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kammerjaegers Jagderlebnisse u...

Eindrücke und Meinungen (16 Einträge)

1190 mal angesehen
07.11.2009, 01.08 Uhr

Impressionen einer Drückjagd

Ein perfekter Morgen in Franken, Reif liegt auf den Grashalmen, die Sonne lacht von einem wolkenlosen Himmel, die Buchen strahlen gelb. Im Schloßhof sammelt sich die Jagdgesellschaft, es gibt Kaffee, Tee, Essensgutscheine.

Ansprache, Einteilung, Anblasen, Abrücken, alles mit Stil und ein klein wenig Schmäh. Die Hundeführer bleiben noch auf dem Platz. Nach kurzer Zeit werden wir in Gruppen eingeteilt und bekommen jeweils einen Treiberführer zugewiesen. Eine großartige Idee! Endlich nicht mehr als Ortsunkundiger mit einer schlecht kopierten Topo-Karte durch den Wald stolpern! Unser Führer ist ein recht sympatischer Waldarbeiter, gemütlich geht es los. Die ersten Schüsse fallen bald.

Ein wenig zäh starten wir, aber dann kommen wir doch auf etliches Wild: Rehe, Sauen, Rehe, eine Schnepfe, Füchse werden auch gesehen. Die Hunde jagen größtenteils kurz. Wir machen viel Wild hoch, aber es knallt erstaunlich wenig, fast schon zu selten. Die Freigaben sind etwas restriktiver als auf den meisten Jagden, wo ich bisher war: Sauen nur bis 50 kg, Schonzeitvergehen (Bockabschüsse) werden nicht geduldet. Vielleicht bremst das den einen oder anderen Schießfinger. Aber die Schützen berichten immer wieder: "War nix da."

700ha werden bejagt. Das sind ziemlich genau 1000 Fußbalfelder voller Buchennaturverjüngung, Brombeeren und Christbaumkulturen. Die Sichtweiten betragen oftmals unter 20 m. Hier das Wild herauszubekommen ist nicht ohne weiteres möglich, wie man sieht, besonders wenn das Laub noch nicht von den Bäumen ist. Dann ist es im
Buchenwald einfach gelb. Die Westen der Treiber heben sich da gar nicht so einschneidend von der Farbe des Waldes ab. Aber dazu kommen wir später... Eigentlich müsste man die Stände im 100m-Raster verteilen, wenn man richtig hinlangen möchte.

In den Tannen macht es auf einmal galloppgalloppgallopp daß der Boden wackelt. Das war kein Reh! Ein Hund folgt der Sau jodelnd, meine kleine Töle packt ihren ganzen Mut zusammen und rennt auch hinterher. Recht so, endlich.

Der Trageriemen des ausgeliehenen 98ers gräbt sich immer tiefer in meine Schultern ein. Vielleicht braucht ein Durchgeher doch nicht so dringend eine Waffe?

Wir passieren einen Schützen, der gemütlich auf einem 40 cm hohen Holzklotz sitzt und Tee trinkt. Ein kurzer Plausch, "War nix da.". Also gut, wir schlagen uns wieder in die Büsche, machen ein Reh hoch. Der Hund jagt es kurz an. Ich rufe noch: "He Schütze, da kommt ein Reh zu Dir!" Kurz nichts, dann ein lauter, satter Knall. Stille. Klagen. Noch so ein Donnerschlag, dann wieder Ruhe. Auf dem Rückweg kommen wir beim gleichen Schützen vorbei, ich ziehe das Reh aus dem Unterwuchs: Ein Loch im Träger, eines im Haupt. Der freundliche Herr erläutert mir, noch leicht benommen von der durch ihn ausgelösten Detonation , daß er mit der 300 Win Mag. eigentlich nur auf den Träger schießen könne, sonst sei die Verwertung nicht tragbar... Im Stillen frage ich mich, warum er dann mit der 300 Win Mag... Naja, wer trifft hat recht.

Erst in der heimischen Badewanne geht mir auf, daß der Mann mit einer Waffe, die im zarten Rehkörper bei Körpertreffern zu untragbaren Wildbretentwertungen führt, vom Boden aus (Höhe der Waffe vielleicht 1,60m, Höhe des Rehträgers ca. 1 m) in meine Richtung geknallert hat, ich war keine 100 m weg und von mir kam ja das Reh...

Beim Streckelegen in einem Wirtschaftshof des Schlosses kommt entgegen meiner mentalen Unkenrufe einiges zusammen, das meiste sehr gut geschossen. Verblasen mit Hundegesang, Abschiedsworte, sehr schön! Ich packe einen 16kg-Frischling mit Loch im Kopf ein und ziehe ins Wirtshaus, gutes Essen, Hundefreunde treffen, ein runder Tag klingt aus.

Nachdem ich mich zu Hause körperlich und geistig wieder hergestellt habe, ist der Hund unauffindbar! Nach längerem Suchen finde ich meine Kleine mucksmäuschenstill in ihrem Schlafkäfig, schon nicht mehr ansprechbar. Nur ein müder Hund ist ein guter Hund.

Meine Waden und mein Rücken schmerzen. Ein sehr schöner Tag im stimmungsvollen Ambiente und mit sympatischen Mitjägern liegt hinter mir. So muß Jagd sein!

===

Fazit:
+ Schußwaffen können für den Durchgeher verzichtbar sein.
+ Mit einem Hund ist man höchstens ein halber Hundeführer - drei sollten es schon sein, um einen wirklichen Eindruck zu hinterlassen.
+ Fast schon zu trivial: Standschützen können eine erhebliche Gefahrenquelle darstellen.
+ ...
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kammerjaeger

kammerjaeger

Alter: 40 Jahre,
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Kommentare

10.11.2009 11:42 aelg
Hallo Kammerjaeger,

eine Schußwaffe ist für einen Durchgeher niemals verzichtbar.
Dazu mehr in meinen Thread in der Rubrik Stöberhunde.
Sauen sind keine Kuscheltierchen.

Ho Rüd Ho Aelg
13.11.2009 11:00 Heidefoerster
Geh ich mit meinem Hund durch, dann nie ohne Waffe. Das hat uns auch manches mal schon den Arsch gerettet.
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