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Vergangenheit

(5 Einträge)

529 mal angesehen
01.12.2009, 00.43 Uhr

Rauschende Erinnerungen

Wenn man Erinnerungen mit von Cramer-Klett vernebelten Sinnen niederschreibt, so verlieren die negativen Eindrücke an Kraft, ganz so wie man überhaupt sich lieber an die schönen Dinge im Leben erinnert. So rauschte Erlebtes durch meine Gedanken, als genauso ein starker Dauerregen auf mich niederprasselte… das Ganze während einer Drückjagd, die ja leider auch oft negative Seiten zeigt… aber lassen Sie mich von vorne anfangen.

Zum zweiten Mal war ich nach drei Jahren zu einer Drückjagd geladen, die für meine Verhältnisse schon als edel bezeichnet werden kann. Neben Reh- und Schwarzwild ging es auf Rotwild und sogar Muffel konnten erlegt werden. Entsprechend hoffnungsfroh war ich in die Eifel aufgebrochen. Nach dem Verlesen der Freigaben war es wie letztes Mal zügig auf die Stände gegangen, anderes war lediglich, das keine Hirsche frei waren, nur ein Treiben statt zwei stattfand und anstelle gelegentlicher Schauern ein wahrer Dauerregen niederging. Aber wie war das noch: Es gibt kein schlechtes Wetter – es gibt nur schlechte Kleidung!
Dementsprechend war ich unter der dünnen Warn-Tarn-Jacke mit englischem Wachs gut vorbereitet. Gleiches Material deckte auch meine Beine, was konnte also schiefgehen? Mein Stand war allerdings auch eine Besonderheit. In recht dickem Zeug hatte man einen Dreieckssitz quasi auf einem Fuchsbau errichtet. Das Zielfernrohr wanderte also gleich in den Rucksack. Ob an dieser unübersichtlichen Stelle überhaupt etwas kommen würde?
An einer Längsseite des Bodensitzes gelehnt fand ich stehend meine optimale Position und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Der ständig um mich niederprasselnde Regen ließ mich aber zunächst Erinnerungen an die letzte Jagd nachhängen…

An jenem Tage folgte dem Anblasen sogleich das im Jägerohr so wohl klingende Hundegeläut. Es dauerte auch nicht lange, als eine Rotte Sauen rechts durchs lichte Holz kam, aus der ein Mitjäger ein Stück erlegen konnte. Keine viertel Stunde später rauschte ein starker Rothirsch durch das kleine Tal, in dem ich angesetzt worden war, ein BGS folgte auf seiner Spur. An diesem Tag war wirklich richtig was los. Nach einiger Zeit kam die Treiberwehr mit „hopp-hopp“ und „ho-ho“ durch. Das war sicher kein leichter Job bei dem auch damals aufgeweichten Boden.

Die Hälfte der Zeit war rum, so langsam entwich die Spannung, Schüsse wurden seltener. Aber ich nahm mich zusammen. Hab Acht! Und als ich den Blick gerade einmal wieder nach rechts schweifen ließ, vernahm ich links ein leises Rieseln von Steinen. In Zeitlupe drehte ich den Kopf und gewahr zwei graue Stücke Rotwild, welche sich mir durch den licht mit Fichten bestandenen Hang näherten. Alttier mit Kalb? Nein, das nachfolgende Stück hatte gut überlauscherhohe Spieße. Ein starker Schmalspießer. Und das vordere Stück? ... war ebenfalls ein Spießer, jedoch mit lediglich fünfzehn Zentimeter langen Pinnen. Der passt. Aber wie jetzt die Büchse hochbekommen, wo die beiden auf dreißig Metern neben mir verhofften? Schneckenlahm hob ich die Arme und bekam tatsächlich das Feuerrohr über die Brüstung. Und da hatte ich das Stück auch schon im vierfachen Glas… Halbspitz zog es von mir weg und verhoffte erneut … breit.
RRRUUUMMMS war der Schuss heraus. Der Spießer machte einen riesigen Bocksprung und ging, gefolgt von seinem Kompagnon ab in Richtung der vor mir liegenden Dickung. Beim Einwechseln vermeinte ich noch, ihn wanken zu sehen. Als dann aber der starke Schmalspießer zurückkam und sich nach rechts alleine davonstahl, war ich mir sicher, Beute gemacht zu haben. Das musste gut gegangen sein. Hart hinterm Blatt war ich abgekommen.

Voller Zweifel waren die anschließenden Minuten. Lag das Stück? War ich gut abgekommen? Solche Blitzschüsse lagen mir eigentlich mit schneller Auflage auf der Brüstung. Das musste einfach geklappt haben. Ein Nichtjäger kann dieses innere Aufgewühltsein nicht verstehen, wenn das Stück nicht in Sichtweite verendet und sich trotz guten Abkommens dann doch die Zweifel einschleichen.

Nach einer halben Stunde kamen die Treiber von oben den Weg herab, wohl, um schon einmal das Stück Schwarzwild des Mitjägers zu bergen. Bei mir angekommen bat ich den Obertreiber, doch einmal in der Dickung nach meinem Stück Rotwild zu schauen. Aber schon vernahm ich den Laut des BGS, welcher offensichtlich den Spießer tot verbellte. Als dann die Treiber das Stück auf den Weg zogen, fielen mir Steine vom Herzen und ich konnte mich gar nicht satt sehen an dem „kapitalen“ Geweih meines ersten Hirsches. Wahnsinn, unglaublich, nicht zu fassen.-

Leise lächelnd erinnerte ich mich an die folgende Fotosession, den Wachtel, der dazukam, meine grenzenlose Freude, Jagd, wie sie schöner nicht sein könnte. Auf meinem heutigen Fuchsbaustand war es allerdings recht ungemütlich. Um mich herum konnte ich das Wasser in Strömen an den Borken der grauen Buchen hinab fließen sehen. Die Stoffbündchen der Wachsjacke zeigten nun auch ihre saugenden Eigenschaften, selbst in den Taschen meiner Warnjacke stand Wasser. Aber so ist Jagd und so ein Tag muss nicht ohne Beute bleiben. Plötzlich rauscht es vor mir jenseits der Kuppe im Hang und im nächsten Moment stand auf vielleicht fünfzehn Meter ein Rotspießer vor mir. Fasziniert starrte ich das edle Wild an. Das revierübergreifende Treiben hat seinen Tribut gefordert, denn dem Stück hing der Lecker weit aus dem Äser – kein schöner Anblick. Der Schaft des Repetieres ging sowieso nicht ins Gesicht, denn auch wenn dieser Spießer genau meinem Waidmannsheil von vor Jahren entsprach – Hirscherl waren nicht frei. Nach weiteren kurzen Momenten des Verhoffens geht es auch schon rauschend weiter, den Hang hinab und ab in die nächste Dickung. Einfach faszinierend, der Anblick solch starken Wildes…

Vor Jahren gab es ein zweites Treiben am Nachmittag.
Vorher wurde aber die bis dahin schon reiche Strecke wurden mit einem leckeren Schlag aus der Gulaschbombe zelebriert. Vor allem Muffel waren zur Beute geworden, so dass aufgrund der Erfüllung des Abschusses diese Wildart für den Nachmittag gesperrt wurde. Dieser drohte zusätzlich mit einer dunklen Wolkendecke. Ein Regenschauer schien uns zu erwarten, aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Vom Waldweg brachte mich der Revierförster ein Stück in einen lichten Buchenbestand hinein. An der Grenze zu einer Fichtendickung war ein kleiner Drückjagdsitz aufgebaut. Hier sollte ich meines Jagdglückes harren.

Zunächst befreite ich einmal den Boden des Sitzes vom Falllaub des Herbstes. Anschließend begann ich, mir die Wechsel des Wildes vorzustellen. Im Fichtenholz vor mir war es recht dunkel. Da Rotwild ein Wild mit ausgeprägtem Gesichtssinn ist, würde es meiner Meinung nach eher am Rande der Dickung ziehen. Somit stand mein Sitz genau auf dem Wechsel.
Sauen wären vielleicht eher geneigt, den dunkleren Wechsel in de Fichten anzunehmen. Also wieder hieß es: Hab Acht!

Nur spärlich fielen an diesem Nachmittag die Schüsse. Mir war es gleich, hatte ich doch bereits Beute gemacht. Nichtsdestotrotz musste ich wachsam bleiben. Gerade die unaufmerksamen Momente des Jägers scheint das Wild manchmal auszunutzen. So entging es mir nicht, dass nach ca. einer Stunde von links Wild anwechselte. Ein Alttier mit Kalb kam im Troll genau auf dem vermuteten Wechsel. Während ich meinen Schießprügel hochnahm, drehten die beiden allerdings auf rund siebzig Metern ab und wendeten sich hang abwärts. Schon nach kurzem Weg waren sie überriegelt… oder? Nein, sie verhofften; deutlich sah ich ihre unsicher spielenden Lauscher. Sollten sie zurückkommen? Gespannt war ich aufgestanden und hatte mich umgedreht. Was würde passieren?

Und das Unglaubliche geschah. Mit großen Augen sah ich die beiden zügig auf mich zu wechseln. Sie würden auf etwa dreißig Metern an mir vorbei kommen. Sollte ich den Schuss auf bewegtes Wild wagen? Sollte ich versuchen, sie zum verhoffen zu bringen? Doch da war Alttier und Kalb bereits heran, deutlich sah ich, wie dem Alttier der Lecker aus dem Äser hing. Stress. Jetzt hieß es handeln. Als das Alttier einmal das Haupt hinter einem Baum hatte, ging ich in Anschlag. Das Absehen vier fand das führende Stück und blieb kurz stehen, um das Kalb herein laufen zu lassen. Kurzes Mitfahren, Vorhalten, und ein zweites mal hallte der Wald vom Knall meiner Donnerbüchse.
Das Kalb warf es im Schuss um. Repetieren, hinsetzen, Anschlag. Ein letztes Recken des Trägers, ein Strecken des rechten Vorderlaufs und es war vorbei.
Erneut fassungslos setzte ich die Waffe ab. Da lag meine Beute. Ich konnte nur noch den Kopf schütteln über so unsägliches Jagdglück und Waidmannsheil.
Und mit diesem Erstaunen ertrug ich auch anstandslos den abschließenden Regenschauer des Jagdtages. Sicher eine viertel Stunde prasselte es auf mich und meine Jägerkollegen hernieder. Am hinteren Ende der Fichtendickung wechselte noch kurz vor dem Abblasen ein Überläufer durch. An Schießen war aber nicht zu denken.

Mich geistig aus der verjährten Schauer lösend hatte der Regen auf der heutigen Jagd immer noch nicht aufgehört. Aber genau richtig war er zum Sinnieren, zum Nachdenken, um die Erinnerungen wiederkehren zu lassen. Manchmal bekommt man das Füllhorn jagdlichen Erlebens überreicht, an anderen Tagen wird man einfach nur unsäglich nass. Erfreut war ich natürlich, als mich besuchte, was ich sowieso bei dieser Lage des Standes vermutet hatte: Nur kurz sah ich den roten Blitz hinter einer Kuppe und konnte doch Reineke Rotfuchs ansprechen, der sich mit winkender Lunte empfahl. „Hahn in Ruh“ trötete das Handy, Jagd vorbei. War ich auch keinen Schuss losgeworden so war es doch schön… und ich komme ja wieder, in die wildreichen Reviere der Eifel.

PS: Bilder leider genau in falscher Reihenfolge...
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swinging_elvis

swinging_elvis

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Kommentare

01.12.2009 07:30 SauerlaenderJung
Weidmannsheil, schöne Erlebnisse die du da schilderst! Vielleicht habe ich wenn ich groß bin (gg)auch mal die Möglichkeit bei so einer DJ mitzuwirken!

01.12.2009 14:03 platzi
Weidmannsheil zu den beiden Erlebnissen!
auch von mir!

Servus

Diether
01.12.2009 18:06 Renevolution81
Nicht jeder Jagdtag ist Fangtag Sehr schöne Geschichte von vergangenen und neuen Erlebnissen! Der Altmeister C.K. hätte eine wahre Freude an Dir
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