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Sauschwartes Jagd

(6 Einträge)

Schmalreh und Damkalb Schneise rechts Schneise links
782 mal angesehen
09.12.2009, 15.45 Uhr

Die letzte Jagd

2002 machte ich den Jagdschein hauptsächlich aus Interesse an der Natur. Im selben Sommer folgte dann doch der erste Ansitz in einem Weizenfeld in Mecklenburg, mit geliehener Waffe und in Begleitung der Jagdpächterin. Als dann ein Bock in der Ferne auftauchte, und sie mir zuflüsterte: „Wenn er näher kommt, schieß ihn tot!“, habe ich nichts sehnlicher gehofft, als dass er nicht in Schussentfernung auftauchen möge. Er tat mir und sich den Gefallen und blieb am Leben.
Im Jahr darauf kamen einige Ansitze mit inzwischen eigener, vertrauter Waffe in der Heide bei Rotenburg dazu, ein Freund jagte dort bei seinem Onkel. Die Vorgaben waren eng, die Böcke, die kamen, immer falsch, und die Erfahrung fehlte. Aber dann, in der Blattzeit 2004 bei einem aufziehenden Gewitter, konnte ich meinen ersten Bock strecken. Die ersten Blitze zuckten schon, und ich baumte aus meinem Sitz zwischen drei Erlen ab und eilte zum Treffpunkt, um dem Onkel zu berichten. Der drängte ob des Gewitters zur Eile und erklärte nur knapp: „Wenn er zwei ist, ist er falsch.“ Ich hatte Glück, der Zufall wollte es, dass er richtig war: Ein Sechser, gerade Lauscher hoch auf und drei bis vier Jahre alt.
Und nun, 5 Jahre und etliche Rehe und Sauen später, neigt sich das letzte Jagdjahr des Onkels in seinem Revier dem Ende zu. Dort, wo bei mir und meinem Jagdfreund einst die Jagdleidenschaft entfacht wurde, wollten wir noch einmal gemeinsam jagen. Der Onkel hatte uns am letzten Oktoberwochenende eingeladen, und so fanden wir uns am Freitagnachmittag nach Dienstschluss an seiner Jagdhütte ein. Da wir beide sonst wenig Gelegenheit auf Damwild haben, wollten wir einen Revierteil bejagen, in dem die Chancen dafür gut standen.
Die letzte Jagd begann, und bei einbrechender Dunkelheit fiel ein Schuss mit deutlichem Kugelschlag - der Onkel hatte ein Schmalreh gestreckt. Mein Jagdfreund hatte im Gegensatz zu mir Anblick, konnte jedoch kein Schmaltier oder Kalb ganz sicher ansprechen und verkniff sich den Schuss. So ließen wir den Abend bei einem Glas Rotwein ausklingen und setzten unsere Hoffnungen auf den Morgenansitz.
Nach einer kurzen Nacht in einer kleinen Heidepension saßen wir kurz vor 6 Uhr wieder draußen. Mein Freund auf einer Kanzel am Ende einer Schneise, an deren erstem Drittel mein Drückjagdbock stand. Im Morgengrauen kam ein schwacher dunkler Bock, den ich entspannt beobachten konnte, weil er keine Jagdzeit mehr hatte.
Auf einmal krachte es in der Dickung direkt vor mir. Sauen, dachte ich, und machte mich fertig - aber nichts geschah. Die Schneise blieb leer. Mit dem Doppelglas leuchtete ich die Dickung ab - wieder und immer wieder, bis ich 80 m entfernt, rechter Hand, eine Damschaufel ausmachen konnte. Dorthin war der „Poltergeist“, von dem nicht viel mehr als sein Geweih zu sehen war, also gezogen. Immer wieder sah ich zu ihm hinüber, aber er rührte sich nicht.
Doch dann stand da plötzlich, ganz in seiner Nähe, ein Alttier und sicherte die Schneise. Sofort machte ich mich fertig, in der Hoffnung, das Kalb auch noch in Anblick zu bekommen. In diesem Moment wechselte das Alttier auch schon über die Schneise, schräg auf mich zu. Auch der Schaufler brach aus der Dickung, gefolgt von einem Schmaltier. Ich hatte ein Kalb erwartet, aber dafür war das Stück, das ich nun spitz im Glas hatte, zu stark. Verwirrt ließ ich es unter den Augen meines Jagdfreundes ziehen. Wenig später kam eine SMS von ihm: „Du auch Schusshemmung?“ Ja, beim Onkel wollten wir auf Nummer sicher gehen, die letzte Jagd in guter Erinnerung behalten, und wenn es ohne Beute sein sollte.
Er selbst war erneut erfolgreich gewesen und hatte ein Damkalb geschossen.
Am Vormittag gingen wir traditionell mit der Flinte los. Zwei Jäger aus dem Ort und ein Weimeraner - Bessie, der Hund des Onkels, war im letzten Jahr gestorben - begleiteten uns. Danach, während der Onkel noch seinen Mittagsschlaf hielt, fuhren wir schon wieder raus, um unsere letzte Chance zu nutzen.
Diesmal tauschten wir die Sitze. Ich konnte die gesamte Schneise einsehen und ahnen, wo in 500 m Entfernung in der Dickung mein Sitz von heute morgen stand und nun mein Jagdfreund saß.
Die Sonne wanderte und stand schon tief, während ich innerlich schmunzelnd an den Morgen denken musste. Nichts regte sich, weder auf dem Acker auf der einen Seite noch auf der Schneise hinter mir. Da geschah das Unglaubliche, die morgendliche Szene wiederholte sich. Schaufler und Alttier wechselten bei meinem Freund über die Schneise, und das Schmaltier folgte und verhoffte mitten auf der Schneise. Es stand breit, und endlos vergingen die Sekunden, bis - kein Schuss fiel und das Stück ruhig weiterzog. Ich war fassungslos. Das hatte schon nichts mehr mit Schusshemmung zu tun. Sofort fragte ich per SMS an: „Was ist mit dir los?“ und bekam die knappe Antwort: „Spießer.“ Die hatte der Onkel nur mit Einschränkungen freigegeben, und später erfuhr ich, dass er ein Grenzfall gewesen wäre.
Der Onkel hatte im Übrigen wenig Verständnis für unsere „Schusshemmungen“, und die allgemein gute Stimmung war nur seinem eigenen Jagderfolg geschuldet.
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Sauschwarte

Sauschwarte

Alter: 54 Jahre,
aus Hannover
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Kommentare

09.12.2009 18:05 Helmuto
Schöner Beitrag!
Es gibt sie noch die Jäger mit Seele und Gewissen!!
Helmut
09.12.2009 20:33 swinging_elvis
Kann Helmuto nur zustimmen. Eine feine Geschichte, die von Verbundenheit zu Scholle und Wild erzählt. Da kann man den behutsamen Umgang sehr gut verstehen.
Waidmannsheil auf allen Wegen, elvis
11.12.2009 09:01 Sauschwarte
Vielen Dank Helmut und Elvis und allzeit Waidmannsheil Sebastian
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