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kammerjaegers Jagderlebnisse u...

Eindrücke und Meinungen (16 Einträge)

208 mal angesehen
14.10.2009, 21.27 Uhr

Anblick ohne Strecke

Heute, am vorletzten Tag der Bockjagd wollte ich es noch einmal wissen.

Endlich ist die Jahreszeit gekommen, wo das Revier wieder überwiegend mir gehört: Ein bißchen ist es, als ob meine zahlreichen über den Sommer gesammelten, ausgesprochen unchristlichen Stoßgebete erhört worden wären: Der Bockfüßige Engel hat alle Spaziergänger und Erholungssuchenden der umliegenden Städte einzeln in Jutesäcke verpackt und in eine tiefe Grube voll kochender Gülle geworfen.

Die Temperatur beträgt 3°C bei einem frischen Westwind, immer wieder ziehen leichte Graupelschauer über den Himmel, kein Mensch zu sehen, auch der Feierabendverkehr dringt nur gedämpft zu mir durch. Freuden stadtnahen Jagens.

Heute probiere ich es an einer langgestreckten von allen Seiten mit Bäumen (Wald ist zuviel gesagt) umgebenen, vor kurzem gemähten Wiese. Ich spekuliere, daß frisches Grün im Windschatten die Rehe doch fast anziehen muß. So sitze ich nun und lasse mir manches durch den Kopf gehen. Irgendwann, es ist noch taghell, drehe ich mich um - Bock! Ein Blick durch das Fernglas dämpft meine Begeisterung, das ist wohl der zweitbeste, den das Revier zu bieten hat. Wenn ich diesen erschieße, wirft das am Ende noch einen Schatten auf unsere ansonsten wirklich harmonische Pächter - Mitgeher - Beziehung, der Jagdherr wird sich grämen. Nein. Also weiterwarten. Es knackt. Es raschelt. Irgendwann treten vielleicht zehn Meter vor mir zwei weibliche Stücke aus: Welches ist das Kitz, das wird erlegt! Ja, welches nun, beide gleichgroß? Was nun kommt, habe ich so noch nicht gesehen.

Das eine Reh fiept leise, nähert sich mit geducktem Kopf dem anderen Stück, wie sich ein Hund, während er geschimpft wird, seinem Herrn nähert. Die andere Geiß legt die Ohren an wie ein Pferd, man könnte meinen, sie zieht eine Grimasse und vertreibt dann das erste Stück. So geht das ein, zwei, dreimal. Dann kommt ein Kitz aus der Heckenreihe und stellt sich zu der stärkeren Ricke.

Ich mutmaße "Geiß mit Kitz vertreibt Schmalreh vom letzten Jahr". Die Verliererin zu erlegen getraue ich mich nicht, da ich nicht sicher bin, ob nicht doch Kitze da sind. Also das Kitz, jetzt muß es flott gehen, die zwei ziehen nach rechts hinter mir weg. "Na priml!" würde Kluftinger sagen...

Schußentfernung vielleicht 15, höchstens 20 Meter. Langsam, unter dem Tarnschal, setze ich den Gehörschutz auf, spanne die Büchse, gehe in Anschlag und drehe mich sachte nach rechts und noch weiter nach rechts. Die Jacke raschelt und raschelt, innerlich fluche ich über den Kauf. Diese ganzen atmungsaktiven Kunstfasern sind für die Ansitzjagd unbrauchbar und wenn dreimal Fjällräven draufsteht. Die Geiß wirft auf, ich halte inne. Die Unruhe des Muttertieres überträgt sich sichtlich auf das Kitz. Dieses dreht um, zieht wieder in Richtung der Hecke. Jetzt steht es genau spitz von mir, ich versuche das Absehen sauber auf dem Trägeransatz zu positionieren, doch bevor ich schießen kann, springen beide Stücke ab.

Ich bleibe sitzen, bis es dunkel wird. Im Gebüsch raschelt und knackt es noch lang.

Morgen will ich es noch einmal probieren, letzter Tag, die Zeit bis zum ersten Mai ist lang.
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kammerjaeger

kammerjaeger

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Kommentare

14.10.2009 22:17 Jagafranz
Vieleicht bassts morgen bessa spannend gschriem a WMH für morgn.

Grus
Jagafranz
15.10.2009 08:17 murmelbaer
Jutesäcke, kochende Gülle.......trotz Deiner unchristlichen Gedanken, die Du armen erholungssuchenden Naturmenschen so an den Hals wünscht, für heut weidmannsheil.
Und zieh die Lehren aus dem Gestrigen - angesprochen wird in so einem Fall durch's Zielfernrohr. Schau daß du beide, Geiß und Kitz kriegst. So wie mir scheint ist die Geiß so eine alte keifende Tante, die nichts, auch nicht jetzt, neben sich duldet. Die vertreibt im großen Umkreis sämtliche Rehe - auch Böcke. Du wunderst Dich dann, daß da nur die Geiß steht.
15.10.2009 11:47 platzi
Der Bockfüßige Engel hat alle Spaziergänger und Erholungssuchenden der umliegenden Städte einzeln in Jutesäcke verpackt und in eine tiefe Grube voll kochender Gülle geworfen

Genial - bravo und serh spannend zu lesen!


Servus

Diehter
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