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Sauennacht

(12 Einträge)

429 mal angesehen
14.12.2009, 08.24 Uhr

Enttäuschung und Zweifel...

Meine Herren, was war das bloß wieder für ein Abend...!

Seit Wochen veralbert mich diese Bache. Sie ist einfach zu clever, hatte zwei, drei Begegnungen mit mir, bei denen ich mich zu dusselig angestellt hatte und wusste nun so was von Bescheid...
Wo ich mit Pirschen in diesem eng begrenzten Gelände nicht mehr weiterkam, Ansitze immer in´s Leere liefen, entschloss ich mich mal wieder, zu kirren. Ja eigentlich hatte ich dieser Methode so ziemlich abgeschworen. Hoher Materialeinsatz, zu geringer Erfolg. Ich wollte einfach nicht mehr. Aber hier bei ihr, da war es nun anders. Ich hatte da mal so einen Spruch gehört, von wegen Prophet und Berg und so... Und da ich als Prophet ganz offensichtlich nicht in der Lage war, zum Berg zu gehen, musst eben der die Bache zu mir kommen... Und so also doch mal wieder Kirrung.

Es dauerte gar nicht soooo lange, bis die Kirrung angenommen war. Der Standort schien den Sauen ja noch bekannt zu sein. Das deutete ebenfalls auf eine ältere Leitbache, die schon den einen oder anderen Winter durch meinen Revierteil zog. Und so schielte sie mit ihrer Truppe offensichtlich auch in regelmäßigen Abständen am Kirrplatz vorbei, das aber immer dann, wenn der Wind für einen Kanzelansitz zu blöde stand – man konnte es genau verfolgen.
Nachdem aber nun gestern die Kirrung wieder komplett umgedreht wurde (obwohl sie mich gerade erst vor einer Woche ebenfalls veralbert hat auf meiner Kanzel), beschloss ich `heute geht’s hin`. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, auch wenn der Wind für mich sehr gut stand, was wieder gegen einen Besuch der Rotte sprach.
Um halb sieben schloss ich die Kanzeltür, richtete mich ein, öffnete das Kanzelfenster und warf eine ersten Blick auf die Kirrung – und erschrak... Das stand ein Stück Schwarzwild! Das Herz schlug mir zum Halse hoch, ich hob das Fernglas und sprach einen Keiler an, mittelalt vielleicht...oder doch nur ein stärkerer Überläuferkeiler...???? Ich war mir nicht sicher. Aber wie auch immer, jetzt würde ich keinen Keiler schießen, da war ich mir sehr sicher...
Eine geschlagene dreiviertel Stunde beschäftigte er sich an der Kirrung, also wohl doch eher ein Überläuferkeiler (ein älterer hätte jetzt wohl mehr mit den Bachen zu tun). Ich war schon versucht, ihn zu vergrämen, beschloss aber doch, noch eine Weile zu beobachten. Man kann ja nur lernen dabei...
Schließlich schrak er auf und verschwand eilig im direkt angrenzenden Schilf.

Bei der Ausdauer, die der Junge hier an den Tag gelegt hatte, war ich mir nicht mehr sicher, dass das in den letzten Tagen ´ne Rotte war, die hier zu Werke gegangen war. Was also tun, Abbaumen und nach Hause fahren? Um 19:20 Uhr...??? Neeeee! Ich blieb, lehnte mich zurück und hoffte auf einen oder zwei Marderhunde, die vielleicht noch Nachlese hielten. Aber es blieb ruhig. Ich leuchtete die benachbarten Wiesen zum Dorf hin ab. Aber die blieben leer. Lediglich Reinecke meldete sich mal von hier, mal von dort.
Ein leises Rascheln ließ mich aufhorchen. Vorsichtshalber hatte ich das Fernglas schon oben und beobachtete genau den Kirrplatz, als sich von rechts ein Schwarzwildhaupt aus dem Schilf schob... Na Keiler, willst den Rest nun auch noch haben was??? Aber nein! Das war ein schwächeres Stück, ein Frischling! Und schon stand ein zweiter Frischling auf der Fläche. Na nun aber schnell Fernglas gegen Waffe getauscht! Schon waren die Frischlinge wieder verschwunden – klar ! Big Mama hatte auch lauthals geschimpft, weil die Frechdachse so eilig aus der Deckung sprangen! Aber lange hielt das nicht vor, schon waren wieder zwei auf der Fläche, ein dritter folgte. Nun aber schnell einen ausgesucht. Das Ziel erfasste ihn und schon ließ der Knall der 7x65 die Bühne wieder verwaisen...

Ich war gut drauf, meinte auch, einen Kugelschlag gehört zu haben. Ein Blick durchs Fernglas aber erbrachte nicht den erhofften Anblick eines verendeten Wildkörpers...
Na gut, warten – 20 Minuten oder so...

Das konnte nicht sein! Ich weiß nicht, wie lange ich schon den Kirrplatz nach dem Anschuss absuchte – ich fand einfach nichts. Na gut, ich schlug einen großen Bogen um den Kirrplatz und suchte die zahlreichen Wechsel nach einer Wundfährte ab – und endlich, da fand ich Schweiß, einen Tropfen. Und etwas weiter noch einen. Und da... ein klitzekleines Stück – Weißes..., weiter konnte ich nichts finden.
Ich war dem Verzweifeln nahe. Das konnte doch nicht sein!!! Ich hatte einen breit stehenden Frischling beschossen, auf 50 Meter. Ich war mir sicher, einen Kugelschlag gehört zu haben. Und dann so was...
Ich brach die Suche ab. Hier konnte nur ein firmer Hund helfen. Die Zeichen waren mir aber so blöd und ich geriet in derart große Zweifel, dass ich beschloss Kiro nicht anzusetzen. Ihm fehlte dafür die Routine. Und da wollte ich nicht Gefahr laufen, die Wundfährte zu zerlatschen.

Mein Jagdfreund sagte mir eine Nachsuche am nächsten Morgen auch gleich zu. Sein Drahthaar verfügt über genügend Erfahrung bei schwierigen Nachsuchen – ein schwacher Trost für die bevorstehende Nacht...
Nach zermürbenden Stunden, in denen man an seinen Fähigkeiten zweifelt, überlegt, ob die Waffe und die Optik vielleicht bei irgend einer Gelegenheit gelitten haben, standen wir am Anschuss. Und hier zeigte sich: Ich hatte mich am Abend richtig vertan. Die Entfernung zum Stück hatte ich überschätzt. So standen vor dem Stück zum Zeitpunkt des Schusses ein paar Schilfhalme, die ich nicht erkannte. Ganz offensichtlich hatten die das Geschoss soweit abgelenkt, dass es den Frischling tatsächlich nur streifte. Wir fanden nur ein wenig Schnitthaar – keinen Schweiß, ein kleines Stück aus der Oberschicht der Schwarte. Die Fluchtfährte bis zum von mir gefundenen Schweiß war ohne weiteren Schweiß... Auch die Arbeit des Hundes blieb erfolglos. Das Stück blieb bei der Rotte, kein Wundbett....

Es ist so deprimierend, ein Stück zu beschießen, dass zumindest nicht ungeschoren davon kommt, aber dann das Stück nicht zu finden. Und auch wenn man irgendwann vom erfahrenen Nachsuchenführer gesagt bekommt, dass das Stück ganz offensichtlich nicht so getroffen wurde, dass es nachhaltig Schaden genommen hat – Zweifel bleiben. Tagelang überlegt man, was man verkehrt gemacht hat, hofft, dass das Stück nicht doch irgendwo leidet, abkommt und schließlich verendet... Nein – das ist wahrlich kein guter Jagdabend gewesen, so was will ich nicht wieder erleben...

Nachtrag:
Ich habe in den nächsten Tagen gezielt nach Ansammlungen von Kolkraben gesucht – nichts. Das stärkt in mir die Hoffnung, dass der Frischling die Aktion nahezu unbeschadet überstand. Aber wie gesagt – Zweifel bleiben und nagen.
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Kommentare

14.12.2009 10:14 Keiler
Klasse Beitrag - ist mir auch schon passiert, aufgrund der nervl. Anspannung direkt bei Schußabgabe die Augen geschlossen und so "gemuckt" und unten Streifschuß. Anschließend könnte man sich vor Wut in den eigenen Hintern treten.
Besonders beim Glauben jetzt leicht Beute zu machen.
Schön und absolut richtig halte dein vorher "Beobachten" der Sauen - nur so lernst du sie kennen. Es ist als würde man Partisanen jagen und kann oft nicht glauben das es "nur" Tiere sind die da so clever reagieren!
5*

Waidmannsheil und Grüße
Keiler
14.12.2009 12:26 anser
Keiler schrieb:
Klasse Beitrag - ist mir auch schon passiert, aufgrund der nervl. Anspannung direkt bei Schußabgabe die Augen geschlossen und so "gemuckt" und unten Streifschuß. Anschließend könnte man sich vor Wut in den eigenen Hintern treten.

Besonders beim Glauben jetzt leicht Beute zu machen.

Schön und absolut richtig halte dein vorher "Beobachten" der Sauen - nur so lernst du sie kennen. Es ist als würde man Partisanen jagen und kann oft nicht glauben das es "nur" Tiere sind die da so clever reagieren!

5*



Waidmannsheil und Grüße

Keiler



Diesmal war es schon ein wenig anders: während ich sonst unmittelbar nach dem Schuss schon mal denke "Scheibenkleister, verrissen...", war ich mir diesmal eigentlich wirklich sicher, eben nicht verrissen zu haben. Am nächsten Morgen bestätigte sich ja die Halm-Geschichte, nachdem ich den Anschuss fand.
Letztlich aber ist´s völlig wurscht, das Stück lag nicht, die Unklarheit über sein Schicksal bleibt. Trotz der aufmunternden Worte meines Mitjägers...

Gruß und Weidmanns Heil
anser
14.12.2009 12:37 Keiler
anser schrieb:
Diesmal war es schon ein wenig anders

Gruß und Weidmanns Heil
anser


OK, schon klar, hab mich etwas unglücklich ausgedrückt. Bei dir Hindernisse in der Flugbahn - bei mir mucken. Im Ergebnis das gleiche!

Grüße Keiler
14.12.2009 19:28 Galloway
Auch dir zoll ich meinen Respekt !
Es gehört, wie an anderer Stelle auch schon erwähnt, Rückrat dazu einen Fehlschuß, wenn er denn als solcher bezeichnet werden soll, in einem öffentlichen Forum wie diesem zuzugeben!
Das macht nicht jeder...
Respekt Respekt !

Gruß Galloway
15.12.2009 07:22 anser
Galloway schrieb:
Auch dir zoll ich meinen Respekt !

Es gehört, wie an anderer Stelle auch schon erwähnt, Rückrat dazu einen Fehlschuß, wenn er denn als solcher bezeichnet werden soll, in einem öffentlichen Forum wie diesem zuzugeben!

Das macht nicht jeder...

Respekt Respekt !



Gruß Galloway

Danke dir! Aber gerade weil so was eben schlichtweg nicht auszuschließen ist, sollte man auch drüber reden können. Dafür muss niemand seinen Kopf gleich abschlagen lassen. Man lernt dazu, wenn auch zu einem möglicherweise sehr hohen Preis - der Gefahr, dass das Stück sich quält. Das ist ein sehr hoher Preis. Aber wie gesagt - nicht jeder Scghuss sitzt. Wichtiger ist aber, dass man alles versucht, um das Stück zu bekommen...

Und man macht sich nach einem solchen Fehlschuss immer gedanken, was man falsch gemacht hat, damit so was möglichst nicht wieder passiert...

Gruß und Weidmanns Heil
anser
15.12.2009 14:27 Dackelbiene
Hallo Anser, prima Schreibstil - lese ich sehr gern. Man fiebert richtig mit.
Habe vorletzte Woche auch eine Pleite erlebt. Überläufer beschossen - mit Dackel nachgesehen, erst überhaupt nichts gefunden. Nach 50m der erste Schweisstropfen, dann ein Krümel wildpret... Schweiss wurde immer mehr, nachdem er nach 400m noch nicht lag und ich schon ein ordendliches Stück bei den Nachbarn war erstmal abgebrochen. Am nächsten morgen nach Absprache wieder hinterher, das Stück zog ohne Unterbrechung immer weiter, immer weniger Schweiss - nach 2km nur noch alle 100m ein winziger Punkt. Nachdem die Sau durch einen Sumpf gezogen ist, haben wir die Suche abgebrochen - vermute, dass die Sau am Stich gestreift wurde. Hab mich sehr geärgert!
WMH
Sabine
15.12.2009 14:38 anser
Dackelbiene schrieb:
Hallo Anser, prima Schreibstil - lese ich sehr gern. Man fiebert richtig mit.

Habe vorletzte Woche auch eine Pleite erlebt. Überläufer beschossen - mit Dackel nachgesehen, erst überhaupt nichts gefunden. Nach 50m der erste Schweisstropfen, dann ein Krümel wildpret... Schweiss wurde immer mehr, nachdem er nach 400m noch nicht lag und ich schon ein ordendliches Stück bei den Nachbarn war erstmal abgebrochen. Am nächsten morgen nach Absprache wieder hinterher, das Stück zog ohne Unterbrechung immer weiter, immer weniger Schweiss - nach 2km nur noch alle 100m ein winziger Punkt. Nachdem die Sau durch einen Sumpf gezogen ist, haben wir die Suche abgebrochen - vermute, dass die Sau am Stich gestreift wurde. Hab mich sehr geärgert!

WMH

Sabine


Ja so was ist hart. Und keiner kann einem das miese Gefühl, das man dann hat abnehmen. Man kann nur draus lernen. - Ich hab den Platz jetzt erweitert, damit ich sicher sein kann, dass nicht wieder irgendwelche Halme im Weg sind...

Gruß
anser
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