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Sauschwartes Jagd

(6 Einträge)

Keilergewehr
2819 mal angesehen
14.10.2009, 14.18 Uhr

Herbstjagd

Bei abnehmendem Mond sollte es auf Sauen gehen und bei abnehmendem Sonnenlicht auf weibliches Rehwild und Kitze.
Am 8. Oktober war es endlich soweit, 2 Tage frei und das Wochenende, da sollte was gelingen. Aber zuerst mussten die rund 500 km nach Mecklenburg Vorpommern zurückgelegt werden.
Nach einer Zwischenstation in Berlin war gegen 17 Uhr Neubrandenburg erreicht - jetzt schnell noch einen Kaffee und dann raus ins Revier, um dem Sonnenuntergang zuvorzukommen. Aber auf mein Klingeln bei der Jagdfreundin reagierte niemand und nach 10 Minuten packte ich das Waffenfutteral wieder ein und fuhr mit bangem Gefühl zu ihrem Garten. Seit morgens war ihr Telefon ständig besetzt, und auch hier traf ich sie nicht an. Immerhin, ihr Hund beleckte meine unter der Laubentür durchgesteckte Hand und winselte leise. Also noch mal zurück zum Plattenbau, und nun öffnete sie mir die Tür. Sie war nur mal kurz weg gewesen. Ein Blick zum Telefon bestätigte meine Vermutung - der Hörer lag nicht richtig auf.
Erst mal durchatmen, kurze Lagebesprechung, und auf geht es. Ich möchte am liebsten die Nacht durchzusitzen, aber am Ende vereinbaren wir einen Treffpunkt um 4 Uhr morgens.
Nach 20minütiger Fahrt lassen wir das Dorf hinter uns, durchqueren ein kleines Wäldchen und halten am ehemaligen Rapsacker. Der Wind bläst mir aus Westen entgegen, und ich kann den Sitz direkt gegenüber, am Ende einer Hecke in ca. 300 m Entfernung, sehen. Das Gelände ist wellig, und er liegt geschützt in einer Senke. Die Hecke verläuft Richtung Westen und an ihrem anderen Ende, 500 m weiter, befindet sich eine Kanzel. Für den Fall, dass starker Regen einsetzt, kann ich wechseln.
„Waidmanns Heil“, und ich gehe mit dem letzten Licht über den Acker zu meinem Sitz. Ein kleiner Sprung Rehe verlässt über den Hügel die Senke, und ihre Silhouetten geben ein schönes Bild vor dem hellen Himmel der gerade untergegangenen Sonne. Dann versinkt die Umgebung für gute 2 Stunden in fast völliger Dunkelheit, nur an den Hügelkämmen kann ich gegen den Himmel die Hasen ahnen. Wolken und erste Regentropfen lassen mich das Schlimmste befürchten: das Licht wird für Sauen nicht ausreichen. Aber als der Halbmond über dem Dorf steht, ist auch der Himmel aufgerissen, nur noch einzelne Wolkenfetzen jagen über ihn hinweg.
Mitternacht, die Sauen quieken im Wäldchen. Ob sie wohl Wind von mir bekommen haben? Ich leuchte mit dem Glas die Waldkante ab, aber auch im Schatten des Mondlichtes regt sich nichts. So vergehen die Stunden, nur ein Hase in seiner Sasse leistet mir Gesellschaft. Schließlich packe ich zusammen und baume ab, um zur Kanzel am anderen Ende der Hecke zu wechseln. Nachdem ich mich erleichtert habe, verwerfe ich den Gedanken wieder, baume wieder auf und beobachte den Hasen weiter, wie er die Vorderläufe und den Rücken durchstreckt und im diffusen Mondlicht riesig erscheint.
Die Stunden vergehen, inzwischen ist es fast 3 Uhr, im Norden hinter meinem Hasen mal wieder ein weiterer Hase und dann noch einer - ich nehme langsam das Doppelglas hoch: Verdammt, endlich Sauen!!! Eine nach der anderen kommt hinter einem Hügel auf dem Acker hervor. Schnell ist der Bergstutzen im Anschlag, die Sauen im Glas zu sehen, aber keine ist frei zu bekommen. Ich ziehe mit auf dem Weg in Richtung Wäldchen, suche immer wieder die Rotte nach verhoffenden, zurückbleibenden Frischlingen ab. Nach 200m ist meine Chance vertan, sind ca. 30 Sauen im Wäldchen verschwunden. Ich entspanne die Waffe - zu weit, zu wenig Licht, gleich werden sie auch noch Wind von mir bekommen..., ärgere ich mich.
Doch da, kaum 5 Minuten später, kommt ein einzelnes Stück im scharfen Troll hinterher.
Ein Keiler, denke ich sofort. Vielleicht auch, weil ich gerade hier im Chat die Vermutung gelesen habe, dass Keiler der Rotte folgen, wenn die Luft rein ist, und deshalb dann auch oft alt werden.
Also Waffe wieder in den Anschlag und mitgezogen und wieder nicht fliegen gelassen, bis auch er das Wäldchen erreicht hat. Die große Entfernung (120-150m), die sich bei dem Licht ohne Landmarken und genaue Revierkenntnis schlecht schätzen lässt, macht einen sicheren Schuss für mich unmöglich.
Ich starre in die Dunkelheit, da gibt es plötzlich einen Mordsspektakel, und der Keiler kommt aufs Feld geschossen, steht breit und sichert in Richtung Wäldchen. Augenblicke später verliert sich mein Zielstachel auf dem pechschwarzen Wildkörper, und dann bricht der Schuss. Ein gelber Feuerstoß blendet mich, Gequieke erfüllt die Nacht, und die Rotte geht über den Acker ab. Als ich gen Osten blicke, sehe ich den Jeep der Jagdfreundin kommen. Einen Moment früher, und die Chance wäre abermals vertan gewesen.
Während sich meine Augen wieder an die Dunkelheit gewöhnen, leuchte ich mit dem Doppelglas den Acker ab. Vielleicht ein dunkler Schatten dort? Oder doch nicht? Keine Ahnung, wo ich abgekommen bin. Meinen ersten Schuss bei Mondschein hätte ich mir lieber verkneifen sollen, geht es mir durch den Kopf.
Ich packe mal wieder zusammen und gehe erst mal zu ihrem Auto. Sie hat den Schuss nicht gehört. Mit meiner neuen, taghell leuchtenden LED-Lampe beginnen wir die Suche auf dem Acker. Aber nichts. Ich vermute, die Sau hat eine Brache neben dem Wäldchen angenommen. Das Gelände ist zu unübersichtlich für eine nächtliche Nachsuche, sodass wir erstmal die Aktion abbrechen.
Nach 3 Stunden unruhigem Schlaf, geht es mit Laura, der Teckelhündin, zurück ins Revier.
Als wir am Acker halten, fliegen ein paar Krähen auf. Mitten in einer Senke liegt ein Findling, der gestern wohl noch nicht da war, meine ich. Die Freundin, die das Gelände gut kennt, bestätigt, dass da sonst kein Stein lag. Dann kann der Stein, auf dem drei Krähen sitzen, nur mein Keiler sein.
Wenig später stehen wir an dem Stück, einem Überläuferkeiler. Die 7mm Kugel hatte ins Herz getroffen und der Keiler war noch 15m entgegen der vermuteten Richtung gegangen. Trotzdem ärgere ich mich immer wieder, dass ich den vermeintlichen Anschuss nicht vom Sitz aus angegangen bin. Wahrscheinlich hätten wir die Sau dann gleich gefunden....
Als ich den aufgebrochenen Keiler mit dem Bergegeschirr über den lehmigen Ackerboden schleife, wiegt er gefühlte zwei Zentner. Nachher, als er am Hacken hängt, zeigt die Waage 51 kg, und die Umlenkrolle des Flaschenzuges hebt erst den Tisch, an dem sie befestigt ist, an, bevor die Tischplatte in ihre Einzelteile zerlegt wird. Da muss mal wieder der Gartennachbar helfen: zu zweit hängen wir den Keiler auf, damit er endlich richtig auskühlen kann.
offline

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Sauschwarte

Sauschwarte

Alter: 54 Jahre,
aus Hannover
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Kommentare

14.10.2009 15:57 platzi
Weidmannsheil zum Keiler!
Spannend erzählt!

Servus

Diether
14.10.2009 18:36 Bender
Waidmannsheil, tolles Erlebniss !!!

Gruss Bender
16.10.2009 08:36 Sauschwarte
Waidmanns Dank an alle und Grüße Sebastian
Fortsetzung folgt...
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