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Bock von heute Morgen
400 mal angesehen
11.01.2010, 21.42 Uhr

Der Bock im Frauenhaus

Während der Blattzeit 2009, genauer gesagt Anfang August, klingelte eines Freitagsfrüh der Wecker sehr zeitig. Es war eine recht klare Nacht und ich wollte auf Ansitz raus, denn vielleicht würde sich ja wieder mal ein passender Bock zeigen. Also schnell auf, Anziehen, Sachen packen und ab gehts. Zum Glück habe ich nicht sehr weit ins Revier, so dass ich fünf Minuten später schon den Motor wieder abstellte. Ich wollte auf die Eichenleiter im Frauenhaus. Das ist ein Hang, nördlich einer Staatsstraße die durchs Revier führt. Am oberen Ende des Buckels zieht sich ein kleines Wäldchen am Hang entlang. Dort steht am Ende eines Wegs der direkt von der Straße rauf kommt eine Leiter. Sitzt man, so hatte man hier links von der Leiter einen große Kleegraswiese umrahmt von Mais und Gerste sowie rechts des Sitzes ebenfalls Mais. Die Wiese aber ist wie ein magischer Punkt für die Rehe hier. Jeden Abend sah man mindestens 10 Stück Wild, doch immer nur weibliche Stücke, nie zeigte sich ein Bock. Der letzte Bock der hier erlegt wurde liegt bereits 4 Jahre zurück. Deshalb hatte der Fleck hier den Namen Frauenhaus erhalten. Aber ich war mir sicher, dass hier ein Bock ziehen musste. Für den wäre es ja das reinste Schlaraffenland, nur Frauen und keine Nebenbuhler!

Es war noch stockdunkel als ich auf der Leiter saß, und so ruhte ich noch ein wenig in mir, bis sich langsam die ersten Vorboten des Tages zeigten und man die Wiese einigermaßen überblicken konnte. Als das Licht und der Dunst über der Wiese immer mehr preis gab, erkannte ich auf der Wiese in ca. 150 m Entfernung drei Rehkörper. Ich nahm das Doppelglas und betrachtete sie mir. Zwei Ricken und was das Dritte war, konnte ich noch nicht erkennen, da es von einer Ricke verdeckt wurde. Ich wollte gerade wieder das Glas absetzen und noch warten, da hob das Dritte Stück sein Haupt und mich durchfuhr es wie ein Blitz! Tatsächlich, ein Bock! Und eigentlich gar kein so schlechter dazu!

Der Bock genoss offensichtlich die Ungestörtheit hier sehr. Gemächlich begann er, eine Ricke zu treiben, immer wieder unterbroche von kurzen Äsungspausen der Ricke. Er trieb und trieb immer wieder, die ganze Wiese kamen die Beiden ab, während die andere Ricke zum Zuschauen verdammt wurde! Nach einiger Zeit kam der Bock an sein Ziel und er Beschlug die Ricke. Was für ein Schauspiel der Natur, vor einem wahnsinns Sonnenaufgang auf einer dunstigen Sommerwiese solch eine Szene beobachten zu können war einfach wunderschön. Fast hatte ich schon vergessen weswegen ich eigentlich hier war, lehnte doch die kleine Büchse immer noch neben mir.

Ich nahm diese dann langsam hoch und richtete mich ein, den Bock wollte ich haben. Als ich ihn ins Absehen bekam gab er jedoch wieder Gas. Nun war die andere Ricke an der Reihe, das Schauspiel begann von Neuem. Doch auch hier kam er schließlich an sein Ziel. Außer Atem stand er dann da und beruhigte sich schön langsam wieder und zog etwas weg von den beiden Ricken. Erst jetz fiel mir auf, dass der Bock leicht humpelte. Aber er hatte seine Schuldigkeit getan, für Nachkommen wohl gesorgt hier. Als er sich breit stellte ereilte ihn auf ca. 50m die Kugel und er lag sofort im Feuer.

Ich setzte die Waffe ab und musste tief durchatmen. Der Schussknall hatte die herliche Stimmung hier zerrissen. Die beiden Ricken waren weg. Und es kehrte wieder Ruhe ein. Mich schüttelte es vor Jagdfieber und ich konnte das soeben Erlebte noch gar nicht richtig fassen. Eine Zigarette half mir mich zu beruhigen.

Nach einiger Zeit baumte ich ab und ging zum Bock. Da lag er, ein Sechser bei dem an der rechten Stange die Vordersprosse abgebrochen war. Beide Vorderschalen waren etwas stark ausgewachsen, was wohl die Erklärung für das kaum wahrnehmbare Humpeln war.

Ich setzte mich neben meinen Bock in die Wiese und genoss noch ein Weilchen den herrlichen Morgen.

Unsere Natur ist einfach, lapidar gesagt, geil. Solche Erlebnisse sind es, die mich immer wieder raus treiben. Einfach sitzen und beobachten, denn die Natur hat dir immer etwas zu bieten, du musst nur hinschauen. Ob dabei dann ein Schuss fällt oder nicht, ist da ganz oft schon sekundär.

Waidmannsheil!
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Niederbayer

Niederbayer

Alter: 33 Jahre,
aus gesprochen gesetzesaffin
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Kommentare

11.01.2010 21:56 Lakai
Waidmannsheil zum Bock und zur Geschichte.
Deine Einstellung gefällt mir, respekt!

Gruß
11.01.2010 22:59 SauerlaenderJung
Wunderbare Geschichte, wie live dabei sein, und wie mein Vorredner schon sagte, die Einstellung gefällt mir, nicht zu übertrieben, aber auch mit Sinn, Herz und Verstand! Weidmannsheil zum Guten!
12.01.2010 08:52 Niederbayer
Waidmannsdank euch beiden!
12.01.2010 11:53 Spitzbua
Weidmannsheil zum braven Bock. Du hast als Jaga das Herz am rechtn Fleck.
Gefällt mir das Dich no a weng hingsetzt hoast zum Bock. Schön gschrieben 5 P
Weidmannsheil vomSpitzbua
12.01.2010 23:03 Schnick09
Waidmannsheil zum Bock
eine wunderbare Geschichte
die ruhe da bei das macht die Jagd aus die einstellung Gefelt mir auf jeden fall
das sind auf jeden fall 5Punkte

Gruß Schnick09
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