gefühlswelten offenbart, die einem Jägerherz entspringen können. Sie sorgte für mehr Adrenalinstöße als mein Job mir in den letzten zehn Jahren hätte bringen können (was ehrlich gesagt nicht viel aussagt…). Sie hat mich wieder und wieder zum Narren gehalten. Die Bache hatte ihre Truppe voll im Griff. Dem ungestümen Gehabe der Frischlinge wusste sie effektiv zu begegnen. Sorgte rechtzeitig dafür, dass der jugendliche Leichtsinn nicht zu einer Verringerung der Rottenstärke führte.
Bevor der Schnee kam, war sie immer mal wieder im Grünland unterwegs, aber immer so, dass ich unter dem Sicherheitsaspekt keine Chance hatte, eine Kugel loszuwerden. Isolde (so nannte ich sie irgendwann ehrfurchtsvoll, nachdem sie mich wieder und wieder an der Nase rumführte) war relativ vertraut, wenn im Hintergrund Häuser waren, als wüsste Sie, dass an einen Schuss dann eh nicht zu denken war. Der Wind lief immer so, dass man nicht ungewittert in eine günstige Schussposition kam…
Kurz: Sie war bislang immer einen Tick zu clever für realistische Beuteerwartungen. Und langsam wurde es eine persönliche Angelegenheit zwischen ihr und mir…

Der Schnee änderte einmal mehr das Verhalten der Rotte. Abgesehen vom Einwechseln der Rotte in das Schilf- und Weidendickicht am Freitag vor dem Inselwinterchaos waren die Sauen danach nicht mehr wirklich zu fährten. Sie verharrten hartnäckig im Dickicht, statteten lediglich der altbekannten Kirrstelle einen Besuch ab. Ansonsten erschienen sie nirgendwo am Rande, wechselten auch nicht zum benachbarten Wald.
Ich aktivierte die Kirrung – schon am nächsten Morgen war alles weg. Hinterlassen hatten die Sauen eine Kraterlandschaft. Und diese Kraterlandschaft war heute mein Ziel.
Ich hatte früher als sonst Feierabend gemacht. Wenn die Sauen kommen wollten, musste ich damit rechnen, dass sie sehr zeitig erscheinen könnten. Ihr Tageseinstand liegt keine hundert Meter von der Kirrung entfernt.
Zu Hause hatte ich noch vorgwarnt, nicht vor Mitternacht mit mir zu rechnen. Immerhin sei heute bestes Wetter, ein Einschneien da draußen nicht zu befürchten (was mich meinen letzten Ansitz hier vorzeitig abbrechen ließ). Doch der befahrbare Teil meines Anfahrtweges endete entgegen meinen Erwartungen in der letzten Ortschaft. Der Wind hatte ordentlich aufgefrischt und bereits zu erheblichen Verwehungen geführt.
Meine Befürchtungen, durch den erheblich weiteren Fußmarsch zu spät zu kommen, bestätigten sich glücklicherweise nicht.
Wohl aber hatte der Sturm vom Wochenende meine Kanzeltür in Mitleidenschaft gezogen – sie ließ sich nicht mehr schließen. Statt gemütlichen Ausharrens war also Körperbeherrschung gefragt. Ich richtete mich so gut es ging ein und wartete.

Wie gut, dass ich die Thermosflasche mit Tee mitgenommen habe, das kann bei so einem Ansitz sehr hilfreich sein. Mein Blick wanderte über die vor mir liegende Landschaft, über die Wiese zu meiner Linken, wo sich nichts tat zum Weidengebüsch. Es knackte in den Weiden eigentlich permanent etwas leise vor sich hin. Sauen konnten das aber kaum sein, die hätten mich wohl sonst noch bemerkt. So lehnte ich mich in die windstillste Ecke des Kanzelinnenraumes und gab mich der Ruhe hin, genoss sie in vollen Zügen. `Lass es doch pusten`, waren meine Gedanken. Ich war warm angezogen – etwas zu warm, wie ich nach dem etwas beschwerlichen Weg durch die Schneewehen in den Wiesen feststellen musste. Ich dampfte ganz schön… Aber es war herrlich.
Selbst der Waldkauz aus dem gegenüberliegenden Wald ließ sich nicht sehen. Der kam mich sonst eigentlich immer besuchen. Ich gönnte ihm die Gemütlichkeit seiner Höhle und lehnte mich zurück, bis ich rechts von mir das aufgeregte Schimpfen der Elsternschlafgemeinschaft zu hören bekam – genau darauf hatte ich gewartet. Die Sauen mussten es sein, die zu dieser Schimpfkanonade führten. Das war typisch und kündigte mir bislang immer das Erscheinen der schwarzen Gesellen an. Wieder und wieder zankten die Elstern, das Konzert näherte sich langsam. Mein Adrenalinspiegel stieg erheblich und intensivst suchte ich die Weidenkante ab.
Ein dunkler Fleck rechts von mir, der sich aus den Weiden in das durch den Schnee niedergedrückte Schilf schob, erregte meine Aufmerksamkeit. Im Fernglas waren es schon drei schwarze Klumpen. Tatsächlich, da bahnte sich eine Rotte langsam und gemächlich den Weg durch das Schilf. Vertraut und in aller Ruhe näherten sich die Sauen der Kirrung. Längst hatte ich das Glas gegen die BBF getauscht und harrte der Dinge, die da kommen mochten. 20 Meter vor der Kirrung stoppte die Rotte. Ein stärkeres Stück löste sich aus der Truppe und zog genau auf mich zu - Isolde blieb also vorsichtig...

Mein Herz raste förmlich, ich ahnte, was jetzt kommen würde. Ich hatte das ja alles schon mal hinter mir. Isolde würde bis zur Kanzel kommen und dort merken, dass ich hier oben sitzen muss… Ich war am Verzweifeln, hätte jetzt aber nicht mal die Waffe in Anschlag bringen wollen, weil ich annahm, sie würde das mitbekommen…
Die Bache hielt nahezu ständig das Haupt witterungssuchend in die Höhe, während sie sich der Kanzel näherte. Der Rest der Truppe verharrte hochkonzentriert an der befohlenen Stelle. Selbst der Wind schien den Atem anzuhalten – kein Lüftchen regte sich.
Jetzt nur nicht bewegen! Alles wäre vorbei. Nicht einmal atmen mochte ich.
Die Bache stand jetzt etwa 10 Meter vor der Kanzel, sicherte und stand erstarrt. Mein Arm wurde lahm, unendliche Sekunden verharrte sie hier. Sekunden, die meinen Armen zu zähen Minuten wurden…
Aber die Bache kam nicht näher, wendete langsam und zog zur Rotte zurück. Sie wirkte jetzt entspannt. Alles entspannte sich, die Frischlinge spurteten zur Kirrung. Die drei Beibachen folgten, nur die Leitbache blieb im Schilf.
Im Zielfernrohr beobachtete ich das Treiben an der Kirrung. Die Frischlinge standen permanent in einer Traube und durchstöberten das liegende Gras nach dem eingestreuten Mais. Kaum dass ein Frischling an den Rand der Truppe kam, drängelte er sich wieder in die Mitte. Ich bekam einfach keinen Frischling frei. Auch die Beibachen schienen beinahe Körperkontakt zu suchen. Nur die Leitbache stand abseits, beobachtete das Treiben, sicherte immer wieder einmal, blieb aber entspannt.
Endlich sonderte sich ein Frischling etwas ab, suchte neben der Rotte nach Fraß. Sekunden später beendete die Kugel meiner BBF das Treiben an der Kirrung. Die Rotte verschwand wieder in dem Schilf-Weidensickicht. Der beschossene Frischling aber hatte den Knall kaum mehr gehört…

Die Erleichterung darüber, dass das Stück im Feuer blieb, ist unbeschreiblich. Alle Zweifel über Waffe und eigenes Vermögen relativierten sich in Sekundenbruchteilen. Freude kam auf und ich genoss das Sitzen in der zugigen Kanzel, ließ das Erlebte Revue passieren. Es wäre ja noch relativ leicht gewesen, einer marodierenden Frischlingsrotte eine Wutz abzuluchsen. Aber dieser Bache einen Frischling abzutrotzen, das war für mich was Besonderes, wohl wissend, dass mir das sicher nicht ein zweites Mal mit dieser Taktik gelingen wird…

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Kommentare

14.01.2010 11:03 Wachtelhund
Klasse geschrieben, klasse Erlebnis!

Auch hier nochmal Weidmannsheil!

Gruß
Jens
14.01.2010 11:12 Albjaeger
Moin Anser,
PERFEKT!! (genial geschrieben und erlebt!)

Ein herzlichstes Waidmannsheil von der Alb
Weiter so!!
(Leider nur 5 Punkte möglich )
Waihai Albi
14.01.2010 12:15 ssquat
Ja, das ist Saujagd mit allen Höhen und Tiefen, mit nervenflatterndem Bangen und erlösendem Erfolg. Wie ich das kenne - ich kann Dir nachfühlen, Du glaubst nicht wie! Isolden gibt es überall!!!
14.01.2010 12:23 platzi
Weidmannsheil auch von mir.
Sehr schön zu lesen, man fiebert mit.
Bleib dran an Siolde un deren Truppe!

Weidmannsheil
Diether
14.01.2010 12:24 BayernFlo
Waidmannsheil!! Sehr schön erzählt.
Schwarzwildjagd muss schon etwas Besonderes sein!!
VG,
Flo
14.01.2010 12:27 illupo
Schliesse mich an vorschreiber an!!!
*****auch von mir.
Waidmannsheil
14.01.2010 12:42 Dackelbiene
Weidmannsheil!
Von dieser Bache bekommst du so schnell keinen der kleinen Lieblinge wieder, da kannst du dir sicher sein. Aber so ein Schweinchen wiegt jagdlich mehr als 3 dusselige Überläufer!
Viele Grüsse
Sabine
14.01.2010 13:21 Keiler
Sauenjagd wie sie Freude macht!
Und noch einer den das "Sauenfieber" erwischt hat.
Deine Erzählung und Erlebnis ruft Erinnerungen wacht! Danke dafür!
Und natürlich ein dickes Waidmannsheil und 5*

vom Keiler
14.01.2010 13:30 schaaal
weidmannsheil!

ich sitz noch eine halbe stunde in der arbeit - dann gehts heim, umziehen - und raus zu den schweinen...

hoffe es wird nur halb so spannend wie bei dir! klasse erzählt!!!

*****
14.01.2010 13:33 anser
ssquat schrieb:
Ja, das ist Saujagd mit allen Höhen und Tiefen, mit nervenflatterndem Bangen und erlösendem Erfolg. Wie ich das kenne - ich kann Dir nachfühlen, Du glaubst nicht wie! Isolden gibt es überall!!!



Was das Schöne bei der Sache ist: Diese propere Frischlingsbache war nicht beschlagen - bei knapp 30 kg durchaus erfreulich...
14.01.2010 13:34 anser
platzi schrieb:
Weidmannsheil auch von mir.

Sehr schön zu lesen, man fiebert mit.

Bleib dran an Siolde un deren Truppe!



Weidmannsheil

Diether



Weidmanns Dank Dieter,

ich bleib dran: sie stecken noch im Weiden-Schilf-Dickicht... Da geht hoffentlich noch mal was...

Gruß
anser
14.01.2010 13:36 anser
BayernFlo schrieb:
Waidmannsheil!! Sehr schön erzählt.

Schwarzwildjagd muss schon etwas Besonderes sein!!

VG,

Flo


Weidmanns Dank Flo,

Sauenjagd ist definiv was Besonderes - ich möchte es nicht missen und ziehe einen Frischling einem kapitalen Rothirsch immer noch vor...

Gruß von der Insel
anser
14.01.2010 14:58 Zausel
anser schrieb:
Weidmanns Dank Flo,



Sauenjagd ist definiv was Besonderes - ich möchte es nicht missen und ziehe einen Frischling einem kapitalen Rothirsch immer noch vor...



Gruß von der Insel

anser


Ganz in meinem Sinn Deine Worte,
nochmals kräftiges Waidmannsheil.
Fünf Punkte.Ho-Rü-Ho
Georg
15.01.2010 07:37 SauerlaenderJung
Sehr schöne Geschichte, Weidmannsheil zur Wutz, spannend erzählt wie eh und jeh!

5 *, den 6ten gibts, wenn du mir verätst was du für eine BBF führst.

Gruss aus dem Sauerland!
15.01.2010 07:41 anser
SauerlaenderJung schrieb:
Sehr schöne Geschichte, Weidmannsheil zur Wutz, spannend erzählt wie eh und jeh!



5 *, den 6ten gibts, wenn du mir verätst was du für eine BBF führst.



Gruss aus dem Sauerland!


Moin!

Und Weidmanns Dank!

Kettner BBF 7x65, 12/70. Die Büchsenpatronen stopft mein Brüderchen selbst...

Und nu her mit dem 6. !!!

Gruß von der Insel
anser
15.01.2010 09:26 marcusklc
Toll geschrieben Waidmannsheil
15.01.2010 10:09 luke
waidmannsheil zum frischling.

gekonnt geschrieben,das hat seltenheitswert

freu mich was neues von dir zu lesen

gruß,lukas
15.01.2010 16:36 Hirschmann
Ein herzliches Weidmannsheil auf die Insel!

Weiter so (jagen und schreiben)!

Gruß
HM
16.01.2010 00:23 Isegrim
Tolles Erlebnis und super beschrieben
Wmh zum Frischling nachträglich. Vom Wildbret her gibts nichts Besseres als Wutze um die 30 kg
Gruß Wilfried *****
25.01.2010 10:03 swinging_elvis
Klasse Erlebnis. Dass ich das jetzt erst lese...
Da soll mal einer sagen, die Jagd an der Kirrung ist einfach hinsetzen, warten und bumm.
Habe da auch schon so manche schlaue "Persönlichkeit" getroffen
Waidmannsheil und Waidmannsgruß, elvis
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