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Sauennacht

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571 mal angesehen
14.10.2009, 12.27 Uhr

See-Sauen

Also langsam wurden mir die Hände kalt und die Arme lahm. Die Sauen vierzig Meter von mir entfernt auf der Wiese und ich konnte mich nicht entschließen…

In den vergangenen Tagen hatte ich beobachtet, dass hier am See in direkter Nachbarschaft zu einem verfallenden Wohnhaus die Sauen die Wiese im Saumbereich des angrenzenden Röhrichts für sich entdeckt hatten. Nach und nach arbeiteten sie sich auf die freie Fläche raus – höchste Zeit, hier mal einzugreifen. Auf Mond war man hier nicht wirklich angewiesen. Also entschloss ich mich, heute aktiv zu werden. Das besonders deshalb, weil nach dem sogenannten „Schladie“ (sch… langer Dienstag) ein Aufenthalt im Revier bei mir immer willkommen ist.
Wirklich eilig hatte ich es dennoch nicht, drehte erst noch eine Runde mit Kiro auf dem Rundwanderweg, damit auch er noch ein wenig Bewegung bekam. Auf dem Wanderweg vergrämte ich jetzt bestimmt kein Wild. Die kennen das, dass hier ewig Leute mit Hunden unterwegs sind und ignorieren die weitgehend…
Das Wetter war wechselhaft. Gelegentlich gab es einen kurzen Schauer während im nächsten Moment die Sterne blitzten. Einzig der frische Nordwind war etwas unangenehm.

Ich beschloss, Kiro nicht bei mir abzulegen sondern im Auto zu lassen. Das begeisterte meinen vierbeinigen Verbrecher nicht unbedingt. Aber da ich dort, wo ich hinwollte absolut ruhig bleiben musste und der Untergrund recht nass war, ich außerdem nicht wusste, wie lange ich durchhalten musste, wollte ich das Kiro nicht antun.

An der Ecke des verfallenden Gebäudes bezog ich Stellung. Hinter mir die Straßenbeleuchtung sorgte auf einem Teil der Wiese für gutes Licht, aber auch der Rest war gut zu sehen, da das Stadtlicht auch hier noch wirkte, vor allem bei tiefhängenden Wolken, die immer mal wieder durchzogen heute.
Ein Blick zur Uhr: 20:15 Uhr. Na mal sehen, ob hier heute was passiert. Vor mir lag die Wiese, einen viertel Hektar groß, rechts Schilf, in Verlängerung der Wiese eine Baumreihe, danach eine Pferdekoppel. Links von mir eine Plattenstraße, die direkt an mir vorbei führte. Daneben eine weitere Wiese mit einem Weidendickicht. Und genau daher erklang bereits das Gezanke von Sauen!
Mit dem Glas leuchtete ich die Weidenkante ab, aber die Bühne blieb leer. Im gleichen Moment aber knackte es halbrechts von mir sehr laut. Kaum hatte ich das Glas wieder oben, entdeckte ich im Schatten des Schilfes einen schwarzen Klumpen – eindeutig in Sauengestalt. Herz was willst du mehr…! Und das um noch nicht mal halb neun.
Was aber jetzt tun? Hier war guter Rat teuer. Erst mal warten. In den letzten Nächten hatte die Sauen immer Kurs zum Wohnhaus genommen. Wenn das heute auch so käme, würden die nahe genug kommen.
Ich hatte im Schatten des Hauses gute Deckung, der Wind war perfekt. Beinahe permanent hielt ich das Fernglas in der Hand, beobachtete das Geschehen. Doch die Sauen blieben am Schilfrand. Aber ich blieb geduldig, wollte nicht sinnlos irgendwas riskieren, zumal in dieser Richtung immer ein Schuss möglich wäre, während andere Richtungen zunehmend unsicherer wurden.
Aber erst mal wollte ich wissen, wie viele es da waren, nur einer, wie ich zunächst vermutete???
Der schwarze Klumpen zog ein ganz wenig nach links, blieb aber immer im lang gezogenen Schatten des Hauses. Aber dann tauchten rechts von ihm drei hellere Klumpen auf, vielleicht etwas kleiner, das mochte aber auch täuschen. Doch auch die blieben am Schilf. Ich setzte dauernd das Glas wieder ab, um die Hände zu entlasten – für den Ernstfall.
So deutlich, wie mein Adrenalinspiegel stieg, so sank meine Körpertemperatur in den Händen…

Ein Blick zur Uhr zeigte 22:00 Uhr - Oh Mann, jetzt musste aber was passieren. Langsam, ganz langsam pirschte ich die Rotte im Schatten des Wohnhauses an. Schritt für Schritt. Der Wind half mir jetzt sehr, schluckte viele Geräusche knisternder trockener Grashalme. So wie ich der Rotte näher kam, zog diese aus dem Schatten raus zur Plattenstraße. So ein Mist, da konnte ich nicht hinterher, wäre für die Sauen sofort auf der freien Wiese aufgefallen. Ich pirschte weiter im Schatten so gut es ging in ihre Richtung. Schließlich blieb ich stehen und wartete erneut, immer wieder einen Probeanschlag wagend. Die Entfernung betrug vielleicht 50 Meter, aber die Sauen waren zu nah an der Plattenstraße, die selbst um diese Zeit immer noch von Gassigängern genutzt wird. Es war zum Verzweifeln, die werden doch nicht etwa wieder ungeschoren davonkommen…???
Dann endlich zogen sie langsam in meine Richtung zurück. Zwischenzeitlich hatte ich ein älteres dunkles Stück und vier helle Stücke sicher angesprochen. Entfernung vielleicht 40 Meter, aber vor der Plattenstraße. Jederzeit konnten Fahrradfahrer oder Hundeleute auftauchen. Ein Schuss verbot sich für mich. Immer wieder setzte ich die Waffe ab, spürte die Finger kaum noch, die Arme schliefen mir ein, der Rücken verkrampfte und ich wurde langsam wütend.

Sollte ich es denn nun wagen? Ich kontrollierte noch einmal die Plattenstraße, lauschte, ob sich Stimmen näherten, Licht zu sehen war, Hunde jünzten – nichts. Und die Sauen standen sehr ruhig im Gebräch, nun keine vierzig Meter mehr von mir… Ich ging wieder in den Anschlag, kontrollierte die Rotte von der Plattenstraße beginnend nach rechts Richtung See. Und der letzte Hell-Schwarze stand für einen Augenblick so, dass ich mich sofort hinreißen ließ…

Die Bühne war leer. Am Anschuss fand ich etwas Schweiß und einen Knochensplitter… Ich war entsetzt. Im Schuss noch dachte ich, zu tief… Jetzt hätte ich mich ohrfeigen können, dass ich geschossen habe. Hier einen angebleiten Schwarzen, die Jagdgebietsgrenze keine 150 Meter weg, Leute bis zum Abwinken am nächsten Tag – für einen Moment war ich hilflos.
Erst mal Auto und Hund holen. Dann weitersehen. Eigentlich konnten die Sauen nur einen Weg genommen haben, um wirklich weg zu kommen. Und diese Stelle kontrollierte ich. Da waren die Fährten deutlich zu erkennen – und es waren nur vier Schwarzkittel, die hier durch waren. Also musste der beschossene noch in der Deckung liegen, die er zuerst annahm.

Kiro arbeitete die Wundfährte bis zum Einstieg in die Deckung, dann trug ich ihn ab und legte ihn ab. Mit der Taschenlampe suchte ich in dem Gesträuch nach Schweiß und fand an einem Baum erhebliche Schweißmengen abgestreift und auch getropft. Hier wurde mir klar, dass es eine Totsuche würde und ließ Kiro nun bis verendeten Überläuferbache arbeiten, die er dann auch ordentlich zauste….
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Kommentare

14.10.2009 13:03 Falk
Alles gut gegangen!
Waidmannsheil dazu!

Gruß Falk
14.10.2009 15:37 platzi
Weidmannsheil
Spannende Erzählung!

Grüße

Diether
14.10.2009 18:32 Bender
Hey Anser, Waidmannsheil zu Deiner Sau !
Bei mir sind sie nur im Bestand und lassen sich die Eicheln schmecken, dauert wohl nicht mehr lang bis sie auf die Wiesen ziehen ! Höre sie so oft, komme aber nicht ran, ist zum verrückt werden !

Gruss Bender
14.10.2009 18:55 Albjaeger
Waidmannsheil Anser,
lass mir noch eine übrig
20.10.2009 11:28 Hirschmann
Weidmannsheil zur "Haussau"!
20.10.2009 14:15 anser
Hirschmann schrieb:
Weidmannsheil zur "Haussau"!



Weidmanns Dank Euch,

heute geht´s wieder raus, Sauen momentan bis zum Abwinken, war gestern noch nach einer Versammlung nur mal nachsehen (ohne Ausrüstung... - da stand ich plötzlich auf 40 Meter vor Sauen, direkt an der Plattenstraße, kurz danach kam eine zweite kleinere Rotte ...

Also Weidmanns Heil für den hoffentlich bald spürbaren Mond...

anser
08.11.2009 21:53 ssquat
Sauen aktiv mit allen Sinnen pirschen oder stumpfe Maishaufenwache im Klohäuschen - die Weichen für die Zukunft sind wohl gestellt.
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