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Jagd in Finnland

Auf Elch und Birkwild (9 Einträge)

Weißwedeljagd 2009 Weißwedeljagd 2009 Weißwedeljagd 2009
311 mal angesehen
02.12.2009, 22.43 Uhr

Neue Welt – Weißwedeljagd

Und schon wieder – unverhofft kommt oft! Urplötzlich, aber natürlich nicht ganz ohne mein Zutun, hatte ich ein Angebot erhalten, ganz in der Nähe auf Weißwedelwild zu jagen. Ob der guten Bedingungen mit nahezu Vollmond und natürlich grundsätzlich der Möglichkeit, diese Jagdart einmal kennenzulernen, sagte ich spontan zu.

Diese eigentlich Amerikanische Wildart wurde in den 50er Jahren in der Nähe von Tampere ausgesetzt und hat sich von dort aus stetig verbreitet. Die Jagd auf dieses Wild, was in seiner Größe mit dem Dam- oder Sikawild zu vergleichen ist, findet ähnlich der Deutschen Kirrjagd auf Sauen statt. Vornehmlich bei Schnee, bestenfalls mit gutem Mond, wird in den Abendstunden und der Nacht an einer offenen Stelle in einer Kanzel angesessen und das Wild mittels „Kirrgut“ angelockt, wobei die Kirrverordnung hier sicher nicht greift.

All diese Gedanken im Kopf machte ich mich gegen Mittag auf Richtung Helsinki. Dabei hatte ich soeben noch einige kleine Schwierigkeiten überwunden, denn die Nacht war von berufswegen sehr kurz gewesen und mit dem Flug war mein Repetierer nicht angekommen. Sehr ärgerlich, aber das kommt bei Finnair schon einmal vor. Glücklich konnte ich jedoch am heutigen Mittag die „Nachlieferung“ in Empfang nehmen. Ein weiteres Glück war, dass ich das Navi eines Freundes ausgeliehen hatte. Das erleichterte das „sichere“ Fahren und Auffinden der Örtlichkeit erheblich. Gegen 14:00 erreichte ich unseren Treffpunkt und wurde von den Finnischen Jägern an der Jagdhütte überschwänglich begrüßt. Gleich hieß es aber, aus den zivilen in die jagdlichen Klamotten zu steigen, schnell den Repetierer zusammengesetzt und fertig war ich. Schon saß ich wieder im Auto und folgte meinem Freund und einem örtlichen Finnen durch die recht graue und trostlose Finnische Landschaft. Nach ca. 2km erreichten wir einen Waldweg, der nach 300m auf eine offene Wiesenfläche führte, an der eine niedrige Kanzel stand. Zu meinem Erstaunen lagen auf der anderen Seite einige Holzhütten hinter einem weißen Zaun. Diese wurden mir allerdings als unbewohnt versichert, ein Schießen in diese Richtung verbot sich aber sowieso. Die niedrige hintere Tür von gerade einmal 1,20m Höhe öffnend lächelte mir Markus entgegen und meinte: „Your new residence!“. Erlegt werden durfte Hirsch, Tier oder Kalb. Führende Tiere waren natürlich zu schonen. Mit einem letzten Gruß bestiegen meine Freunde die Autos und entschwanden zu ihren eigenen Ansitzplätzen.

Langsam kroch ich in die auch sehr niedrig (ca. 1,40m) gebaute Kiste. Die Sitzbank bestand aus einem dicken Brett, auf dem platt gesessenes Polystyrol lag, welches leiser war als erwartet. Überhaupt war die Kiste vollständig mit diesem Stoff sowie Teppich und sonstigen Stofffetzen ausgekleidet. Dies einschließlich der vorderen Schießscharte, die mit vielleicht 15cm Höhe ihrem Namen alle Ehre machte, gereichte sicher zum Vorteil bei bitterer Winterkälte und der gerade einmal 30m entfernten Kirrung. Was diese betraf würden sicher nun einige Deutsche Jäger angesichts Wildsauen-„Kirrungs“-Skandalen die Nase rümpfen. Ich machte es mir aber trotz all dieser ungewohnten und neuen Umstände bequem und richtete mich ein.
Linkerhand lag ein großer Kahlschlag, an den ein Fichtenhochwald grenzte. Von dort erwartete ich vorrangig das Wild. Vorne lagen besagte Hütten und nach rechts grenzte ebenfalls Wald an die Wiese. Dort lag auf vielleicht 150m eine weitere Hütte, in deren Fenster ich nun Licht glimmen sah. Meine SMS darauf erhielt aber ebenfalls Antwort, dass dies alles in Ordnung sei. Naja, in Deutschland werden die Sauen auch gleich an den Gehöften geschossen… und die Bauern freut’s!

Recht früh wird es jetzt gegen Anfang Dezember schon dunkel in Finnland, vor allem bei dem zur Zeit bedeckten Himmel, so begann es gegen 16:00 schon zu dämmern und um 17:00 war es dunkel. Den Kirrhaufen aus Mohrrüben sowie das gestreute Getreide konnte ich aber trotz fehlenden Schnees noch gut erkennen. Immer wieder machte ich, wie zu Hause, Anschlagübungen, legte mir das Gewehr passend, prüfte den Rotpunkt der Optik… es konnte losgehen!
Aber auch in Finnland kommt das Wild nicht jeden Tag und somit richtete ich mich auf längeres warten ein. Aufrecht an die Rückwand gelehnt genoss ich die absolute Stille und schloss dabei die Augen, denn sehen konnte ich in dieser Position die Kirrung aufgrund des niedrigen Schlitzes nicht. Nur ganz selten vermeinte man ein leises Knacken zu vernehmen. Viel mehr lauschte man auf die Geräusche seines eigenen Körpers (nein, nicht was ihr schon wieder denkt!!!)
Viertel nach fünf schreckte ich hoch. Ein Schuss fiel im Dunklen der Nacht. Allerdings war auch nahezu Vollmond und der erneute Blick durchs variable 56-er zeigte ausreichende Sicht. Vielleicht würde mir ja auch was kommen. Entspannt lehnte ich mich wieder zurück, schloss die Augen und… vernahm ein leises Geräusch…
Zunächst vermutete ich eine Maus oder ein Grummeln im Magen. Dann aber hörte ich es wieder, beugte mich nach vorne, konnte aber zunächst nichts entdecken. Doch, da, etwas bewegte sich. Langsam das achtfache Glas hebend hatte ich es auch schon voll drin: ein weibliches Weißwedel, also ein Tier. Meiner unfachmännischen Meinung nach konnte dies kein Kalb sein, das meinte ich am Körperbau trotz der dicken Winterdecke zu erkennen. Ja, was nun? Erst mal beobachten. Vielleicht steht ja ein Kalb in der Nähe. Den Hals verrenkend suchte ich mehrmals die Umgebung ab, konnte aber nichts weiter feststellen. Nach einem kurzen Körnermahl äste sich das Tier anschließend an den Möhren. Jetzt war das Knuspern und Knausern schon deutlicher zu hören und erinnerte mich an unsere Sauen, die das Schweinegold immer so genussvoll mahlten, dass man es bei Windstille auf dem Sitz hören konnte.
Ein interessantes Wild, graue Decke, weiße Bauchseite und einen schwarz eingerahmten Wedel, an dem leicht die entspannte Stimmung des Stücks abzulesen war. Nur in Zeitlupe und mit äußerster Vorsicht bewegte ich mich, trotzdem äugte das Tier einige male direkt – so meinte ich – in meine Kanzel. Jetzt wollte ich es aber auch einmal mit der Büchse ausprobieren. Ja, auch so ging es. Die Decke tarnte schon deutlich besser als die schwarze Schwarte unseres wehrhaften Wildes, aber es würde funktionieren. Erneut setzte ich ab und sondierte die Umgebung, denn einige male sicherte meine Beute in spe auch auf den links liegenden Kahlschlag. Entdecken konnte ich nichts, und so nahm ich das Stück wieder ins Visier. Natürlich musste es unter den Umständen ein absoluter Küchenschuss werden, dass war auch klar, denn den Finnen ist das Fleisch bedeutend wichtiger als zum Beispiel die Trophäe.
Aber noch stand es nicht absolut breit. Plötzlich, nach erneutem kurzen Sichern wendete das Stück und zog langsam nach links spitz von mir weg. Erstaunt bemerkte ich in der Optik, wie schnell mit der nur langsam größer werdenden Entfernung der Kontrast wich und ein Schießen unmöglich wurde. Mich verdross es aber nicht. Der Abend war noch jung, und somit lehnte ich mich wieder zurück und begann, ein wenig zu dösen.
Vielleicht dreiviertel Stunde später lugte ich mal wieder aus meinem Versteck, um mir den Wind ins Gesicht hauchen zu lassen, als ich von weiter hinten einen Schatten auf die Kirrstelle zuwechseln sah. Ja, dort näherte sich erneut ein Stück und zwar wieder ein weibliches. Ob es das selbe war wie soeben? Erneut versuchte ich festzustellen, ob es in Begleitung war, aber es blieb allein. So galt es also nach weiteren zehn Minuten zu Schuss zu kommen. Gehörschutz drauf und langsam wanderte das Absehen vier hinters Blatt. Der Leuchtpunkt saugte sich fest und gleichmäßig ließ ich den Drückefinger kommen.
Im Knall machte das Tier einen riesigen Bocksprung,… und ging wie eine Rakete nach links ab, mich erstaunt zurück lassend… Schnell schraubte ich die Verstärkung des aktiven Gehörschutzes hoch… konnte aber nichts mehr vernehmen… keine trampelnden Schalen, kein Schlegeln, nichts…
Jappend entspannte ich und stellte die Waffe in die Ecke. Mit den Knien zitternd versuchte ich, mir das Geschehene zu vergegenwärtigen. Nein, es musste geklappt haben. Ich war super abgekommen, das Stück hatte absolut ruhig gestanden… eine todsichere Sache.

Langsam räumte ich meine sieben Sachen zusammen und baumte ab, um zunächst einmal den Wagen zur Wiese zu holen. Nach zehn Minuten wieder Vorort griff ich Taschenlampe und Waffe und ging zum Anschuss. Recht schnell fand ich Schweiß, vermischt mit ein wenig Panseninhalt. Doch trotzdem war ich mir meines Kammerschusses sicher. Da, wenige Meter nach links fand ich blasigen Lungenschweiß. Na also. Weiter mit der Nase auf dem Boden vorsuchend konnte ich aber keine Pirschzeichen mehr finden. Das war mir auf Sauen auch schon vorgekommen. Offensichtlich hat sich Weißes und vielleicht ein wenig Pansen in den Ausschuss gesetzt. Nicht zum ersten Mal dachte ich: Und jetzt einen Hund…
Die letzte Stelle markierend wollte ich zunächst einmal einen Blick auf den Kahlschlag werfen. Vielleicht würde ich das verendete Stück ja entdecken. Leider aber war dem nicht so. Also zurück zum Anschuss. Und erstaunlich: nun sah ich auf einmal mehrere Schweißtropfen, die ich wieder einmal im „ersten Wahn“ nicht wahrgenommen hatte. So konnte ich wenige Meter weiter folgen, aber dann verlor sich die Wundfährte wieder. So ein Mist!
An der letzten Fundstelle hatte ich wieder ein Taschentuch ausgelegt und konnte jetzt aufgrund der Verbindung zum ersten feststellen, dass meine vermutete Fluchtrichtung nicht stimmte. Langsam begann ich also, in der neuen Richtung langsam in den Kahlschlag zu stapfen und die Umgebung abzuleuchten. Es war zum verzweifeln. 20m – nichts. 50m – nichts, 100m – ni… Moment! Was war das für ein heller Streifen da rechts. Langsam darauf zuschreitend gewahr ich endlich, dass mein erstes Waidmannsheil auf diese Wildart in Erfüllung gegangen war. Ja, da lag es, in der Flucht verendet. Einschuss hinter Blatt, Ausschuss genau wie vermutet etwas weiter hinten und zugesetzt. Top! Groß war die Freude und so verharrte ich erst einmal eine Weile neben dem Stück, meiner Beute… die ich zunächst nicht teilen wollte. Lange betrachtete ich diese unbekannten Formen, den langen Wedel, die dichte Winterdecke, den recht kurzen Kopf und die großen Lauscher. Mein erstes Stück Weißwedelwild.
Jetzt hieße es aber zurück in die Realität und Ari anrufen, der mir zu Hilfe kommen sollte. Derweil brach ich mittels Ringeln von hinten nach vorne auf, so dass es keine hygienischen Probleme gab. Und da hörte ich auch schon den Wagen und ein mir bis dahin unbekannter Finne kam herbei und gratulierte in gebrochenem Englisch zum Waidmannsheil. Natürlich mussten Fotos gemacht werden, was in der Dunkelheit auch keine Leichtigkeit war, vor allem, wenn man altmodisch durch die Linse schauen soll…
Kurzes Ausschweißen und schon ging es „elchmäßig“ auf eine mitgebrachte Bare und ab Richtung Wiese. Wenig später waren wir wieder an der Hütte, wo das – so meine ich – Schmaltier sogleich aus der Decke geschlagen und die Blätter gelüftet wurden. Danach wanderte es an die Stange neben einem Kalb, welches an diesem Abend ebenfalls erlegt worden war.
Was war das eine Freude, den Jagdkameraden von diesem besonderen ersten Erlebnis zu berichten. Natürlich wurde angestoßen und angeregt die Erlebnisse des Abends ausgetauscht. Froh war die Runde und es tat mir leid, mich wieder verabschieden zu müssen, aber am kommenden Tag musste ich ja wieder arbeiten…

In mondheller Nacht rollte ich dann nach Hause, den Kopf voller Gedanken und die Hände voller Witterung nach Weißwedel…
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swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 45 Jahre,
aus Dubai
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Kommentare

02.12.2009 23:15 SauerlaenderJung
Sehr schöne Geschichte, du hast aber auch immer ein Glück! Weidmannsheil Dir zu deinem Stück Weisswedel, interessante Wildart!

03.12.2009 11:23 platzi
Weidmannsheil zum Wießwedelwild (www)

Wieder gut zu lesen!

Servus

Diether
03.12.2009 12:02 Lakai
Jetzt hast du ja bald die volle Palette finnischen Wildes durch! Waidmannsheil !
Natürlich wie immer gut geschrieben, was wog das Stück denn ?
03.12.2009 12:06 Renevolution81
Spannende Sache Nochmal ein kräftiges WMH zum Whitetail und zur Story ! So etwas kannte der Altmeister C.K. wohl nicht
03.12.2009 13:02 swinging_elvis
Lakai schrieb:
Jetzt hast du ja bald die volle Palette finnischen Wildes durch! Waidmannsheil !

Natürlich wie immer gut geschrieben, was wog das Stück denn ?

Komplette Palette? Naja, Fuchs Auerhahn, MarderhundBär, Wolf, Luchs, Gänse, Schneehuhn,... hey, da geht noch was! Stuck wog ca. 40kg aufgebrochen.
03.12.2009 13:15 swinging_elvis
Renevolution81 schrieb:
Spannende Sache Nochmal ein kräftiges WMH zum Whitetail und zur Story ! So etwas kannte der Altmeister C.K. wohl nicht

Waidmannsdank noch einmal. Dafür kenne ich die Heuraffler noch nicht elvis
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