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Redaktioneller Jagdblog

(27 Einträge)

Wildschwein
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28.10.2009, 09.30 Uhr

Trichinenuntersuchung beim Schwarzwild und Wildursprungsschein - Teil 2

Vorsicht vor Falschbeurkundung!


Der über die Ländergrenzen hinweg substantiell bundeseinheitliche Wildursprungsschein muß vom für die Entnahme von Proben zugelassenen Jagdausübungsberechtigten (oder einer ihm für diesen Bereich durch Landesverordnung gleichgestellten Person) ausgefüllt werden. Anzugeben sind neben Jagdbezirk, Erlegungsort (z.B. Flurbereich) und Erleger das Erlegungsdatum und der Zeitpunkt der Erlegung.

Kritisch wird es, wenn der Jagdausübungsberechtigte als Nichterleger des Stückes auf dem Wildursprungsschein bestätigen soll, dass er vor dem Erlegen keine Verhaltensstörungen – wörtlich: „...wurden von mir keine Verhaltensstörungen des Tieres ...“ – beobachtet hat. Kreuzt er diese Aussage an, ohne selbst beobachtet zu haben, tätigt er eine Falschaussage und beschädigt damit seine Zuverlässigkeit. Kreuzt er sie nicht an, dann kann die zuständige Behörde mutmaßen, dass Verhaltensstörungen vorgelegen haben und deshalb eine amtliche Fleischuntersuchung anordnen.

Des weiteren muß der Jagdausübungsberechtigte gegenüber der zuständigen Behörde erklären und mit seiner Unterschrift bestätigen: „Es wurden bei der Untersuchung des Tieres von mir keine auffälligen Merkmale beobachtet, die darauf schließen lassen, dass das Fleisch gesundheitlich bedenklich sein könnte“. Um dieses mit gutem Gewissen abzeichnen zu können, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:

- Der Jagdausübungsberechtigte ist fachlich-sachlich in der Lage, solche auffälligen Merkmale, wie sie in der Verordnung (EG) 854/2004 bzw. in der nationalen Verordnung für Gewinnung und Vermarktung von Primärerzeugnissen aufgelistet sind, auch feststellen zu können.

- Der Jagdausübungsberechtigte muß die Eingeweide (Herz, Lunge, Leber, Milz und Nieren, bei Keilern auch die Hoden / Steine) und die Körper der von ihm selbst erlegten Wildschweine, bei denen er die Proben für die amtliche Trichinenuntersuchung entnimmt, auf die angesprochenen auffälligen Merkmale einzeln durchmustern. Finden sich dabei für die Genusstauglichkeit des Wildbrets gesundheitlich bedenkliche Merkmale, hat er das entsprechende Stück der amtlichen Fleischuntersuchung zuzuführen oder aber in einer Tierköperbeseitigungsanstalt zu entsorgen.
In allen anderen Fällen, in denen der zur Probenentnahme Berechtigte nicht selbst Erleger des Stückes ist oder als Begleiter des Erlegers bei der Erlegung dabei war, gilt die bisherige Regelung: Entnahme der Proben für die amtliche Trichinenuntersuchung durch einen amtlichen Tierarzt oder einen amtlichen Fachassistenten (bisher Fleischkontrolleur, früher Fleischbeschauer).

- Wildschweine, denen der Jagdausübungsberechtigte Proben entnommen und die er mit einer entsprechenden Wildmarke gekennzeichnet hat (anzubringen an Brust oder Bauch – nicht am Teller!), dürfen nicht sofort – an wen auch immer – abgegeben werden. Sie haben so lange in seiner Verfügungsgewalt zu verbleiben, bis das Untersuchungsergebnis vorliegt und die die Untersuchung durchführende Stelle die Freigabe zur Verwertung erteilt hat.

Anmerkung: Will jemand das von ihm erlegte Wildschwein erwerben und von der Strecke gleich mitnehmen, dann muß der Käufer, wie bisher, mit dem Stück einen amtlichen Tierarzt aufsuchen und ihn mit der Entnahme der Proben und deren Untersuchung beauftragen. Die durchgeführte Untersuchung auf Trichinen sollte er gegenüber dem Jagdausübungsberechtigten dokumentieren, damit dieser bei einem Abgleich von ihm als erlegt gemeldeter mit auf Trichinen untersuchter Stücke Schwarzwild letzteres gegenüber der zuständigen Behörde lückenlos nachweisen kann.

Zuverlässigkeit im Sinne der gesetzlichen Forderung wird bei Jagdausübungsberechtigten generell unterstellt, sofern nicht Umstände bekannt sind oder eintreten, die es ihnen verwehren, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Wird allerdings bei der Probenentnahme geschummelt und eine nachgewiesene Falschbeurkundung erstellt, verliert der Jagdausübungsberechtigte die ihm unterstellte Zuverlässigkeit mit allen sich daraus ergebenden Folgen für Waffenbesitz und Jagdpacht.

Quelle: BLV Jagdpraxis - "Wildbrethygiene" von Olgierd E.J. Graf Kujawski,
S. 53 - 55
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© makuba - Fotolia.com


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