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murmelbaers Jagdblog

(9 Einträge)

222 mal angesehen
12.10.2009, 22.52 Uhr

Gamsjagd mal etwas anders

Sodala, jetzt bin ich wieder in heimischen Gefilden, zurück aus der Welt der "schwarzen Teifi".
Aber der Reihe nach.
Montag 15:00 Uhr, mein Jagdfreund fährt pünktlich vor und ich lade meinen Kram - man glaubt gar nicht, was man für zwei Tage Jagd alles wirklich unbedingt braucht - auf die Ladefläche des Pickups.
Ein Bussi noch für die beste aller Ehefrauen und ab geht's.

Es war ja nicht weit, eine Stunde gemütlicher Fahrt und wir standen an der Hütte. Rauftragen, einräumen, umräumen, Platz für den Hund zurechtmachen, Essensvorräte sicher verstauen und sich mit den Hüttengegebenheiten vertraut machen, war recht flott erledigt.
Bis zum Treffen mit dem Berufsjäger hat's noch gut Zeit, also erst einmal mit dem Hundel eine Runde um den bekannten oberbayrischen See (Spitzing), dann eine Halbe (des besseren Schlafes wegen, also rein medizinisch) in der Wurzhütt'n.
Am Abend dann ist der Berufsjäger vorbeigekommen um den nächsten Tag mit uns zu besprechen.

Abmarsch um 6:30 Uhr, mein Freund mit dem Kollegen und ich mit ihm.
Äh, so haben wir uns das nicht vorgestellt, wir wollten zusammen, so wie immer. Der Berufsjäger, ich nenn ihn mal Bertl, versicherte uns aber glaubhaft, das Gelände läßt eine Doppelpackjagd nicht zu, die Erfolgschancen wären zu zweit einfach geringer. Im nachhinein muß ich ihm recht geben.
Nach kurzer unruhiger Nacht - die Medizin ist auch nicht mehr wie früher - Frühstück, Hund gehen, Rucksack nochmal umpacken, waren die beiden Jagdführer auch schon da und nach Begrüßung und kurzer Lagebesprechung ist's auch schon losge(fahren)gangen.

Weit ist er gefahren der Bertl. Bayrisch Zell, Ursprungstal, Abzweig zur Sillbergalm und dann nur noch rauf auf Forst und Almwegen.
Irgendwann hat der Bertl gesagt, "hol mal dein Gewehr und unterlad es, da kann durchaus mal ein Gamserl im lichten Bestand stehn". War aber nicht, worüber ich nicht böse war, denn Gamsjagd, davon hatte ich immer noch die Vorstellung und auch schon ein paarmal so erlebt, ist doch eigentlich nur die mit den weiten Gamsen im steinigen Kar, mit dem langen und sorgfältigen Ansprechen durch den Führer und dann dem schwierigen weiten Schuß über Kar und der Gams purzelt mit sauberem Blattschuß und bleibt endlich an einer Latsch'n hängen.

Ja, eigentlich, aber nur eigentlich!
Na gut, auf einer Alm das Auto abgestellt, Rucksack und Gewehr geschultert und los zu einer Wetterfichte von wo aus man in einen recht weiten Almkessel einschauen kann. Da sollten sie sein, eigentlich!
Bis auf einen balzenden Spielhahn (Herbstbalz) dessen grugeln recht deutlich zu hören war, war kein Geräusch und auch keine Bewegung aus zu machen (Alleine der Spielhahn war, ich hab sowas noch nie gehört, schon ein beeindruckendes Erlebnis).
Änderung der Strategie - wir müssen weiter nauf.
Also los. Die ersten paar Höhenmeter gehen ja noch recht gut, aber recht schnell geht der Schnauf doch schon heftig. Aber irgendwann ist man oben und kann, wartend und hoffend, daß die Gams doch noch übers Gratl wechseln neue Kräfte sammeln.

So um 9:30 dann wechselt der Wind (vom mogendlichen Fallwind zum Aufwind)und weiteres Warten ist sinnlos.
Vieleicht san's auf der anderen Seit'n, geh ma nauf auf's Gratl, probier'n müß ma's. Na gut, ich wollt a Gams schiessen, also muß ich da rauf.
Der Grat war dann wirklich ein solcher, recht schmal und nach hinten ist's ganz schön gaach (steil, so locker mal 100%Neigung) runter gegangen.
Ich hab dann ein paar Meter Abstand gehalten und den Bertl vor gelassen, denn er kennt sich aus und ich tät die Gamsen eher vertreten bevor ich sie sehen tät.
Nach kurzer Zeit seh ich den Bertl angestrengt nach unten spekulieren und schon zischt er, mach dich fertig. Okay, so leise wie es geht eine Patrone repetiert und vor zum Jager und schon hab ich sie flitzen gesehen die "schwarzen Teifi".

Immer schön gedeckt durch Fichtenzweige ist das Scharl auf einem Wechsel hin und her. Sie haben was gemerkt, aber durch den guten Wind haben sie nicht gewußt was los ist, daß wir da oben sind.
Geiß, Kitz, Kitz, Jahrling, Kitz Geiß. Du hast's gesehen, aber so wirklich was, wo, wann war einfach nicht aus zu machen.
Endlich, ein Jahrling wechselt langsam durch. " Wenn er da zwischen die Bäum stehen bleibt, schieß ich". Ein kurzes Kopfnicken bestätigt mich.
Mich schon, aber net den Jahrling. Der fetzt wie der Teufel über die freie Stelle.
Plötzlich steht, nur Träger und Haupt frei, ein Jahrling auf dem Wechsel. Schon ist er raus der "böse" Trägerschuß. Das Echo hat noch nicht angefangen hab ich schon repetiert. Das Gamserl steht, schaut irritiert und springt putzmunter nach unten ab.

Himmiherrgottsakrament, daneben!!
Sekunden später steht an der selben Stelle ein weiteres Gamserl, net groß, net klein, des passt und es zeigt ein bischen vom Blatt - Bumm.
Den Gams reißt's und fort ist er.
Was mir und auch dem Bertl für Gedanken durch den Kopf gingen, brauch ich wohl nicht beschreiben. " 'Troffen hast, des is g'wiss, aber was war's denn, wo hast'n troff'n". Antworten hätt's viele gegeben, aber verwettet hätt ich keinen Cent auf die Richtigkeit.
Aber nach meiner Ansicht war's ein Jahrling und den Schuß hat er auf's Blatt. Wie gesagt, keinen Cent hätt ich drauf gesetzt.
Dann ist er runter, der Bertl, zum Anschuß. Die Steine sind wirklich den Hang runtergekollert als der Ruf kam, "Schweiß, guter Schweiß".
Daß ich in den Hang eigentlich gar nicht einsteigen wollte hab ich total vergessen. Schneller als erlaubt war ich unten, nicht ohne ein paarmal unsanft auf losen Steinen ab zu rutschen.

Ja, da war er, Lungenschweiß, der Gams liegt.
Kurze Zeit und noch ein paar saftigen Rutschern später war ich bei meinem Gams. Alles hat gepasst, der Jahrling, der Schuß - ich war, ja was eigentlich. Froh daß vom Schuß alles gepasst hat, daß bis dahin keinem von uns was passiert ist und stolz auf das mit breitem Grinsen vorgebrachte "Waidmannsheil" vom Bertl.
Schnell war der Gams versorgt, im Rucksack verstaut - nein, nicht in meinem, da hätt's mich wahrscheinlich wirklich noch ernsthaft geschmissen beim weiteren Abstieg. Als Ausgleich hab ich aber Bertl's Gerödel in meinen Rucksack gepackt und das runtergeschleppt.

Ich mach es kurz jetzt, ist eh schon lange geworden. Die Rucksäcke haben wir in einer Baumwurzel versteckt und sind die weite Strecke um den Berg rum zum Auto gegangen (die Gewehre hatten wir freilich schon mit), und sind dann unsere Beute abholen gefahren.
Nein, so hab ich mir Gamsjagen nicht vorgestellt. Kein Kar, kein langes Spekulieren, kein weiter Schuß.
Doch, auch so macht Gamsjagern Spaß, viel Spaß sogar. Ich hab bis dahin nur nicht gewußt, daß das auch Gamsjagd ist. Spannender, aufregender und vielleicht auch anspruchsvoller als die Jagd im Kar. So mag ich's nochmal haben.

PS: Mein Freund hatte auch weidmannsheil. Klassisch im Kar konnte er auf gemessene 190 m eine gut 10jährige Geiß erlegen. Er war auch mindestens genauso stolz über seine Jagd wie ich.
Wir schmieden schon Pläne für's nächste Jahr.
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murmelbaer

murmelbaer

Alter: 70 Jahre,
aus unterm Arber
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Kommentare

12.10.2009 22:57 Johannes06
Waidmannsheil!

Gruß
Johannes
13.10.2009 07:36 SauerlaenderJung
Schön geschrieben, hab jetzt noch Schweißperlen von Aufstieg auf der Stirn, kam mir beim Lesen so vor als sei ich hinter dir und Bertl hergelaufen! 5 *

Ach und natürlich Weidmannsheil!
13.10.2009 10:59 platzi
Weidmannheil auch von mir zur Gams!
Servus

Diether
13.10.2009 11:24 Bender
Waidmannsheil zu Deiner Gams !!

Gruss Bender
13.10.2009 14:41 stauernjager
Waidmannsheil!
Is scho wos schöns, des Gams jagern!
Spannend geschrieben = 5*

stauernjager
13.10.2009 18:23 Keiler
Waidmannsheil zum Gams u. Bericht

Grüße Keiler

02.12.2009 15:28 hunter1221
super 5 punkte
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