Zur mobilen Version wechseln »
Jagd-VideosCommunityMediadatenNewsletterFormulare & Vordruckejagderlebenlandlive.deANVISIERTPRAXISSERVICEMARKTJAGD-WETTERAPPSPirschunsere JagdNiedersächsischer JägerDer Jagdgebrauchshund
Erweiterte Suche »
UploadChatForenFotosFotoalbenVideosBlogsTermineMitgliederGruppenPartnersuche

Vergangenheit

(5 Einträge)

crop0021.jpg crop0020.jpg crop0002.jpg
516 mal angesehen
13.10.2009, 22.06 Uhr

Herbstfreuden auf weibliches Rehwild - Lehrstunden eines Jungjägers

Wie schnell doch die Zeit vergeht... mein zweiter Herbst mit Jagdschein... aber lest selbst:

Hessen sollte es wieder mal sein. Mitte Oktober war es schneller geworden, als einem lieb ist und schon begannen die Bucheckern in reicher Mast zu prasseln, die Blätter, sich zu verfärben und von farbiger Pracht im November zu künden.
Zum Ende des Jahres 2004 begann in Hessen die Forstreform und mir wurde das Glück zuteil, einen benachbarten Revierteil mit zu bejagen. Ein Wochenende reichte bei den dann sicher 800 Hektar bei weitem nicht aus…
Förster Sommer meinte, dass die Mitjäger im September bereits reiche Ernte unter dem weiblichen Rehwild gehalten hatten, aber ich wollte nicht verzagen und machte mich frohgemut auf zu meiner kleinen Hütte im Wald. Ich traute mir anscheinend zu, die Plätze zu kennen, an denen der "gemeine" Jäger nicht unbedingt jagt, weil die Ansitzmöglichkeit nicht mit großem Rundumblick gesegnet oder nur schwer zu erreichen sind.
Schon die Ansitze am Samstagabend sowie am Sonntag zeigten mir, dass das Revier nicht "leer geräumt" war und mit dem goldenen Wetter und den kühlen Morgen stieg meine Stimmung zusehends.
Sonntagabend zeigte mir ein Frösteln auf dem Heimweg zur Hütten an, was ich am kommenden Morgen bestätigen konnte: ein leichter Nebel sowie die entsprechende Temperatur hatte die Natur mit einer feinen Eisschicht überzogen. Traumhaft!
Die Luft ist so klar, so rein; die Sicht ist auch noch in finsterer Nacht nicht völlig eingeschränkt und man meint, man befände sich in einer anderen Welt.
Meinen zweiten Morgenansitz an diesen drei Frosttagen wählte ich wie so oft spontan. Wichtig ist mir dabei immer eine schnelle, unauffällige Erreichbarkeit.
Rechts und hinter mir eine Dickung Hang abwärts, vor mir Wiesen und Felder bis an die jenseitige Waldgrenze: so ließ es sich aushalten. Der Wind war mir ebenfalls hold und blies mir kalt, aber trotzdem in erfreulicher Weise ins Gesicht. Da traten auch schon links drei Rehe aus.
Ricke mit 2 Kitzen? Könnte Interessant werden. Aber die drei gönnten sich keine Rast und mir nicht das Glück einer genaueren Ansprache (Sehr geehrte Damen und Herren...) sondern verschwanden übers Feld im Dunkel des Waldes.
Aber da erschienen auch schon auf der anderen Seite drei andere Stücke und zogen auf der frischen Saat äsend in meine Richtung. Ricke mit Kitz und wahrscheinlich ein Schmalreh, welches wieder zur Familie gestoßen war. Hier wollte ich zugreifen und so machte ich meinen niegelnagelneuen .30-06-Repetierer startklar.
Fünf nach sieben war es, als das Kitz auf die Wiese vor mir zog. Absehen 4 zeigte mir eine Entfernung von ca. 90 m... da fand der Leuchtpunkt das Blatt und ich ließ den Schuss langsam kommen..... BAMMM... schlug die Büchse nach oben und machte mir damit einen Blick durchs Feuer unmöglich... schnell wieder angepeilt und... da steht ein Stück... das Kitz! …kann doch nicht... In diesem Moment machte es drei steife Schritte vorwärts, drehte sich um sich selbst und fiel um.
Ein tiefes Durchatmen und eine große Erleichterung kam über mich. Sauber erlegt. Zurücklehnen. Tief durchatmen. Gut!
Eine halbe Stunde später barg ich das Stück und versorgte es langsam und konzentriert. Der Schuss lag hinterm Blatt und war auf der Gegenseite ebenfalls hinterm Blatt ausgetreten.
Fein... wenn es doch immer so wäre....

Bei meinen Fahrten durchs Revier war mir eine große Brachfläche von diesem Jahr aufgefallen. Stoppeln mit Kamille und sonstigen "frischen Kräutern". Das musste das Wild doch magisch anziehen. Ein Abendansitz brachte die Bestätigung: Ricke und Bockkitz, Schmalreh mit Spießerböckchen, Ricke mit 2 Kitzen und ein weiteres weibliches Stück, ein spät kommender Bock, ein weiteres weibliches Stück... das reinste Eldorado!
Der Haken war nur: die Stücke standen in ca. 180 m Entfernung und da wollte ich nicht unbedingt hin schießen. Dazu wehte der Wind unfreundlich in genau diese Richtung. Ein zweiter Abend führte wegen größerer Beunruhigung dazu, dass die Rehe nicht nur weit sondern auch noch spät austraten. So konnte es nicht gehen.
Da kam mir die Idee, mich in einem jenseits der Brache liegenden Fichtenstreifen einzurichten.
Schon am kommenden Morgen packte ich einen alten Stuhl aus meiner Jagdbude sowie meinen Klappstuhl und fuhr zum Tatort.
Zwei schnelle Schnitte mit der Schere und ich hatte genügend Fichtenzweige zum Verblenden sowie ein wenig Platz für mich sowie Ausrüstung. Auf der Lehne des Stuhls wollte ich die Büchse auflegen.
Gespannt parkte ich am Abend weit abseits des erwarteten Geschehens und begab mich zu meinem kleinen Versteck. Mit dem Allerwertestes voran schob ich mich keilerartig in die bürstendichte Dickung ein und platzierte mich hinter dem verblendeten Stuhl auf meinen Hocker.
Gebückt saß ich da, mir im Klaren darüber, dass dies wohl mit einer Genickstarre enden würde, aber was nimmt man nicht alles auf sich...
Früh war es noch, aber sicher ist sicher. So bekam ich dann auch den kleinen Schwarm Mini-Fliegen mit, die irgendwie picken oder sonst was, penetrant unter den Hut kriechen wollen und überall kleine rote Flecken hinterlassen, die natürlich auch jucken... aber was soll’s...

Ansonsten war der Abend wunderbar ruhig und wenn alles so gekommen wäre wie geplant würden eine viertel Stunde nach Sonnenuntergang (gegen 18:15 Uhr) die ersten Stücke austreten.
Und manchmal gehen die Pläne auch auf und Diana meint es gut, ..... denkt man jedenfalls zu Anfang!
Fast auf die Minute trat rechts die Ricke mit den zwei Kitzen aus. Perfekt, dachte ich!
Dummerweise musste aber ein roter PKW vorbeikommen, der mir wieder eine leere Bühne bescherte.
"Macht nix" dachte ich mir, denn ich wusste, dass sie wiederkommen würden. Die Anziehungskraft der vielfältigen Kräuter war einfach zu groß.
In freudiger Erwartung vernahm ich plötzlich ein seltsames Geräusch... krrrrrr... krrrrrr.... krrrrrr...
Was war denn das?
Ein Sommer-Ski-Langläufer hatte sich den asphaltierten Feldweg direkt neben mir und angrenzend an der Brache zum Trainieren ausgesucht... oh man, warum an diesem Abend, an dem alles stimmte, sogar der Wind!
Aber man lernt ja, solche gräusligen Situationen zu meistern, denkt sich seinen Teil und muss auch unerschütterliche Ruhe bewahren, wenn so ein Mensch dann nicht einmal, sondern gleich dreimal diesen Weg hoch- und wieder runterrollt... Training muss sein! Was im Kopf selbst des anständigsten Jägers bei der dritten Runde des keine 30m an einem vorbeifahrenden Seniorensportlers vorgeht, ließe sich am besten mit Bildern beschreiben…
Mittlerweile wurde es fast sieben und ich wusste, dass es in Kürze zu dunkel sein würde für einen sicheren Schuss. Aber die Rehe waren anscheinend hungrig und kaum war das letzte krrrr… krrr…. in der Ferne verklungen, schon stürzten sie sich wenig später regelrecht aufs Feld. Hastig begannen sie zu äsen und zogen in ca. 100 m Entfernung parallel zu mir.
Ich meinerseits begann durchs Zielfernrohr zu peilen... uiuiuiuiii... ist das schon finster. Aber ich konnte die Stücke noch gut erkennen. Entweder ein Kitz oder das einzelne weibliche Stück.
Aber irgendwie wollte mir keines passend kommen. Entweder spitz, oder hinter einem Kamillebusch, oder... oder... oder... Ermattet setzte ich ab und dachte: Pech gehabt!
Eine Chance wollte ich mir aber noch geben und verschaffte mir einen Überblick mit dem Fernglas. Ja, vorne die Ricke, dahinter die 2 Kitze, dann das einzelne Stück.... vermutlich ein Schmalreh. Vielleicht klappt es besser mit der 12-fachen Vergrößerung?
Büchse auf die Stuhllehne, jetzt steht das Schmalreh frei... macht einen Schritt nach vorne... Blatt.... und BAMMM...
Der versuchte "Auge offen halten" war vergebens. Ich sah nur den großen Mündungsblitz.
Schnell das Glas hoch und... ja, da steht ein Reh, aber welches, da ein Kitz, hier noch eines, und...? Mein Herz fing an zu rasen. Hatte ich sauber getroffen? Lag das Stück? Würde ich es in der hereinbrechenden Dunkelheit noch finden? Hatte ich gar bei dem schlechten Licht ein falsches…
Aufgeregt und gleichzeitig konzentriert versuchte ich, die Lage zu überschauen. Jetzt wechselten Rehe von der Brache auf die Wiese vorm Wald... das waren Ricke und die 2 Kitze... die Ricke konnte ich klar an der noch gelblichen, weil nicht ganz verfärbten Decke erkennen. Am Waldrand verhofften die drei.
Die Unruhe lies mich nicht los und so stiefelte ich schon wenig später im letzten Licht über den Acker in die vorher gemerkte Richtung... die große Taschenlampe war vorsichtshalber dabei! Zum Glück standen die Kräuter gar nicht so dicht, wie es nun mal aus meinem flachen Blickwinkel so aussah. Nach ca. 90 m sah ich das Stück sehr gut sichtbar auf einer offenen Stelle liegen... puuuuhhhhhhh… es liegt!
Schien im Knall umgefallen zu sein... aber wo lag der Schuss? In Kammerhöhe oder hinter dem Blatt suchte ich vergeblich. Zu weit hinten - quasi mitten auf den Rippen fand ich den Einschuss. Der Ausschuss lag ein wenig weiter vorne. Was ein Glück, dass das Stück bei diesem Schuss offensichtlich sofort lag! Was ein Glück!
Und jetzt fiel mir die Großrahmigkeit des Rehs auf. Mann, ist das ein Tier!
Das Aufbrechen war nicht leicht, Schloss und Brustbein waren stark verknöchert; beim späten Blick in den Äser kam ich zu der Einschätzung, dass es sich sicher um eine über 6 Jahre alte Ricke handelte. Eine Alt-, eine Urmutter des hiesigen Rehwildbestandes. Ob sie tatsächlich gelt war, konnte ich nicht feststellen. Aufgebrochen wog sie 16 Kilo.

Und da soll doch einer sagen, herbstliche Jagd auf weibliches Rehwild ist nicht spannend… Waidmannsheil!

offline

Geschrieben von

Private Nachricht schreiben »

swinging_elvis

swinging_elvis

Alter: 44 Jahre,
aus Dubai
Anzeige

Schlagwörter

Bitte gib die Schlagwörter mit Komma getrennt ein.

Kommentare

13.10.2009 22:46 kammerjaeger
Schön beschrieben, Ansprechen als Jungjäger... und liegt es dann da... und ist es das richtige... pudummpudummpudumm geht die Pumpe.
14.10.2009 09:09 swinging_elvis
kammerjaeger schrieb:
Schön beschrieben, Ansprechen als Jungjäger... und liegt es dann da... und ist es das richtige... pudummpudummpudumm geht die Pumpe.

Du sagst es!!! Auch heute finde ich die richtige Bejagung des weiblichen Rehwildes im Herbst sehr schwer! Dann sehen sie in Winterdecke auch noch recht stark aus... jedenfalls bin ich heute vorsichtiger...! elvis
14.10.2009 13:30 Renevolution81
Feine Geschichte, die aus dem wahren (Jäger)Leben gegriffen ist Gibt es etwas schöneres als im bunten Herbstwald Strecke zu machen?
Waidmannsheil zur stimmungsvollen Story
14.10.2009 14:37 platzi
Super Erzählt. Ja auch die Jagd auf weibliches Wild (ohne Kopfschmuck kann Freude bereiten).
Vor allem wenn alles passt!

Von mir die 5!

Servus

und Weidmannsheil

Diether
Tipp für iPhone-Benutzer: Du kannst alle Kommentare durchblättern, indem du zwei Finger zum Scrollen verwendest.
Anzeige
Zum Seitenanfang