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Szenerie
517 mal angesehen
16.10.2009, 00.13 Uhr

Das Pech endlich abgeschüttelt

Mein letztes erlegtes Stück Rehwild war nun schon so einige Zeit her. Deshalb und weil der Abschuss noch nicht ganz erfüllt ist, hatte mich der Beutetrieb in letzter Zeit sehr stark im Griff. Das einzige was mich aber an dessen Befriedigung hinderte, war einfach Pech!

Oft hatte ich es in letzter Zeit schon probiert, auf Schmalreh, Kitz oder Fuchs, aber nichts hatte sich getan. Fuchs sah ich schon lange keinen mehr, obwohl wir eigentlich sehr viele im Revier haben und mein Jagdherr in letzter Zeit auch so einige geschossen hat. Beim Rehwild wars nicht viel besser. Erst hatte ich das Problem, wahrscheinlich wie so alle wenn die Tage Tag für Tag kürzer werden, dass das Wild einfach zu spät austrat, wenn sich eine sichere Ansprache und ein waidgerechter Schuss meist schon Verbot. Und ich wollte ja auch nicht gleich das erst Stück schießen dass auf der Bildfläche auftrat, sondern mir das Stück schon gewissenhaft aussuchen.

Zu dem späten Austreten kam immer noch hinzu, dass ich entweder Freizeitsuchende magisch anzog, denn egal wo ich saß, sei's noch so entlegen, irgendwer kam immer. Oder ich hatte Anblick, aber alle Stücke waren zu schnell ausser Reichweite. Was tun, dachte ich, aber ich konnte wohl nix tun, Diana wird mir schon noch hold sein!

Heute Abend packte mich das Jagdfieber wieder ungemein, dem starken Schneefall zum trotz. So begab ich mich bereits frühzeitig ins Revier, um auf einer Kanzel, die wir im Frühjahr aufgestellt hatten, zu beziehen. Hier war noch nichts gefallen, obwohl der Platz eigentlich sehr vielversprechend ist. Das Feld vor der Kanzel war eigentlich im Sommer sehr gut besucht, stand hier ja lecker Gerste! Doch nie passte es hier, so war die Kanzel also noch jungfreulich. Derzeit wächst auf diesem Feld Senf, der ebenfalls eine magische Wirkung auf Rehe hat.

So saß ich auf meiner Kanzel, ganz still war es wegen dem Schneefall. Nach einer halben Stunde stand plötzlich eine Gaiß rechts direkt neben meiner Kanzel. Vorsichtig trat sie aus Richtung Senf, gefolgt von einem schwachen Kitz. Könnte doch passen, dachte ich und wartete das die beiden weiter in den Senf zogen was sie auch taten. Vorsichtig jetzt langsam zum Gewehr greifen, doch auf einmal hör ich, dass sich ein Auto nähert auf dem Weg am gegenüberliegenden Ende des Ackers. Und schon waren die beiden wieder verschwunden. Ich drehte mich um und konnte das breite Grinsen des Pechs hinter mir sehen.

Wiederrum eine halbe Stunde später erscheint auf der gleiche Stelle wie zuvor wieder eine Gais, sehr stark im Wildbret, und gleich hinter ihr ein Bockkitz, ebenfalls gut im Futter mit schon halblauscherhochen "Spießchen", und als Abschluss ein zweites Bockkitz, das genaue Gegenteil seines Bruders, schwach, kaum erkennbare Knöpfe. Genau passend! Doch, wie wenn sie nur Hallo sagen wollten bleiben die drei kurz stehen um dann sofort wieder langsam vertraut in den Wald hintermir zu ziehen. Kacke!!!

Ich ärgerte mich, sehr sogar und hatte eigentlich schon mit Beute heute abend abgeschlossen.

Doch was ist das! 50 Meter weiter rechts von zogen die drei wieder raus, und verhofften auf dem ca. 15m breiten Streifen vorm Senf, an dem dem Bauer wohl der Samen ausgegangen war. Ich sprach sie durch das Glas an und konnte alle drei einwandfrei erkennen. Das musste passen. Ich nahm vorsichtig meinen 98er hoch und schob ihn zum Fenster raus. Anschlagen, entsichern. Die drei stehen noch spitz zu mir. Ich suchte das schwache und Kitz und sah es ganz links stehen, schon knapp vorm Senf. Das Absehen wandert hoch aufs Blatt, kurz dahinter anhalten und langsam den Finger krümmen. Das Absehen steht gut und da bricht der Schuss! Das Kitz steigt hoch, wirft herum und verschwindet im Wald!!

Ausatmen, repetieren und sichern, die Bildfläche ist lehr. Erstmal eine rauchen und noch ein bisschen warten. 20 min später machte ich mich auf zum Anschuss, ich hatte mir ja gemerkt wo sie standen, doch was ist das: Ich finde nichts! Keinen Tropfen Schweiß! Das Licht wird immer schlechter und mein Gefühl schlechter, ich hörte das Pech laut lachen. Die Taschenlampe, KACKE die liegt zuhause!! Man, erstmal meinen Jagdherrn anrufen, der is nicht zu erreichen. Gut, dann eben gleich den Mitjäger und Schweisshundführer, auf den Hund musste ich jetzt vertrauen.

10 min später war er da. Ich schilderte ihm die Geschichte und er beruhigte mich erstmal, meinte, wenn da was is, dann finden wir's auch, wenn nicht heute dann morgen! Ich bezog nochmal die Kanzel und wies ihn ein. Seine BGS Hündin Maya legte sich ins Zeug, und auf einmal war ihm Unterholz verschwunden. "Hamma's scho!" hörte ich Sepp auf einmal rufen!!! Ich lief schnell zu ihm, und sah das Kitz in ner Dickung liegen. Er führte mich zum Anschuss, und ich sah, dass Schweiß da war, nur genau zwischen zwei Ackerschollen, wo noch kein Schnee lag und ich das bei schlechter werdenden Licht nicht mehr sah! Mir fielen die ganzen Alpen vom Herzen! Das Kitz lag da mit sauberm Kammerschuss ca 25m vom Anschuss weg, nur ohne Hund hätte ich das heute nie und nimmer mehr gefunden!

Ich bin immer noch euphorisiert von diesem Jagdtag. Es hat wieder geklappt. Der Abschuss war genau richtig und das Pech steht nimmer hinter mir. Das Kitz hat mich heut mehr gefreut als alle Böcke des Jagdjahres, gerade wegen diesem Erlebnis, der letzten Wochen und allem drumherum heute!

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Niederbayer

Niederbayer

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aus gesprochen gesetzesaffin
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Kommentare

16.10.2009 10:13 platzi
Weidmannsheil zum Abschuss!
Ich hab mir sogar diese "Trophäen" aufgehängt.
Auch das ist Jagd und vor allem das!
Mich freuts, wenn auch andere die Erlebnisse außerhalb vom Bockabschuss schätzen.

Grüße

Diether
16.10.2009 10:51 anser
Weidmanns Heil zum Stück - gut Ding will eben manchmal Weile haben...

Gruß
anser
16.10.2009 14:41 Niederbayer
platzi schrieb:
Weidmannsheil zum Abschuss!
Ich hab mir sogar diese "Trophäen" aufgehängt.
Auch das ist Jagd und vor allem das!
Mich freuts, wenn auch andere die Erlebnisse außerhalb vom Bockabschuss schätzen.

Grüße

Diether



Waidmannsdank! Die Freude auch über so nen Abschuss is für mich auch eine Art des Respekts gegenüber der Kreatur, und den Respekt hat schließlich jedes Lebewesen verdient!
16.10.2009 14:42 Niederbayer
anser schrieb:
Weidmanns Heil zum Stück - gut Ding will eben manchmal Weile haben...

Gruß
anser



Waidmannsdank!
Ja, da hast du recht, erzwingen kann man nix, und könnte man's, dann wär die Jagd nicht mal halb so schön!
16.10.2009 15:09 platzi
Niederbayer schrieb:
Waidmannsdank! Die Freude auch über so nen Abschuss is für mich auch eine Art des Respekts gegenüber der Kreatur, und den Respekt hat schließlich jedes Lebewesen verdient!


Diether
16.10.2009 17:40 kammerjaeger
Weidmannsheil! Ich kann Deine Gefühle (auch was diese "Erholungssuchenden" angeht) gut nachvollziehen. Mir macht gerade alleine Ansitzen bei Dreckwetter auch richtig Spaß - und dann noch Beute machen, es gibt nichts Besseres! Da fühlt man sich doch gleich ein bißchen wie auf Kamtschatkasafari, so für ein paar Sekunden zumindest.

Und Bock oder nicht... Was soll's! Ich habe mir noch keine Trophäe an die Wand gehängt. Vielleicht fange ich's mal an.
16.10.2009 23:11 Jagafranz
Servus Niederbayer,
gfreit mi das no Jaga und Jagdn gibt, de ena wuid versucha no gwissnhaft aus zu sucha.
spannend gschriem.
A kräftigs WMH
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